Sie sind nicht angemeldet.

1

Dienstag, 16. März 2010, 20:16

Wie schlimm ist es bei ihr ??

Hallo Ihr alle zusammen,

ich hab mich hier angemeldet um mich darüber zu informieren wie es mit meiner Schwägerin weitergehen kann - soll -wird und wie schlimm es mit ihrer Zwangserkrankung ist.

Ich fühle mich leider ein bißchen hilflos - aber sie hat auch 3 Kinder von 4-8 Jahren - die mittlere wäscht sich auch schon dauerend die Hände....

Aber ich zähl einfach mal auf, was ich so weiß und hoffe, Ihr könnt mir dann ein bissi auf die Sprünge helfen.
Also, meine Schwägerin ist Mitte 30 und leidet nach eigenem Bekunden unter einem Waschzwang. So weit so gut, ich konnte damit bisher irgendwie immer umgehen und sie selber war auch zwischenzeitlich in Behandlung (privat und ambulant) - eher Gesprächs- als Verhaltenstherapie - und nach ihrem Ermessen sei es schon viel besser geworden.
Allerdings war ich gerade einen Monat bei ihr zu Besuch - bisher immer nur ein paar Tage - da familiäre Dinge zu erledigen waren.

Da habe ich tiefere Einblicke in ihr Verhalten als ich das bisher konnte - mich hats umgeschmissen .....
Sie selber wäscht sich unzählige Male täglich die Hände mit Massen an Seife - ein Seifenstück reicht irgendwie nur 4 Tage.
Sie duscht 4 mal täglich - dabei wird jedesmal die gesamte Kleidung gewechselt. ntürlich läuft deshalb auch Tag und Nacht die Wama und der Trockner - vor allem, da auch die Kinder jeden Tag komplett frisch eingekleidet werden, sogar die diversen Winterjacken wandern ständig in die Wäsche.
Die Spülmaschine darf nur sie ausräumen nach festgelegtem Schema: Spüma auf, alle Schränke und Schubladen öffnen, Hände waschen und dann erst ausräumen und Geschirr in die Schränke.
Sie isst nichts (mit dem Hinweis sie hätte keinen Hunger) wenn der Tisch nicht von ihr gedeckt wurde.
Die Wäscheberge und ihre Art, die Wäsche zu sortieren, zu stapeln und zu falten belagern diverse Stühle, Wäscheständer und allerlei unpassende Stellen im Haushalt - dafür wird die Schmutzwäsche ihres Ehemannes ( auch meine zur Zeit des Aufenthaltes) nur auf Aufforderung gewaschen. Bei der Wäsche hat sie ein für Aussenstehende undurchschaubares System und läßt sich natürlich nicht helfen - auch kleine Handreichungen werden abgelehnt.
In der Küche wird mehrfach tägl. die Arbeitsfläche gewischt - mit Unmengen an Spülmittel und Zewas. Auch das Waschbecken wird dauernd geputzt, dafür kann man aber unter dem Wasserhahn den Dreck fast wegkratzen *wunder*. Toilette und Dusche putzt sie garnicht selber, ebenso Böden werden nicht gewischt - dafür hat sie eine Putzfrau.
Türklinken fasst sie eigentlich nie an, auch ansonsten hat sie ein Ellbogen - Knie -Fuß- System entwickelt um Türen und Schränke zu öffnen oder zu schließen.

Eingekauft wird tägl. gleich frühmorgens, möglichst abgepackte Lebensmittel und Fertiggerichte. Sie selber läßt sich ihr Essen aus dem Reformhaus besorgen (Mutter), beruft sich auf (angebliche ???) Allergien. So kann sie zu jeder Mahlzeit ihr Essen frisch aufreissen und kein anderer fasst es an - die dabei entstehenden Müllberge führen immer wieder zu ehelichen Eskalationen da sie die aufgerissenen Packungen oft einfach wieder in die Schränke und Schubladen fallen läßt, somit die restlichen Vorräte mit "Müll" zudeckt und dann an anderer STelle des Haushaltes neue "Vorratsbunker" mit ihrer Nahrung anlegt.
Vor Menschenansammlungen schreckt sie zurück - erfindet 1000 Ausreden warum sie da jetzt nicht stehen mag, besuchen kann, einkaufen wird usw

Dazu kommt noch eine stark "verkniffene" Körperhaltung - sie sitzt und läuft immer mit um den Körper geschlungenen Armen - hält dabei Jacke o.äh. zu damit es nicht so auffällt.
Sie hat offensichtlich Unmengen an Strategien entwickelt damit ihre Verhaltensweisen nicht so auffallen - einige davon konnte ich entdecken :
Bei zu öffnenden Türen hat sie grundsätzlich alle Hände voll.......bei Begrüßung reicht sie immer den Ellbogen mit den Worten "Hände nass - kalt - fettig" oder so ..... sie geht eigentlich nie selber ans Telefon, das machen die Kinder - sie muss sich sonst wieder die Hände waschen und kann während des telefonierens nichts anderes anfassen.

Seltsamerweise ist sie wirklich liebevoll auch in Berührungen mit den Kindern - doch wie oben schon erwähnt fäörbt manches Verhalten auf die schon ab ........ sei es mit dauerndem Händewaschen, unterwegs nichts fremdes essen (das Mama weder Essen noch ins Kino geht muss ich eigentlich nicht erwähnen, oder ?), totaler Ekel vor Dingen wie Eiern, Fliegen, Sand an Händen, 1x getragenen Hosen....... es gibt 100 Dinge was mir bei den Kindern auffällt.


So, um mal zum Schluss zu kommen .......... ich habe eine hohe Meinung von den Foren in denen sich Betroffene austauschen - was haltet ihr davon ??? Wie schlimm schätzt ihr diese Zwänge meiner Schwägerin ein - ich hab bestimmt einiges vergessen oder übersehen und logischerweise leidet das ganze Familienleben darunter. Entweder sie setzt sich durch und man bleibt zu Hause oder sie zwingt sich zu irgendwas und verbreitet unangenehme Laune..........
Die Kinder kriegen doch auch mit daß Mama außerhalb der Wohnung fast nichts anfasst, nichts iss oder trinkt, immer schnell nach Hause will.......

Sie weiß von ihren Zwängen - doch findet sie wohl als absolut im grünen Bereich :tocktock:
Wie kann ich ihr bzw besonders den Kindern helfen ??
Über Ratschläge von Euch würde ich mich besonders freuen...... *kiss*

Grüßlis von der Tante Marnie

2

Dienstag, 16. März 2010, 23:39

RE: Wie schlimm ist es bei ihr ??

Zitat

Original von marnie
Sie selber wäscht sich unzählige Male täglich die Hände mit Massen an Seife - ein Seifenstück reicht irgendwie nur 4 Tage.
Sie duscht 4 mal täglich - dabei wird jedesmal die gesamte Kleidung gewechselt. ntürlich läuft deshalb auch Tag und Nacht die Wama und der Trockner - vor allem, da auch die Kinder jeden Tag komplett frisch eingekleidet werden, sogar die diversen Winterjacken wandern ständig in die Wäsche.


Hallo Marnie,

4x am Tag Duschen und nach jedem Duschen komplett die Kleidung wechseln, ist schon sehr viel. Mich wundert ein wenig, wie deine Schwägerin das noch schafft, nicht nur ihre eigene Kleidung, sondern auch die der Familie ständig zu waschen? 4 Tage für ein Seifenstück mag einem nicht Waschzwangskranken kurz erscheinen, es gibt jedoch noch wesentlich kürzere Zeiträume, zB nur 1-2 Tage, dass sich die Seife so schnell verbraucht liegt vermutlich auch daran, dass sie sie auch mit unter Wasser halten muss.

Zitat

ich hab mich hier angemeldet um mich darüber zu informieren wie es mit meiner Schwägerin weitergehen kann - soll -wird und wie schlimm es mit ihrer Zwangserkrankung ist.


Ist deine Schwägerin denn noch in Behandlung oder nicht?
Zur Frage wie schlimm etwas ist ... das sollte man auch unter dem Blickwinkel betrachten, wieviel sie noch im Alltag 'schafft'. Man kann sich zB als Waschzwangskranker im Verhältnis zu deiner Schwägerin weniger waschen oder auch seltener Duschen/komplette Kleidung wechseln und waschen und trotzdem weniger im Alltag 'schaffen'. Ihre Probleme mit dem Rausgehen und dem Essen kann ich gut nachvollziehen, Menschenmengen sind immer totaler Streß und anderen die Hand geben zu müssen ist der Horror für Waschzwängler, oft wird es auch nicht akzeptiert, wenn man die Hände nicht geben will ... deshalb entwickelt man dann Alternativlösungen, auf die eine oder andere Weise, ebenso wie mit den Nahrungsmitteln. Fertiggerichte sind in der Regel industrieell verarbeitet und abgepackt => geringeres Risiko, dass sie 'verschmutzt' und von anderen Menschen angefasst wurden/in Kontakt kamen. Das mit dem Tisch decken kenne ich auch, mir ging es jedoch eher darum, dass kein andere mein Geschirr anfäßt oder es zu lange auf dem Tisch steht, während man abwesend ist und dann zB etwas rankommen oder rauffallen könnte und dass man dann von schmutzigen Tellern essen muss; grad im Sommer ist das problematisch, bei den ganzen Insekten.

War deine Schwägerin schon krank bevor sie die Kinder bekommen hat oder entstand der Zwang erst im Laufe der Zeit?

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

3

Donnerstag, 18. März 2010, 11:18

RE: Wie schlimm ist es bei ihr ??

Hallo Hermit,

vielen Dank für Deine prompte Antwort.

Tja, ich würd halt gerne wissen, wieviel sie sich vormacht - ich weiß, daß das aus der Ferne und so nur schwer zur beurteilen ist. Sie weiß daß sie Waschzwang hat, z. Zt ist sie nicht in Behandlung denn jetzt sei es ja besser als vorher 8o.
Ursache sei ihre rigide Mutter und eine enge moralische und bevormundete Erziehung. Allerdings hat sie einen Bruder der absolut keine Anzeichen einer "unnormalen" Verhaltensweise zeigt - wobei "normal" ja echt nur ein blöder Ausdruck ist, denn ich weiß sehr wohl daß "normal" eher relativ ist und eher nicht auf den Menschen angewandt werden kann.

Sie schafft schon noch ihren Haushalt, ist allerdings auch am Ende ihrer Kräfte - verständlich bei 3 Kindern, 4 halbe Tage Arbeit/ Woche (in einem Second-Hand-Laden *wunder* und als Bewegungstherapeutin für hyperaktive Kinder) und dann noch das Bestrebven ihrerseits, bestimmte Tätigkeiten nur in Eigenregie und auf ihre Weise auszuführen.

Es ist abzusehen daß sie iwann zusammenklappt - für mich ist halt interessant inwieweit ich ihr Argumente an die Hand geben kann (aus Sicht eines Zwänglers) um sie zu einer erneuten und diesmal vielleicht auch medikamentösen Behandlung zu überreden.
In aller erster Linie mache ich mir unwahrscheinliche Sorgen um die Kinder die trotz aller Bemühungen in einem "zwanghaften" Alltag aufwachsen der geprägt ist von Ekel von allem was von draussen kommt und einem übertriebenen Reinlichkeitszwang.
Was ist, wenn die Kinder in die Pubertät oder auf die weiterführende Schule kommen - wird ihr bisheriges "Weltbild" dann nicht auch radikal umgeworfen ??
Ich möchte da halt allzugrosse Enttäuschungen und Mißverständnoisse bei den Kids abfedern können - und das kann ich nur, wenn ich das Wesen des Zwanges verstehen kann..........

Meine Schwägerin schafft für sich und ihre Kinder eine eigene kleine Welt - selbst ihr Ehemann bleibt da aussen vor - die geprägt ist von Zwang einerseits und ihrem Bemühen um "bessere" Erziehung andererseits.......... doch selbst die kleineren Kinder sehen den Unterschied zwischen Mamas Handeln und Mamas Reden - orientieren tun sie sich leider an den Handlungen.

Ach ja, unter Zwang leidet sich wohl seit Ende ihrer Pubertät......... näher äussern tut sie sich aber nicht dazu- auch wenn sie manchmal einen Anflug von Selbsterkenntnis hat und kurzfristig drüber redet....

Okay, wahrscheinlich total wirre - macht nichts, ich hab wahrscheinlich auch nicht alle Latten am Zaun......... :silly:

Liebe Grüße von Tante Marnie

Tante Edit wird bemüht:
Ich hab vergessen - viel hab ich hier im Forum gelesen - und mittlerweile kaum Hoffnung, daß meine Schwägerin mal in den Genuss eines "normalen" Umgangs mit ihrer Umwelt kommen kann.
Wie stark lässt sich das Zwangssymptom durch Therapien bessern ??? Wie fühlst Du Dich als Betroffener besser: im Austausch mit anderen (SHG), wenn man Dich läßt, unter Therapie oder wann sonst???
Wie hast Du Besserung erfahren ?? Das dem so ist lese ich zumindest bei Dir raus....

Vielleicht alles ein bissi blöde Fragen - wenn ich meine Posts so durchlese komm ich mir iwie dämlich vor - andererseits beschäftigt mich das Theme antürlich auch und es interessiert mich, wie und wo ich was für alle Beteiligten "verbessern" kann....

4

Freitag, 19. März 2010, 23:52

RE: Wie schlimm ist es bei ihr ??

Hi Marnie,

Zitat

Original von marnie
Tja, ich würd halt gerne wissen, wieviel sie sich vormacht - ich weiß, daß das aus der Ferne und so nur schwer zur beurteilen ist. Sie weiß daß sie Waschzwang hat, z. Zt ist sie nicht in Behandlung denn jetzt sei es ja besser als vorher 8o.
Ursache sei ihre rigide Mutter und eine enge moralische und bevormundete Erziehung. Allerdings hat sie einen Bruder der absolut keine Anzeichen einer "unnormalen" Verhaltensweise zeigt - wobei "normal" ja echt nur ein blöder Ausdruck ist, denn ich weiß sehr wohl daß "normal" eher relativ ist und eher nicht auf den Menschen angewandt werden kann.


Da jeder Mensch ein Individuum ist, reagiert auch jeder Mensch anders auf bestimmte Situationen oder Konflikte. Daß ihr Bruder keinen Waschzwang hat, bedeutet nicht, dass nicht ihr Elternhaus mit einen Faktor bildet, weshalb sie einen Zwang entwickeln musste. Abgesehen von genetischen Faktoren (und der Tatsache, dass sie weiblich und ihr Bruder männlich ist) kommen noch die persönlichen Erfahrungen dazu und die Verhaltensweisen des Umfeldes; ihr Bruder wird teils andere Dinge erlebt haben als sie, er mag vielleicht keinen Waschzwang haben, weil er für sich anders mit den Dingen umgeht, anders reagiert und vielleicht hat er etwas anderes von dem du nichts weißt, vielleicht aber auch nicht ... außerdem verhalten sich Mütter ihren Söhnen gegenüber in der Regel anders als ihren Töchtern gegenüber, unabhängig davon, wie das Kind als solches ist und ob es krank ist/wird oder nicht.


Zitat

Es ist abzusehen daß sie iwann zusammenklappt - für mich ist halt interessant inwieweit ich ihr Argumente an die Hand geben kann (aus Sicht eines Zwänglers) um sie zu einer erneuten und diesmal vielleicht auch medikamentösen Behandlung zu überreden.


Gerade bei einem Zwang wirst du keinen Erfolg haben, wenn nicht der Zwangskranke selbst etwas ändern will, ich kenne sie nicht persönlich, würde jedoch schätzen, dass sie, wenn jemand ihre Privatsphäre verletzt, es als Übergriff empfinden würde, was vermutlich zur Folge hätte, dass sie sich distanziert und zurück zieht, was mitunter eine Verschlimmerung des Zwangs bedeuten kann.
Sie lebt nun schon viele Jahre damit, sie muss es ertragen und damit klarkommen (ihre Familie natürlich auch), wenn nun eine außenstehende Person, die mal ein paar Wochen zu Besuch da war, ankommt und Forderungen stellt, erwartet, dass sie dies und das tun soll, wird es kaum funktionieren, ebenso, wenn du sie dazu drängen willst, Medikamente zu nehmen, die nicht nur Nebenwirkungen haben, sondern auch nicht unbedingt helfen.
Solange ihr der Zwang mehr Sicherheit gibt, als sie darunter leidet, wird sie nicht unbedingt etwas ändern wollen bzw den Stress, den eine Therapie bedeutet, auf sich nehmen wollen, erst wenn ihr Leidensdruck durch den Zwang groß genug ist, wird sie vermutlich anders darüber denken, wenn sie für sich selbst erkennt, dass sie nicht so weiterleben will.
Wenn du ihr mit Verständnis begegnest und versuchst, sie zu verstehen, kannst du ihr zB von den verschiedenen Möglichkeiten erzählen, die man hat, um eine Besserung herbeizuführen, aber eben als Vorschlag und nicht als Forderung. Du könntest sie auch fragen, ob sie so wie es ist, zufrieden ist oder ob sie nicht gerne das eine oder andere anders hätte...

Threadzitat:

Zitat

Original von Steffen
vielen Dank!

[später]

Habe den Artikel gelesen und bin ein wenig ratlos, da ich da falsch wiedergegeben werde. Eines der angeblichen Zitate von mir liest sich so, als würde ich sagen, dass Therapie bei Zwang wenig bringt, was so nicht stimmt. Was zum Ausdruck gebracht werden sollte war, dass die *Kombination* von VT und Medikation oft keinen Mehrwert bringt zu VT allein...Tja, kann man wohl leider nicht ändern.

Herzlichen Gruß Steffen


http://www.zwangserkrankungen.de/thread.…&sid=#post32188

Zitat

In aller erster Linie mache ich mir unwahrscheinliche Sorgen um die Kinder die trotz aller Bemühungen in einem "zwanghaften" Alltag aufwachsen der geprägt ist von Ekel von allem was von draussen kommt und einem übertriebenen Reinlichkeitszwang.
Was ist, wenn die Kinder in die Pubertät oder auf die weiterführende Schule kommen - wird ihr bisheriges "Weltbild" dann nicht auch radikal umgeworfen ??
Ich möchte da halt allzugrosse Enttäuschungen und Mißverständnoisse bei den Kids abfedern können - und das kann ich nur, wenn ich das Wesen des Zwanges verstehen kann..........


Wir sind letztlich alle Kinder unserer Eltern, das Produkt unseres Elternhauses und unseres Umfeldes, es gibt schlimmere Situationen im Elternhaus, als wenn die Mutter Waschzwang hat. Das Weltbild wird in der Regel so oder so früher oder später umgeworfen, weil Kinder selten die Wahrnehmung und Betrachtung der Welt behalten, die ihre Eltern hatten; das hat nicht primär etwas mit 'zwangskrank' sein zu tun, es gibt auch genug verquere Weltbilder in Elternhäusern, ohne, dass die Eltern zwangskrank sind und auch ohne, dass sie als 'abweichend von der Norm' gelten, was jedoch nicht bedeutet, dass deren Kinder automatisch glücklicher oder gesünder aufgewachsen wären ...
Die Frage, die sich mir stellt, ist, wieso zeugt ein gesunder (=nicht zwangskranker) Mann mit seiner zwangskranken Frau 3! Kinder, wo bleibt da die Vernuft des 'normalen'? Wo das Verantwortungsbewusstsein? Gerade ein Waschzwang läßt sich kaum verbergen, vor allem nicht in der durch eine Beziehung entstehenden Nähe.

Wenn du die Möglichkeit hast, den Kindern ab und an eine zwangsfreie Umgebung zu bieten, die vielleicht nicht so von den Regeln des Zwanges ihrer Mutter bestimmt wird und wenn sie vielleicht auch zu Hause Bereiche haben, auf die sich der Zwang nicht auswirkt, dann entsteht vielleicht eine Art Ausgleich, der den Kindern Halt geben könnte.

Zitat

.......... doch selbst die kleineren Kinder sehen den Unterschied zwischen Mamas Handeln und Mamas Reden - orientieren tun sie sich leider an den Handlungen.


Handlungen bzw vorgelebte Verhaltensweisen prägen oft mehr, als nur Worte alleine, deshalb ist es für Kinder nicht sehr glaubhaft, wenn ein Erwachsener immer auf die eine Weise redet, sich aber auf die andere verhält.

Zitat

Wie stark lässt sich das Zwangssymptom durch Therapien bessern ???


Das hängt von der Person ab, ich denke jedoch, dass es möglich ist, im Laufe der Zeit ein Level zu erreichen, das erträglich ist und mit dem man 'relativ' gut leben kann (also zB nicht mehr 4x/Tag Duschen + sämtliche Kleidung wechseln, sondern nur noch 1x oder mal gar nicht...).
Eine einmal erreichte Besserung zu halten, funktioniert aber nur, wenn keine neuen Schockerlebnisse stattfinden oder zB zu viel Streß, der dann die Symptome wieder verstärkt und die alten Verhaltensweisen aktiviert.

Zitat

Wie fühlst Du Dich als Betroffener besser: im Austausch mit anderen (SHG), wenn man Dich läßt, unter Therapie oder wann sonst???


Wenn das Leben Sinn ergibt und nicht vollkommen sinnlos und überflüssig erscheint.
Generell mag ich Einzeltherapie mehr als Gruppentherapie (wobei ich Psychodrama sehr schätze und auch sehr effektiv finde), in den Gruppen waren jedoch nie andere Zwangskranke, man hatte vielleicht im einen oder anderen Bereich ähnliche Gefühle oder Erlebnisse gemacht, aber die Symptome waren verschieden. Wenn man Menschen kennenlernt, die auf die eine oder andere Weise dieselben oder sehr ähnliche Dinge erlebt haben, fühlt man sich verstanden und dadurch auch besser, allerdings müssen das nicht unbedingt andere Zwangskranke sein; die einzigen beiden Waschzwangskranken, die ich mal in rl kennenlernte, waren total anders als ich, selbst wenn das Symptom ebenfalls Waschzwang war, wobei sich selbst da jeder Waschzwang unterscheidet, es gibt immer Variationen.

Zitat

Wie hast Du Besserung erfahren ??


Mehrere Therapien (Einzel- & Gruppe- & Psychodramagruppe, Musik-, Ergotherapie), kontinuierliche Behandlung mit Homöopathie und teilweise auch Bachblüten, den Entschluß auch etwas ändern zu wollen und kontinuierlich an sich zu arbeiten, sich mit sich selbst und den Problemen zu konfrontieren und auseinander zu setzen und sich dagegen zu entscheiden, dem Zwang zu erlauben, alles zu vereinnahmen.

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L