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Dienstag, 7. August 2012, 11:00

Brauche ganz schnell einen Rat zum Thema Lebensplanung mit zwangserkranktem Kind

Hallo an alle,

ich habe eine zwangserkrankte Tochter (21), die noch bei uns zu Hause wohnt.

Mein Mann und ich stehen kurz davor, eine Wohnung zu kaufen, die in zwei Jahren bezugsfertig wäre. Diese Wohnung wäre kleiner als unsere bisherige, was bedeutet, dass meine Tochter bis dahin auf eigenen Beinen stehen müsste und sich eine eigene Wohnung suchen müsste.

(Momentan soll sie sich darum bemühen, einen Studienplatz oder eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Ob ihr das gelingen wird, weiß ich nicht.)

Gestern wurde ich richtig panisch bei dem Gedanken, dass sie das alles nicht schaffen könnte. Was ist dann? Die Eigentumswohnung abschreiben und weiterhin in der jetzigen Mietswohnung bleiben? Das würde vermutlich zu großen Konflikten führen. Aber ich will meine Tochter auch nicht im Stich lassen.

Die Zeit drängt, da wir uns in den nächsten Tagen für oder gegen die Wohnung entscheiden müssen.

Ich hoffe, dass es Angehörige oder auch Betroffene gibt, die mir einen Ratschlag geben können.

Danke!!!!

Franka

@Katja: Wie du siehst, bin ich aus dem Urlaub zurück. Leider überrollt mich gerade wieder die Realität. Wie geht es dir und deiner Tochter? Würde mich freuen, von dir zu hören!

sabrina

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Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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2

Dienstag, 7. August 2012, 19:30

Hallo Franka 1,

was wäre wenn deine Tochter nicht krank wäre?

Würdest du dann in 2 Jahren sagen: „So, jetzt mach dich mal
vom Acker, du bist alt genug.“

Entschuldigung, aber dein Posting hört sich so an, als ob
sie in deine Lebensplanung nicht mehr reinpasst. Das erinnert mich an die
Vögel, die ihre Kinder wenn sie flügge sind aus dem Nest „schmeissen“. Was dann
aber auch seine Richtigkeit hat.

Fühl dich jetzt nicht getroffen, evtl. habe ich auch nur
einen falschen Eindruck von deinem Posting, ist nur das was ich rein
interpretiert habe.

Kinder haben und erziehen sieht jeder anders, das wirst du
wohl selbst mit deinem inneren ausmachen müssen.

Manche Kinder möchten schon vor dem 18´en Lebensjahr ausziehen,
andere brauchen etwas länger.

Ich möchte für mein Kind immer eine offene Tür haben, auch
wenn es schon ausgezogen ist.

Ich hoffe sie hat von deinen Überlegungen noch nichts mit
bekommen, denn das könnte sie unter Druck setzen, was für einen Zwängler das
schlimmste ist.

Vielleicht lässt du dir noch Zeit mit der Entscheidung wg. der
Wohnung, wenn du in 2 Jahren eine bekommen würdest, dann bestimmt auch noch in
4 Jahren. Jetzt müßtest du es übers Knie brechen, wer weiss für was es gut ist es aufzuschieben.
Es wäre für Euch alle entspannter.

LG sabrina
sabrina

Franka 1

unregistriert

3

Mittwoch, 8. August 2012, 08:12

Hallo Sabrina,

vielen Dank für deine Antwort.

Ich selber bin mit 19 von zu Hause ausgezogen, weil ich ein Studium in einer anderen Stadt begann. Das fand ich total in Ordnung für mich. Aber vielleicht hast du damit recht, dass jeder unterschiedlich schnell "soweit" ist, diesen Schritt zu tun. Vielleicht braucht meine Tochter auch mehr Zeit. Aber immerhin wäre sie dann schon 23.

Ich beobachte momentan, dass meine Tochter die Vorzüge des Zusammenlebens nutzt, sich aber wenig einbringt.

Wir bekommen sie in der Regel einmal am Tag zu sehen, beim Abendessen. Ansonsten ist sie unterwegs. Wenn sie mal zu Hause ist, dann zieht sie sich in ihr Zimmer zurück und guckt stundenlang Filme auf ihrem Laptop. Mir ist das ein Zuwenig an Gemeinsamkeit und ich denke, dass sie genauso gut in einer WG wohnen könnte.

Ich habe sogar ein wenig die Befürchtung, dass die Möglichkeit, unbegrenzt lange bei uns wohnen zu können, dazu führt, dass sie sich nicht ausreichend um eine Ausbildung kümmert. Wenn die Sprache auf unangenehme Themen kommt wie "Ausbildung", dann kommt es regelmäßig zu Konflikten. Ich kann in diesen Situationen nicht unterscheiden, inwiefern das mit ihrer Krankheit oder einfach spätpubertärem Verhalten zu tun hat.

Ein weiteres Problem ist, dass hier halbwegs vernünftige Wohnungen nicht gerade auf der Straße liegen, aber das nur am Rande.

LG

Franka

EllaAnonym

unregistriert

4

Mittwoch, 8. August 2012, 17:08

Zu deiner Frage

Ich bin selbst 25 und habe vorhin diesen allgemeinen Post geschrieben:

Hallo, ich habe seitdem ich 13 bin eine Zwangsstörung. Ich bin jetzt 25.
Ich möchte dir und auch allen anderen MUT machen. Ich habe es geschafft
wieder ein lebenswertes Leben zu führen. Im Oktober 2011 ging es mir
aufgrund meiner Zwänge so schlecht, dass ich nicht mehr studieren
konnte, meine Leistungen rapide gesunken sind. Jeder Tag ca. 7-8 Stunden
nur noch aus Zwangshandlungen und Zwangsgedanken bestand und mein
Leben, nicht mehr lebenswert war. Mir war klar, wenn das nicht bald
aufhört, kann ich nicht mehr. Ich bin von Grund auf so ein Lebensfroher
und aktiver Mensch. Ich hatte das Gefühl, ich bin nur noch eine Hülle,
die keine Kontrolle mehr über sich selbst hat. Im Februar 2012 habe ich
mich entschieden eine Verhaltenstherapie in der Christoph Dornier-Klinik
zu machen. Nach 6 Wochen, war mein Leben wieder lebenswert, ich konnte
mich wieder freuen und die schönen Dinge sehen. Es war hart, aber ich
habe gekämpft. Wenn ich das jetzt schreibe könnte ich weinen, weil die
Zeit vor der Therapie so quälend für mich war. Ich will dir damit sagen,
geb nicht auf, ich habe es geschafft und kämpfe jeden Tag weiter. Man
kann kaum erwarten dass die Zwänge alle direkt weg gehen, wenn man schon
so viele Jahre mit ihnen lebt, aber wenn man jeden Tag weiter gegen die
Zwänge kämpft und vor allem lernt mit seinen Gefühlen umzugehen, dann
kann man es schaffen, ein gutes Leben zu führen, in welchem der Zwang
nicht mehr die Macht hat einen grossartig zu beeinträchtigen. Ich dachte
damals ich komme da nie mehr raus und mein Leben ist zerstört. Wenn
jemand von euch Fragen hat oder Tipps möchte. Schreibt gerne, ich weiss
ganz genau wie schlimm das ist. Lg EllaAnonym

Ich rate dir etwas: Man kann als Mutter natürlich dem Kind die Zwänge nicht nehmen und auch das Kind zu Unterstützen macht einen oft fertig aber :

- Frag Sie selbst was sie will (Zeig ihr keinen Druck deinerseits, und erst garnicht so "du musst jetzt entscheiden, denn ich habe eine Planung"

Mit Zwängen zu Leben kann Horror sein und ich denke, dass Druck in diesem Moment nicht hilfreich ist, vielleicht bekommt sie selbst Angst, wie sie das alles schaffen soll

- vielleicht, will sie aber auch auf eigenen Beinen stehen. Bitte überlass ihr diese Entscheidung und setzte sie nicht unter Druck. Auch mit Zwängen kann man alleine Leben, ich habe dies 4 Jahre getan und es wurde sogar besser, aber.. es sollte der richtige Zeitpunkt dafür sein. Ist sie in einer Therapie?

Lg

Franka 1

unregistriert

5

Donnerstag, 9. August 2012, 05:09

Hallo Ella,

vielen Dank für deine Antwort.

Meine Tochter hatte probatorische Sitzungen und ich hoffe, dass sie die Therapie beginnen wird. Mit 16 hatte sie bereits eine zweijährige Therapie, die aus meiner Sicht jedoch zu wenig gebracht hat, denn im Verlauf dieser Therapie wurden aus den Zwangshandlungen Zwangsgedanken.

Wenn ich meine Tochter fragen würde, was SIE wolle, bekäme ich vermutlich keine klare Antwort. Oder sie würde mir zuliebe sagen, dass ich die Wohnung kaufen solle, da sie weiß, dass ich mir dies schon lange wünsche. Verzwickt!

Es ist ein Wechselbad der Gefühle. An einem Tag ist sie gut drauf und ich bin zuversichtlich, am nächsten wirkt sie nervös, angespannt, das zieht mich immer wieder runter.

LG

Franka

Jake_Sully

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Medikament / Dosis: Fluoxetin

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Status: Betroffene/r

Wohnort: Pandora

Beruf: EU-Rentner

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6

Donnerstag, 9. August 2012, 20:28

... Momentan soll sie sich darum bemühen, einen Studienplatz oder eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Ob ihr das gelingen wird, weiß ich nicht ...

Wichtiger finde ich deshalb die Frage: Kann die Tochter später eine eigene Wohnung finanzieren, evtl. ohne Studienplatz oder ohne Ausbildung? Zwangskranke müssen im Leben manchmal angeschoben werden. Die Eigentumswohnung ist eine gute Möglichkeit, die Selbständigkeit der Tochter zu fördern. Bei der Behandlung der Zwangserkrankung muss die Arbeitsfähigkeit kontrolliert werden, denn das Leben muss irgendwie weitergehen.

sabrina

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7

Donnerstag, 9. August 2012, 22:43

Hallo Franka 1,

es ist schade dass sich deine Tochter zu wenig in die Familie
einbringt und dennoch die Vorzüge genießt.

Ich dachte sie sitzt meist nur zuhause herum wg. ihrer
Zwänge.

Könnt ihr offen über ihre Zwänge reden?

Setzt Euch doch mal alle zusammen und fragt sie, was sie
denkt wie es mit ihr und ihrer Zukunft ausschaut.

Vielleicht kann sie sich wg. der Zwänge nicht einbringen?

Mir ist es z.B. peinlich, wenn ich irgendwo zu Besuch bin
und es fällt was runter, ich kann es nicht aufheben wg. der Zwänge. Wie gerne
wollt ich neulich einer alten Frau im Supermarkt was aufheben, ich habe dann so
getan als hätte ich es nicht bemerkt. Ich hätte heulen können, mein Herz wäre
so gut aber mein Verstand ist so dumm…….


Wenn sie unterwegs ist hat sie dann keine Probleme?

Du schreibst dass bei der einen Therapie Zw.-Gedanken draus
geworden sind. Das kann ein ziemlich „normaler“
Ablauf sein. Das passiert manchmal auch ohne Therapie. Die Zwänge „verschieben“
sich. Das heisst der Zwang sucht sich nur einen neuen Nährboden. Der eine wurde
ihm entzogen also probiert er es woanders……


Frag sie doch mal ob sie meint eine Ausbildung oder Schule
machen zu können oder ob sie denkt die Krankheit hindert sie zu sehr daran,
weil du dir kein Bild machen kannst wie sehr die Krankheit sie einschränkt und
du nur ihr bestes willst. Eines Tages bist du nicht mehr und du möchtest dass
sie auf eigenen Beinen stehen kann. Wenn Sie zu krank wäre und sich das selbst
eingesteht dann ermutige sie die Therapie zu machen und sich erstmal nur darauf
zu konzentrieren, das ist anstrengend genug.

LG sabrina
sabrina