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motte

Schüler

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Zwangssymptome: Wasch- und Putzzwänge

Medikament / Dosis: Citalopram

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Niedersachsen

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Montag, 28. März 2011, 19:15

Ich will meinen Bauch zurück (schwanger)

Hallo!

Ich bin ja so froh, dass es solche Foren gibt.

Zunächst würde ich mich gerne kurz vorstellen: Ich bin 27 Jahre alt, und leide seit vielen Jahren unter Waschzwängen. Früher waren es auch Putzzwänge, jetzt eher nur noch Waschzwänge. Anfang 2004 war ich in einer 10-wöchigen stationären Behandlung, danach noch eine ambulante Behandlung bis 2007 gemacht.

2007 habe ich auch meinen Ehemann kennengelernt. Ende 2008 geheiratet, Haus gekauft... Alles war soweit super. Ich hatte die Zwänge so weit im Griff, dass ich einen normalen Alltag und auch eine normale Beziehung führen konnte.

Nun bin ich schwanger in der 36. Woche. Je dicker der Bauch wurde, desto eingeschränkter wurde ich in meinen Bewegungen -somit auch in meinen Ritualen bzw. Gewohnheiten. Als Beispiel: Ich habe eine Fuß-Phobie und muss meine Hosen so anziehen können, dass ich dabei die Hose nicht von außen mit den Füßen berühre. Ist jetzt natürlich schwer, wo man die Beine nicht mehr so hoch bekomme. Habe heute wieder vier Hosen gebraucht, bis ich angezogen war 8o

Im Gegensatz zu früher, wo ich eher Angst vor anderen Leuten hatte -ich bin nicht in die Uni gegangen, kein Zug gefahren usw -richtet sich heute fast alles nur noch gegen mich. Es ist furchtbar. Weil das anziehen so schwer geworden ist, mag ich gar nicht mehr duschen gehen -ergo gehe ich nicht mehr aus dem Haus, mache nichts im Haushalt usw. Es sieht hier ganz ganz schlimm aus, ein Besucher würde niemals denken dass ich Waschzwänge habe, er würde eher denken ich wäre eine faule Sau und schlechte Hausfrau. Ich gebe zu, ich finde es teilweise selbst eklig wenn ich den ganzen Staub hier sehe usw.

Inzwischen ist es so, dass ich nur noch jeden zweiten Tag dusche -wenn möglich. Das hat zur Folge, dass ich auch nur jeden zweiten Tag nach draußen gehen oder was im Haushalt machen kann. Weil ich danach immer duschen muss. Natürlich wasche ich mich aber täglich ;o) Es ist einfach so anstrengend geworden, alle Termine (auch Freunde treffen usw) im 2-Tages-Rhythmus zu legen. Weil ich nicht so viel Klamotten habe, die mir jetzt mit dem dicken Bauch passen -wenn man immer 3-4 Hosen braucht, bis man angezogen ist...

Mein Mann bekommt das auch immer mehr zu spüren. Die Beziehung leidet, ich weiß dass er nicht mehr glücklich mit mir ist -geduldig ja, aber momentan nichzt glücklich.

Inzwischen bin ich soweit, dass ich mir wieder Hilfe suchen möchte. Aber erst einmal soll der Kleine zur Welt kommen. Möchte es vor allem ambulant schaffen, stationär wäre ja sehr ungünstig mit einem kleinen Kind.

Noch fünf Wochen bis zum errechneten Termin... Ich habe Angst....

Entweder der Kleine hält mich dann so auf Trab, dass ich nicht mehr so viel nachdenken kann, und ich habe wieder so viel Bewegungsfreiheit, dass ich Haushalt usw. alles normal schaffen kann ... Oder es geht noch mehr bergab.

Im Moment fühle ich mich wie 2003. Da hatte ich schon Waschzwänge, aber hatte sie so weit unter Kontrolle. Dann hatte ich einen Autounfall und danach ging es so schnell bergab, dass ich drei Monate später schon in der Klinik war. Momentan fühle ich mich wieder im freien Fall, ich weiß ja dass der Bauch noch größer werden wird...

Ich will doch auch, dass der Kleine normal aufwachsen kann....

Gibt es hier vielleicht Leute, mit denen man sich austauschen kann -womöglich auch andere Mütter bzw. Elternteile, die unter Zwängen leiden?!

2

Dienstag, 29. März 2011, 00:16

Hallo und willkommen im Forum!

Ich wünsche dir und deinem Kind alles Gute. Wenn du Glück hast, stabilisiert sich alles wieder, wenn die Hormone wieder normal werden. Hormonschwankungen wirken sich meist auch immer auh auf die Zwänge aus und eine Schwangerschaft ist da auch ein Faktor. Ich würde an deiner Stelle nicht zu lange warten, bis ich mir Hilfe suche, wenn man erstmal das Gefühl des freien Falls hat, erzeugt das nur wieder neue Ängste.Vielleicht gibt es in deiner Umgebung ja auch eine Selbsthilfegruppe oder so.

Paradoxerweise kann die Zwangs-Aufwandvermeidung dazu führen, dass es nach außen gegenteilig wirkt, kenne sowas von mir auch, wobei das vll sogar ein Fortschritt ist, auch wenn es wiederum eine Verlagerung bedeutet, aber das ist ja oft so bei Zwängen...

Viele Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

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3

Sonntag, 3. April 2011, 20:47

Danke für die Antwort!

Ich hoffe sehr, dass es nach der Geburt wieder besser wird. Wenn die Hormone sich normalisieren, wenn ich erst einmal die Geburt (und die Tage im Krankenhaus) geschafft habe usw.

Da es aber momentan steil bergab geht, habe ich letzte Woche meinen alten Therapeuten angeschrieben. Er sagte, er hat zwar lange Wartezeiten, wird mich aber ab Sommer dazwischen schieben. Habe dann keinen festen Platz, sondern jede Woche andere Uhrzeiten oder Tage, aber ich bin ja flexibel, da ich mit einem Baby ja nicht arbeiten gehe (und einen Babysitter für die eine Stunde findet mal auch).

Auch habe ich mit meinem Mann gesprochen, dass er bei Übungen (Verhaltenstherapie) mit dem Kleinen weggehen soll (Tagesausflug in den Zoo oder so), damit er das nicht mitbekommt, wenn Mama zu Hause am durchdrehen ist.

Und wenn gar nichts hilft, würde ich nochmal in die Klinik gehen. Zwar nicht wieder für 10 Wochen, aber wenn es möglich ist, als eine Art Kur für vier Wochen oder so.

Ich habe auch meine Unterlagen von dem Klinikaufenthalt von 2004 wieder raus geholt und lese da gerne drin. Ich weiß ja -im Gegensatz zu damals -was in meinem Kopf passiert. Trotzdem schaffe ich es nicht alleine, die Zwangshandlungen zu unterlassen. Manchmal (eher selten) schon, aber meistens nicht.

Es sieht hier auch immer schlimmer aus. Habe mir für kommende Woche fest vorgenommen, das ganze Haus nochmal gründlich zu putzen. Ist ja immer blöd wegen dem Duschen danach (nicht das Duschen, sondern das Anziehen ist gerade so schwer mit dem dicken Bauch...)

Also.... Morgen sind es noch vier Wochen bis zum errechneten Termin. Hoffentlich bekomme ich die Zeit noch einigermaßen gut rum und kann danach den Zwang ganz schnell wieder in den Griff bekommen!

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Montag, 9. Mai 2011, 09:39

RE: Ich will meinen Bauch zurück (schwanger)

Guten Morgen!

Ein kurzes Update -mein Sohn wurde am 21.04. geboren -wir sind gesund und munter und ich bin soooo glücklich, ihn bei mir zu haben!

Das Krankenhaus war natürlich der Horror für mich (generell fremde Betten, fremde Bäder usw.) aber wir haben es überlebt...

Ich bin jetzt auch schon wieder viel schneller unterwegs, d.h. auch im Haushalt, zu Fuß, bei meinen Zwängen. Das ist alles wunderbar.

Aber: Manchmal muss ich Sachen machen, die sehr schwer für mich sind. Und ich bin erschrocken darüber, dass ich dann nicht einmal meinen Sohn anfassen kann. Ich muss also dringend in eine Therapie! Zum Glück klappt es mit Milch abpumpen, so dass mein Mann dann für ihn da ist in der Zeit. Dann kann ich z.B. den Müll raus bringen an die Straße und danach duschen oder dergleichen...