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Hamsterrad

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1

Montag, 9. April 2007, 22:39

Ein erstes Hallo / wie ein Hamster im Laufrad

Ein herzliches Hallo

Beim Durchlesen einiger Beiträge sind mir Tränen gekommen. So viel Leid in unsere Köpfen!!! Ich wusste schon, dass ich mit meiner "Hirnverkrampfung" nicht alleine bin. Wenn man es dann allerdings so schwarz auf weiss zu lesen kriegt, tut's mir einerseits gut, weil ich mich dann damit nicht alleine fühle. Andererseits erschreckt es mich. Ich dachte bis jetzt, ich hätte wohl die perfidesten Zwangsgedanken. Eure können aber durchaus mithalten ! :-)

Werde dieses Jahr 30. Angefangen hats bei mir so richtig vor 2 1/2 Jahren. Vorher kannte ich zwanghafte Gedankenwiederholungen während stressigen Zeiten im Studim. Da sind mir teilweise Sätze, die ich lernen musste, nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Ist aber wieder von selbst verschwunden.

Vor 2 1/2 Jahren habe ich meine jetzigen Partner kennengelernt. Er muss irgendwas bei mir angekickt haben. Angefangen hat es, indem ich mir nicht mehr genau vorstellen konnte, wie mein Partner aussieht. Habe also Stunden damit verbracht, mir sein Gesicht abzurufen, meist ohne Erfolg. Dasselbe mit anderen Personen. Obwohl es mir so penlich war, hat mich der Leidensdruck zur Therapeutin gebracht. Sie arbeitet u.a. mit dem Werkzeug Familienstellen. Habe schon etliche Stellseminare besucht und schon einige Einblicke bekommen. Weiss nun jedenfalls, woher diese Neigung kommt, welchen Familienmitgliedern ich dies "abnehme" / übernehme. Es geht jetzt darum, diese Bürde endgültig wieder zurückzugeben. Nur bis jezt hats noch nicht funktioniert. Es nervt mich, mir immer wieder zu sagen "warte bis zur nächten Sitzung / nächsten Seminar / nächster was auch immer", dann wirds bestimmt besser.
Irgendwann war das Bildersuchen zu Ende. Stattdessen beschäftige ich mich mit irgendwelchen Sätzen. Wenn ich was nicht verstehe, bleibe ich dort hängen und muss es dann irgendwie zusammenbaseln. Habe ich dann einigermassen Ordnung reingebracht - siehe da: das Nächste Chaos wartet schon...

Wenns ganz schlimm ist, denke ich, ich schaff das keinen Tag mehr. Ich weiss gar nicht, wie dies schon so lange gehen kann und ich lebe immer noch. Die Nacht (falls ich schlafen kann) ist meine einzige Ruhepause. 90% des Tagesbewusstseins bin ich dann entweder voll in diesen Zwängen oder ich versuche sie zu ignorieren / mich rauszureissen / aktiv zu sein. Dann spüre ich fast schon körperlich ein Sog, ein Ziehen, wie eine Sucht, da wieder einzugehen. Ein Seilziehen, bis ich wieder nachgebe und reingehe.
In heftigen Zeiten macht es mich dermassen müde, von Schlafen aber keine Rede, wäre ja Kontrollverlust.
Momentan bin ich krank geschrieben, werde wohl auch bald die Stelle künden. Nicht nur wegen den Zwängen, die Arbeit hat mir nie gefallen. Einerseits ist jetzt der Druck weg, funktionieren zu müssen. Andererseits habe ich mehr Raum und die Gedanken können sich ausdehnen.

Fragen habe ich eigentlich keine. Trotzdem freut mich jeder Beitrag von Euch!

2

Dienstag, 10. April 2007, 23:06

Hallo,

einige Deiner Probleme kommen mir bekannt vor, nur das ich im Augenblick noch nicht in Therapie bin. Bin dieses Jahr 30 geworden und hatte bzw. habe damit z. Teil schon so meine Probleme zumal mein Freund und unsere gemeinsame Clique alle 2-5 Jahre jünger sind.
Kennst Du das auch, das du das Gefühl hast, dir selber zuzuschauen?

Im Augenblick habe ich eine der schlimmsten Phasen. Bei mir stellt mein Freund ein großes Maß an Sicherheit dar. Ich habe bei meinen Eltern schon lange nicht mehr oder evlt. nie das Gefühl von Sicherheit erfahren. Ich hätte auch einen Bruder, der 11 Monate älter ist als ich und bei der Geburt leider verstorben ist. Durch Familienstellen hab ich auch schon mal rausgefunden, das ich versuche in dessen Fußstapfen zu tretten.
Dazu kommt, das ich leider recht sensibel bin, aber mittlerweile versuche das zu verstecken, da ich nicht damit leben kann. Dann fresse ich viel in mich hinein und raus kommen dann diese Gedankenzwänge.

Wie geht es Dir sonst in Deiner Beziehung? Du hast geschrieben, das Dein Freund da evlt. was ausgelöst hat?

SG

Roflo

Hamsterrad

unregistriert

3

Mittwoch, 11. April 2007, 09:59

Hallo

Das Gefühl, dass ich mir zuschaue, kenne ich in Ansätzen. Es ist aber mehr ein neben mir stehen, ist jedoch nicht sehr unangenehm für mich. Heute gehts mir etwas besser. In der Beziehung gehts mir gut. Mein Partner kommt heute wieder heim, war 2 Nächte weg. Wir haben das ausprobieren müssen, da er nicht mehr wusste, wie er mit meinem Leid umgehen soll. Ist für einen Partner wohl sehr schwierig einfach zuzusehen. Die Gedanken wollen mich immer noch ständig reinziehen, aber ich will bei diesem schönen Wetter trotzdem raus. Heute scheinen meine gesunden Anteile stärker zu sein.
Kennst du die Aussage, wir erschaffen uns unser Leid selbst? Das heisst ich kreiere mir meine Zwangsgedanken selbst, um das Leben selbst zu verhindern. Es ist eine riesengrosse Angst, ein Weglaufen vor der eigenen Wahrheit. Oft werde ich wütend, wenn mir mein Arzt und Begleiter solche Sachen sagt. Dennoch habe ich dann die ganze Verantwortung bei mir und kann kein Opfer irgendwelcher Umstände sein. Auch alle Analysen, woher das kommt, sind dann unwichtig.

Liebe Grüsse
Hamsterrad (Susanne)

4

Mittwoch, 11. April 2007, 14:58

Ich bin mein schlimmster Feind, das war jahrelang mein Motto. Darüber bin ich eigentlich weg, aber anscheinend stehe ich immer noch drauf mich selbst kaputt zu machen.
Wie bei Dir, ist es bei mir heut auch besser. Vielleicht liegt es ja am Mond

Ich kann mich jetzt nicht mehr daran erinnern, aber machst Du eine Therapie? Ich glaub ich fang jetzt dann an, den ich gehe sonst daran kaputt.
Meinem Freund kann ich mich da im Augenblick nicht so ganz öffnen, da er zur Zeit eine Schule für Techniker besucht und die ganz schön heavy ist, und er sich dann sonst brutale Sorgen machen würde.
Wie ist es da bei Dir, unterstützt Dich Dein Partner?

SG
roflo (rosi)

Hamsterrad

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5

Mittwoch, 11. April 2007, 20:46

Genau, sein schlimmster Feind sein. Ich habe da einige passende Bilder für dieses kranke Verhalten: ich mache mir selbt immer wieder Knüppel in den Lebensfluss, die Gedankenzwänge sind also ein Lebensverhinderer (irgendwas am Leben muss also so schrecklich sein, dass ich mir noch Schrecklicheres kreiere, hä???? irre...).
Auf der Leitung stehen / mit angezogener Handbremse durchs Leben fahren.
Meinen Partner musste/wollte ich einweihen. Mein Leiden war ja nicht zu übersehen und mich immer zusammenreisse mochte ich nicht. Es hat aber schon Überwindung gekostet, da mir die Sache peinlich ist. Zudem ists ja kein Beinbruch, der mit blossem Auge zu erkennen ist. Geistige Leiden sind meiner Meinung nach die Übelsten. Ein Beinbruch, okay, kann man sich sagen, wird in einigen Wochen geheilt sein. Ein geistiges Leck aber, tja...
Therapie mache ich schon über zwei Jahre. Allerdings keine Psychotherapie. Meine Therapeutin arbeit insb. mit Familienaufstellungen. Gehe aber auch oft nur zu Einzelsitzungen hin. Sie ist echt gut, durch ihre Hellsichtigkeit kommt man recht schnell voran, obschon ich 2 Jahre lang finde.
Du sagst, du hättest dass mit dem "sein schlimmster Feind" sein überstanden?

Ich wünsche dir eine gute nacht und dass jeder Tag besser wird
Susanne