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mia

Anfänger

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Beiträge: 20

Zwangssymptome: Gedankenzwänge Schwerpunkt Krankheiten & Vergiftungen

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Studentin

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1

Dienstag, 18. Juni 2013, 11:12

Überfordert mit Unordnung

Hallo Ihr Lieben,

ich hab ein ähnliches Thema hier im Forum schon mal gefunden, aber es ist von 2009 und ich wollte keine schlafenden Threads erwecken ;)

Mein Problem ist meine extreme Unordnung in meiner Wohnung (lebe mit meinem Freund zusammen). Ich habe Gedankenzwänge in Richtung Krankheits- und Vergiftungsängste und Zwangshandlungen zur Neutralisierung von Ängsten in meinem Kopf. Ich war schon mal in Therapie, die ich auch abgeschlossen habe. Mein Therapeut sagte damals, dass es üblich ist, dass Zwängler häufig unter Unordnung leiden - er nannte es Ordnungsdefizitsyndrom.

Nun nach Jahren der Therapie wird es immer schlimmer mit der Unordnung. (Ich bin aber nicht messihaft, d.h. ich sammel jetzt nicht viele Sachen oder so, kann auch alte unbrauchbare Sachen mittlerweile gut Wegschmeißen,wenn mir danach ist). Ich hab im Internet nach diesem Ordnungsdefizitsyndrom gegooglet, aber dies nur im Zusammenhang mit ADHS gefunden.

Ein kleines Beispiel: Wenn mir was runterfällt, hebe ich es nicht auf, wie andere Menschen. Sondern es bleibt halt (lange) liegen, bis ich mal nen Kraftschub habe und durch die Wohnung renn und meinen Versuch des vollständigen Aufräumens starte oder mein Freund es aufhebt/abwischt (aber er hat zum großen Teil aufgegeben, hier mal Ordnung zu haben). Wenn ich es doch mal sofort aufhebe bin ich total verwirrt von mir, was ich grad gemacht hab, weil ich das nicht von mir kenne, etwas aufzuheben. Meist schaff ich aber nur ein oder zwei Zimmer bei meinem Aufräumversuchen und die Ordnung hält wenn überhaupt 1 Tag. Es belastet mich so.... ich schaff es nicht und ich würds so gern wollen. Aber häufig seh ich erst, dass alles in nem chaotischen Zustand ist, wenn ich nicht mehr am Tisch essen kann, weil der Vollgerümpelt ist oder kein Geschirr mehr im Schrank ist. Nur Schritt für Schritt aufräumen bringt nix, ersten bin ich enttäuscht, dass ich nicht alles ordentlich habe und spätestens wenn ich die zweite Aufräumetappe habe, ist die erste schon wieder hinüber-

Ich dachte erst, es liegt an unserer kleinen Wohnung und mit der neuen wird alles besser. Aber die neue Wohnung war noch nie (!) vollständig ordentlich - nicht einmal. (Wohnen hier seit Oktober letzten Jahres) Ein Zimmer war immer nur mit Füße heben begehbar oder hatte eine Geröllecke. Ich wünsch mir so sehr ne ordentliche Wohnung, aber hab so ein Kraftlosigkeitsgefühl, also nicht so ein "ich ab keine Lust dazu" eigentlich hab ich große Lust, endlich mal ordentlich zu leben - ich kann es nur absolut nicht umgesetzen...

Die Leute, die mich besuchen, sind häufig sehr überrascht, wenn sie sehen, wie es bei uns aussieht, denn nach außen hin bin ich sehr ordentlich und sehr durchdacht. (Unihefter geordnet, plane Projekte gut, bin gewissenhaft, zuverlässig...)

Kennt das jemand im Zusammenhang mit Zwängen? Was hat euch geholfen? Ich erhoffe mir so sehr Austausch und hoffe, dass das Thema hier ins Forum passt.

Viele Grüße
mia

Sommerwiese

Schüler

Beiträge: 146

Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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2

Dienstag, 18. Juni 2013, 14:28

Hallo Mia,

Zitat

Kennt das jemand im Zusammenhang mit Zwängen? Was hat euch geholfen?


Ja, ich kenne die Unordnung als Folge meiner Reinigungszwänge. Vieles ist nur danach geordnet, welchen Sauberkeitsgrad es hat, aber nicht nach Materialgruppen, so dass es nur für mich eine Ordnung darstellt , aber nicht von außen ordentlich wirkt. Das sieht konkret so aus, dass z.B. auf dem einen Tisch nur ganz reine Sachen sein dürfen, auf einer anderen Fläche Sachen, die halbwegs "unbedenklich" anzufassen sind, auf einer dritten solche, die früher als sauber galten, bei denen ich aber nicht mehr sicher bin, ob die Sachen noch meinen heutigen Maßstäben genügen und auf einer vierten Fläche solche Dinge, die als unrein gelten usw.

Das Problem für mich ist, dass ich diese Elemente nicht mischen "darf" und dass ich bis auf die Dinge vom "reinen" Tisch nichts davon ohne weiteres anfassen mag, ohne mir danach erst wieder gründlich die Hände zu waschen. Also bleiben die Sachen dort so wie sie sind, weil ich unnötiges Anfassen vermeiden will, und sie werden nur ganz bewusst umgestellt und aufgeräumt. Bevor z.B. ein Gegenstand wieder in den Schrank darf, muss er erst gereinigt werden. Das ist also bei mir der Grund für die Unordnung außerhalb der Schränke, in den Schränken habe ich es ordentlich.

Wenn mir etwas hinfällt (und es ist nichts organisches, was ich sofort aufwischen würde), dann muss es "warten", bis es sich "lohnt", es aufzuheben, also dann, wenn ich sowieso meine Hände wieder waschen muss und auch bereit bin, das Teil gründlich zu desinfizieren.

Viele Grüße
Sommerwiese

girasol1991

unregistriert

3

Mittwoch, 19. Juni 2013, 00:11

Hallo Mia,

Zitat

Kennt das jemand im Zusammenhang mit Zwängen? Was hat euch geholfen?


Ja, ich kenne die Unordnung als Folge meiner Reinigungszwänge. Vieles ist nur danach geordnet, welchen Sauberkeitsgrad es hat, aber nicht nach Materialgruppen, so dass es nur für mich eine Ordnung darstellt , aber nicht von außen ordentlich wirkt. Das sieht konkret so aus, dass z.B. auf dem einen Tisch nur ganz reine Sachen sein dürfen, auf einer anderen Fläche Sachen, die halbwegs "unbedenklich" anzufassen sind, auf einer dritten solche, die früher als sauber galten, bei denen ich aber nicht mehr sicher bin, ob die Sachen noch meinen heutigen Maßstäben genügen und auf einer vierten Fläche solche Dinge, die als unrein gelten usw.

Das Problem für mich ist, dass ich diese Elemente nicht mischen "darf" und dass ich bis auf die Dinge vom "reinen" Tisch nichts davon ohne weiteres anfassen mag, ohne mir danach erst wieder gründlich die Hände zu waschen. Also bleiben die Sachen dort so wie sie sind, weil ich unnötiges Anfassen vermeiden will, und sie werden nur ganz bewusst umgestellt und aufgeräumt. Bevor z.B. ein Gegenstand wieder in den Schrank darf, muss er erst gereinigt werden. Das ist also bei mir der Grund für die Unordnung außerhalb der Schränke, in den Schränken habe ich es ordentlich.

Wenn mir etwas hinfällt (und es ist nichts organisches, was ich sofort aufwischen würde), dann muss es "warten", bis es sich "lohnt", es aufzuheben, also dann, wenn ich sowieso meine Hände wieder waschen muss und auch bereit bin, das Teil gründlich zu desinfizieren.

Viele Grüße
Sommerwiese

Hätte mein Beitrag sein können so vom Inhalt her :-)

Ich hab immer mal wieder so nen richtig Aufräumflash, wenn ichs mache, dann richtig, nur halb geht nicht und ich muss motiviert sein, weils so anstrengend ist.

Jake_Sully

Fortgeschrittener

  • »Jake_Sully« ist männlich

Beiträge: 265

Zwangssymptome: Angst vor Schmutz/Parasiten

Medikament / Dosis: Fluoxetin

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Pandora

Beruf: EU-Rentner

Hobbys: PC, Internet, Linux-Mint, Kinofilme

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4

Mittwoch, 19. Juni 2013, 02:06


... Mein Therapeut sagte damals, dass es üblich ist, dass Zwängler häufig unter Unordnung leiden - er nannte es Ordnungsdefizitsyndrom.

Nun nach Jahren der Therapie wird es immer schlimmer mit der Unordnung ... Ein kleines Beispiel: Wenn mir was runterfällt, hebe ich es nicht auf, wie andere Menschen. Sondern es bleibt halt (lange) liegen, bis ich mal nen Kraftschub habe und durch die Wohnung renn und meinen Versuch des vollständigen Aufräumens starte ... Meist schaff ich aber nur ein oder zwei Zimmer bei meinem Aufräumversuchen und die Ordnung hält wenn überhaupt 1 Tag ... Ich wünsch mir so sehr ne ordentliche Wohnung, aber hab so ein Kraftlosigkeitsgefühl, also nicht so ein "ich ab keine Lust dazu" eigentlich hab ich große Lust, endlich mal ordentlich zu leben - ich kann es nur absolut nicht umgesetzen ... nach außen hin bin ich sehr ordentlich und sehr durchdacht ...

Kennt das jemand im Zusammenhang mit Zwängen? Was hat euch geholfen? ...

Das kenne ich sehr gut. Ich kann mich manchmal motivieren, kurz bevor mich meine Sozialarbeiterin besucht (hab betreutes wohnen). Aber immer wieder schiebe ich weniger-wichtige Aktionen vor mich her. 2011 haben sich ich in der Küche wieder sehr viele Pizzakartons gestapelt, die konnte ich erst nach Klinik-Aufenhalt entsorgen.

Gladiole

Anfänger

  • »Gladiole« ist weiblich

Beiträge: 1

Zwangssymptome: Zwangsgedanken

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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5

Montag, 24. Juni 2013, 16:10

Hallo Mia,
ich war ganz froh, als ich das gelesen habe. Dachte nämlich oft: Richtig Zwangskranke sind auf jeden Fall auch ordentlich. Ich bin es nicht, also bin ich vielleicht gar nicht so vom Zwang betroffen. Aber wir sind nicht die Einzigen, wie man lesen kann.
Ich habe mir aber vorgenommen, wieder mehr für Ordnung zu sorgen, das tut auch der Seele gut, und das ist ja auch wichtig. :thumbup:
Viele Grüße
Gladiole