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Jake_Sully

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21

Samstag, 26. Mai 2012, 02:52

Zitat

Original von Kenny
.... was man so liest *grusel*
.... Mir kommts vor als hätten manche hier ihre Meinungen und Ansichten in ner eigenen Realität entwickelt die mit dem Leben vor der Tür nicht viel zu tun haben. Anders kann ich mir nicht erklären wie rücksichtslos und mit Scheuklappen hier manche schreiben.

gut gesprochen! gut geschrieben!

Bevor ich richtig-zwangskrank wurde, war ich Vater mit zwanghafter Persönlichkeit. Und mein Sohn ist gesund, er ließ sich vom Studium-Abbruch nicht entmutigen und entwickelte sich mit viel Sozialkompetenz zu einem richtig-guten Kindergarten-Erzieher.

Tilo wird sicherlich ein besserer Vater als die geistig-abgestumpften Klingonen da-draußen!

22

Samstag, 26. Mai 2012, 11:32

"Boah echt erschreckend hier.... was man so liest *grusel*"

Ein Kind zu bekommen ist immer eine sehr persönliche Entscheidung, egal wie die Lebensumstände aussehen. Und jeder der sich ein Kind wünscht, sollte bei aller Freude doch auch daran denken, dass ein Kind das Leben komplett umkrempeln kann.

Aber ich kann nicht verstehen, warum es "gruselig" ist, wenn hier einige Leute ganz ehrlich zugeben, dass sie aufgrund ihrer Zwänge (zumindest vorerst) keine Kinder möchten. Das kann ich verstehen. Weiß ich denn, wie sich mein Kind entwickelt, wenn ich kaum aus dem Haus gehe, permanent Angst habe - und Kinder bekommen mehr mit, als viele denken.

Natürlich sind auch "gesunde" Eltern keine Garantie für ein glückliches Kind. Aber ich finde es verantwortungsvoll sich zu fragen: Bin ich in der Lage mich für mein Kind hintenanzustellen? Ich finde es eher erschreckend, dass man sich, wenn man sich gegen Kinder entscheidet, immer schief angesehen wird!

Heartsease

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23

Samstag, 26. Mai 2012, 11:44

Zunächst einmal möchte ich sagen, dass jeder, der sich persönlich dafür entscheidet auf Kinder zu verzichten, weil er glaubt ihnen keine guten Bedingungen zum aufwachsen bieten zu können, meinen Respekt hat. Die eigenen Beweggründe auf andere auszuweiten, finde ich aber etwas problematisch.
Kinder zu bekommen gehört zu den persönlichsten, sensibelsten und letztlich auch natürlichsten Dingen, die es gibt und Kindern beim aufwachsen zu helfen zu den schwierigsten. Alle Eltern tragen irgendein Paket (Charakterzüge, blinde Flecken, unerfüllte Träume, Verletzungen etc.) mit sich, das den Kindern die Kindheit vermiesen wird. Und dazu gibt es noch Millionen von Faktoren (Todesfälle, Scheidungen, Unfälle, Mobbing, finanzieller Ruin etc.), die in einem Leben unvorhergesehen auftauchen können und ebenfalls großen Einfluss haben. Ein Kind möglichst unbeschadet durch diesen Dschungel zu bekommen, ist nicht ganz einfach und ein gewisser Anteil an Problemen gehört wohl leider auch zum Leben eines Kindes.
Umgekehrt tragen aber auch alle Eltern und jedes Umfeld Stärken in sich (und gerade durch Krisen kann man sich auch entwickeln und besondere Kompetenzen erwerben). Die Mischung macht‘s und wer will das schon von außen beurteilen? Das kreiert nur allzu leicht Schuldgefühle und die gehören zu den größten Fallstricken, ganz besonders bei Menschen mit Zwangsstörungen.
Ich will aber gar nicht herunterspielen, dass Kinder sehr unter den Zwängen ihrer Eltern leiden können und ich denke, dass das auch ein interessantes Thema für dieses Forum sein könnte (vielleicht gibt es ja Betroffene, die darüber berichten möchten), aber eher losgelöst von einem ganz konkreten Kinderwunsch. Und Ich glaube, es ist sehr sinnvoll (vor allem für Eltern) sich mit den eigenen Fallstricken auseinanderzusetzen und sich genau anzugucken wie sich diese auf ein Kind auswirken (könnten), wenn man mit einem besonderen Problem wie mit einer Zwangsstörung leben muss, umso mehr.
Hilfe kann man dabei auch bekommen. Inzwischen gibt es ja einige Beratungsangebote für Kinder psychisch Kranker (meist allerdings eher auf Psychosen oder Depression ausgerichtet), in denen zum Teil auch Elternberatung und/oder Informationsmaterial angeboten wird.
z. B. :
http://www.bag-kipe.de/eltern-und-kinder.html
http://www.kipsy.net/10.0.html

Gruß,
Heartsease

Heartsease

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24

Samstag, 26. Mai 2012, 11:49

Zitat

Original von Kenny
Boah echt erschreckend hier.... was man so liest *grusel*
.


Hm, ich glaube es wäre hilfreich wenn Du beschreiben würdest, welche Aussagen und was daran Du gruselig findest.

Gruß,
Heartsease

Heartsease

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25

Samstag, 26. Mai 2012, 11:51

Zitat

Original von Jake_Sully

Tilo wird sicherlich ein besserer Vater als die geistig-abgestumpften Klingonen da-draußen!


Aber Worf ist doch ein ganz guter Vater :-)

Gruß,
Heartsease

26

Samstag, 26. Mai 2012, 19:18

RE: Kinderwunsch

Muß dich leider enttäuschen, ich bin kein Hartz4 er.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

27

Montag, 28. Mai 2012, 10:58

Hallo,

beide Seiten habe irgendwo ein wenig Recht.

Das ein Kind die Freiheit eines Kindes einschrenken kann ist klar. Aber meine Ehefrau wird sich bedingt durch ihre Eigenschaft als Mutter mehr wohl um sie kümmern. Wenn eine Frau eine Zwangskrankheit hat, dann wäre die Sache wohl schwieriger.

Natürlich habe ich mir auch darüber Gedanken gemacht. Ich habe ja auch Angst einem Kind sexuell was gemacht haben zu können. Aber ich weiß auch, dass ich so etwas nie machen würde.

Ferner sehe ich das so: Die Krankheit lebt davon, dass wir uns immer mehr zurück ziehen und immer mehr nachgeben. So sehen das auch Leute, die sich bewusst gegen das Kind entscheiden. Als Vorwand wird dann genommen, dass "Wohl" des Kindes eingeführt.

Und wenn ich den ganzen Schmarn mit "dem Kind keine Zukunft bieten zu können" lese, zeigt das mir, wie krank wir eigentlich sind. Wir leben hier in Deutschland. Trotz den nicht mehr so toll werden Bedingungen haben wir das sicherste Sozialsystem auf der Welt. Kein Kind muss bei uns verhungen (Gott sei Dank) und jedes Kind studieren, selbst wenn die Eltern Hartz4-Empfänger sind.

Desweiteren vergessen die Deutschen (...ich bin Ausländer...), dass in vielen Kuluturen auf der Welt, und das ist bei den Meisten so, dass Kinder die Basis einer glücklichen Familie sind.

In Kombination dieses Glückes und dem guten Sozialsystem in Deutschland frage ich mich wieso die Deutschen sich immer mehr gegen ein Kind entscheiden. Für mich ist die Antwort glasklar: Es ist purer Egoismus seinen Leben jemand anderen nach orientieren zu müssen. Als Vorwand schiebt man wirtschaftliche Lage usw.

Möchte jetzt nicht eine Grundsatzdiskussion in Brand setzen. Jeder muss es selbst wissen. Ich wollte nur meine Entscheidungsgründe bzw. Überzeugungen kund tun.

Heartsease

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28

Montag, 28. Mai 2012, 11:20

Zitat

Original von Tilo
In Kombination dieses Glückes und dem guten Sozialsystem in Deutschland frage ich mich wieso die Deutschen sich immer mehr gegen ein Kind entscheiden. Für mich ist die Antwort glasklar: Es ist purer Egoismus seinen Leben jemand anderen nach orientieren zu müssen. Als Vorwand schiebt man wirtschaftliche Lage usw.


Das ist zwar eine ganz andere Diskussion, aber ich glaube, dass die Entscheidung für oder gegen ein Kind in der Regel "egoistisch" ist, d. h. man entscheidet sich danach, ob man ein Kind als Bereicherung für sein eigenes Leben empfindet oder nicht. Darüber hinaus gibt es viele Menschen, die sich nicht wirklich entschieden haben. Da kam das Kind ungeplant, der Partner wollte keine Kinder oder es gab keinen Partner in der passenden Zeit. Du hast ja selbst erwähnt, dass die biologische Uhr tickt. Im übrigen ist die Tatsache, dass es in vielen armen Ländern kinderreiche Familien gibt, auch nicht immer nur der dortigen Kinderfreundlichkeit geschuldet. Tatsächlich garantieren Kinder da häufig das Überleben im Alter, es gibt kulturelle Zwänge oder wenig Wissen bzw. Zugang zu Verhütungsmitteln.

Ich glaube aber, dass wir hier in Deutschland (oder anderen westlichen Ländern) in der Tat sehr unter Druck stehen (von innen und außen), in Sachen Kindern alles richtig zu machen, was ich auch nicht immer so vorteilhaft finde. Das kommt jedoch aus einer Sorge für das Wohlergehen der Kinder heraus und so habe ich die Beiträge hier bisher auch verstanden.

Gruß,
Heartsease

29

Montag, 28. Mai 2012, 11:49

Ich kommen aus der Türkei. Ich kenne dort viele Familien, die gerade mal Hartz4 Niveau leben mit zwei Kindern.

Und ich kann Euch versichern, die Kinder dort sind glücklicher als hier. Denn die Familie ist das höchste Geschenk für diese Leute. Die habe keinen Flachbildschirm, die haben kein Auto, die haben jeden Tag kein Fleisch (1 mal im Monat), die Kinder spielen vor der Türe mit Sand, Erde und einem Stecken und sind dennoch glücklich.

Meine Zwangskrankheit resuliert - wie bei den meisten Menschen auch wohl - von der Existenz Angst. Ich frage mich daher immer, wovor ich Angst habe? Ist es wirklich die Angst zu verhungern? Nein. Ist es den Standard zu verlieren? Ja. Brauche ich diesen Standard unbedingt? Nein. Wieso setzt man sich dann unter Druck? Weil es alle um sich auch machen.

Komisch ist, dass wenn ich unten bin, die Krankheit fast verschwindet.

Deshalb sind Kinder keine Last für unsere Krankheit, sondern eine Bereicherung. Bei jeder Verhaltenstherapie versucht der Psychologe uns abzulenken mit Hobbies etc. Auch Kinder sind eine Ablenkung.

Heartsease

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30

Montag, 28. Mai 2012, 12:37

Zitat

Original von Tilo
Ich kommen aus der Türkei. Ich kenne dort viele Familien, die gerade mal Hartz4 Niveau leben mit zwei Kindern.
Und ich kann Euch versichern, die Kinder dort sind glücklicher als hier. Denn die Familie ist das höchste Geschenk für diese Leute. Die habe keinen Flachbildschirm, die haben kein Auto, die haben jeden Tag kein Fleisch (1 mal im Monat), die Kinder spielen vor der Türe mit Sand, Erde und einem Stecken und sind dennoch glücklich.
.


Ich kenne (hier) sehr viele Kinder aus Familien, die von Arbeitslosengeld 2 oder einem ähnlich niedrigen Einkommen leben. Da gibt's Glückliche und Unglückliche und die, die wirklich sehr unglücklich sind, sind es in der Regel nicht, weil ihre Familien wenig Geld haben. Nein, ich denke auch nicht, dass der Faktor Geld (abgesehen von den Extremen) so auschlaggebend ist.

Wenn das Thema "Geld/Existenzangst" in Bezug auf Deinen Zwang eine Rolle spielt, so wäre es auch ein guter Ansatzpunkt sich etwas genauer damit zu beschäftigen worin genau die Angst besteht, genauso wie mit der Tatsache, dass Du Dich in der Türkei weniger von Zwängen belastet fühlst als hier (was genau wirkt entlastend auf Dich?).

Gruß,
Heartsease

31

Dienstag, 29. Mai 2012, 16:45

Was genau für mich entlastend wirkt? Das immatrielle. In Deutschland zählt nur das Geld. Ein Kumpel von mir der in einer großen Firma arbeitet (über 2000 Mitarbeiter) erzählte mir, dass diskutiert wird, ob man im Foyer für die Kunden einen Wasserspender hinstellt. Kosten pro Monat 9 € inkl. das Wasser. Bei uns gehst du in eine Boutique rein und jeder kriegt selbstverständlich Wasser. Man wird sogar gefragt.

Bei uns zählt nur Kapitalismus. Das macht uns alle krank.

Übrigens die Antwort von einer Gynakologin im Internet:

Hallo XXX,

eine Beeinträchtigung der männlichen Fruchtbarkeit oder eine vermehrte Missbildungsrate ist durch die Anwendung von SSRI beim Mann nicht zu befürchten. Lesen Sie die entsprechenden Angaben im Beipackzettel des Mittels nach.

viele Grüße

32

Dienstag, 29. Mai 2012, 17:45

Zitat

Denn die Familie ist das höchste Geschenk für diese Leute.


Auch wenn es sicher immer und überall Ausnahmen gibt, stimmt dieser Unterschied im Denken schon.

Wenn man jetzt Familien/Paare mal unabhängig von sowas wie zB psych. Krankheiten betrachtet, so ist die Einstellung in Deutschland wirklich eine andere, weil die nötigen Werte nicht mehr vorhanden sind. Die Ehen nicht mehr halten, die Einheit Familie aus Mutter + Vater + Kindern irgendwie aus der Mode gekommen ist, viele Mütter mehrfachbelastet sind, durch Beruf und Kindererziehung, viele Kinder, die inzwischen erwachsen sind die gescheiterten Ehen ihrer Eltern miterlebt haben, etc.

Allerdings steht Deutschland damit nicht alleine da, in Japan ist die Geburtenrate und die Entscheidung gegen Kinder sogar noch höher als hier, wobei es in Deutschland auch etliche gibt, die gerne Kinder hätten, aber keine bekommen können.

Die USA sind die einzige Industrienation mit Geburtenplus.

Auf der anderen Seite dann die hohen Ansprüche, die Heartsease erwähnt hat.

Bei türkischen Familien wird mit dem Thema Familie, Kinder und Verwandtschaft insgesamt ganz anders umgegangen und das wirkt sich natürlich auf alle aus.

Grüße.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

33

Freitag, 1. Juni 2012, 00:14

hallo thilo,
als mutter einer zwangskranken tochter wollte ich dir einfach mal sagen, daß ich es super finde, wie verantwortungsvoll du mit dem thema "kind zeugen oder nicht" umgehst! und ich würde dir ganz subjektiv raten: macht es!
ihr seid offen zueinander, informiert euch und macht euch gedanken.
deine frau steht zu dir, und du stehst zu deiner krankheit.
ihr seid dann gewiß auch verantwortungsvolle eltern, die alles tun werden, was nötig und möglich ist, um eurem kind zu einem guten start ins leben zu verhelfen.
ich bin nicht psychisch krank, der vater meiner tochter ist es auch nicht, trotzdem ist sie zwangskrank. so what? bis vor zwei jahren hätten wir uns nicht vorstellen können, daß sowas auf uns zukommt.
und wie hier schon früher geschrieben wurde: das MUSS auch nicht auf euer kind zukommen. zwangskranke eltern können auch "ganz normale" kinder haben.
wichtig, denke ich, ist der umgang mit dem kind, sobald es in der lage ist, bestimmte handlungsmuster zu verstehen. da müsste dann verstärkt der nichtkranke elternteil ran. und später wäre sicher wichtig, dem kind die krankheit so zu erklären, daß es diese verstehen kann und sich nicht stellvertretend für dich schämt.
du arbeitest an dir, und dein kind lernt, daß papa ok ist, auch wenn er vielleicht manchmal sachen macht, die andere nicht machen.
ich glaube, das ist für ein kind nicht viel anders, als wenn es ein körperbehindertes elternteil hat: der/die ist auch nicht so, wie alle anderen eltern seiner freunde.
der/die kann bestimmte sachen nicht mitmachen, verhält sich unter bestimmten umständen halt so und so. aber kinder sind enorm lern- und anpassungsfähig, was solche sachen angeht. präge sie früh genug in der entsprechenden richtung, und, vor allem: mach ihnen klar, daß das nichts "schlimmes", peinliches ist, wofür man sich schämen muß.
wenn kinder früh lernen, offensiv mit "andersartigkeiten" in der familie umzugehen,
nehmen sie es für selbstverständlich und entwickeln ein gesundes selbstbewußtsein gegenüber eventuellen anfeindungen.
in diesem sinne: ich wünsche euch von herzen ein kind(oder zwei...)
denn ich weiß, trotz leidvoller erfahrungen in letzter zeit:
kinder sind das "salz in der suppe".
was auch immer du mit ihnen erlebst: es ist es wert, erlebt zu werden!
liebe grüße,
katja

34

Donnerstag, 7. Juni 2012, 21:56

Hallo Katja,

danke für deine Lieben Worte. Leider bin ich im Schreiben meiner Gefühle immer eine Niete gewesen, aber du hast sie für mich gut zusammen gefasst.

Ich schließe mich auch deiner Meinung an, dass wenn ein Elternteil Zwangskrank ist, dass auch nicht das Kind es werden muss.

Nur als Beispiel:

Heute hat fast jede dritte Frau Brust- und Männer Prostatakrebs. Vor 30 Jahren waren das seltene Krankheiten. Alles was die Schulmedizin nicht erklären, schiebt sie in die Schuld der Gene. Dabei sind die Gene meines Erachtens nicht Schuld. Die Gene sind von Anfang an gesund. Nur die Umwelteinflüsse machen sie mit der Zeit kaputt. Beispiel: Wenn du ein neues Auto kaufst, es jeden Tag in der Garage lässt und nach jeder Wäsche schön abtrocknest, rostet es wahrscheinlich nicht. Dagegen, wenn es auf der Straße steht und jeder Tropfen auf der Karosserie trocknet, danach die Sonne den Lack aufwärmt, dann geht dieser Wagen schnell zum Autofriedhof.

Und so sehe ich es auch mit dem Menschen. Früher gab es keine Informationsmedien. Bücher gab es zwar, aber da drin steht nicht immer die Wahrheit. Heute kann man sich dank Internet über alles informieren. Auch über die Kindererziehung. Deshalb werde ich mein Kind mit meiner Frau zusammen versuchen so gut wie möglich zu erziehen.

Was all bei uns Kranken eine Gemeinsamkeit ist:
Je mehr Liebe/Zuwendung wir haben, desto stärker ist unser Selbstbewusstsein, desto stärker sind wir psychisch. Und daran muss man in der heutigen Zeit an einem Kind arbeiten.

Vielleicht werde ich aber mal in die Türkei zurückkehren - dem Kind zuliebe. Hier in Deutschland zählt nur noch Geld, Geld, und nochmal Geld. Das macht uns alle kaputt. Auch dort ist Geld wichtig natürlich. Aber es geben noch Werte, die wir hier mittlerweile vermissen, ohne dass wir es merken, dass es uns fehlt: Es sind familiäre Werte und Zusammenhalt. Und wir suchen, und suchen und suchen und trauen uns keine Familie zu gründen.

35

Freitag, 8. Juni 2012, 02:37

Zitat

Hier in Deutschland zählt nur noch Geld, Geld, und nochmal Geld. Das macht uns alle kaputt.


Stimmt. Wir sollten alle schleunigst auswandern, dann sind wir sicher in Null-Komma-Nix wieder gesund.

Zitat

Vielleicht werde ich aber mal in die Türkei zurückkehren - dem Kind zuliebe.


Ich habe mal eine türkische Familie kennengelernt, die lieber in Deutschland geblieben ist - auch wenn sie hier weniger Geld hatten, als sie in der Türkei gehabt hätten - wegen ihren Kindern, weil sie es ihnen nicht zumuten wollten, dort aufwachsen zu müssen...

Wenn du so überzeugt davon bist, daß "Deutschland" dich krank gemacht hat, wieso bleibst du dann hier, wo die Heilung doch so nahe ist?

Zitat

Dabei sind die Gene meines Erachtens nicht Schuld. Die Gene sind von Anfang an gesund. Nur die Umwelteinflüsse machen sie mit der Zeit kaputt.


In welcher Epoche verfügte die Menschheit nochmal über "gesunde" Gene? Muß sehr, sehr lange her sein...
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