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Sonntag, 4. November 2012, 02:02

Sind es nur pädophile Zwangsgedanken?

Hallo liebe Forumsmitglieder,

das ist ein ziemlich langer Post, aber ich muss mir mal jetzt mal alles von der Seele schreiben - in der Hoffnung, dass mich das etwas erleichtert. Kurz zu mir: ich bin männlich und 27 Jahre alt.

Seit zwei Wochen geht es mir zunehmend schlechter. Ich habe unheimliche Angst pädophil zu sein und habe mittlerweile täglich regelrechte Panikattacken, teilweise ganztägig ein unangenehmes Gefühl der Angst. Ich muss dazu sagen, mich haben Kinder noch nie interessiert - im Gegenteil ich war oft ziemlich schnell genervt. Von sexuellen Fantasien ganz zu schweigen, sowas kenne ich gar nicht von mir. Ich bin schwul (okay, ich habe hier und da Probleme mir das einzugestehen und träume eigentlich von ner Beziehung mit einer Frau, ja einer Familie mit Kindern) und in meinen Fantasien dreht sich alles immer um erwachsene Männer, auch bei der Selbstbefriedigung.

Alles begann vor ca. 4 Wochen. Mein Neffe wurde geboren - ein ziemlich freudiges Ereignis. Ich habe mich sehr für meine Schwester gefreut, dass ihre kleine Familie nun komplett ist. Am Tag der Entbindung besuchte ich ihn im Krankenhaus und stand dabei, als er gewickelt wurde. Irgendwie fühlte ich Scham als ich ihn da so nackt daliegen sah und hatte ein komisches Gefühl. Auf dem Nachhauseweg kamen mir dann auf einmal die Gedanken - oh Gott, hat dich das etwas erregt? Nicht dass du jetzt pädophil wirst. Objektiv betrachtet (also wenn es mir gut geht) weiß ich, dass es mich nicht erregt hat und ich diesbezüglich auch keine sexuellen Fantasien habe. Aber die Gedanken ließen mich nicht los und machten mir Angst. Ich fing an zum Thema Pädophilie zu googlen und was ich dazu laß hat mich total fertig gemacht. Zu einem weil Sex mit Kindern zurecht ein absolutes Tabu ist, aber auch weil ich Angst hatte vielleicht
auch so pädophil zu sein, obwohl ich es nicht will und es mich anekelt. Ich stelle mir dann vor, wie ich von der Gesellschaft zurecht verachtet würde und das lässt die Angst nur so sprudeln. Nach ein paar Tagen ließen die Gedanken nach bzw. wurden durch andere Gedanken abgelöst. Ich hatte auf einmal Angst mich mit Syphillis angesteckt zu haben. Ich muss dazu sagen, ich habe zurzeit keine Beziehung mit einem Mann, aber gehe natürlich trotzdem meinem
sexuellen Verlangen nach und habe Sex mit Männern. So auch an diesem Tag, der Sex war schön nur dass ich am Ende keinen Orgasmus bekommen habe, da auf einmal wieder diese Gedanken an die Pädophilie kamen (also keine sexuellen Gedanken, sondern die Angst vor Pädophilie). Nach diesen Gedanken ging nix mehr, obwohl vorher alles so schön war. Am nächsten Morgen entdeckte ich einen roten Fleck auf meinem besten Stück und die pädophilen Gedanken waren wie weggeblasen, ich hatte nun auf einmal extreme Angst Syphillis zu bekommen (objektiv weiß ich, ich hatte safer sex, achte immer peinlichst genau auf meinen Schutz beim Sex und der Fleck einfach nur eine Hautirritation war). Es begann eine Spirale der Gedanken, dass wenn ich jetzt Syphillis habe, dann habe ich auch HIV. Habe mich die ganzen Zeit auf Symptome untersucht. War beim Gesundheitsamt und hab den Fleck untersuchen lassen, die haben mir auch gesagt, dass es nix ist und haben einen Test gemacht. So richtig beruhigt hat mich das zwar zunächst nicht, aber die Gedanken ließen allmählich nach.


Ich dachte eigentlich mir geht es nun wieder besser. Ich war dann vor zwei Wochen zu Besuch bei meinem Neffen und auf dem Rückweg begann die Gedankenspirale "Pädophilie" von vorn und hat mich nun mehr als je zuvor im Griff. Zum Teil ist es so, dass ich nun regelrecht Angst und Panik bekomme, wenn ich Kinder sehe. Zum Teil reichen schon Kinderstimmen oder der Gedanke, dass ich in einer bestimmten Situation Kindern über den Weg laufen könnte (U-Bahn, Supermarkt, etc.). Immer wenn ich ein Kind sehe muss ich mich überprüfen, ob sich was regt also ob ich erregt bin. Manchmal kann ich den Gedanken, dann schnell verwerfen. Aber an vielen Tagen ist es dann so, dass ich angespannt werde (Herzrasen, Übelkeit, Gefühl der Beklemmtheit) und mir dann einrede etwas zu fühlen - total verrückt. Wenn ich dann in dieser Gedankenspirale bin, dreht es sich immer um die Angst was wäre wenn ich jetzt pädophil werde. Es ist auch irgendwie nicht so, dass die Gedanken direkt sexuelle Handlungen enthalten. Es ist eigentlich zu Beginn meist die Frage "Bist du pädophil?". Dann fange ich an mich zu überprüfen, rufe mir alltägliche Bilder von Kindern in den Kopf und prüfe ob sich was regt - tut es nicht, oder ich interpretiere meine Angsterregung als mininale Spur von Erregung.

Obwohl ich grad überhaupt keine Lust auf Sex habe ist es so, dass ich seit ein paar Tagen den Drang habe zu masturbieren zu Pornos mit erwachsenen Männern (also die Sachen, die mich sonst immer erregt haben und um die es in meiner Fantasie geht)) um zu prüfen, ob mich das noch erregt. Das zieht mich nur noch mehr runter, weil dabei das Gedankenkreisen zum Teil auch auftritt. Wenn es nicht auftritt, dann geht es mir kurze Zeit gut.
Wenn es doch auftritt und ich das Gefühl habe, die Gedanken nicht ausreichend verdrängt zu haben, dann bekomme ich wieder Angst.



Ich denke manchmal, dass ich die Kontrolle über mich und meine Gedanken verlieren könnte. Das macht mich echt verrückt und verstärkt meine Angst immens. Zum Teil lähmt mich meine Angst regelrecht, ich fühle mich dann nur leer und hab das Gefühl mich nicht bewegen zu können. Ich komme da halt einfach nicht mehr raus.

Vielleicht sollte ich noch erwähnen, dass sich Anfang des Jahres eine sehr große Angst vor HIV entwickelt hat. Die war so groß, dass ich zum Schluss nicht mehr unbeschwert Sex haben konnte. Ich konnte mich einfach nicht fallen lassen und kam teilweise auch nicht mehr zum Orgasmus. Jedes Mal nach dem Sex habe ich mir nachher "HIV-Symptome" eingeredet was mich dann wahnsinnig gemacht hat. Ich
habe jedes kleinste Symptom direkt HIV im fortgeschrittenen Stadium zugeschrieben, obwohl ich objektiv keinen Risiko ausgesetzt war und mein Test auch negativ ist. Ich musste dann immer nochmal den Sex durchgehen, ob da nicht doch ein Risiko war, welches ich nicht bemerkt habe. Zum Teil führte das auch zu Angst- und Panikattacken. Die waren aber nicht so schlimm, wie diesmal. Der "Vorteil" war auch irgendwie, dass man HIV durch einen Test ausschliessen kann, bei Pädophilie ist das ja nicht so leicht.


Wie seht ihr das? Sind das "nur" Zwangsgedanken?Ich würde mich freuen, wenn mir irgendeiner sagen könnte, wie ich da wieder rauskomme. Mich schränkt das alles so ziemlich ein und ich bin absolut niedergeschlagen. Ich traue mich irgendwie nicht zum Arzt, zumal ich auch keinen festen Hausarzt habe. Ich habe einfach Angst, dass man mich nicht versteht und als pädophil abstempelt. Dabei will ich doch
bloß wieder ein normales Leben, ohne diese quälenden Zwangsgedanken. Habt ihr Tipps wie man das Problem beim Hausarzt geschickt verpackt?


Ich hoffe ihr könnt mir irgendwie weiterhelfen...

Tausend Dank!

Kathrin

Schüler

Beiträge: 104

Zwangssymptome: Waschen

Status: Betroffene/r

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2

Montag, 12. November 2012, 15:26

http://www.ocdonline.com/articlephillipson7.php

schau mal hier.

nachdem du selbst so überzeugt bist, dass dic kinder nicht erregen und du ständig in der angst lebst, dass du dich irren könntest, würd ich sagen, dass sind sicher zwangsgedanken...
statt zu einem hausarzt könntest du zu einem facharzt gehn, der dich zu einem psychologen überweist und dich dann erst dort öffnen. beim arzt kannst du ja sagen zwangsgedanken. das sollt eigentlich ausreichen, ohne dass du dich zu sehr dort öffnen musst...

Tomm

Anfänger

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Beiträge: 5

Zwangssymptome: Waschzwang, Zwangsgedanken etc. (Ehefrau)

Aktueller Therapie-Status: War erfolgreich in Therapie

Status: Angehörige/r

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3

Dienstag, 13. November 2012, 12:02

Als Angehöriger einer Zwangserkrankten Frau kann ich zu dem Thema nur soviel sagen: Auch meine FRau hat häufig mit Zwangsgedanken zu tun. Und es sind IMMER gerade Dinge die sie eigentlich zutiefst verabscheut, die diese Gedanken auslösen. Ich kenne sie schon viele Jahre, und weiß dass sie in der Realität niemals auch nur annähernd die Gedanken verwirklichen könnte oder wollte. Gerade das was du nicht möchtest versucht der Zwang dir gedanklich aufzudrängen! Vielleicht versuchst du mal diese Gedanken zu Ende zu denken, und nicht krampfhaft zu vermeiden. Denn gerade das was du nicht denken WILLST, setzt sich dann besonders fest. Wünsche dir ALLES GUTE!

girasol1991

unregistriert

4

Dienstag, 13. November 2012, 19:32

also was ich so aus meinem studium (erziehunsgwissenschaften) weiß, da kann ich dir eigentlich ziemlich sicher sagen, dass du nicht pädophil bist...es gibt viel mehr menschen die pädophil sind, es aber nicht ausleben...aber die wissen das und merken das eigentlich auch ziemlich früh soweit ich weiß!
ich glaube auch, dass die angst vorm pädophil sein bei dir viel größer ist, sodass das natürlich immer wieder hochkommt.
ich rate dir wirklich und lege dir das sehr ans herz, geh zum arzt! es gibt keinen grund sich für sowas zu schämen und je früher du mit solchen gedanken in behandlung gehst, desto besser!!!! wirklich!!!!!!!

5

Mittwoch, 5. Dezember 2012, 23:33

hallo 1985

hast du es mal mit autogenem training probiert?wichtig ist es ein gutes körpergefühl zu entwickeln denn nur so kannst du diverenziert beurteilen was dir wirklich gefällt.meditation hilft dir ebenfals dabei dich zu entspannen und dir über dein leben und deine ziele gedanken zu machen um zu entscheiden ,,was will ich und was bin ich bereit dafür zu geben "natürlich sind das keine allround mittel aber vieles hilft um die innere anspannung zu lösen und vieleicht ein wenig bewuster zu werden . du must keine angst vor diesen zuständen haben es sind nur ,,gedanken und gefühle "die kommen und gehen ,du weist was richtig und falsch ist daher kann dich keiner zwingen etwas anderes zu tun .gib dir zeit und moralische freiheit dich mit deinen gefühlen aus einander zusetzen ,nichts kommt von alleine .suche dir einen therapeut mit dem du einigermasen kannst, achte auf deinen instinkt, vieleicht hast du glück und du kommst sogar gut mit ihm aus , hoffe ich habe dir ein paar anregungen geben können um dein leben wieder in den griff zu bekommen .wenn du weist wer du bist must du nicht danach suchen, in bester hoffnung das alles wieder gut wird verabschiede ich mich, gruss eines betroffenen

Hayastan

Anfänger

  • »Hayastan« ist männlich

Beiträge: 33

Zwangssymptome: Kontrollzwang, Zwangsgedanken (agressiver Inhalte)

Medikament / Dosis: Clomipramin 75 mg

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Hobbys: Sport zum Abschalten, ehrenamtliche Arbeit

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6

Donnerstag, 6. Dezember 2012, 15:14

Hallo 1985,

deine Gedanken kann ich gut nachvollziehen, weil ich auch mal daran gedacht habe pädophil zu sein und das in mir große Angstzustände ausgelöst hat. Irgendwann dachte ich dann vielleicht auch ein Psychopath zu sein und hatte Angst bei irgendeiner Gelegenheit jemanden umzubringen. Ich habe all diese Gedanken nicht in die Realität umgesetzt und werde es auch nicht tun. Ich habe Zwangsgedanken und du hast sie auch! Alles was du schreibst deutet eindeutig darauf hin. Wenn du pädophil wärst, dann würdest du dir nicht die Frage stellen, ob du es bist. Zwangsgedanken sind fast immer mit Fragen verbunden, so lassen sie sich ziemlich gut identifizieren. Jetzt könntest du vielleicht denken: "Vielleicht stelle ich mir gar nicht die Frage, ob ich pädophil bin, ich weiß ja vielleicht unbewusst, dass ich es bin." Dahinter steckt aber auch wieder eine Frage, wenn du es merken solltest. Das Spiel lässt sich ewig weiter treiben.
Es ist also so, dass dich deine Gedanken quälen - ein Merkmal für Zwangsstörungen. Du schreibst "ich [habe Angst] die Kontrolle über mich und meine Gedanken verlieren [zu können]". Das ist auch ein absolut klares Zeichen für Zwangsgestörte. Wenn du jetzt aber versuchst, deine Gedanken kontrollieren zu wollen und gezielt an etwas anderes denken zu wollen, passiert genau das Gegenteil. Deine Gedanken nehmen einen noch größeren Platz ein und verstärken sich. Angebracht wäre meiner Meinung nach die Gedanken vorbeiziehen zu lassen. Lass den Gedanken zu, der dir sagt du wärst pädophil. Was passiert dann? Bist du dann wirklich pädophil? Nein, du hast nur den Gedanken und lässt ihn zu - nichts weiter. Akzeptanz ist glaube ich ganz wichtig. Und mach dir klar: Du bist nicht deine Gedanken! Deine Gedanken sind Produkt deines Verstandes. Mit unserem Verstand können wir viele tolle Sachen machen, ja der Verstand ist in unserer rationalen Welt das vermeintlich wichtigste Werkzeug überhaupt. Der Verstand löst Probleme, analysiert Situationen, speichert Wissen, zieht Schlussfolgerungen und leistet Transferleistungen. Wer viel weiß und dies zu nutzen weiß - sprich einen leistungsfähigen Verstand hat - kommt in unserer Gesellschaft sehr weit und erhält viel Anerkennung ( einer Befragung nach zu urteilen, ist es für 80 % aller Menschen wichtig, das andere sie für intelligent halten). Was hat dies zur Folge? Unser Verstand möchte uns zu verstehen geben, dass er für alles eine Antwort weiß und macht sich in unserem Leben immer breiter. Doch wir sind immer mehr als unser Verstand und seine Gedanken! Wir sind auch Körper und vor allem Seele. Ich glaube es ist sehr wichtig, sich dessen bewusst zu sein und diesen Teilen des Seins mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Eben ein achtsames Leben zu führen.
Das klingt vielleicht etwas abstrakt und konkrete Tipps helfen dir vielleicht mehr. Du solltest auf jeden Fall versuchen, eine Therapie zu machen. Es ist nicht ganz einfach, an einen Platz zu kommen, aber die Mühe lohnt sich. Was mir auch geholfen bzw. hilft, sind Bücher über das Thema Zwangserkrankung und ab und an der Austausch mit Betroffenen.
Grüße
Ich war allzu moralisch, allzu vernünftig.. gewesen! .. Und so war es mir wieder einmal geschehen, daß ich mich selbst und das ganze Leben vergewaltigt hatte.
- Hermann Hesse, Kurgast