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Testfrau

unregistriert

1

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 12:39

Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Hi,

ich wollte mich mal auf eurer Seite erkundigen, ob jemand so ein "Problem" hat wie ich. Ich leide seit 20 Jahren unter Zwangsneurose. Welche Art genau, kann ich gar nicht so recht sagen, unterschiedlich. Ordnung-, Putz- und Kontrollzwang würde ich mal ganz spontan sagen gehören dazu.

Also mein aktuelles akutes Problem ist folgendes:

bei uns zieht man die Schuhe aus wenn man das Haus betritt (EFH). Man kommt zur Haustür rein ist im Flur. Dann kommt eine Wohnraum-Glastüre. Ab hier gehts nur in socken oder Hausschuhen weiter - Straßenschuhe sind verboten!!!!. Nun steht man im Treppenbereich im EG. Hier befindet sich dann das WZ, die Küche, das Bad. Wenn man durch das Bad hindurchläuft kommt man durch eine weitere Tür in den Abstellraum. In den meisten Häusern kommt man ja zum Flur rein und es gibt dann einen separaten, won der Wohnung abgetrennten Abstellraum, ich wollte aber, dass der Abstellraum zur "Wohnung" gehört und nicht "separat vom Flur aus" zu betreten ist.

Geht man nach oben kommt man zu den Schlafräumen, geht man nach unten kommt man zum Arbeitszimmer, in den Keller und in die Waschküche. In der Waschküche befindet sich auch der Ofen, welchen der Schornsteinfeger alle 2 Jahre kontrolliert.

Die letzten beiden Male hat er sich grad noch so die Schuhe ausgezogen, aber jetzt macht er Ärger und will das nicht mehr machen. Ich soll ihm Überschuhe besorgen. Nur, das löst mein Problem nicht und er lässt ja trotzdem die Schuhe an (die hat er ja draußen an und wer weis, wo er da überall hingetreten ist). Ich finde das trotz Überschuhe eklig und ich kann doch nicht - nur weil er die 2 Minuten nicht investieren möchte - mein EG meine Treppen (Holztreppen mit Anti-Rutschteppichbelag damit man nicht runterfällt - habe nämlich auch noch 2 Kinder) und meinen Keller danach säubern. Dass müsste ich nämlich dann tun, weil dies u. a. mein Zwang ist. Ich habe mein Problem schon mal in einem ganz anderen Forum beschrieben, da habe ich leider keine Leidensgenossen getroffen sondern mir nur dumme Sprüche von Gesunden (die haben ein Glück!) anhören müssen. Ich weiss, dass es Probleme mit der Berufsgenossenschaft geben kann falls was passiert. Aber ich bin der Meinung, auch MIT Schuhen kann man die Treppe runterfallen, stolpern oder von der Leiter fallen. Schweres Werkzeug hat der Schornsteinfeger nicht, ein kleines Messgerät (sieht aus wie ein Strommessgerät eines Elektronikers) und sein Köfferchen. Also kann ihm auch nichts schweres auf den Fuß fallen. Wir läufen mehrmals täglich die Treppen hoch und runter (auch sockig) und es ist in 2 1/2 Jahren noch nix passiert. Ich weiss echt nicht was ich das nächste Mal machen soll, denn reinlassen muss ich ihn ja wohl. Aber für mich ist das echt saublöd und ich hoffe, dass ich hier jemanden finde, der mich versteht.

Hattet ihr schon mal eine ähnliche Situation? Wie habt ihr das gelöst?
Und bitte - ich bin wie o. g. schon "geschädigt aus einem anderen Forum" - keine dummen Bemerkungen, für mich ist es wirklich eine Last.

Es Grüsst euch aus dem Schwäbischen

Testfrau

Waschbärin

unregistriert

2

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 12:50

Ja. Das kenne ich sehr gut.
Ich habe auch noch überall Teppich...
Es gab eine Zeit, in der ich das gut aushalten konnte und der Schornsteinfeger durfte mit Schuhen rein. Jetzt ginge das GAR nicht!

Das mit den Überschuhen wäre für mich eine Lösung und das werd ich glaub ich einfach machen.

Kann aber verstehen, dass es für dich keine ist. Tut mir leid. Eine Lösung fällt mir nicht ein...

Aber du kannst dir sicher sein, dass du nicht die einzige bist, die dieses Problem hat!!!

Lieben Gruß
Waschbärin

Pit-2001

unregistriert

3

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 16:52

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Vielleicht weiß der Kaminkehrer gar nicht wie groß dein Problem ist und fühlt sich einfach von dir missbraucht, so als wenn du einen Tick an ihm auslebst.

Mache ihm klar, wie ernst die Zwangserkrankung ist!
Vielleicht hast D u aber den Ernst noch gar nicht erkannt?
Das was du forderst ist VERRÜCK!!!

Und wenn man das nicht klar unter den Hut einer schweren Erkankung stellt, wird dich keiner ernsst nehmen.

Vielleicht gelingt dir das und man respektiert, diese schwere Erkrankung.

Ich wünschte es dir.

Viele Grüße Pit

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pit-2001« (4. Oktober 2007, 16:53)


4

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 18:13

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Zitat

Original von Pit-2001

Vielleicht hast D u aber den Ernst noch gar nicht erkannt?
Das was du forderst ist VERRÜCK!!!



Moment mal... was ist daran verrückt??! Abgesehen davon, dass so eine Bemerkung absolut unangebracht und einfach nur gemein ist, finde ich es naheliegend, dass man nicht will, dass jemand die Wohnung mit Straßenschuhen betritt... es ist einfach unhygienisch.

Lässt er sich nicht durch Bitten und Drängen überzeugen? Es ist sicher schwierig, ihm verständlich zu machen, wie wichtig dir das ist. Obwohl das wahrscheinlich eine Lösung wäre (um ihn dazuzubringen, dass er es tut). Aber immerhin will man auch nicht so persönliche Dinge über sich preisgeben, wie z.B. dass man einer psychischen Erkrankung leidet und es deshalb nicht möglich ist... (ich könnte es nicht, aber vielleicht wäre das ja für dich in Ordnung?)
Ansonsten würde ich sagen, du siehst dich nach jemand Anderem um.

Leider habe ich auch keine Lösung für dieses Problem parat.
Ich kann verstehen, dass die Überschuhe keine richtige Lösung für dich darstellen, ich würde auch nicht darüber hinwegsehen können, dass da Straßenschuhe drunter sind... es reicht die Vorstellung irgendwie!

lg

5

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 19:44

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Hallo Testfrau,

nachdem ich deinen Beitrag aufmerksam glesen habe, möchte ich dir - auch aus dem Schwäbischen - eine wirklich gut gemeinte Antwort geben.

Dein Problem lässt sich nicht "logisch" klären, sondern nur indem man in der Lage ist, sich in deine "Zwangsneurose", wie du sagst, hineinzudenken, d.h., die Antwort, die du vielleicht erwartest, lässt sich nicht im Zusammenhang der geschilderten Probleme geben, sondern im Wissen um deine Erkrankung!
Im Klartext: Der Schornsteinfeger ist nicht das Problem, sondern dein Zwang!!
Was tust du z.Zt. bezüglich deiner Erkrankung? Da lässt sich m.E. sehr viel daran ändern.
Verhaltenstherapie: Expositionsübungen
Tiefenpsychologie oder einfacher gesagt.Vergangenheitsbewältigung. Verhaltenstherapie hast du schon gemacht, oder?
Die deinem Problem zu Grunde liegenden tieferen Ursachen kann man bearbeiten.

Sei mir bitte nicht böde, dass ich so "lieblos" antworte, aber ich kann um der Wahrheit willen nicht anders.

Ich selber leide auch schon über 30 Jahren an Zwängen und Depression
und habe die Erfahrung gemacht, dass Hilfe auf alle Fälle möglich ist!
Oberflächliche Teilnahme und theoretisches Verständnis helfen dir mit Sicherheit nicht weiter.
Versuche den Focus auf das Wesentliche zu konzentrieren, dann wirst du auch eine Lösung für dein aktuelles Problem erhalten....

Dein "Mitschwabe"
Ich

Waschbärin

unregistriert

6

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 20:01

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Hallo Imrac,
NEIN - das was Pit schreibt, ist nicht gemein. Wer ihn genauer kennt, versteht wie er es meint!!!!

Wenn ICH mir vorstelle, jemand anderes würde von MIR verlangen, dass ich in der Wohnung meine Schuhe ausziehe, würde ich direkt wieder gehen, denn ich kann nicht barfuß in anderer Leute Wohnung heraumlaufen! Wegen der Zwänge!!!!!!!!!!!!!!!

Wenn man dem Schornsteinfeger das Problem genau erklären könnte, hat man vielleicht eine Chance...

7

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 20:33

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Zitat

Original von Waschbärin
Hallo Imrac,
NEIN - das was Pit schreibt, ist nicht gemein. Wer ihn genauer kennt, versteht wie er es meint!!!!

Wenn ICH mir vorstelle, jemand anderes würde von MIR verlangen, dass ich in der Wohnung meine Schuhe ausziehe, würde ich direkt wieder gehen, denn ich kann nicht barfuß in anderer Leute Wohnung heraumlaufen! Wegen der Zwänge!!!!!!!!!!!!!!!

Wenn man dem Schornsteinfeger das Problem genau erklären könnte, hat man vielleicht eine Chance...


Ok - aber man nicht annehmen darf, dass jeder ihn genauer kennt. Das entschuldigt nicht, dass es gemein war. Vielleicht sollte doch etwas Rücksicht geübt werden...

Und nun ja... du sagst ja selbst, dass du das nie tun würdest, wegen der Zwänge... aber ein Mensch, der dieses Problem nicht hat, dürfte doch so einer Forderung nachkommen können?

lg

Hope

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8

Donnerstag, 4. Oktober 2007, 20:56

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Hallo,

ja ich würde auch wider gehen wenn ich die Schuhe ausziehen müsste.

Aber andere Leute in die Zwänge einzubeziehen und sie zu Zwingen so zu handeln wie ich es will ist nicht die Lösung.

Was Pit betrifft er hat sehr oft recht mit dem was er schreibt und er meint es bestimmt nicht böse, so wie ich es auch nicht böse meine aber wir müssen die Dinge auch mal von der anderen Seite betrachten.

Wir müssen lernen damit umzugehen nicht die Anderen.

Ich kann natürlich diese Angst nachvollziehen und auch den Stress mit der Säuberung.

Gruß

Hope
Gruß

Hope


Frei nach Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“
http://www.youtube.com/watch?v=j8uefBUOfgA

9

Freitag, 5. Oktober 2007, 00:05

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Hi

Auch ich kenne diese Art von Angst von scheinbar verschmutzen Schuhen, die in meine Wohnung gelangen könnten.

Also, ich lasse den Leuten, also in diesem Falle den Handwerkern, sonst ziehen alle bei mir die Schuhe vor der Tür aus, immer Plastiktüten überziehen und bisher gab es auf beiden Seiten keine Probleme deswegen.
Ich kann aber trotzdem verstehen, wenn es Dich liebe Testfrau und auch anderen hier in diesem Threat nicht ausreichen würde, dem Handwerker etwas über die Schuhe überzustülpen.

Ich habe den Pit so verstanden, dass er scheinbar meinte, dass der Schornsteinfeger, Dich liebe Testfrau als für verrückt erklären würde, wenn Du von ihm Sachen verlangen würdest, die er nicht verstehen kann, weil er eben kein Zwängler ist.

Vielleicht sollte sich der Pit nochmal zu Wort melden, wie er es nun gemeint hat. Es war bestimmt nur ein Missverständnis, denn ich kenne den Pit auch stets als Verständnisvollen Schreiber.

Nochmal auf den Schornsteinfeger bezogen:
Ich würde auch nicht so gerne mit Fremden über meine Erkrankung sprechen wollen, weil man sehr schnell auf negative Reaktionen und Unverständnisse stoßen würde. Ihr wisst sicherlich alle auch, oder habt es selbst schon einmal erlebt, dass wenn man jemandem von seiner Erkrankung erzählen will, der dies nicht kennt, dass man dann meist zum Depp des Tages wird.

Leider, kann ich Dir auch nur raten, liebe Testfrau, dieses Problem was Du hast, mit Therapeutischer Hilfe zu üben, um Unverständnisse zu vermeiden.

Gruß Mogry

Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Mogry« (5. Oktober 2007, 00:21)


marei25

unregistriert

10

Freitag, 5. Oktober 2007, 12:25

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

kenne das problem auch

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »marei25« (5. Oktober 2007, 12:37)


Pit-2001

unregistriert

11

Freitag, 5. Oktober 2007, 14:16

RE: Hat jemand das gleiche "Problem" und was war die Lösung?

Die Testfrau schreibt selbst, dass sie eine Zwangsneurose hat, somit geht es hier nicht um jemand, der irgendwelche privaten Wünsche hat.
Die Vorgaben macht die Zwangsneurose.

Jeder weiß, dass die Zwänge verrückt sind, also nicht die Person, sondern die Zwänge!

Auch MEINE Zwänge sind verrückt. Es ist so, dass Zwängler das wissen. Sie sind ja nicht schizophren oder psychotisch und merken vielleicht gar nicht, dass sie verrückt sind. Nein, wir Zwängler merken, dass wir verrückt reagiern!!!

Der Punkt ist nun aber der, dass wir dafür nicht verantwortlich gemacht werden dürfen, weil wir dieser Krankheit ausgesetzt sind.

Lieber Schreiber, verantwortlich wären wir eher dann, wenn wir nicht zugeben, dass wir "verrückt" handeln. Das sind dann die sogenannt unbelehrbaren, die Dinge durchsetzen und anderen weis machen möchten, dass das ganz normal sei.

Wenn ich aber zugebe, dass ich "verrückt" handle und meine Ängste und Zwänge mich aber massiv hindern, "normal" zu handeln, dann verdiene ich das Mitgefühl der Umwelt, und wie einige Schreiber das dankenswerter Weise rüberbrachten, habe ich dies im großem Maße gegenüber jedem Zwängler, der seine Lage anerkennt.

So wünsche ich auch Testfrau, dass irgendwas aus den verschiedenen Ratschlägen ihr Erleichterung bringt.

Mit Grüßen Pit