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Sonntag, 14. Oktober 2007, 01:06

Wie kann ich diesen Schmerz verarbeiten??

In letzter Zeit denke ich immer wieder an meine Kindheit und die verbundenen Folgen daran, die ich heute habe.
Ich kann das alles nicht verarbeiten, was meine Eltern mir angetan haben. Sie haben mich in meiner persönlichkeit zerstört, sie haben mir all das genommen was ein Kind braucht, was ein kind sich wünscht.
Ich wurde niemals geliebt von meinen Eltern, wie ein Stück Dreck weggeschoben. Mir wurde sogar von meinem Vater ins Gesicht gesagt das ich ein Fehler war, das ich nie gewollt war und eigentlich abgetrieben werden sollte.
Ich war ja vor kurzem wegen eines Selbstmordversuches in der Klinik. Das habe ich ihm kurz erzählt als er mich zu meinem Geburtstag anrief. Was sagte er? Er nur: Was machst du für sachen. Das wars. Bis heute nichts mehr von ihm gehört.
Das kann doch nicht wahr sein??
Meine Therapeutin sagte zu mir das ich es so hinnehmen muss wie es ist, das ich lernen muss mit der Wahrheit und dem Schmerz umzugehen.
wie soll ich bloß damit leben können und umgehen können das meine eigenen Eltern mich nicht lieben, das ich nie gewollt war??
wie sol ich diesen Schmerz verkraften?

Ich suche mein Leben lang nach Liebe. Nach der Liebe, die ich nie bekommen habe als Baby und Kind.
Habe durch diesen Verlust der Mutterliebe starke Probleme mit meinen Gefühlen und auch starke Probleme in Beziehungen. ich verliebe mich schnell oder sagen wir es so ich verliebe mich schnell in die Liebe durch die Sehnsucht nach Liebe.
Das ist ein Fehler, weil ich oft die falschen Männer dabei erwische. Und wenn ich mich dann so richtig verliebe dann klammere ich zu stark.
Mit menschlichen Beziehungen kann ich nur schwer umgehen, erwarte oft zu viel und denke dann immer gleich bei jeder Sache das derjenige mich nicht mehr lieb hat. Das alle mich hassen.

Ich fühle mich nicht liebenswert, ich habe große Angst vorm verlassen werden.

Wie kann ich diesen Schmerz verarbeiten??
Wie kann ich trotz der Störung lieben lernen und mich annehmen??
Wie kann ich lernen mich selbst zu lieben??

Ich schleppe diesen Schmerz der frühen Trennung von meinen Eltern schon immer mit mir rum. Ich werde das einfach nicht los.

Was kann ich tun, damit ich das mal verarbeiten kann??

Nina

2

Sonntag, 14. Oktober 2007, 12:08

RE: Wie kann ich diesen Schmerz verarbeiten??

Hallo nina,

ich kann dich sehr gut verstehen. Es ist schon schlimm, wenn man als Kind keine Liebe und Geborgenheit erfahren hat. Vieles im Leben entwickelt sich dann negatvi und sinnlos.

Dennoch fragst du was sehr wichtiges, du fragst nach Liebe und du formulierst es m.E. auch zutreffend: "Wie kann ich lernen, mich selbst zu lieben"?
Dies ist nach meinem Empfinden die zentrale Frage. Leider habe ich darauf auch keine schnelle Antwort.
Bemerkenswert finde ich, dass du fragst, wie kann ich es l e r n e n.
So wie wir vieles falsch gelernt haben, so können wir es auch wieder verlernen.
Früher waren u.a. unsere Eltern unser Modell, von denen wir unreflektiert vieles übernommen bzw. gelernt haben und von wem lernen wir heute?

Ich selbst habe ja aggressive Zwangsgedanken, die immer wieder auch mit einer Depression auftauchen, da fühle ich mich immer auch sehr verlassen, alles ist traurig und sinnlos, negativ.....

Dann versuche ich, in kleinen Dingen liebevoll zu mir selbst zu sein. Ich versuche Dinge zu tun, die mich auffangen. Ich glaube, dass es die Liebe gibt!
Das heißt für mich, ich darf mich auch beschenken lassen. Mit allen Sinnen
das Leben versuchen zu genießen. Dem Negativen bewusst Positives entgegensetzen...
Sich an Kleinigkeiten erfreuen. Bewusst etwas essen und dabei genießen.
Sich selbst fragen: Was tut mir gut?
Kleine Schritte machen, sonst kommt schnell wieder der Frust hoch.
An sich selbst glauben! Es ist gut, dass du lebst. Du gehörst zu "uns", zur Gemeinschaft aller Menschen. Du hast ein Recht zu leben.

Du merkst jetzt vielleicht, dass ich mich auch schwer tue, dir "richtig" zu helfen. Ich ringe auch nach Worten, in dem Wissen, dass sie bei dir womöglich nicht oder nur wenig ankommen.
Wichtig ist mir halt, dir zu sagen, dass ich es für not-wendig halte, dass man es lernt, sich selbst zu lieben. Sich selbst der beste Freund zu werden.
Sich selbst zu achten. Sich selbst Mut zu machen usw. Das ist ein Prozess und geht nicht von heute auf morgen. Aber jeden Tag ein kleines bisschen mehr.....

So wie die Luft zum Atmen unsichtbar da ist und ständig benötigt und "gebraucht" wird, so ist auch die Liebe da. Du darfst dich beschenken lassen. Bei jedem Atemzug dankbar Liebe spüren...
Es gibt noch etwas in deinem Leben, das es gut mit dir meint! Deine negativen Erfahrungen aus deiner Kindheit
haben dich bis hier her beeinflusst, sie müssen dies aber nicht für dein weiteres Leben tun. Du hast die Möglichkeit, dein Leben neu zu gestalten. Mit kleine Schritten. Sich über Kleinigkeiten freuen....Weniger ist manchmal mehr. Höre in dich hinein, was du jetzt brauchst, was du gerne hättest.
Werde dir selbst zum besten Freund und behandle dich auch so...

Gott (die Liebe) will, dass du es schaffst und deshalb wirst du es auch!

Liebe Grüße
Ich

3

Sonntag, 14. Oktober 2007, 12:27

RE: Wie kann ich diesen Schmerz verarbeiten??

Hallo du kleiner Sonnenschein! :))

Dein Beitrag finde ich richtig schön!! Du hast es sehr schön versucht auf den punkt zu bringen und mir dinge versucht nahe zu legen.
Danke!

Und ich habe gut verstanden was du meinst. Es gibt so viele schöne Dinge im leben, über die man sich erfreuen sollte. Wenn man das kann. Und ich glaube ich muss es erst lernen. Wie solte ich es auch auf Anhieb können mich zu erfreuen und mich zu lieben?
Mir wurde nur beigebracht das ich nicht liebenswert bin. Das man machen kann mit mir was man will.
Doch ich will mich nicht mehr mein Leben lang damit quälen was meine Eltern mir angetan haben. Ich will das es aufhört, ich will auch wieder lachen können und mich freuen können.
Ich will diese scheisse nicht mehr ertragen müssen.

Es ist ein langer weg sich anzunehmen zu lernen und es wird bestimmt auch lange dauern, bis ich mich endlich mal wieder mag.

Doch ich will es lernen, ich will in den spiegel schauen können und sagen können: Nina, du bist eine tolle Frau, Ja ich mag mich!

Ich hoffe das ich das eines Tages kann und ich hoffe das ich mir auch mal was gutes tun kann.

Momentan zerstöre ich mich nur selbst.

Das schlimme ist das man ein Leben lang daran zu knabbern hat, was die Eltern einem angetan haben.

Und ich will nicht daran leiden müssen bis an mein Lebensende.

LG nina

Steffen

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4

Sonntag, 14. Oktober 2007, 13:06

Hallo Nina,
ich war selbst nicht geplant und ein "TroPi" (Trotz Pille-Kind) Kind. Meine Mutter wurde durch die Ärzte sogar in den ersten Wochen beschwatzt mich abzutreiben, da angenommen wurde, die Schwangerschaft könne ihre damals kränkliche Konstitution überstrapazieren. Ich kann Deine Gefühle daher gut nachvollziehen - erklärt vielleicht auch, weshalb ich Psychologe und nicht Arzt geworden bin :tocktock:

Kein Patentrezept aber eine Idee: Wir machen im Rahmen einer Mindfulness-Therapie ganz gute Erfahrungen damit, Patienten zu bitten, innere Dialoge mit entweder realen oder fiktiven Personen zu führen, deren Stimmen man sich gut vorstellen kann (je plastischer desto besser). Für uns Männer kann ich einen virtuellen Strandspaziergang mit Robert de Niro nur empfehlen :)- einer Patientin haben fiktive Dialoge mit ihrer verstorbenen Oma sehr gut getan - was man ausspricht, bedrückt die Seele oft nicht mehr ganz so stark.

Da Du ja auch Moderatorin bist, hier eine Anregung: ich fände es toll, wenn man eine eigene Rubrik einrichten könnte, in denen möglichst viele verschiedene Tipps, Tricks & eigene erfolgreiche Wege aus dem Zwang, niedriges Selbtbewusstsein etc. zusammengetragen werden. Von kognitiven Ansätzen wie Gedankenmühle, Exposition, Assoz.spaltung bis hin zu Qi Gong, Religion etc. kann ja jeder mal kurz zusammenfassen, was ihm/ihr wenigstens zeitweise geholfen hat (ohne Kommentare - sonst wird es unübersichtlich - aber vielleicht mit Bewertungen). Viele Wege führen bekanntlich nach Rom und was dem einen nix bingt, kann für den anderen hilfchreich sein.
Lieben Gruß & alles Gute,


Steffen

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Steffen« (14. Oktober 2007, 16:28)


5

Sonntag, 14. Oktober 2007, 17:12

RE: Wie kann ich diesen Schmerz verarbeiten??

Ich finde es toll, daß Du aus dem Tal heraus bist und Dich jetzt sachlich damit beschäftigst, wie Du aus alle dem herauskommst. Das ist schon ein großer Teil, sich auf den Weg machen, weil man wieder eine Hoffnung hat.

Auch gut, daß Du aus der großen "Regenwolke" kleine konkrete Teilfragen machst. Diese Fragen sind aber immer noch ganz schön groß, auch wenn z.B. das Problem der Selbstliebe eine absolute Standardfrage ist in einer Therapie.

Das ist eine schöne kleine Teilaufgabe: "ich will in den spiegel schauen können und sagen können: Nina, du bist eine tolle Frau, Ja ich mag mich!"

Was passiert denn im Moment, wenn Du in den Spiegel schaust? Da laufen tonnenweise kleine Dinge ab. Das kann man am besten beobachten und erfragen, wenn man als geschulte Person zuschaut und den Vorgang mitbekommt. Das hört sich banal an, ist aber hoch spannend. Mit sowas kann man Dinge entdecken, die man vorher völlig übersehen hat, Muster erkennen, die auch sonst immer ablaufen.

Glücklicherweise gibt es solche geschulten Leute auch in Berlin.


@Steffen: Herrlich, Du drückst Dich geschickt um das Wort Trance oder Hypnose, oder ist Dir das gar nicht aufgefallen?
Von so einer Art Spaziergang am Strand handelt das Buch "Der Februarmann". Der Hypnotherapeut versetzt die Patientin in ihre Kindheit zurück und führt dort Gespräche mit ihr. Fragen, die sie als Kind gerne beantwortet bekommen hätte, wo sie niemanden zum Reden hatte.

Alternativ dazu: Es gibt viele Hypnose-CDs mit unterschiedlichen Sprechern und Themen u.a. auch Selbstliebe. Trotzdem, eine von außen geführte Therapie ersetzt das nicht.

Steffen

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6

Sonntag, 14. Oktober 2007, 22:52

RE: Wie kann ich diesen Schmerz verarbeiten??

Hallo Markus,
ich habe nur versucht zu helfen. Deinen besserwisserischen Komentar fand ich nicht nur geplatziert sondern auch ungerecht. Ich habe doch selbst geschrieben, dass "viele Wege nach Rom führen" und in einer eigenen Rubrik alle möglichen Ideen/Ansätze gesammelt werden sollten - wieso sollte ich mich also vor Hypnose/Trance "drücken" wie Du es mir unterstellst? Es tut leid, direkt antworten zu müssen, da die Aufmerksamkeit eigentlich Nina und ihrem Problem gehören sollte.

Gruß, Steffen

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Steffen« (14. Oktober 2007, 22:54)


7

Dienstag, 16. Oktober 2007, 20:38

Hallo Nina
Ich kann dein Posting nicht verstehen (weil ich sowas nicht kenne), kann dir leider deswegen auch keine Tips geben, aber es macht mich sehr betroffen und aggressiv.

Danke für deinen Mut. Ich wünsche dir alle Kraft der Welt, damit du lernst mit der Situation umzugehen.Was anderes fällt mir dazu im Moment nicht ein...

liebe grüße

8

Freitag, 19. Oktober 2007, 21:48

wie verkraften? ganz ehrlich? die sache einfach "eiskalt" hinnehmen und abhaken, gar nicht so viel emotion darein packen. naja, das ist bei jedem anders, ich hab da jedenfalls einen weg gefunden und seh die sache mit der family nicht so eng, bzw. mache mir da keinen kopf drum. bei mir ist auch alles anders gelaufen als geplant, keine mutterliebe und andere dinge aber das ist halt so gelaufen und mit je mehr emotionslosigkeit (und das recht dazu hast du) du die sache hinnimmst, desto kälter lässt dich die sachen.

es sei denn, du bist ein familien-mensch und auf ständiger suche nach familen-harmonie. dann kann dich das natürlich zerreißen aber ändern können wirst du es auch in zukunft nicht (siehe dein telefonat mit deinem vater an deinem geburtstag).

das war jetzt vielleicht alles etwas hart aber das ist mein weg, mich mit meiner familiären vergangenheit auseinanderzusetzen.

Pit-2001

unregistriert

9

Freitag, 19. Oktober 2007, 23:33

Ganz unrecht hast du nicht, Kootsy,

nur wenn man arg von Zwängen geplagt wird, sucht man nach einem Hebel. Dan meint man, es hängt mit der Familiensituation zusammen.
Was es was die Kindheit betrifft wohl auch tut.

Die Gegenwart: Das hast du wohl recht, denn ich verlor auch die ganze Familie, aber ich muss zugeben, die Zwänge waren vorher genauso wie danach.

Aber, vorher waren sie vielleicht, weil die ganze Family unehrlich wahr, weil nie wahre Liebe da war? Könnte man sich wieder einreden.

Also man kann es immer von den verschiedensten Seiten sehen.

Gute Nacht

Pit