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loghorst

unregistriert

1

Dienstag, 8. Juni 2004, 00:39

Ohne Zwänge was ist das? Kann das jemand sagen der keine oder nur noch wenige Zwänge hat.

Mich würde interessieren, ob es jemand gibt der sein Zwänge (alle Sorten die hier vertreten sind) überwunden hat und dies hier ließt,

kann er sich trotztdem noch auf dieses Thema einlassen und damit beschäftigen?

und wenn nicht warum?

und wer sie fast überwunden hat, wie lange und in welchem Zusammenhang wurde wieder damit begonnen.

Und wie hat sich seine Zwangsfreiheit angefühlt?
welchen Einfluss hatte dies auf sein Leben?

und wenn jemand zu seinen Zwänge zurückgekehrt ist wie denkt er jetzt über diese ehemalige Zwangsfreiheit.
wie weit ist er von Dingen oder seinen Gedanklichen Inhalte und Ehrfahrungen jetzt weg die sich während seiner Zwangsfreiheit ergeben hatten? Sind sie zugänglich?

Noch Erinnerbar?

2

Dienstag, 8. Juni 2004, 17:27

Hallo!

Ich denke zwar noch nicht, dass ich die Zwänge überwunden habe, aber ich bin doch sicherlich schon ein großes Stück weitergekommen.

Ich weiß nicht, ob man von Zwängen überhaupt wieder befreit werden kann, ich denke eher nicht, aber das wäre sicher eine Frage zum Diskutieren...

Jedenfalls danke für deinen Beitrag!
Lieben Gruß,
dein Dennis

3

Mittwoch, 9. Juni 2004, 12:48

RE: Ohne Zwänge was ist das? Kann das jemand sagen der keine oder nur noch wenige Zwänge hat.

hallo loghorst!

ich hab seit ungefaehr anderthalb jahren gedankenzwaenge. am anfang hab ich leider nicht gemerkt, dass es sich um eine stoerung handelte, und dachte nur, dass ich mir zuviel den kopf zerbrechen wuerde... immer wieder zum selben thema zurueck (eine maedchengeschichte). das kann schon mal passieren aber die grenzen sind fliessend und ehe man sich versieht, sitzt man...schwupp... in der tinte...

ich hatte seitdem ein paar kurze zwangsfreie phasen (groessenordung: tage bis eine woche), aber nur durch die bestaetigung von anderen menschen, da ich selbst nicht mehr weiss was ich mir glauben kann.... diese phasen haben sich sehr erleichternd angefuehlt, sind aber truegerisch gewesen, da sie mit einer wirklichen loesung (=losloesung) des problems leider nichts zu tun hatten. auch wenn ich mich befreit fuehlte, so mochte ich mich immer noch nicht wirklich besonders gut leiden). unter dem thema gedankenzwang hab ich eine antwort von einem psychologen auf mein problem gepostet, kannst sie dir ja mal anschauen. da steht drin wie man wieder frei wird.

ist nicht so einfach, aber ich denke es ist der einzige weg. der zwang, egal in welcher form, ist wohl neben einem zu niedrigen serotoninspiegel auch ein ernstzunehmendes signal reifer werden zu muessen, und loslassen zu koennen. nicht staendig nach sicherheit zu suchen, sondern, und das ist meiner meinung nach wichtig:

mit zweifeln leben zu koennen, so verstoerend und verunsichernd sie auch sein moegen. darin liegt groesse, und das muessen wir lernen, den dingen ihre wichitigkeit aberkennen. darin liegt freiheit, und das geht vielleicht nicht von heute auf morgen und fuehlt sich vielleicht auch nicht an, also waere jetzt diese tonnenschwere last auf einmal vom gewissen gefallen. aber ich glaube, dass auf diesem weg die belastung immer geringer wird, bis sie voellig verschwindet eines tages.

ob man sich danach weiter mit dem thema zwangsstoerungen beschaeftigen sollte oder nicht, weiss ich nicht, ich habe aber von einer psychologin gelesen, die selbst betroffen war und sich jetzt auf zwangsstoerungen als arbeitsgebiet spezalisiert hat. auch eine schriftstellerin hat einen roman zum thema geschrieben und sie hatte mal arge probleme damit. vielleicht sind maedchen tapferer? :)

oh, naja... vielleicht hab ich nicht so richtig auf deine frage bezug genommen, aber ich glaube es geht dir darum, die befreiung zu spueren, und das worueber ich dir da schreibe scheint mir ein weg in die freiheit.

viel glueck und bis bald!

dein tito

4

Sonntag, 13. Juni 2004, 21:05

Hallo dennis!

dass du schreibst, dass du nicht glaubst, dass man jemanden ganz von seinen zwängen heilen kann, macht mir ungalubliche angst!
ich wünsche mir nichts mehr als wieder so zu leben wie es vor meinen zwängen war.
manchmal denke ich, ich halte es nicht aus, wenn ich mir vorstelle, dass meine ganze zukunft so aussehen soll...:-(
aber es gibt doch leute, die sagen eine verghaltenstherapie hätte ihnen geholfen...und auch therapeuten (habe bis jetzt mit einer gesprochen (bis jetzt nur über internet) sagen, eine verhaltenstherapie würde zu guten erfolgen helfen...!!!!! habe auch mal auf dieser seite über diese klinik in lübeck, in der soviel ich weiss hauptsächlcih zwangskranke behandelt werden gelesen, dass sehr große erfolge erzielt werden und dass durch verhaltenstherapie die chancen der heilung wirklich sehr hoch sind..?!!?!

gruß, rose

5

Sonntag, 13. Juni 2004, 21:57

hallo!

die kognitive verhaltenstherapie ist wohl die beste wahl um zwaenge zu beseitigen. die heilungschancen sind sehr hoch (ich kann nur sagen was ich darueber gelesen habe).

aus einem interview mit dem psychologen Dr. Michael Gallo:

In general, research has suggested that approximately 75-80% of people who diligently participate in CBT will achieve substantial relief from their OCD (Abkuerzung fuer: Obsessive Compulsive Disorder) symptoms. I have personally had patients who, after suffering for years with severe OCD, have experienced as much as 80-90% reduction in symptoms and anxiety.

6

Sonntag, 13. Juni 2004, 22:00

ah, was vergessen:

CBT = Cognitive-Behavioral Therapy (Kognitive Verhaltenstherapie)

das ganze Gespraech gibts hier:

http://www.healthyplace.com/Communities/…d_treatment.asp

Natascha

Schüler

  • »Natascha« ist weiblich

Beiträge: 93

Zwangssymptome: Zwangsgedanken, Zwangshandlungen, Waschzwänge

Medikament / Dosis: Citalopram, 30mg

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Hessen

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7

Montag, 14. Juni 2004, 12:21

Hallo,

also ich kann nur sagen: Wenn man von etwas geheilt ist dann hat man meistens keinen Bock mehr sich damit zu beschäftigen deshalb wird man in Foren in denen es um Krankheiten geht auch kaum jemanden treffen der geheilt ist. So!

Ich kenne 2 Leute die fast von ihren Zwängen geheilt sind.... Ich denke auch das man kaum komplett geheilt werden kann weil man eine gewisse Zwangsidentität hat und ein sogenannter "Zweifler" bleiben wird.

Diese 2 Leute können mit Ihren Zwängen mittlerweile sehr gut leben und haben sich damit arrangiert. Also kein Grund zur Besorgnis - ein Zwangs-Überbleibsel muss nicht schlimm sein.

Auch ich habe mich schon von vielen Zwängen befreit - ich hatte früher Waschzwänge, Zählzwänge, Kontrollzwänge - und bin komplett davon befreit. Leider habe ich dafür einen Ersatz gefunden: Die Zwangsgedanken und das ist bei weitem nicht besser... Ich habe den falschen Heilungsweg (für mich!) gewählt und es kam nur zu einer Verschiebung.

Der Zwang - nicht richtig ausgeheilt bzw. therapiert - sucht sich seinen Weg. Das ist meine Theorie - oder was meint ihr?
Liebe Grüße
Natascha

___________________________
Tu Dir nur keinen Zwang an....

Pit-2001

unregistriert

8

Dienstag, 15. Juni 2004, 13:24

richtig

Liebe Natascha, ich kann dem nur zupflichten.

Der Zwang hat Ursachen, diese sind Angst, und diese kommt irgendwo her.
Zwinge ich mir den Zwang ab (Verhaltensübungen) bleiben doch die Ursachen (falls sie schwer genug sind) und diese suchen ein Ventil.

Gruß Pit

9

Sonntag, 20. Juni 2004, 02:17

Zitat

Original von Natascha
Ich kenne 2 Leute die fast von ihren Zwängen geheilt sind.... Ich denke auch das man kaum komplett geheilt werden kann weil man eine gewisse Zwangsidentität hat und ein sogenannter "Zweifler" bleiben wird.

Diese 2 Leute können mit Ihren Zwängen mittlerweile sehr gut leben und haben sich damit arrangiert. Also kein Grund zur Besorgnis - ein Zwangs-Überbleibsel muss nicht schlimm sein.


So seh ich das auch. Eine Zwangspersönlichkeit wird zwar nie in ein völlig zwangloses Stadium gelangen, aber sie kann diesem Idealzustand zumindest nahe kommen.

Mir geht's im Vergleich zu früher inzwischen auch deutlich besser, ich konnte einiges von meinen Zwängen reduzieren oder ganz beseitigen, aber leichte Zwänge hab ich eben nach wie vor. Aber damit konnte ich mich einigermaßen arrangieren. Ich glaube auch, dass sich meine Zwangslage noch weiter verbessern wird. Denn wenn ich mal zurückblicke, lief es bei mir in etwa so: Meine ganze Zwangspersönlichkeit hat sich bis zu einem bestimmten Höhepunkt stetig verschlimmert, ist dann auf diesem Höhepunkt aber sozusagen umgekehrt und befindet sich seitdem im freien Fall (Richtung Besserung). Dieser Fall ist langsam, und manchmal dreht er auch um und geht wieder ein Stückchen nach oben in die negative Richtung (wie eine Börsenkurve eben), aber insgesamt ist der Abwärtstrend hin zum Guten klar erkennbar. Und wenn ich die ganze Entwicklung geistig nachvollziehe, hab ich Grund zu der Annahme, dass der freie Fall noch nicht zu Ende ist :]

Pit-2001

unregistriert

10

Sonntag, 20. Juni 2004, 11:01

"auch noch was sagen"

Ist es nicht so, dass die Heilung davon abhängt, wie tief die seelische Verletzung, die Erbmasse, die Gewohnheit usw. ist?

So ist allen, wo es nicht so tief sitzt zu wünschen, dass es bergauf geht
und prinzipiell jedem, dass er die Pallette der Ursachen erkennt und die Möglichkeit bekommt, überall dran zu "drehen" in Richtung Besserung.

Wer die vielfältigen Ursachen nicht alle erkennt
oder wer keine Hilfe bekommt
oder bei wem es zu tief sitzt,
ist kein Versager,
sondern jemand, zu dem die Menschen nett sein sollten und mit dem sie Geduld haben sollten,
denn auch andere Krankheiten, auch unheilbare werden geheilt oder nicht geheilt. So ist das Leben.

Gruß Pit

11

Sonntag, 20. Juni 2004, 13:35

Ich glaube, wenn ich keine Zwänge mehr hätte, wäre ich ein völlig anderer Mensch. Denn ich bin seit ich denken kann, von Kindesbeinen an, Zwangsneurotikerin. Ich kenne kein "Leben davor".
Nisi

12

Sonntag, 20. Juni 2004, 13:37

hallo Lenny!

das freut mich! sieht so aus als ob du auf dem weg in die freiheit bist! :)

es ist schoen auch mal zu lesen wie jemand diesen ganzen quatsch wieder los wird. mir gehts auch so, meine zwaenge loesen sich langsam auf, auch wenn ich ab und zu wieder zurueckfalle und mich fuer einen oder zwei tage furchtbar fuehle, so als haette ich nichts erreicht.

aber dann gehts mir auf einmal wieder fast so prima wie bevor die ganze zwangsgeschichte begonnen hat. und ich glaube auch wenns drei schritte nach vorn und einer zurueck sind, so kommt man doch letztendlich vorwaerts.

wie sagte Churchill einst.... Never give in, never give in, never, never, never, never, in nothing, great or small, large or petty, never give in except to convictions of honor and good sense.

:)

weiterhin viel glueck!

tito

mandrill

unregistriert

13

Donnerstag, 8. Juli 2004, 14:10

Ich komme noch mal auf die Ausgangsfrage zurück: Wie ist das ohne Zwänge?

Ohne Zwänge zu leben, heisst für mich, dass ich mich versuche, dem Schicksal zu überlassen, erkenne, dass ich ein kleines Rad im Ganzen bin und Gesetze wirken, die manchmal wunderbar, manchmal grausam sind, in die ich jedoch eingebunden bin und die 'über mir' stehen. Vielleicht mein Leben Gott oder der Natur in die Hände zu geben. Die Natur ist für mich immer wieder ein tiefes Beispiel: Alles hat Struktur und doch herrscht das Chaos. Wenn ich mich ganz hineingebe, ist das schwierig auszuhalten manchmal, die Struktur ist so gross und überwältigend, dass ich mir klein vorkommen kann, das Chaos so weit und tief, dass ich mich auflösen könnte. Es gilt die Balance zu finden zwischen Struktur und Chaos. Ich glaube, dass es ein inneres Gesetz gibt, auf welches wir achten können, das Achten ist die Balance. Aber das Gesetz ist nicht der Zwang. Das Gesetz ist die Kurve eines Vogels, die Krümmung eines Baumes, die Hand eines nahen Menschen. Es zeigt sich immer wieder anders und wenn ich es greifen, erzwingen will, entzieht es sich, geht die Balance dahin. Vielleicht eine Art Religiosität, die den Sinn darin sieht, Achtsamkeit zu erlernen und nicht immer zu Re-agieren.
Alles Liebe,
Mandrill

14

Donnerstag, 8. Juli 2004, 14:21

ich kenne mein leben vor meinen zwängen und es war unbeschwert, ganz normal eben wie das leben eines kindes/jugendlichen ist und das komplette gegenteil von meinem derzeitigen leben
ich wünsche es mir zurück! :(

mandrill

unregistriert

15

Donnerstag, 8. Juli 2004, 15:57

Auch meine Freundin wünscht sich das Leben vor den Zwängen zurück. Ich glaube daran, dass es ein Leben nach den Zwängen geben kann. Vielleicht jedoch ein Leben, dass dann um so mehr die 'kleinen' Freiheiten schätzen kann...
Ich wünsche Dir das Beste.
Mandrill

Pit-2001

unregistriert

16

Donnerstag, 8. Juli 2004, 16:25

Du hast recht

Ja, so ist es,
aber der Boden, auf dem das was du so schön beschreibst, muss frei und empfänglich sein, man kann ihn nicht erzwingen.

Urangenommenheit (die manchem Zwängler fehlt) oder neu durch Erfahrungen (aber woher nimmt sie der in den Zwang verstrickte) gepflanzte Liebe, Vertrauen, Mut, daraus kann der Samen dessen wachsen, was du Mandrill schriebst.

Gruß Pit

johle1965

unregistriert

17

Freitag, 15. Oktober 2004, 14:18

Hallo liebe Natascha,

du hast irgendwo sehr recht, dass man keinen Bock mehr hat, sich mit etwas zu beschäftigen, von dem man geheilt ist. Aber ich denke, zum Beispiel auch ein "geheilter" Krebskranker wird zeiltlebens ein wachsames Auge auf Krebserkrankungen haben. --- Findest du nicht? (Ist so zumindest meine Erfahrung...)

Wenn ich in meinem Profil schreibe Zwänge: "Keine mehr!?", dann ist da zumindest noch das Fragezeichen. Meine "Zangs-Erkrankungs-Therapie" liegt nun ca. vier Jahre zurück. Erst heute getraue ich mich wieder Bücher zu lesen, die ich früher, in meiner Jugend gelesen habe. Erst heute traue ich mich wieder zurückzublicken in die Zeit meiner Zwänge und in die Zeit der Therapie. ...Oft muss ich deswegen übrigens über mich selber lachen...

Kann sein, dass es ein Strohfeuer ist, wenn ich heute - möglichst offen - in diesem Forum über mich selbst schreibe. Vielleicht auch nicht. Sigmund Freud "klebt" an mir, wie an anderen vielleicht eine "kognitive Verhaltenstherapie" oder so etwas. Schade! Aber es ist so!

Ich glaube Pit hat diesen Beitrag geschrieben: Eine Therapie macht dich nich zu einem besseren Menschen --- sie macht dir nur deine Defekte bewusst. In diesem Sinne

LG

Johle

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