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große Schwester

unregistriert

1

Samstag, 25. Oktober 2008, 21:55

Waschzwang - er redet aber nicht darüber

Hallo, ich habe mich bei Euch hier gemeldet, da wir in der Familie mittlerweile ratlos sind. Es geht um unseren jüngsten Bruder, 17 Jahre, und er hat seit ca. 3 Jahren einen Waschzwang, der mittlerweile sehr stark ausgeprägt ist. Das Problem daran ist, wir kommen an ihn nicht ran. Gespräche blockt er ab, reagiert darauf aber auch nicht gereizt oder verunsichert, sondern mit einer Selbstverständlichkeit, die uns immer wieder überrascht. Er hat diesbezüglich absolut kein Problembewußtsein. Wir suchen, wenn überhaupt, auch immer sehr behutsam das Gespräch, aber scheitern immer wieder. Wir möchten ihm gern helfen, wissen aber nicht wie, da er bei seinem Hausarzt ebenso reagiert und dieser dadurch keinen Weg sieht, ihm da irgendwie zu helfen, also sprich zum Psychologen zu überweisen. Wir wollen ja auch nichts gegen seinen Willen unternehmen.

Seine Hände zeigen mittlerweile noch nicht schwere, aber deutliche Spuren. Darüber hinaus zeigen sich im Alltag immer wieder Vermeidungstaktiken, die ihn zunehmend auch behindern.

Kann man überhaupt von Außen auf ihn einwirken, so dass er das Problem erkennt, oder müssen wir uns in Geduld üben und warten, bis er sich selbstständig Hilfe sucht?

Vielen Dank für Ratschläge jeder Art!

Pit-2001

unregistriert

2

Sonntag, 26. Oktober 2008, 23:14

RE: Waschzwang - er redet aber nicht darüber

Hi,

wird wohl schwer sein, ihn einfach zur Selbsterkenntnis zu bringen.

Aber vielleicht würde er sich gern mit Leuten unterhalten, die ähnliche Rituale ausführen, das müsste doch für ihn zumindest hochinteressant sein. Ich gehe mal davon aus, dass hier im Forum einige sind, ob nun aktiv oder nur lesend.

Vielleicht bringst du es fertig, ihn statt dich hier einzubringen? Das könnte doch dazu beitragen, dass er sich selbst erkennt?

Also du brauchst jetzt nicht fliehen. War nur so ein Gedanke für mittelfristig.

Schönen Gruß

Pit

Hope

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3

Sonntag, 26. Oktober 2008, 23:39

RE: Waschzwang - er redet aber nicht darüber

Als ich in dem Alter war wollte ich auch nicht gerne darüber reden, gut mit meiner Mutter habe ich darüber geredet aber auch nur das Nötigste.

Es ist wirklich schwierig aber ich würde immer wieder in Abständen versuchen ihn darauf anzusprechen.

Vielleicht fällt es ihm leichter wenn Du ihn erzählst das es viele Menschen gibt die ähnliche Zwänge haben oder sogar die selben haben.

Du kannst ihm ja erzählen das es ein Forum gibt wo man sich austauchen kann.

Gruß

Hope
Gruß

Hope


Frei nach Dieter Nuhr: „Wenn man keine Ahnung hat: Einfach mal Fresse halten.“
http://www.youtube.com/watch?v=j8uefBUOfgA

tiger27

unregistriert

4

Freitag, 31. Oktober 2008, 13:57

Das mit dem Selbstverständnis wundert mich nicht, Zwängler sind gute Schauspieler. Habt ihr ihn während eines Zwangs angesprochen, oder in einer neutralen Zone? Wenn während eines Zwanges scheint er objektiv noch nicht so stark da drin zu sein das er agressiv oder gereizt wird. Alternativ wäre vielleicht das schleichende abgewöhnen eine Alternative. Gibt es bestimmte Situationen die es hervorrufen, ist dir da irgendwas aufgefallen. Besondere Ereignisse in den letzten Jahren?


tiger

große Schwester

unregistriert

5

Freitag, 31. Oktober 2008, 21:01

Hallo und schon mal vielen Dank Euch Dreien für Eure Beiträge.

@Hope: Ich habe ihn schon mehrfach angesprochen, erst vor wenigen Tagen wieder. Ich habe ihm auch geschildert, dass ich auch Handlungen an mir selbst beobachte, die von Zeit zu Zeit in Zwang ausarten, aber nie "chronisch" werden. Z.B. hab ich das Auto zugemacht, Handbremse gezogen, Herd ausgemacht, etc. pp.
Er blieb dennoch sehr zurückhaltend, vielleicht nicht so verschlossen und verleugnend wie die letzten Male, also schon offener, aber wie gesagt, sehr zurückhaltend. Aber ich bleibe dran. Ich habe ihm auch geraten, dass er mit seinem Tick offen umgehen kann. Die Familie weiß Bescheid und wir wollen nicht, dass er sich damit isoliert und quasikriminalisiert, also indem er aufgebrauchte Seife mit Wasser nachfüllt und wieder in den Schrank stellt.

In dem Gespräch hat er zum ersten Mal aber eingeräumt, dass etwas mit ihm nicht stimmt und dass er es selbst erkennt. Ein Fortschritt, IMHO.

@Pit-2001: Ich trau mich aber noch nicht, ihn auf ein Forum aufmerksam zu machen um sich auszutauschen, nicht dass er meine Einmischung als anmaßend empfindet. Ich werde das aber bei gegebener Zeit auch tun. Ich bin mir in vielen Dingen unsicher, ob es richtig ist ihn anzusprechen, ob man dadurch zuviel Druck erzeugt, oder ob er dadurch noch stärker "zwängelt".

@tiger27: Ich sprech ihn immer auf "neutralem Boden" an. Wenn ich ihn dabei ansprechen würde, hätte ich jetzt zumindest das Gefühl, ich würde ihn bloßstellen oder beschämen, das möchte ich auf keinen Fall. Als Ursache für sein Verhalten fällt mir Vieles ein, nur ist das ja dann auch nur Spekulation. Er möchte sich zu der Ursache nicht äußern, nur soweit, dass sie ihm bekannt ist.
Unsere Familiensituation ist zwar relativ normal, aber nicht ohne Krisen. Da könnte einiges reingespielt haben.

Ich habe den Eindruck, ich als Beobachtende, muss auch erst mit dem Fakt, das es so ist, leben lernen, unverkrampfter werden. Man ist sehr unsicher, möchte ja nix falsch machen, was die Lage verschlimmert und fühlt sich wahnsinnig hilflos. Manchmal hofftman, da gäbe es einen Schalter, den man nur umlegen muss und schon ist alles wieder weg.

Pit-2001

unregistriert

6

Freitag, 31. Oktober 2008, 22:07

Hi große Schwester, trotz seinem Verhalten von einem anderen Stern, ist und bleibt es ein voll zurechnungsfähiger, normal reagierender Mensch,
außer man reizt ihn mit irgendwas zur Weißglut, aber dann könnte ja jeder komisch reagieren.

Du verschlimmerst nichts, wenn du Interesse zeigst.

Alles Gute.

Pit