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sandy1981

unregistriert

1

Samstag, 5. März 2005, 17:20

Erfahrungen mit Klinikaufenthalt

Hallo ,

ich bin momentan hin- und hergerissen, ob für mich ein Klinikaufenthalt hilfreich wäre oder nicht. Mir geht es momentan ziemlich schlecht und ich weiß nicht, ob eine ambulante Therapie für mich wirklich ausreichend ist. Mein Therapeut hat mir einen Klinikaufenthalt auch dringend empfohlen. Ich habe aber sehr große Angst davor, da ich in einer Klinik auf einen Schlag mit allen meinen größten Ängsten (fremde Bettwäsche, Dusche, Toilette u.s.w.- ich leide unter Waschzwängen) konfrontiert wäre und ich weiß nicht, ob mich das nicht völlig überfordern würde.
Welche Erfahrungen habt Ihr in einer Klinik gemacht? Hattet ihr vorher auch solche großen Bedenken?
Welche Kliniken könnt Ihr empfehlen?

Ich würde mich über Antworten sehr freuen, da mich dieses Thema momantan sehr beschäftigt.

Grüße Sandy

2

Samstag, 5. März 2005, 19:19

hallo sandy!


war bis vor zwei einhalb wochen in einer klinik 9 wochen lang stationär in behandlung. deine ängste kann ich gut nachvollziehen. ich leide auch unter u.a.waschzwängen und hatte auch angst vor fremder bettwäsche, fremder toilette, fremder dusche etc. große angst hatte ich auch vor einem doppelzimmer, da ich es wohl nicht hätte verlassen können, wenn ein fremder bei mir gewohnt hätte.
als ich ankam, hatte ich zu meiner freude tatsächlich ein wirklich schönes einzelzimmer (später hörte ich, dass personen mit zwängen in dieser klinik scheinbar immer einzelzimmer bekämen, da es für den zimmernachbar bei gerade einer zwangserkrankung nicht so angenehm wär, weiss aber nicht genau ob das stimmt, eine mitpatientin hatte davon erzählt..)
es war ein sehr schönes und relativ neu renoviertes zimmer und die innenausstattung, bad etc waren auch recht neu und modern (etwa 3 jahre alt). im großen und ganzen sah es eigentlich auch ziemlich sauber aus. trotzdem desinfizierte ich am anfang nachttisch, schreibtisch und alle abwaschbaren flächen. nach einiger zeit hab ich das gelassen, da die putzfrau da hin und wieder auch drüber wischte (vor der putzfrau hatte ich mich sehr geekelt :-/) und somit waren meinen desinfizierten stellen in meinen augen ja wieder "infiziert"... und die putzfrau kam jeden morgen und berührte da so viel und wischte da so viel rum, dass ich irgendwann den überblick verlor und nicht mehr desinfizierte. genau so war es mit der bettwäsche. anfangs zog ich noch einen eigenen kissenbezug über das bezogene kissen. irgendwann lies ich es.
auch mit den gestellten handtüchern konnte ich mich nach einigen wochen abtrocknen. hatte immer eigene dabei, aber manchmal regte ich mich über mich selbst auf, dass ich deswegen immer so viel waschen muss wenn ich am wochenende heimkomme und sagte mir, dass die anderen patienten das ja auch benutzen. irgendwann konnte ich dann auch die handtücher benutzen.
gut, ein gewisser "ekel" war immer bei den ganzen dingen dabei.. aber irgendwann gewöhnte ich mich schon irgendwie etwas daran.
hatte zuvor auch totale angst.

eine klinik empfehlen kann ich dir allerdings nicht, da ich bis jetzt "nur" diesen einen klinikaufenthalt hatte (ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt!!) und daher auch keinen vergleich habe. ich war in der psychosomatischen fachklinik bad dürkheim.


grüße, rose

sandy1981

unregistriert

3

Sonntag, 6. März 2005, 00:36

Hallo Rose!

Vor einem Doppelzimmer hätte ich auch große Angst, da das ja auch automatisch bedeuten würde, dass ich mir mit jemandem das Bad teilen müßte. Außerdem könnte ich mir auch vorstellen, dass es für den Zimmernachbar nicht so toll wäre, wenn ich ständig das Bad blockiere oder die Krise bekomme, wenn er etwas mit "dreckigen" Händen anfasst.
Das mit der Putzfrau kann ich sehr gut nachvollziehen, denn das gehört auch zu meinen Bedenken, denn ich könnte zwar bei meiner Ankunft alles einmal desinfizieren, aber das würde mich ja auch nicht viel bringen, wenn die Putzfrau da jeden Tag wieder rüberwischt und somit in meinen Augen wieder alles "verseucht".
Hat Dir der Klinikaufenthalt geholfen? hast Du vorher schon eine ambulante Therapie gemacht?

Wie läuft das in so einer Klinik eigentlich ab. Hat man da nur Gruppentherapie oder auch Einzeltherapie? Wie ist da so der Tagesablauf?
Durftest Du jedes Wochenende nach Hause? Ich habe schon öfter gehört, dass man anfangs gar nicht nach Hause darf. Ist es dann nicht schwer, dass neu eingeübte Verhalten auch zu Hause umzusetzen?

Wo liegt denn Bad Dürkheim? Ich habe den Namen ehrlich gesagt noch nie gehört :-)

Sorry, dass ich Dich so mit Fragen löchere, aber wie schon erwähnt, bin ich mir momentan überhaupt nicht sicher, ob ich in eine Klinik gehen soll oder nicht.

Grüsse
Sandy!

4

Mittwoch, 9. März 2005, 09:13

hallo sandy!

der klinikaufenthalt hat mir schon etwas geholfen. allerdings weniger alks erhofft, aber das liegt vermutlich an mir, da ich mich scheinbar zu wenig darauf eingelassen habe, zu wenige zwangsbewältigungsübungen gemacht habe und mich auch viele andere dinge beschäftigt haben, die mich von der eigentlichen therapie teilweise "abgelenkt" haben.
hatte vorher noch keine ambulante threrapie gemacht. weiss erst seit letzten mai oder juni , was ich überhaupt für eine krankheit habe (durch dieses forum hauptsächlich!) und zu dem zeitpunkt als ich das erste mal damit zum psychiater ging, waren meine symptome leider schon so stark, dass sie mir direkt eine stationäre therapie ans herz gelegt hat.

tja, wie läuft das in so einer klinik ab?
ich kann nur für diese klinik sprechen, da ich denke, dass jede klinik ihr eigenes therapiekonzept hat und dass es nirgends genau gleich abläuft.
bei uns gab es einzeltherapie gespräche und dann mehrere gruppentherapien.
da gab es z.b. eine zwangsbewältigungsgruppe in der nur zwangspatienten waren. dann eine "problemlösegruppe" in der patienten meines alters waren, aber mit unterschiedlichen problemen. dann ein "soziales kompetenz training", auch wieder mit "gemischten leuten". dann gab es ein großes ergotherapeutischens angebot, wo man töpfern, malen, batiken, scnitzen etc etc. konnte. ausserdem ein sportangebot. die klinik verfügte sogar über ein eigenes kleines thermalbad (habe ich allerdings aufgrund meiner krankheit nicht genutzt, wie es wohl vielen waschzwänglern gehen würde).
den tagesablauf konte man sich soweit keine festen gruppen- oder einzeltermine feststanden selbst bestimmen. es lief viel in eigenregie. auch übungen liefen meistens in eigenregie. wenn man hilfe dabei braucht oder verlangt, bekommt man ie natürlich auch.

ich war jedes wochenende bi auf das allererste zuhause, aber normalerweise geht das nicht so denke ich. das zweite wochenende durfte ich heim, weil da weihnachten war. am dritten war silvester und da hab ich e geschafft beurlaubt zu werden. an einigen wochenenden war ich beurlaubt, an einigen auch nicht. war trotzdem immer mindestens für einen tag zu hause, da ich nur 120 km von der klinik wegwohne und ein mitpatient immer in die selbe richtung fuhr und mich jeded wochenende mitnahm.
d.h. wenn ich beurlaubt war, durfte ich eine übernachtung nachhause, wenn nicht bin ich früh morgens gefrahren und musste halt stressigerweise abends wieder da sein. da das wochenende bei uns auch in eigenregie verlief, war das möglich.

also, ich denke es ist schon schwer das neu eingeübte verhalten zuhause umzusetzen. aber dass es nicht leicht wird, war ja leider klar :-/ ich habe noch gar nicht so viele sachen umgesetzt, da es mir im moment auch nicht besonders gut geht (obwohl man ja stimmungsunabhängig üben soll :-( aber krieg das mal einer hin! :-/) ich denke/hoffe, ich befinde mich noch in einer übergangsphase und werde hoffentlich wenn diese vorbei ist, ein stück neues verhalten auch zuhause umsetzen können.


mh, bad dürkheim liegt etwa zwischen kaiserslautern und mannheim. und ganz in der nähe von neustadt an der weinstraße. weist du jetzt etwas genauer bescheid?

mh, ich hoffe ich konnte dir ein wenig helfen, owbohl ich sagen muss, dass es eben das THERAPIEkonzept DIESER klinik ist und dass es in anderen kliniken wieder ganz anders abläuft. allso nicht darauf versteifen ;-)

geh doch einfach mal auf www.ahg.de und klickst "standort bad dürkheim" oder eben irgendeine andere klinik die dich interessiert an.


P.S.: die gruppentherapien, die ich oben angegeben habe, sind nur eineauswahl aus dem angebot der klinik. es sind eben die gruppen, die ich genutzt habe. aber es gibt noch viele andere. es wird bei jedem patienten individuell entschieden, in welche gruppen er geht.


viele grüße, rose

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Rose« (9. März 2005, 09:56)


Patrick

unregistriert

5

Mittwoch, 9. März 2005, 09:43

Hallo Rose,
das ist ja alles schön und gut, aber hast Du in der Klinik die Groß- und Kleinschreibung verlernt? 8o

Ich wünsche Dir jedenfalls, dass Du die Erfahrungen in der Klinik noch umsetzen kannst, und die Übergangsphase nicht zu lange dauert. :)

Bei mir herrscht zur Zeit Stillstand, drum habe ich nichts zu berichten. Es fällt einfach alles sooo schwer. :banger:

viele Grüße
Patrick

Patrick

unregistriert

6

Mittwoch, 9. März 2005, 09:50

Zitat

das ist ja alles schön und gut, aber hast Du in der Klinik die Groß- und Kleinschreibung verlernt


Tschuldigung, das war eine Verwechslung :rolleyes:

Gruß
Patrick

sandy1981

unregistriert

7

Freitag, 11. März 2005, 12:40

Hallo Rose!

Erstmal danke für Deine "Lagebeschreibung" von Bad Dürkheim. Das ist für mich aber wohl doch etwas zu weit weg. Aber es gibt ja noch einige andere Kliniken. Mir wäre es aber auf jeden Fall wichtig, dass sich die Klinik auch unter anderem auf Zwänge spezialisiert hat. Das schein ja in der Klinik, in der Du warst, der Fall gewesen zu sein. Dass der Tagesablauf dort weitestgehend in Eigenregie ablief hört sich ganz gut an, da man sich dann nicht so eingeengt fühlt. Aber ich denke für mich wäre es nicht so gut, dass die Konfrontationsübungen auch weitgehend in Eigenregie durchgeführt werden, da ich sie dann wahrscheinlich doch wieder nicht machen würde. Das merke ich ja jetzt schon bei meiner ambulanten Therapie. Mit meinem Therapeuten zusammen ist es mir viel leichter gefallen, die Übungen auch durchzuziehen- alleine konnte ich mich dann nicht so dazu überwinden. Mir ist natürlich klar, dass es nur Sinn macht, wenn man es auch alleine schafft, aber gerade am Anfang fände ich so einen"kleinen Anstoß" von außen schon recht hilfreich.

Habt ihr denn in dieser Zwangsbewältigungsgruppe auch Konfrontationsübungen zusammen gemacht oder konzentrierte sich diese Gruppe mehr auf Gespräche?

Wie oft hattest Du denn Einzeltherapiegespräche dort?
Konntest Du zu Beginn mitbestimmen, bei welchen Gruppentherapien Du mitmachst oder wurde das festgelegt.

Darf ich fragen, ob Du Medikamente nimmst? Wenn ja, haben Sie Dir geholfen?
Ich nehme zur Zeit noch keine, bin aber am überlegen, ob ich meinen Therapeuten darauf ansprechen solll, da ich schon öfter gehört habe, dass sie zur Unterstützung eine VT hilfreich sein können.

Ich hätte auch die Bedenken, dass ich mich nicht genügend auf die Therapie in einer Klinik einlassen würde, wie Du es bei Dir beschrieben hast. Und dann bringt natürlich die beste Klinik nicht viel.

Dass Du das Thermalbad dort nicht genutzt hast, kann ich sehr gut nachvollziehen (wenn ich nur daran denke, wie viele Leute schon in diesem Wasser waren... :( )

Ich hoffe, Du schaffst es bald, doch etwas von dem dort eingeübten neuen Verhalten auch zu Hause unzusetzen. Aber das ist natürlich besonders schwer, wenn es einem ohnehin schon nicht gut geht. Dann hat man irgendwie nicht die Energie dazu. Mir geht es momentan auch so, ich bin ziemlich fertig und fühle mich manchmal wie gelähmt. Ich habe einfach keine Kraft dazu jetzt noch Übungen zu machen, sondern bin froh, wenn ich mit meinem Alltag einigermaßen klarkomme. Aber so komme ich natürlich nicht weiter.

Machst Du jetzt eine ambulante Therapie? ( Ich denke, das könnte Dir vielleicht helfen "am Ball zu bleiben")

Liebe Grüße

Sandy

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