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LeuchtenderStern

unregistriert

1

Dienstag, 21. Februar 2012, 16:38

Was können Zwänge bewirken und vor allem wie gehe ich mit den Zwängen meiner Ex-Freundin um?

Hallo,

Ich bin neu hier und bin Angehöriger. Es geht um meine Ex-Freundin, die mir immer noch sehr am Herzen liegt und die ich auf ihrem Weg bestmöglich unterstützen möchte. Wir haben einen sehr guten Kontakt zueinander, sind uns gegenseitig im Leben sehr wichtige Menschen, sehen uns relativ regelmässig, aber leider weiss ich über die Zwangserkrankung sehr wenig und wie man damit am besten umgeht und arbeite mich gerade schrittweise durch das Thema.

Vielleicht erzähle ich einfach mal die Geschichte und hoffe, der ein oder andere hat ein paar Gedanken, Tipps oder ähnliches für mich.

Ich war ein Jahr mit einer jungen Frau zusammen, die - wie ich merkte - ein paar Probleme hatte, die in meinen Augen aus vielen unschönen Erlebnissen in ihrer Vergangenheit wurzelten (ich wusste damals auch noch nichts von der Zwangserkrankung). Wir hatten eine sehr schöne gemeinsame Zeit, erlebten gemeinsam so viele schöne Sachen. Ich liebte sie sehr (sie sagte mal es wäre das erste Mal in ihrem Leben, dass sie wärmende Liebe bekomme und spüre) und umgekehrt hörte ich auch unendlich viele Worte der Liebe und über eine gemeinsame Zukunft - ich spürte diese Liebe in ihren Handlungen, sah und erkannte sie in ihren Augen und ihrem Gesicht und es wirkte schlüssig mit meinem inneren Gefühl (ich habe ein sehr ausgeprägtes inneres Gespür, das auch heute noch auf Entfernung spürt, wenn es ihr mal nicht so gut geht). Es gab nie Streit (vl mal eine kleine kurze Diskussion), kein Betrügen, nichts negatives...

Während unserer gemeinsamen Zeit meisterten wir einiges - u.a. bekam sie ihre Essstörung (die sie sich anfangs selber nicht eingestand) in den Griff, wobei ich anfangs auch wenig davon wusste und in einem Forum sehr hilfreiche Gedankenaustäusche pflegen konnte, die mir sehr im Umgang damit halfen und ich meine Freundin damals unterstützen konnte.

Sie hatte vor ein paar Jahren Panikattacken, die gänzlich weg sind aber wo einige Ängste übrigblieben, die sich - wenn sie alleine in ihrem Zimmer im Elternhaus übernachtete - in Kontrollzwângen vorm Schlafengehen auswirkten (Kontrollen, ob der Heizkörper abgedreht ist, die Lampe an der richtigen Stelle steht,...) und in schlechten Träumen. Wenn ich bei ihr übernachtete, waren die Kontrollen deutlich weniger und war sie bei mir, war nichts mehr davon da. Sie fühlte sich bei mir sicher und geborgen und von Liebe gewärmt (Umgekehrt ging es mir genauso) - Keine Ängste, keine Kontrollen. "Nur" schlechte Träume blieben und Ängste und Kontrollen, wenn sie alleine daheim war.
Wir haben viel geredet und kamen gemeinsam zu dem Punkt, dass sie psychologische Hilfe in Anspruch nehmen wollte, um ihre Ängste wegzukriegen. Es gab nicht gleich einen freien Termin, aber 2 Monate Wartezeit war noch vorstellbar.

In dieser Zeit lernte sie wen kennen, verstand nicht, dass sie wen andren anziehend findet wo sie doch mich liebte und bei mir sein wollte. Es folgte eine Zeit des Zerrissenseins (wo sie sich einige Male mit dem anderen getroffen hat - nur zum reden. Ich weiss heute, der andre wollte sie unbedingt "haben"). Ich fragte sie ob sie eine Auszeit wolle um nachzudenken was sie will - "nein, schick mich bitte nicht weg, ich will bei dir sein" war die antwort. sie sagte sie wünsche sich so sehr eine entscheidung von aussen, könne sich ein Leben ohne mich nicht vorstellen, wolle mich, zwischendurch war sie sicher dass sie nur bei mir sein wollte,... und trennte sich schliesslich doch, um sich sofort(!) ins Neue zu stürzen. In der ersten Zeit sagte sie dann noch wie sehr sie mich vermisse, dass sie glaube es gäbe eine gemeinsame zukunft für uns, dass sie zu eig zu mir zurückwolle,... und dennoch ist sie im Neuen.
Sie sagte jedes ihrer Worte wäre in dem Moment ehrlich gemeint gewesen...
Ich verstand die Welt nicht mehr, dass sie doch weg war. Und verstehe sie eig immer noch nicht - mir spuken immer wieder all die Worte, die immer durch glaubhafte Handlungen und Gefühle begleitet waren, durch den Kopf... Mein Bauchgefühl sagt seit dem Tag wo sie weg ist, dass irgendwas "komisch" ist.

Eines weiss ich aber - ihre Psyche/Seele ist wirklich angeschlagen und mir ist es erstmal am Allerwichtigsten, dass es ihr gut geht. Und wenn ich sie dabei unterstützen kann und meine Kraft sinnvoll einsetzen kann, möchte ich das tun. Vielleicht kann ich meine Liebe im Herzen für sie irgendwie sinnvoll nutzen.

Ich habe inzwischen den anderen kennengelernt - nett, er ist sehr verliebt in sie, hat aber auch manchmal eine sehr bestimmende Art und ich glaube, er weiss manchmal mit dem Innenleben meiner Ex-Freundin nicht ganz umzugehen. Sie ist sicher auch in ihn verliebt. Wenn ich die beiden sehe, sehe ich aber auch, dass meine Ex-Freundin sich in kurzer Zeit verändert hat. Sie ist in Gesellschaft ruhig geworden und war eig so fröhlich. Es tut mir manchmal weh, sie so zu sehen. Sie ist innerlich aggressiver und es fehlt ihr was - ich habe das Gefühl, sie lebt nicht ganz ihr Leben (das war erstmal mein Gespür und in einem Gespräch mit ihr kam das auch heraus. Was sie an ihm am meisten fasziniere - sein Akzent und sein Aussehen. Aber er hätte halt nicht meine Art. Wir würden von der Einstellung, den Interessen, dem Humor, den Hobbies perfekt zusammenpassen, "nur" halt zu wenig Liebe von ihrer Seite. Sie und ihr Neuer würden des öfteren streiten, wenn sie innerlich aggressiv ist, er könne nicht so gut mit ihr umgehen,.... Waren ihre Worte. Es fehlt ihr auch ihr vertrautes Umfeld - sie machen wenig mit ihren Freunden, die sie vermisst. Seine Freunde hätten einen andren Humor, mit ihnen wisse sie nicht so viel zu reden. Ganz selten habe ich sie so fröhlich wie früher gesehen... Aber ich sehe auch nur kleine Teile ihres Lebens).

Wie komme ich jetzt in diesem Zusammenhang zur Zwangserkrankung? Meine Ex-Freundin konnte inzwischen ihre Therapie beginnen und es wurden ihr Zwangsgedanken "diagnostiziert".
Vor kurzem hat sie mich mit einem Satz echt erschlagen: Sie habe mich nicht geliebt. Sie hätte es aber unbedingt wollen. Es wurde dann ein bisschen abgeschwächt mit: sie hätte mich auf eine andere Art geliebt. Und warum versteht das nur ihr Neuer jetzt...

Das hat mich erstmal umgehauen - passt absolut nicht zu meinem Gespür, den Worten oder der Handlungen unseres Jahres miteinander. Zu der gefühlsmässigen Zerrissenheit, als sie sich schlussendlich doch für ihn entschieden hat. Aber vl ist es so und ich war blind (müsste ich sie dann aber fur einen Gefühle ausnutzenden Menschen halten, der in mir den Glauben an die Liebe, Worte/Handlungen/Gefühle darüber, ... zu zerstören droht - und dagegen sträubt sich alles in mir - das von ihr zu glauben. Oder hab ich mich doch so in ihr getäuscht? Aber ich hab doch ihre verwundete, aber doch ehrliche Seele gesehen. Tausend Gedanken, die da durch den Kopf gehen ). Oder vl wurde ihr das (unbewusst) "eingeredet", als sie sich in der Phase der Zerrissenheit eine Entscheidung von aussen wünschte? - vl klang das als Grund für sie schlüssig und sie hat es "übernommen". Ich weiss es absolut nicht. (Auch wenn ich mich wiederhole, ihr Neuer ist wirkl nett, ich denke auch dass er ein guter Mensch ist, ich verstehe mich gut mit ihm, aber er kann eben auch sehr bestimmend sein (ich habe zb gehört, wenn er zu ihr sagt: du musst das in den griff kriegen. Oder: das und das ist so. Das tut man nicht...)).

Vor ein paar Tagen erzählte mir meine Ex-Freundin, dass sie Zwangsgedanken auch in der Richtung gehabt hätte, dass sie ihren Neuen ermorden wollte. Diese hätte sie bei mir aber nie gehabt. Das mache ihr sehr zu denken. Diese Gedanken seien besser, seit sie parallel zur gerade begonnenen Psychotherapie auch ein Medikament nimmt.
Das hat mich jetzt aufgerüttelt, mehr über die Zwangserkrankung zu lernen. Es war ein Alarmzeichen, was da alles in ihr arbeitet und wirft für mich einige Fragen auf:
Was ist der hilfreichste Umgang mit Zwangserkrankten?

Wodurch entstehen (neue) Zwangsgedanken?

Ich habe gelesen, dass Zwangserkrankte sich oft mit Entscheidungen schwer tun und ganz froh sind, wenn für sie entschieden wird - stimmt das? Soll man diese Schwäche akzeptieren bis die Therapie greift und Zwangserkrankten solche Entscheidungen abnehmen oder soll/kann man Entscheidungsfähigkeit sanft fördern? (ich lernte meine Ex-Freundin wirkl als etwas entscheidungsschwach kennen - nicht immer, aber bei wichtigen Dingen)

Können "du mussts" das Leben von Zwangserkrankten erschweren oder hilft es ihnen?
...
Für mich persönlich wäre es auch interessant, ob die Art unserer Trennung auch irgendwie mit der Krankheit zusammenhângen kann


Ich wäre für jeden eurer Gedanken sehr dankbar. Ich möchte, dass es meiner Ex-Freundin einfach gut geht. Ich möchte selber im Umgang nichts falsch machen, sondern unterstützen wo es geht.
(und sollte nebenbei auch was dabeisein, was mir in meiner Verwirrung hilft, unsere Trennung ein kleines bisschen besser zu verstehen - auch wenn es nichts an den Tatsachen ändert, bin ich auch sehr dankbar).

Vielen Dank für eure Geduld mit diesem Roman - ich hoffe, er war nicht zu verwirrend!

Liebe Grüße,
LeuchtenderStern

2

Dienstag, 21. Februar 2012, 21:09

Hallo und Willkommen im Forum!

Zuerst wäre es hilfreich, wenn man wüßte, von welchem Alter hier die Rede ist... den Schilderungen nach klingt es für mich nach der Alterspanne 16-maximal Anfang 20.

Was mir beim Lesen außerdem in den Sinn kam, war der Gedanke: Wieso denkst du eigentlich nicht an dich selbst und dein Wohlergehen? Wieso dreht sich alles nur um sie?

Unabhängig davon, ob jemand zwangskrank ist oder nicht,kommt immer noch der Charakter eines Menschen hinzu und jemand, der von Beziehung/Bett 1 direkt in Beziehung/Bett 2 steigt, besitzt in meinen Augen nicht besonders viel Integrität. Ich würde das auch nicht durch "sie ist eben zwangskrank" entschuldigen, denn so ein Verhalten legen sowohl manche Zwangskranke als auch Nicht-Zwangskranke an den Tag.

Außerdem finde ich es ziemlich mies von ihr, dich in ihr neues Beziehungsleben/Probleme mit einzubinden. Du hängst noch an ihr und musst mit der Trennung klarkommen und sie hat dann gleich zwei Männer in der Tasche, einen fürs Bett und einen zum Trösten - toll!

Ihr scheint es auch gleichgültig zu sein, wie du dich damit fühlst. Wer hört schon gerne nach einer Trennung vom neuen Beziehungsalltag des Expartners?...

Zum Thema Liebe, (meine persönliche Meinung) wenn man wirklich jemand liebt, dann gibt man das nicht einfach auf, vor allem nicht ohne trifftigen Grund, wie zB schlimme Streits, totales Auseinanderleben oder Ähnliches. Wer sich dann trennt, nur, weil was neues Aufregendes auftaucht, hat nicht richtig geliebt, der war nur ver-liebt.
Da beim Verliebtsein immer auch der Gehirnstoffwechsel eine Rolle spielt, zeigt sich echte Liebe sowieso erst nach 3 Jahren, denn dann sind die Botenstoffe des Verliebtseins nicht mehr vorhanden.

Wer erst einmal zwangskrank ist, bleibt es meistens auch, nur kann man mit der Zeit lernen, anders mit den Symptomen umzugehen und die Ausprägung der Zwänge kann nachlassen.

Zwangsymptome springen sehr gerne und verlagern sich, die Eßstörung passt auch dazu. Ich kannte eine Jugendliche, die zuerst zwangskrank war, dann behandelt wurde, der Zwang wurde weniger, stattdessen bekam sie eine starke Eßstörung.
Bei Zwangsgedanken ist es ähnlich, da muss es keinen konkreten Anlaß für neue geben, das ist eher so eine Art Automechanik, in Kombination mit dem Umfeld und neuen Ereignissen.

Wenn ihr neuer Freund dominant und bestimmender ist, kann sie das möglicherweise angenehmer finden, da ihr dadurch Verantwortung abgenommen wird. Zwänge haben immer auch einen Kontrollfaktor, der Sicherheit geben soll. Möglicherweise lagert sie es auf diese Weise aus.

Das sind alles nur Vermutungen, da ich sie nicht persönlich kenne und deshalb auch zu wenig über die Zusammenhänge zwischen ihren biografischen Erfahrungen und den Zwängen kenne.

Viele Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

LeuchtenderStern

unregistriert

3

Dienstag, 21. Februar 2012, 23:34

Hallo Hermit,

Vielen Dank für Deine Antwort.
Ich hab meine ersten Gedanken einfach mal fliessen lassen und es ist für mich ganz schwierig, Menschen und Situationen in Sätzen ganz richtig zu beschreiben ("erleben" wäre einfacher :-) )

Meine Ex-Freundin ist 21, ich bin 26. Mein Gedankenfluss konzentrierte sich hauptsächlich auf das Erlebte, das vielleicht einen Zusammenhang mit der Zwangserkrankung haben könnte (da mir dieses Themengebiet sehr neu ist). Es dreht sich im Ganzen gesehen nicht alles nur um sie - ich denke schon auch an mich, bin aber grundsätzlich ein Mensch mit viel innerer Kraft, dem es ein Anliegen ist, dass es auch den mir wichtigen Menschen gut geht und es fällt mir sehr schwer, jemanden "im Stich" zu lassen.
Ich habe sie sehr gut kennengelernt und habe während unserer gemeinsamen Zeit auch sehr viel Schönes und Unterstützung von ihr erhalten... sie ist auch als Mensch abseits einer Beziehung wichtig für mich (auch wenn in meinem Herzen noch Liebe für sie ist). Sie hat eine stabil wirkende Fassade (die die Menschen sehen können), aber ein ziemlich sensibles und zerrütetes Inneres (das kaum einer zu sehen bekommt bzw über das sie kaum spricht). Meine persönliche Einstellung ist, dass jeder die Chance auf "seelische Gesundheit" haben soll (soweit dies möglich ist) und der der Kraft hat, hierbei auch unterstützen kann.

Zum Zeitpunkt unserer Gespräche hatte ich diese Kraft wiedergefunden und war bereit, zuzuhören und fand es eig auch gut, dass sie über Inneres sprechen konnte und auch über ihre Zwangsgedanken (wissend, dass sie sich dabei ganz schwer tut).
Seit sie mir aber vor kurzem (erst jetzt im Nachhinein?!) gesagt hat, sie hätte mich nicht geliebt, aber es unbedingt Wollen, bin ich irritiert. Weil das für mich eben aus dem in dem Jahr Erlebten und Erfühlten so schwer zu glauben bzw verstehen ist und ich sie so wie ich sie kannte nicht eingeschätzt hätte. Aber wahrscheinlich hast du recht - es passt zum "schnellen" Aufgeben unserer Beziehung. Mir geht da aber auch die einmonatige "Zerrissenheitsphase" durch den Kopf, wo sie sich eine Entscheidung von aussen wünschte... und da frage ich mich, ob das (Entscheidungen von aussen erhoffen und diese vl auch bekommen zu haben oder vl auch beeinflusst worden zu sein) Typisch für Zwangskranke sein kann.

Ich möchte nichts durch "sie ist eben zwangskrank" entschuldigen, weiss aber auch, dass sie aufgrund ihrer Ängste ganz schwer allein sein kann. Ich versuche herauszufinden, was alles aus der Erkrankung kommen kann und was eben nicht. Und da hat mir deine Antwort schon einen Schritt weitergeholfen.

Ich versuche auch zu lernen, wie man mit Zwangskranken am besten umgeht (zwischen "Glaceehandschuhe" und "Härte"), um nicht zusätzlichen Schaden anzurichten.

Ja, ich bin im Moment irritiert und sicher auch verletzt, aber ich werde meine Kraft wiederfinden. Liebe kann man nicht erzwingen (und das ist auch richtig so), aber ich kann und möchte sie dann dennoch auf ihrem Weg zur Bewältigung ihrer Zwänge als Freund unterstützen.

Liebe Grüße,
LeuchtenderStern

4

Mittwoch, 22. Februar 2012, 01:38

Hi,

21 ist noch nicht so sehr alt, da fehlt mitunter auch die Selbst-Reflektion.

Ob sie dich nun geliebt hat oder nicht, ist vll gar nicht das Entscheidende für die jetzige Situation. (Aspekt: Verliebt-Sein/Liebe) bzw es ändert an der Situation doch nichts, da ihr sowieso getrennt seid und du trotzdem weiterhin in Kontakt bleiben willst. Wobei vielleicht denkst du auch, wenn sie früher oder später den anderen verläßt, könnte sie ja wieder zu dir kommen.

Es dauert bei manchen Menschen, egal ob krank oder nicht - teils ziemlich lange, bevor sie überhaupt differenzieren können zwischen echter Liebe und nur verliebt sein. Wobei ich ehrlich gesagt bezweifel, dass Menschen, die Partnerspringer sind überhaupt wirklich geliebt haben, denn wenn man wirklich liebt, ist man auch emotional gebunden, wie soll man sich da 'sofort' oder 'parallel' gleich auf jemand neues einlassen...das ist für mich ein Widerspruch in sich.

Ich würde nicht sagen, Zwangskranke wünschen sich generell Fremd-Entscheidungen, denn das würde auch eine Fremdkontrolle voraus setzen und das hat auch wieder etwas mit der Persönlichkeit zu tun. Oftmals verschlimmern sich Zwangssymptome bei Kontrollverlust, durch äußere Umstände, die man nicht beeinflussen kann. Insofern passt es vielleicht zu ihrer Persönlichkeitsstruktur, ist jedoch keine generelle Eigenschaft von Zwangskranken. Ich denke, Zwang und Persönlichkeit läßt sich sowieso nicht voneinander trennen, die Übergänge sind fließend, die Frage ist eher, inwieweit man noch in der Lage ist, sein Leben zu leben (gesunde Neurose).

Ich finde, man sollte nicht absichtlich Situationen erzeugen, die die Zwangssymptome verschlimmern. Wenn sie nur Zwangsgedanken hat, musst du sehen, ob es konkrete Auslöser auf zwischenmenschlicher Ebene gibt, die das dann Verschlechtern.
Andererseits solltest du dich jedoch auch nicht total ihrem Zwang anpassen.
Es kommt immer auf die Situation und den Inhalt an, bei Zwangshandlungen läßt sich der Auslöser/Konflikt vll eher konkret benennen als bei Zwangsgedanken.

Welche Form der Unterstützung stellst du dir konkret vor?

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

LeuchtenderStern

unregistriert

5

Mittwoch, 22. Februar 2012, 17:54

Hi,

Danke für deine Denkanstöße. Es stimmt, ob nun geliebt oder nicht ist nicht das Entscheidende in der aktuellen Situation und ändert diese auch nicht - das ist klar. wirft aber bei mir - nachdem was alles gesagt, erlebt und gefühlt wurde - ein paar Fragezeichen auf, die sich auch bei mir auswirken. Ist aber jetzt nicht das Thema hier. Diesbezüglich wollte ich für mich ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen, ob die Zwangserkrankung "Liebe schwindet" mitbewirken kann oder "Fremdeinfluss/entscheidung" ermöglicht.
Ich verstehe aus dem Bisherigen, dass Persönlichkeit und Erkrankung eng verbunden sind und zusammenwirken und dass die Erkrankung komplex ist und bei jedem ein anderes Bild haben kann.

Hilfreich wäre auch, was kann alles Auslöser für Zwänge sein (ihren Kontrollzwang beim Alleinesein kannte ich, Zwangsgedanken sind jetzt neu) und wie man diese vielleicht vermeiden könnte?.
Ich habe gelernt, dass auch das keine einfache Frage ist und von Mensch zu Mensch in unterschiedlichen Situationen unterschiedlich ist.

Wie ich mir eine Unterstützung vorstelle?
Hm, hauptsächlich habe ich daran gedacht, wenn sie das Thema anspricht, nicht falsch zu reagieren. Da stellen sich mir zB die Fragen, ob ich einfach zuhören soll, wenn sie von Zwangsgedanken erzählt oder ob auch mal weiter nachfragen in dem Moment hilfreich für sie ist? Oder soll ich auch mal aktiv nachfragen, wies ihr grad damit geht (nat wenn die Situation passt) oder weckt das evtl grad schlafende Hunde?

Mich beschäftigt auch die Frage, ob man einem Zwangskranken helfen kann (zB durch Sicherheit, Geborgenheit o.ä.), dass die Gedanken/Kontrollzwänge gar nicht oder seltener aufkommen?

Eigentlich ist alles hilfreich, um die Zwangserkrankung besser zu verstehen...

Liebe Grüße,
LeuchtenderStern

6

Mittwoch, 22. Februar 2012, 20:56

Hi

Wesentlich für jede Freundschaft finde ich gegenseitiges Verständnis und Akzeptieren, den anderen so, wie er ist anzunehmen und nicht zu versuchen, das zu ändern. Es gibt immer biografische Gründe, weshalb jemand ist, wie er ist.

Der zweite wesentliche Faktor ist, trotzdem auch die eigenen Grenzen zu schützen und sich nicht aus lauter Sympathie mißachten zu lassen und respektloses Verhalten zu entschuldigen, wenn der andere permanent die Grenzen ignoriert.

Der dritte Aspekt ist zu wissen, dass die Sympathie trotz allen Schattenseiten besteht.

Wenn es einem gelingt, alle drei Aspekte umzusetzen, hat man eine fundierte Basis für eine Freundschaft, unabhängig davon, ob jemand nun zB Zwangskrank ist oder nicht.

Zitat

Diesbezüglich wollte ich für mich ein bisschen ein Gefühl dafür bekommen, ob die Zwangserkrankung "Liebe schwindet" mitbewirken kann oder "Fremdeinfluss/entscheidung" ermöglicht.


Das ist kein Zwangskranken-Problem, sondern ebenfalls ein charakterliches bzw eines der Persönlichkeit. Wenn du dir zB Biografien durchliest oder manche Berichte zu Paaren ansiehst, kannst du feststellen, dass schwindende Liebe und/durch Fremdbeeinflussung gang und gäbe ist, nicht umsonst gibt es zB das Sprichwort der bösen Schwiergermutter und leider gibt es tatsächlich sehr viele Söhne, die zu schwach sind, zu ihrer Freundin zu stehen, wenn das Umfeld etwas dagegen hat...

verunsicherung und Beeinflussung durch andere ist kein "Symptom" von Zwangskranken, das kann - theoretisch - jeder Mensch erleben.

Was der Auslöser bei ihr ist und wie das vermieden werden könnte, kann nur sie selbst dir beantworten.

Ich denke nicht, dass ihre Zwangsgedanken neu sind, vll weißt du nur erst jetzt davon. Es wäre sehr ungewöhnlich, wenn sie über Jahre Kontrollzwänge gehabt hätte, ohne Zwangsgedanken,wobei man auch sagen könnte Zwangsgefühle.

Am unverfänglichsten ist ie Formulierung: Willst du darüber reden?

Da kann jeder selbst entscheiden.

Wenn du etwas wissen willst, frag sie, ob du fragen darfst.

Nicht immer ist es vorteilhaft detailliert über Zwangssymptome und Inhalte zu sprechen.

Zitat

Mich beschäftigt auch die Frage, ob man einem Zwangskranken helfen kann (zB durch Sicherheit, Geborgenheit o.ä.), dass die Gedanken/Kontrollzwänge gar nicht oder seltener aufkommen?


Bedingt ja, jedoch kannst du für keinen Erwachsenen so eine Rolle übernehmen, entweder, der Betroffene lernt selbst, sich den eigenen Ängsten zu stellen und damit umzugehen, oder es entsteht nur eine neue Abhängigkeit.
Man kann für niemand anderen die Lebenssicherheit gewährleisten, man kann nur lernen, Vertrauen zu sich selbst und ins eigene Leben zu bekommen.
Dem anderen das Fehlende dauerhaft ersetzen zu wollen, halte ich für das kontraproduktiveste, was man tun könnte.

Als Beispiel:

Angenommen, dir gelingt es zeitlich begrenzt so etwas zu "erschaffen" und dann triffst du jemand neues, ziehst um wegen einem neuen Job oder so, dann steht sie da und alles bricht zusammen.

Ich denke, der einzige Weg ist zu lernen, auf sich selbst zu vertrauen, mit der Gewißheit, dass es Menschen gibt, die einem zur Seite stehen und helfen, wenn man wirklich Hilfe braucht, aber eben nicht die Verantwortung fürs eigene Leben abnehmen.

Rein spekulativ, kann jemand, der versucht, einem alles zu erleichtern auch bedrohlich wirken, weil man dadurch abhängig wird/werden kann, was wiederum Kontrollverlust bedeuten würde. Da könnte es sicherer erscheinen, sich zu trennen, bevor man sich zu sehr dran gewöhnt und am Ende verlassen wird OHNE dann die Kontrolle zu haben.

Solange jemand keine Therapie gemacht hat und sich intensiv mit sich selbst, der eigenen Biografie und den Verhaltensmustern auseinander gesetzt hat, läuft vieles total unbewusst ab und derjenige wird das selbst mitunter gar nicht wissen, wieso er sich so oder so verhält...

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L