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Hayastan

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Zwangssymptome: Kontrollzwang, Zwangsgedanken (agressiver Inhalte)

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Donnerstag, 29. März 2012, 23:10

soziale Kompetenz und Erlebnisfähigkeit

In einem Buch über Zwänge habe ich folgende Passage gelesen: "Viele Menschen mit einer Zwangsstörung weisen in ihrem Sozialverhalten deutliche Defizite auf und zwar hauptsächlich in Bezug auf ein niedriges Selbstwertgefühl, mangelnde soziale Kompetenz und zwischenmenschliche Erlebnisfähigkeit."

Wenn ich mich selbst betrachte, muss ich feststellen, dass das bei mir auch zutrifft. Mir ist zum Beispiel aufgefallen dass ich nur begrenzt auf Menschen eingehen kann. Ich kann ihnen oft nicht zuhören, weil meine Gedanken abdriften (z.B. Richtung Zwangsgedanken) und ich sowieso nur mit mir selbst beschäftigt bin. Kennt ihr das?

Richtig krass ist mir das heute aufgefallen, als meine Schwester zu Besuch war und mir auch vorgeworfen hat, dass ich mich nicht ins einfühlen könnte. Das hat mich sehr traurig gemacht.
Aber es stimmt schon, dass mir oft das Interesse ( ich denke es ist vor allem die Kraft) an anderen fehlt. Ich glaube, dass ist einer der Hauptgründe, warum ich den Eindruck habe nie richtigen sozialen Anschluss zu knüpfen. Oft fällt es mir schwer Freundschaften zu knüpfen und aufrecht zu erhalten. Ich merke, dass mir das Zusammensein mit anderen Menschen schnell zu viel wird und ich mich nach Ruhe sehne. Ich gehe am Wochenende kaum weg und melde mich selten bei Freunden. Oft habe ich gemeinsame Treffen vorher abgesagt und dadurch auch schon Menschen enttäuscht, die sich von mir abgewandt haben. Folglich meldet sich selten jemand bei mir und möchte sich mit mir treffen. Das ist ja auch logisch, weil ich selbst immer auf Abstand gehe und auch keinen Kontakt suche/möchte/meide. Ich weiß nicht so recht, woran das liegt. Ich denke manchmal, dass ich einfach gefühlskalt und sozial inkompetent bin.

Kennt ihr einen Weg daraus? Soll man sich zum sozialen Kontakt zwingen? Oder alleine sein, wenn man das möchte? Ist etwas falsch mit mir? Wie bekommt man das Interesse an anderen Menschen zurück und vor allem wie erhält man mehr Lust an gemeinschaftlichen Unternehmungen? Fragen über Fragen...
Ich war allzu moralisch, allzu vernünftig.. gewesen! .. Und so war es mir wieder einmal geschehen, daß ich mich selbst und das ganze Leben vergewaltigt hatte.
- Hermann Hesse, Kurgast

grovn88

unregistriert

2

Freitag, 30. März 2012, 07:47

Ich hätte da erstmal noch eine Frage an dich und zwar : Du hast doch die Passe über Zwangsdenken gelesen ....Welchen genauen Zwang hättes du den?Oder Passen die Symptome einfach nur zu dir? Falls ja gehts mir da ähnlich wie dir.

Ich besitze eig nur einen Kumpel und selbst dem sage ich ständig ab selbst wenn ich die "Freundschaft vermisse" passiert es trotzdem das ich kurz vorher anrufe und Absage weil ich mich Urplötzlich nicht mehr in der Lage sehe mit ihm Stundenlang zu Kommunizieren.Generell gesehen möchten mehr Leute Kontaktiert zu mir wie umgekehrt, obwohl ich oft jammere und mir denke du brauchst Freunde Junge!!!!

Dann sitze ich Samstagsabend alleine zu Hause und denke mir gleich gehst du was in die Stadt in irgendeine Bar trinkst dir ein Bier und irg lernst du schon welche kennen...obwohl ich echt schiss habe dann alleine in die Stadt zu fahren und mir ausmale wie scheisse es laufen würde...kann ich nur sagen ich habe mich schon überwunden und ne richtig geile Nacht verlebt...ABER darraus sind keine Freundschaften entstanden,keine Beziehung zwar Leute kennengelernt aber halt nnur für den einen Abend......Soo wenn ich das Heute denke weiss ich

1. Du magst Bars eig gar nicht
2. Die meisten Leuten benutzen dich eh nur als Beichtstuhl
(Ich komme immer wieder in die Rolle des Zuhörers weil ich halt nicht Pausenlos Rede-Wenig einfach so so bin ich ,aber genau deshalb mögen mich ja alle sie können mich stundenlang zu nerven ja und ich WILL NUR NOCH WEG!!!!
darraus konsultiert

3. Ich bin es Fast Leid Leute zu Suchen die mir mal Zuhören und die MIR mal Dinge Erzählen die mich auch WIRKLICH Interessieren.

......
Weisst du wenn dich das was deine "schwester wars glaube ich" gar nicht Interessiert , wirst du dich da nicht reinfühlen können, genauso wenig wen du einen eigenen Zwang hast (den wir ja noch nicht wissen?) der dich immer Ablenkt

Es ist verdammt Schwer sein Leben so führen zu können wie man selber will wenn man nen Knick im Hirn hat xD

Hoffentlich Antworten dir noch einige den eig kann ich selber jeden Tipp gebrauchen :)

Sandra

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3

Freitag, 30. März 2012, 10:25

Hallo Hayastan,

für mich war es zum Teil sehr hilfreich mein Umfeld nach jahren der Unwissenheit über meine Erkrankung "auf zu klären",warum ich mich so verhalte wie ich mich nun mal verhalte.Ich mußte auch erst die Zwänge ein Stück weit in den Griff bekommen und dann konnte ich anfangen mich um meine sozialen Kontakte zu kümmern oder was davon im laufe der Jahre noch übrig geblieben war.Heute bin ich im stande meine sozialen Kontakte zu "pflegen",weil mir die Menschen gut tun und mir auch Kraft geben.

Du solltest dich nicht zwingen,was sollte es dir auch für einen Nutzen bringen!?Ich weiß ja nicht in wie weit dein Umfeld über deine Erkrankung bescheid weiß.Die Offenheit und das sprechen darüber können ein Schritt auf die Menschen zu und aus der Isolation sein aber das mußt du entscheiden.

Liebe Grüße
Sandra

motte

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4

Freitag, 30. März 2012, 14:36

RE: soziale Kompetenz und Erlebnisfähigkeit

Hallo!

Bei mir ist es (leider) auch so, dass ich nur wenige Freunde habe. Ich bin manchmal sehr traurig darüber, war es doch früher anders (vor den Zwängen; da war ich ständig unterwegs auf Feiern, bei Freunden usw.) Aber ich merke auch, dass ich einfach sehr viel Zeit für mich brauche. Gerade jetzt, wo mein Sohn (11,5 Monate alt) mich 14 Stunden am Tag auf Trab hält und während dem Mittagsschlaf der Haushalt wartet, bin ich abends sehr müde und möchte nicht einmal mehr telefonieren.

In der Klinik habe ich aber auch gelernt, dass die Zwänge mein "Instrument" zur Abgrenzung und Distanzierung sind. Ich kann z.B. schlecht "Nein" sagen oder will es immer allen recht machen; außer beim Zwang. Ich denke, Zwang und soziale Kompetenzen hängen auf jeden Fall zusammen.

Wenn ich mich dann aber doch mal aufraffen konnte und etwas unternehme, dann kann ich überraschenderweise auch wirklich gut abschalten und Spaß haben.
Draußen geht es mir also immer besser als zu Hause. Da kann ich auch z.B. schlecht lange zuhören oder mich konzentrieren; unterwegs führe ich stundenlang Gespräche usw.

Hayastan

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Samstag, 31. März 2012, 16:10

vielen Dank, eure Antworten helfen mir, gerade weil sie mir zeigen, dass ich nicht alleine bin.

Im Grunde genommen, gibt es ja keine Regeln, wie man im zwischenmenschlichen Bereich sein Leben zu führen hat. Ich meine damit, niemand schreibt einem vor, wie viele Freunde man zu haben hat oder wie man seine Freizeit zu gestalten hat. Es gibt da eben den Mainstream, der es für normal ansieht, in seiner Freizeit Dinge mit anderen Menschen zu unternehmen ( Ausflüge, Party etc.), aber nirgendwo steht, dass man das auch machen muss. Wir halten es für normal und fühlen uns anormal, wenn wir nicht dieses Verhalten an den Tag legen.
Dabei glaube ich, dass es auch mal ganz gut ist, Zeit mit sich zu verbringen. Ich glaube es ist wichtig, mit sich selbst Zeit verbringen zu können. Wer das kann, ist zwar alleine, aber nicht einsam und fühlt sich nicht unverstanden. Das ist glaube ich mein Problem. Ich suche soziale Kontakte, weil ich versuche eine innere Leere in mir zu füllen und die Anerkennung zu bekommen, die ich mir selbst nicht geben kann (haben Zwangskranke nicht auch ein Problem mit mangelnder Selbstanerkennung... woher kämen sonst all die Zweifel?). Dabei kann man diese Dinge von außen nur begrenzt erhalten. Nur wenn sie von innen heraus wachsen, sind sie beständig.
Ein gewisses Maß bzw. die richtige Art und Weise an sozialen Kontakten ist natürlich sehr wichtig. Der Mensch lebt eben nicht auf einer Scholle und gerade im Kontakt mit anderen Menschen erfahre ich mich selbst von einer ganz anderen Seite und lerne mich selbst auch kennen. Ich habe einfach das Problem, dass mir das richtige Maß abhanden gekommen ist... so scheint es mir zumindest.
Ich war allzu moralisch, allzu vernünftig.. gewesen! .. Und so war es mir wieder einmal geschehen, daß ich mich selbst und das ganze Leben vergewaltigt hatte.
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