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Sonntag, 8. Juli 2007, 19:00

Angst, lesbisch zu sein

Meine Psychiaterin hat mich total verunsichert. Sie meinte, ich habe keine Zwangsgedanken. Vor ca. 7 Jahren aber diagnostizierte damals ein Psychiater Zwangsgedanken bei mir. Ich bildete mir damals ein, lesbisch zu sein, obwohl es nie eine Grund dafür gab. Ich war noch nie in eine Frau verliebt oder wollte was von einer Frau. Immer nur von Männern. Ich schwäre von Männern und werde gerne von Männern beachtet. Mir fällt auf, dass wenn ich gerade auf einen Mann total stehe und nervös bin, ob er auch auf mich steht, dann kann es passieren, dass diese Gedanken auf einmal mit einem Klick wieder da sind. Vor 7 Jahren kam das das erste mal, als ich nach einem Gespräch mit einer Freundin über Beziehungen, die scheiterten (mit meinem Freund machte ich damals Schluss) daheim durch den Park ging. Ich dachte über alles nach und dachte mir, vielleicht wäre es besser, lesbisch zu sein. Plötzlich ronn es mir kalt und warum über den Rücken und ich bildete mir ein, lesbisch zu sein! Ich traute mich keine Frauen mehr im Fernsehen anzuschauen, keine Bilder, ging nicht mehr auf die Straße, es war furchtbar! Dabei gab es gar keinen Anlass! Ich war nie verliebt in eine Frau, hatte nie sexuelle Handlungen mit Frauen gemacht, wollte das auch nie. Ich "musste" es mir immer vorstellen und war völlig fertig dabei. Ich wollte so sein, wie vorher. Wenn ich in eine Disco hingehe, welche Männer gibts dort, welcher sieht mich an, usw. Ich wollte wieder so sein. Die Medikamente vom Arzt halfen gott sei dank, es war wieder alles im Lot. Ich hatte dann wieder einen Freund, aber nicht die große Liebe. Machte nach ca. 3 Jahren Schluss mit ihm. Ich verliebte mich in einen Mann, der mich auf der Straße ansprach. Der hatte MS. Als er deshalb ins Spital kam, war ich völlig fertig. Ich glaubte plötzlich, nicht mehr in ihn verliebt zu sein. Ich vermisste dieses schöne Gefühl und war so fertig. So, wie ich bei diesen Zwangsgedanken fertig war. Dachte aber in keinster Weise an lesbisch. Bekam Medikamente, war wieder gut. War wieder total verknallt, wie ich ihn traf. Küssen war wunderschön. Leider war er nicht verliebt in mich, das sagte er mir auch. Ich kam darüber hinweg. Hatte nicht viel später was mit einem jüngeren Mann. War schön, aber nur eine Affäre. Vor ca. 1 1/2 Jahren lag ich daheim im Bett, die Nachbarn lärmten so stark. Es machte mich fertig. Plötzlich überkam mich dieses beängstigende Gefühl wieder. So, wie bei diesen Gedanken. Plötzlich war es wieder da! Ich glaubte wieder, "anders" zu sein. Einfach, weil das genau dieses Gefühl war. Es war furchtbar. Wieder Medikamente, wieder gut. Heuer im April wurden die Medikamente abgesetzt. Ich freute mich bis vor kurzem auf meinen Urlaub in 2 Wochen. Ich hatte an diesem Urlaubsort, wo ich wieder hinfahre, einen Mann kennengelernt, der mir besonders gut gefiel. Ich habe ihn nur geküsst, mehr war nicht. Er hat immer gesagt, er kommt mich besuchen, hat er aber leider nicht getan. Meine Freundin wollte heuer unbedingt wieder dorthinfahren. Ich sah dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Die letzten Wochen machte ich mir dauernd Gedanken, was wohl wäre, wenn der wieder dort auftaucht (wohnt dort, ist mit dem Pensionsbesitzer befreundet) und vielleicht eine Freundin mitbringt. Da fällt mir sicher die Lade runter vor Enttäuschung. Ein bisschen hoffte ich ja doch ... Und plötzlich, diese Woche überkam mich wieder dieses beängstigende Gefühl. Genauso wie vor 7 Jahren. Ich habe wieder diese Gedanken, lesbisch zu sein. Furchtbar! Ich will das nicht sein! Mir haben immer Männer gefallen und ich will nicht, dass ich vielleicht mich mal in eine Frau verliebe! Ich habe jetzt Medikamente bekommen und die werden hoffentlich bald wirken. Momentan gehts mir nicht so gut, ist aber immer am Beginn der Einnahme. Ich habe Angst vor dem Leben! Was ist, wenn mir das immer wieder passiert? Was ist, wenn ich gerade mit meinem Traummann zusammen bin, und das passiert? Was ist, wenn ich gerade mit einem Mann schlafe und mir passiert das?
Es war echt schon so schlimm, dass ich nicht mehr leben wollte, aber doch zu feig, mich umzubringen.
Jetzt hat mich auch noch meine Psychiaterin verunsichert, weil sie meinte, das sind keine Zwangsgedanken. Sie hat mir erklärt, dass in jedem von uns beides steckt. Ja bitteschön, das weiß ich doch. Ich bin mittlerweile 31 Jahre alt, begonnen hat das ganze mit ca. 23 oder 24 Jahren, das weiß ich nicht mehr so genau. Vorher hatte ich das in keinster Weise. Meine Psychiaterin meint, ich sollte eine Psychotherapie machen, von irgendwoher kommen ja diese Gedanken. Ich habe Angst, dass bei so einer Psychotherapie wieder alles "hochkommt" und ich diese Gedanken wieder habe.

KANN MIR JEMAND SAGEN, WAS DAS NUN IST???????

Liebe Grüße

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Sonntag, 8. Juli 2007, 20:16

Ist ja eine bittere Geschichte die du da erzählst. Ich kenne auch die Gedanken homosexuell zu sein. Auch das verstecken daheim. Nichts kann man mehr machen. TV, Zeitschriften, Radio, Weggehen...überall wird man damit konfrontiert und man vergleicht. Muss dazu sagen dass die Zwangsgedanken sich bei mir immer abwechseln dabei aber immer irgendwo um meine Beziehung schwirren.
Obwohl ich das akute Problem "Zwangsgedanke" erst seit ca. 2 Jahren habe, hört sich für mich deine Geschichte doch sehr nach einer Zwangsstörung an. Warum ist deine Psychiaterin denn so überzeugt das es keine Zwangsgedanken sind? Hattest du auch schon Zwangsgedanken in einer anderen Richtung? Warum hast du die 3 jährige Beziehung beendet? Gingen dir da auch so Gedanken im Kopf umher? Was heist er war nicht die große Liebe? Und scheint mir so ( ist nur meine Meinung ), als würden sich bei dir auch die Zwangsgedanken um Beziehungen und Partnerschaft drehen. Sind das alles Abwehrreaktionen um keine Nähe zulassen zu müssen?
Gruß Toschi

3

Sonntag, 8. Juli 2007, 20:27

Danke Toschi für deine Antwort. Ich habe auch deine Geschichte gelesen. Ich sah, dass ich nicht alleine mit dem Problem bin. Bekommst du eigentlich auch Medikamente? Bei mir halfen die zum Glück immer, sonst wäre ich wahrscheinlich schon durchgedreht. Zwangsgedanken in eine andere Richtung hatte ich noch nie. Einmal gings mir eben auch so schlecht, weil ich in einen Mann total verliebt war und die Verliebtheit weg war, nachdem er wegen MS ins Spital gekommen ist. Ich dachte mir, ich sei wegen seiner Krankheit nicht mehr in ihn verliebt. Ich bekam Medikamente. Es ging mir wieder besser. Ich traf in und war wieder volle verliebt in ihn. Er leider nicht in mich, das sagte er mir auch. Das traf mich damals aber ich habs überwunden. Ja, anscheinend dreht es sich immer bei mir um Beziehungen. Immer, wenn ich grad einen Mann irgendwie im "Visir" habe, kanns passieren, dass diese Gedanken kommen. Wenn ich mit einem Mann zusammen war, kamen mir diese Gedanken gott sei dank noch nie. Die dreijährige Beziehung habe ich beendet, weil ich eigentlich nie so wirklich verliebt in ihn war. Hatte aber schon Sex mit ihm, war aber nicht so erfüllend. Hatte schon Sex mit anderen, auf die ich total stand, das war ganz anders. Aber ich bin nicht die einzige, die eine wenig erfüllende Beziehung hatten. Da gibts auch andere. Auch in meinem Freundeskreis. Die sind noch viel länger in so einer Beziehung. Das ist eigentlich nichts ungewöhnliches. Nein, die Gedanken waren damals überhaupt nicht der Grund, dass ich die Beziehung beendete. Die hatte ich damals nicht. Aber ich habe jetzt Angst, dass das mal auftreten könnte, wenn ich mit wem glücklich zusammen bin. Verstehst du? Irrsinnige Angst ...

Aber wir werden es doch schaffen. Siehst eh, wir sind nicht alleine mit unserem Problem.

Liebe Grüße

4

Sonntag, 8. Juli 2007, 20:56

Hallo Mucki

Wenn du meine Geschichte gelesen hast ( gibts ja mehrere hier im Forum ), dann weißt du ja auch das ich ein sehr großes Problem mit meiner Freundin habe und auch schon immer hatte. Für mich war sie die große Liebe und ich wusste, dass ich immer mit ihr zusammen sein möchte und auch sein werde. Ich habe mir nie Gedanken gemacht ob sie die Richtige ist, weil es einfach irgendwo so wahr. Dann panikartig der Gedanke ich würde sie nicht lieben.
Mir geht es "gut" wenn ich mich nur um mich selbst kümmern muss. Dann kann ich vor mich hinleiden. Ich jammer zwar das ich eine Freundin möchte, aber bevor es um den Kampf geht, habe ich schon aufgegeben. Ist ein wenig anders als bei dir ich weiß, aber dennoch gibt es irgendwo Ähnlichkeiten. Ich glaube ich kann einfach keine Nähe zulassen, warum auch immer. Ist bei dir ja vielleicht genau so nur lebst du es anders aus.
Ja ich nehme Medikamente. Paroxetin 40mg/Tag. Seitdem hat sich schon einiges verändert, aber die Gedanken spuken immer noch in meinem Kopf umher, nur sind die körperlichen Auswirkungen anders als früher. Und somit ändert sich natürlich auch wieder die Psyche. Ich weiß zum Beispiel das ich meine Freundin liebe. Aber ist sie auch "die große Liebe". Was passiert wenn ich sage "ich liebe sie nicht", dann muss ich doch das Gefeühl des lügens in mir spühren, was ist wenn nicht...? Auch heute noch stelle ich mir diese Frage und dreh oft total dabei durch, aus Angst es kommt das Gegenteil dabei heraus.
Als ich auf die Gedanken "bin ich schwul" gekommen bin, war meine Freundin nur noch ein Testobjekt ob ich schwul bin oder nicht. Das ist wirklich schrecklich.
Ich habe erfahren, dass ich nicht nur unter Zwangsgedanken, sondern auch an einer schweren Depression leide, und das wohl schon seit einer ganzen ganzen Weile. Ich denke, das hängt sowieso miteinerander zusammen. Das du deine Zwänge immer mal wieder aus der Welt geschaft hast ist ja schonmal was. Es sieht aber eben danach aus, also könntst du sie irgendwo "vergessen/verdrängen", es braucht dann aber nur wieder den "richtigen" Schupps und schon geht alles wieder bergab.
Begeb dich in Therapie und hab auch keine Angst davor. Im Augenblick bist du alleine, hast also diesbezüglich zur Zeit keine Verantwortung. Egal was bei der Therapie raus kommt, du wirst damit leben und auch glücklich damit werden. Selbst wenn du lesbisch währst, was du aber ganz sicher nicht bist, dann wirst du damit klar kommen und auch glücklich damit sein. Ich weiß das ist leicht gesagt. Ich kann auch mir leicht diese Aussage aufschreiben oder sagen, aber umsetzten kann ich sie nicht.
Aber zur Zeit bist du ja eine tickende Zeitbombe. Dein nächster Freund (solltest du ihn überhaupt als solchen nehmen) wird doch gleich als Experiment verwendet "hoffentlich kommt nicht dieser schlimme Zweifel meiner Sexualität". Gönn dir selbst die Wahrheit, wenn ihr sie finden könnt, was ich dir wünsche. Und hab keien Angst vor der Therapie.
Gruß

5

Montag, 9. Juli 2007, 14:45

RE: Hallo Mucki

Hallo Toschi!
Das tut mir auch alles sehr leid, was bei dir da abläuft. Ich glaube auch, dass du da in einer richtigen Depression drinnen bist. Ich denke, dass wenn du schwul wärst, du dir schon längst einen Freund gesucht hättest. So ähnlich wie dir, ist es mir mal mit jemandem ergangen. Ich war nicht zusammen mit ihm, aber total verliebt. Der hatte Multiple Sklerose. Als er deshalb ins Spital kam, hatte ich plötzlich irrsinnige Angst, ich könnte deshalb nicht mehr verliebt in ihn sein. Ich war mit dem noch nicht zusammen, hatte ihn noch nicht einmal geküsst. Aber einfach diese Gedanken machten mich fertig. Ich bekam Medikamente und es ging mir wieder gut. Ich traf den Mann wieder und wir küssten uns und es war wunderschön. Leider war er nicht in mich verliebt und das sagte er mir auch. Ich kam aber irgendwie darüber hinweg. Damals stellte ich mir aber nicht die Frage, ob ich lesbisch bin. Es war aber das gleiche seelische und körperliche Leid, dass ich schon erfuhr, als ich diese Gedanken, ich könnte lesbisch sein, hatte. Bisher war es immer so, dass ich diese Gedanken nie hatte, wenn ich mit einem Mann zusammen war. Gott sei dank.
Vielleicht bekommst du einfach nicht das richtige Medikament? Hast du mit deinem Arzt schon darüber gesprochen, dass diese Gedanken immer noch da sind? Bei mir sind die mit den Medikamenten immer komplett verschwunden. Ich nahm/nehme Seropram bzw. jetzt Citalopram (ist aber dasselbe). In Therapie werde ich mich jetzt begeben, das mache ich ganz sicher.
Danke für deine aufbauenden Worte, ich wünsche dir auch alles Gute und hoffe, dass wir beide bald wieder ein ganz normales Leben führen können.
Viele, liebe Grüße