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1

Donnerstag, 18. April 2013, 21:51

Muckel, seine Zwänge und wir

Hallo,

ich habe mich heute hier angemeldet, denn mein Sohn, fünf, scheint offensichtlich unter Zwangshandlungen zu leiden. Er ist schon immer ein kleiner Kerl mit starkem Willen und der Neigung Dinge so auszuführen, wie er es für richtig hält, seit ein paar Monaten beobachten wir allerdins Zwänge an ihm, die sich momentan auf dem Höhepunkt befinden. Angefangen hat es mit einem Umzug Anfang Januar über hundert Kilometer vom alten zuhause und den geliebten Oma und Opa entfernt. Samstags war der Umzug und am Sonntag ging es los. Trotz Vorbereitung darauf konnten wir spüren, dass ihn das völlig aus der Bahn warf. Wir haben versucht, die Kinder in der neuen Situation gut aufzufangen. Was bei dem großen Kind gut funktionierte, klappte beim Kleinen aber gar nicht.
Mein Sohn hatte bereits bei seinem Kindergarteneintritt mit drei Jahren große Probleme, aber nicht zwanghaft. Er hatte (leider) keine sanfte Eingewöhnung und das Ganze hat dann bei ihm zu massiven Trennungsängsten geführt. Ich konnte Räume zu hause erst einmal nicht mehr ohne ihn verlassen. Nach Pausierem und dem Versuch der sanften Eingewöhnung ging er zwar, aber sehr widerwillig. Mit diesem Kiga verband er immer seine Trennungsängste.
Ich muss dazu sagen, dass mein Sohn "Scheidungskind" ist. Sein Vater und ich sind getrennt, seit er 1 1/2 Jahre alt ist. WIr haben es geschafft, die Trennung gütlich hinzubekommen und können miteinander reden. Wir habe beide auch schon länger neue Partner mit denen sich unsere Kinder auch gut verstehen. Eigentlich könnte es laufen... . Mein Sohn kommt nur nicht aus dem Vermisssen heraus. Er vermißt immer den, der nicht da ist. Mich, seinen Vater, Oma und Opa... .
Er hat also schon einiges erlebt. Ich weiß nicht, ob das auch mit reinspielt, ich hatte zudem in der Schwangerschaft Frühgeburtsbestrbungen, war fast vier Wochen am wehenhemmenden Tropf.
Aktuell hat er jetzt im April mit dem neuen Kindergarten begonnen. Nun sind aber auch die Zwänge so stark geworden. Ich denke, dass hier die Verbindung liegt.
Da ihr euch bestimmt fragt, was seinen Zwang ausmacht: aktuell ist der stärkste Zwang der, dass er der Ansicht ist, dass er Spucke an den Händen hat (seit ca. vier Wochen). Er teilt das mit und möchte, dass man dann z.T. auch darauf reagiert und ist dann beruhigt, wenn man sagt: "ist doch nicht schlimm". Das Ganze läuft den ganzen Tag über, außer, er ist stark abgelenkt. Und er versucht uns immer wieder einzubinden. Auch im Kindergarten ist das nicht so auffällig. Aber eben hier zuhause. Daneben springt er in der Stadt auf Eisengitter, Gullis, Kanaldeckel, usw. und zählt dabei. Ein gerader Weg ist nun mehr nur möglich, wenn wir ihn an die Hand nehmen. Bis dato haben wir vieles probiert: Annahme, Ablenken, Meckern (nur kurz, war Blödsinn, denn er kann ja nichts dafür), Versuch, sich nicht einbinden zu lassen... . Irgenwie hat nichts wirklich gewirkt, vor allem seit der neue Kiga begann, ist es halt so schlimm geworden, dass der Zwang seinen Tag fast schon dominiert.
Aktuell habe ich mit dem Kinderarzt gesprochen, der den Gang zum Kinderpsychiater empfahl, um das Ganze abklären zu lassen und zu schauen, wie man ihn da wieder rausbringen kann.
Mich würde interessieren, wer noch ein so junges Kind mit Zwängen hat, was euch geholfen hat und was wie ihr damit umgeht? Es macht mich richtig traurig ihn so verzwängelt zu sehen.
Danke für´s Lesen.

Luma.

2

Samstag, 20. April 2013, 12:12

Hallo noch einmal,

gibt es hier niemanden, der sich in der gleichen Situation mit einem so jungen Kind befindet und darauf antworten mag?

3

Samstag, 20. April 2013, 20:57

@Luma: Doch, das war ich...lies meinen Thread zum Thema "Nachpunkten & Festkleben."
„Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Antoine de Saint-Exupery

4

Mittwoch, 24. April 2013, 09:55

Hallo Monty,

danke, dass du antwortest. Ich habe mich schon etwas durch deinen Thread gelesen. Da tun sich Parallelen auf... . Deine Tochter war sechs, als der Zwang das erste Mal auftrat? Mein Sohn ist gerade fünf und manchmal fehlt es dann am Gespräch, weil er offensichtlich noch nicht selbst versteht, was er da tut. Ich weiß noch nicht so ganz, wie ich aufgrund seines Alters darangehen kann, habe mir allerdings das Buch "Ängstliche Kinder unterstützen" besorgt und versuche Dinge für ihn abzuwandeln, dass er sie verstehen kann. Seit ein paar Tagen merke ich, dass das besser hilft. Ansonsten wird Eltern mit jüngeren Kindern auch geraten, nicht dagegen anzugehen, um Angst nicht zu verstärken, aber ich habe jetzt die Erfahrung gemacht, dass das bei meinem Sohn nur noch alles verstärkt. Bei meinem Sohn bemerke ich, dass ein liebevolles, aber konsequentes: "Wenn du das machen möchtest, mußt du in das andere Zimmer gehen. Hier nicht." gut hilft. Ich hoffe, das bleibt so und wir können den Zwang so immer weiter in Schach halten.
Ansonsten würde ich mich natürlich immer noch freuen, mit Eltern junger Kinder mit Zwängen in Kontakt zu treten.

Einen sonnigen Tag,

wünscht Luma.

girasol1991

unregistriert

5

Mittwoch, 24. April 2013, 15:06

Hallo Luma,

also erstens wie wäre es mit einer Therapie? Was spricht dafür was spricht dagegen? Oder zumindest mal jemanden wirklich konsultieren, der da Experte ist! Das gibt dir auf jeden Fall viel mehr Sicherheit!

Ich finde es - aus der Sicht des Betroffenen und angehender Erziehungwissenschaftlerin - gar nicht so schlecht, dass du ihm da Grenzen aufweist! Grenzen zu kennen und zu spüren, das bedeutet auch Sicherheit. Sicherheit in dem Sinne, dass er weiß was er tun darf und so. Sicherheit ist bei Zwangserkrankten sehr wichtig, hinter den meisten Erkrankungen steht auch eine Form von 'Sucht/extremes Bedürfnis nach 100% Sicherheit'. Mir kommen noch ein paar andere Gedanken in den Kopf, die zu formulieren grade sehr schwierig fallen, aber ich finde es ziemlich gut ihm Grenzen aufzuweisen.
Generell ist es so, dass es Dinge gibt bei denen man sagt, das sollte man nicht tun, das sollte man tun - etc. ABER jeder Mensch ist individuell, und wenn es bei euch funtioniert, dann ist es mit Sicherheit auch erstmal in Ordnung. Wie gesagt, wenn du dir professionelle Hilfe holst, kannst du dich da nochmal absichern lassen!! Ist echt zu empfehlen!
Gleichzeitig ist aber auch zu empfehlen, dass es manchmal auch gut ist, wenn man es einfach überhört, wenn er das mit dem Spucke an den Händen äußert, denn durch die Bestätigung, ist nicht schlimm schenkt ihr ihm Aufmerksamkeit, die den Zwang verstärkt.
Das sind jetzt aber nur die Dinge, die mir dazu einfallen, ich bin keine Expertin oder so!!!!

Eine Sache nur: behandelt die beiden Kinder gleich, damit will ich nciht sagen, dass ihr das bewusst anders macht, aber manchmal vergisst man es im Alltag! Das fiel mir nur grad noch ein!
Alles Gute :)

Sommerwiese

Schüler

Beiträge: 146

Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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6

Mittwoch, 24. April 2013, 15:26

Zitat

Gleichzeitig ist aber auch zu empfehlen, dass es manchmal auch gut ist, wenn man es einfach überhört, wenn er das mit dem Spucke an den Händen äußert, denn durch die Bestätigung, ist nicht schlimm schenkt ihr ihm Aufmerksamkeit, die den Zwang verstärkt.


Hallo,
ich meine, dass es wichtiger ist, ihm generell Aufmerksamkeit zu schenken, unabhängig vom Zwang, denn der Zwang scheint mir nur ein Versuch seinerseits zu sein, mit den Erlebnissen und Trennungen, die ihn offenbar seelisch überfordert haben, fertig zu werden.
Nur das Symptom "bekämpfen"/ignorieren/behandeln würde wahrscheinlich zu einer Symptomverschiebung führen.
Auch bei der Wahl des Therapeuten fände ich es wichtig, dass dieser nicht nur pädagogisch,sondern wirklich therapeutisch vorgeht.

Ich wünsche Euch alles Gute dafür!
Sommerwiese

girasol1991

unregistriert

7

Mittwoch, 24. April 2013, 16:05

Zitat

Gleichzeitig ist aber auch zu empfehlen, dass es manchmal auch gut ist, wenn man es einfach überhört, wenn er das mit dem Spucke an den Händen äußert, denn durch die Bestätigung, ist nicht schlimm schenkt ihr ihm Aufmerksamkeit, die den Zwang verstärkt.


Hallo,
ich meine, dass es wichtiger ist, ihm generell Aufmerksamkeit zu schenken, unabhängig vom Zwang, denn der Zwang scheint mir nur ein Versuch seinerseits zu sein, mit den Erlebnissen und Trennungen, die ihn offenbar seelisch überfordert haben, fertig zu werden.
Nur das Symptom "bekämpfen"/ignorieren/behandeln würde wahrscheinlich zu einer Symptomverschiebung führen.
Auch bei der Wahl des Therapeuten fände ich es wichtig, dass dieser nicht nur pädagogisch,sondern wirklich therapeutisch vorgeht.

Ich wünsche Euch alles Gute dafür!
Sommerwiese



Man muss diesen Balanceakt zwischen ich schenke dem Kind (generelle) Aufmerksamkeit udn Liebe und dem ich schenke dem Zwang die Aufmerksamkeit hinkriegen. Ist total schwer, finde ich, denn das Kind kann ja nicht unterscheiden, wann behandelt Mama mich so weil es der Zwang ist und wann nicht.

8

Mittwoch, 24. April 2013, 20:50

Hallo,

erstmal super, dass ihr geantwortet habt.

Einen Therapietermin zwecks Diagnostik haben wir. Allerdings dauert es noch ein Weilchen und so sollte es nicht weitergehen. Daher Hilfe zur Selbsthilfe.
Bin übrigens auch aus der päd. Fachrichtung ^^ . Vielleicht scheue ich mich daher auch nicht, uns Unterstützung für seinen Zwang zu suchen.
Da uns bewußt war, dass der Umzug für die Kinder schwierig werden könnte, haben wir gut auf die Kinder geschaut, viel Aufmerksamkeit gegeben, vorher wie auch bis heute. Trotzdem zog der Zwang zu uns ein. Wo der Große sich direkt ganz toll eingefunden hat, hatte der Kleine erst mal ganz schön damit zu kämpfen. Mein Sohn ist schon seit jeher willensstark und sensibel. Wenn nicht, dann nicht. Und wenn etwas genauso sein soll, dann versucht er von klein auf, dieses auch so durchzusetzen. Es scheint, als ob der Zwang irgendwie als Konsequenz durch sein "aus der Mitte geraten" zu ihm paßt. Vielleicht versteht ihr ja, was ich damit meine. Momentan merke ich, dass er das verstärkte Ankersetzen gut annimmt. Der Kindergarten ist nach wie vor schwierig, aber ich sehe Fortschritte. Ich denke, dass es gut ist, wenn er spielerisch die Möglichkeit bekommt, die Trennungsgeschichte anzugehen. Er war damals noch so klein, aber Trennungen machen ihm bis heute zu schaffen. Irgendetwas scheint er da mitgenommen zu haben.
Den Balanceakt hinzubekommen finde ich auch schwer. Ich möchte ihm ja nicht das Gefühl geben, ihn abzulehnen. Ich sage ihm, das er ein toller Junge ist, aber dass wir die Handlungen, die er da macht, wieder los werden wollen und ich darauf jetzt nicht mehr eingehe, weil ich ihn liebe. Ich habe das Gefühl, das kann er gut annehmen. Und so haben wir jetzt schon ein paar entlastende Tage hinbekommen, die mich sehr stolz auf ihn machen und an denen ich mich über den Fortschritt freue.Ich war mir nicht sicher, ob das, was im Buch beschrieben steht, gut klappen könnte. Aber es klang einleuchtend für mich. Ich hoffe, das bleibt auch so.

Einen schönen Abend,

Luma.

9

Mittwoch, 19. Juni 2013, 23:05

Hallo Luma,
die Zwänge meiner Tochter begannen, als sie 8 Jahre alt war. Sie war schon von klein auf sehr willensstark. Obwohl sie das jüngste von vier Kindern ist, wollte - und will es noch immer - der Chef der Familie sein. Ihre Leidensgeschichte begann mit Zwangsgedanken und ich dachte ursprünglich, dass der Auslöser der Tod ihrer Großmutter war. Rückblickend kann ich aber sagen, dass sie schon in ganz jungen Jahren (ca. mit 3 ) Phasen mit extremen Ängsten hatte. Ich denke, dass sie eine ganz andere Wahrnehmung hat als wir "Normalos".
Als ihre Situation akut wurde (es gibt darüber schon Beiträge von mir in diesem Forum) kam sie einige Wochen in stationäre Behandlung auf der Kinderpsychiatrie. Leider hat zu diesem Zeitpunkt noch niemand erkannt, dass sie unter Zwangsgedanken litt. Als sie die Klinik verlassen durfte hatte sie extreme Trennungsängste, die bis heute noch vorhanden sind (wenn auch ich sehr abgeschwächter Form). Außerdem begann sie in der Woche nach ihrer Entlassung mit Zwangshandlungen. Sie musste ständig Dinge wiederholen, da die Ausführung perfekt sein musste, ansonsten würde (uns) etwas Schreckliches passieren. (magisches Denken). Ganz schlimm war, dass sie nicht richtig gehen konnte, da sie über Dehnungsfugen oder Striche im Asphalt "richtig" drüber gehen musste. Auch bei den Stufen konnte sie nur perfekt gehen. Ich musste sie manchmal in die Schule tragen, damit sie rechtzeitig hin kam. Für einen Weg, der normalerweise 5 Minuten benötigte brauchten wir 30 Minuten. Die Verbindung mit einem Zählzwang hatten wir auch. Auch die Angst vor "Verseuchung" und damit verbunden ein leichter "Waschzwang".
Wirklich geholfen hat ihr dann die Verhaltenstherapie. Wir hatten das Glück eine gute Therapeutin zu finden. Bereits nach der 1. Sitzung konnte mein Kind wieder normal gehen. Inzwischen wurde sie als geheilt entlassen. Das bedeutet, dass sie gelernt hat mit den Zwängen umzugehen. Sie übt ihre Zwänge nur mehr in extremen Stresssituationen aus.
Ich wurde im Zuge dieser Therapie gleich mittherapiert (quasi nebenbei - ich war bei den Sitzungen meiner Tochter im Raum und habe zugehört - so habe auch ich viel über Zwänge gelernt und unser Leben entsprechend geändert).
Es schaut so aus - wenn ich mir die Beiträge in diesem Forum anschaue - dass jüngere Kinder leichter vom Zwang wegkommen.
Ich hoffe, du hast inzwischen schon Therapietermine bekommen.
Im übrigen würde ich vorschlagen, dass du deinen Sohn soweit möglich normal behandelst. Wenn du dein Kind anschaust, dann konzentriere dich nicht auf sein zwanghaftes Verhalten. Du kannst z.B. ruhig aus dem Zimmer gehen, wenn dich seine Zwangshandlungen zu sehr mitnehmen. Versuche Stress zu vermeiden, aber gib acht, dass du nicht den Schongang einlegst. Es ist wirklich eine Gradwanderung. Pass auf, dass nicht das ganze Leben vom Zwang dominiert wird.
Lies Bücher und informiere dich.
wünsche dir alles Gute
Bee