Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Zwangserkrankungen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Donnerstag, 26. Dezember 2013, 13:11

Schwerbehinderung: Wer weiß was?

Hallo,


ich bin Mutter einer zwangserkrankten, erwachsenen Tochter.
Ich überlege, meiner Tochter zu raten, einen Schwerbehindertenausweis zu beantragen, u.a. damit sie größere Chancen hat, ein Studium beginnen und auch durchziehen zu können.
Nun habe ich aber auch Sorge, dass der Schwerbehindertenausweis Nachteile haben könnte. Abgesehen davon rechne ich auch damit, dass meine Tochter negativ reagieren wird, wenn ich ihr diesen Vorschlag unterbreite.

Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Ausweis gemacht? Wie viel % sind überhaupt zu erwarten?

Und: Wie schafft ihr es, Beruf/Studium inklusive Prüfungen und eure Zwänge miteinander zu vereinbaren?

Ich bin dankbar für jede hilfreiche Antwort!

Franka

2

Freitag, 27. Dezember 2013, 04:21

Hallo franka1,

Welchen Vorteil soll man mit dem Studium durch den Schwerbehindertenausweis haben?

Ja Studium und Zwang ist so eine Sache, es muss wirklich alles gut organisiert und eingeteilt sein.
Ich selber habe aufgrund des Zwanges ein Studium auch schon an den Nagel gehängt.
Das Problem bei mir war, dass ich durch den Zwang damals zu wenig geschlafen habe,
so konnte ich keine Kraft und zu wenig Zeit für das Studium aufbringen.
Der Zwang darf während des Studiums auf keinen Fall die Überhand gewinnen.
Seit dem mein Zwang besser ist is dies nun alles einfacher.

Alles Gute

Baumi

Elena

Anfänger

  • »Elena« ist weiblich

Beiträge: 14

Zwangssymptome: Kontrollzwang

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: Keine Ahnung

Status: Betroffene/r

  • Nachricht senden

3

Freitag, 27. Dezember 2013, 07:48

Hmm... ich weiß noch nicht mal ob mit einem Zwang überhaupt einen Schwerbehindertenausweis bekommt :huh: .

Unter was für einem Zwang leidet deine Tochter denn?

Was für Vorteile versprichts du dir von dem SB-Ausweis bzgl. des Studiums?

motte

Schüler

  • »motte« ist weiblich

Beiträge: 162

Zwangssymptome: Wasch- und Putzzwänge

Medikament / Dosis: Citalopram

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Niedersachsen

  • Nachricht senden

4

Freitag, 27. Dezember 2013, 15:35

Ich habe für meine Zwänge 20 % bekommen.

Soweit ich weiß, hat man mit 20 % noch keine Vorteile beim Arbeitgeber (Kündigungsschutz usw.), bin mir aber nicht sicher.

Habe wegen einer anderen (nicht psychischen) Erkrankung 50 % und somit einen SBA ausgestellt bekommen. Die 20 % für die
Zwänge wurden dort nicht hinzu gerechnet oder dergleichen.

5

Samstag, 28. Dezember 2013, 09:29

Danke für eure Antworten!


Bei einer nachgewiesenen Behinderung bzw. Einschränkung wird - so habe ich es verstanden - anders mit deinen Wartezeiten für die Uni umgegangen. Außerdem kannst du dir beim Studieren mehr Zeit lassen und in Bezug auf die Gestaltung der Prüfungen gab es auch noch irgendwelche Spielräume.

@ Baumi: Das Zeitproblem kommt mir bekannt vor, meine Tochter hat dies auch.
Kannst du mir einmal näher erläutern, wie dies zustande kommt?

Was machst du denn mittlerweile beruflich? Und was macht dein Zeitproblem?

Liebe Grüße
Franka

6

Samstag, 28. Dezember 2013, 20:06

Hallo franka1,

also bei mir geht es halt um einen Waschzwang, aber kann mir das auch bei anderen Zwängen vostellen wie das so abläuft und wie viel Zeit das braucht. Welchen Zwang hat deine Tochter wenn ich fragen darf?

Bei mir war das halt ganz schwierig es fing an vom Wäsche waschen, musste meine Wäsche nach ein Mal tragen immer sofort waschen, wenn ich nach Hause kam. Die Wäsche waschen mit der Waschmaschine war auch so eine Sache, denn ich musste die Wäsche immer 3 Mal waschen (also alles 3 Mal waschen, spülen, schleudern). Und natürlich auch verbunden mit langen Duschen, Wäsche rausnehmen war nur möglich nachdem ich geduscht habe. Beim rausnehmen durfte ich nicht an den Rand der Waschmaschine mit einem Kleidungsstück ankommen, geschah dies wurde es zur Seite gelegt und nochmal gewaschen. Duschen war so am Tag auch 3 Mal (ca. 3-4 Stunden gesamt). Duschgels ca. je Tag eines und das waren immer Duschgels um 2-3 Euro pro Tag. Das viele Duschen und Wäsche waschen trieb die Stromkosten endlos in die Höhe. Stromnachzahlung mehrere 100 Euro. Ja der Zwang kann einen schon in den Ruin bringen. Also kam durch das ganze Wäsche waschen und duschen nie vor 5 Uhr morgens ins Bett. So konnte ich nicht mehr auf die Uni und keine Zeit mehr zum Lernen. Muss auch noch immer Studienbeihilfe zurückzahlen und evt. auch Familienbeihilfe, da ich keine Prüfungen mehr machte.


Naja nun ist das alles schon viel besser 1 Mal am Tag duschen (1 Duschgel für 4 Mal duschen :alarm: ). Wäsche waschen ca. 1 Mal pro Woche und nur 1 Waschgang, im schlimmsten Fall 2 Mal pro Woche (früher 21 Mal durch je 3 Mal waschen, spülen, schleudern). Meine Wäscheständer muss aber noch immer penibel sauber sein. So wie auch mein Computer z.B. oder Handy. Sachen aufheben vom Boden klappt auch nur wenn ich weiß, dass da nichts grausliches war. Wüsste ich z.B. dass da mal eine Überschwemmung von einem WC war wäre das ein NO-GO! Oder wäre ich mit meinen Schuhen wo reingetreten und müsste zu Hause dann was aufheben. Länger will ich über den Zwang nun nicht schreiben sonst wird es endlos ?(

Nun ja war schon 4 Monate in staionärer Therapie. Momentan nehme ich keine Medikamente oder Therapie. Mein Zwang ist leider auch nur "vermindert"...

Ja werde im März wieder studieren etwas Neues. Nun ein Studium ohne Mathematik. Weil bei Mathe hatte ich auch das Problem hätte wenn mit anderen zusammen lernen müssen. Das ließ sich mit dem Zwang nicht vereinbaren. Für meinen Zwang ist ein Studium besser, wo ich nicht auf andere angewiesen bin. Ja und arbeiten tu ich im Moment nicht nebenbei werde ich aber müssen, da keine Studienbeihilfe und Familienbeihilfe. Was ich auch sagen muss FH kann mit Zwang besser sein, da man gezwungen ist hinzugehen zu allen Übungen/Vorlesungen. Bei der Uni da man kaum bis gar nicht Veransatlungen hat mit Anwesenheitspflicht kann das auch nach hinten losegehn, da man das vielleicht zu sehr vernachlässigt. Naja darüber lässt es sich streiten nur meine Meinung.

Und weiß deine Tochter schon was sie studieren will?


Ich hoffe ich konnte dir so deine Fragen beantworten und sorry für die es langweilig und zu viel wurde :whistling:

Liebe Grüße

Baumi

7

Montag, 30. Dezember 2013, 10:10

Hallo Baumi,


danke für deine Antwort.
Meine Tochter hatte früher als Jugendliche einen Waschzwang, allerdings nicht so extrem, wie von dir beschrieben.
Nun hat sich das Ganze verlagert. Sie hat überwiegend Zwangsgedanken. Deren Inhalt verschweigt sie mir. Dann gibt es noch so kleine, sehr unauffällige Rituale, die sie bevorzugt macht, wenn sie unsere Wohnung betritt.
Ihr Studienziel ist übrigens noch unklar.

Haben dir deine Eltern eigentlich auf irgendeine Art helfen können. Wurden sie in die Therapie miteinbezogen?

Liebe Grüße
Franka 1

8

Montag, 30. Dezember 2013, 13:17

hallo franka nochmal,
die therapeutin unserer tochter bezieht uns eltern relativ regelmäßig mit ein; wir haben etwa einmal im monat ein gespräch mit ihr, meistens ohne unsere tochter. dabei geht es viel um familiäre hintergründe und um unser verhalten gegenüber unserer tochter.
das ist nicht immer bequem(wir stellen dabei oft fest, wie, auch unbewußt, kontraproduktiv wir sind), aber wirklich hilfreich, gerade auch dewegen, weil im alltag immer wieder situationen entstehen, wo man, egal wie lange man nun schon mit dem thema "zwang" befaßt ist, einfach nicht mehr weiterweiß. wir stellen also auch fragen zu konkreten situationen und bekommen tipps, wie wir, sinnvoll für alle beteiligten, damit umgehen sollen. die umsetzung ist nicht immer einfach, logisch, aber man hat wenigstens einen wegweiser.
liebe grüße, katja

9

Donnerstag, 2. Januar 2014, 05:39

Hallo franka1,

ja helfen eigentlich mich dazu zu bringen und zu überreden dass ich die stationäre Therapie machte. Bin nun schon sehr dankbar dass ich es gemacht habe und auch über das Ergebis sehr froh. Und einbezogen wurde keiner der Eltern wobei es 2 Mal einen Abend mit den Ärzten und Therapeuten gegeben hätte wo Angehörige kommen hätten können.

Liebe Grüße

Baumi

girasol1991

unregistriert

10

Donnerstag, 2. Januar 2014, 18:43

Hallo!

Also ich weiß, dass psychische Erkrankungen (im allgemeinen) durchaus einen sehr hohen Anteil eines Schwerbehindertenausweises ausmachen können, wie viel zu erwarten ist, ist aber denke ich immer seeeehr individuell.
Ich würde deiner Tochter es einfach mal vorschlagen und sie entscheidet dann selber, ob sie einen beantragen möchte. Ich denke, da man damit ja sehr diskret umgehen kann, überwiegen die Vorteile. Ob sie einen bekommt ist aber eh nochmal eine ganz andere Sache.

Bezüglich des Studiums: Also das man mit einem Schwebiausweis einfacher reinkommt das stimmt, ABER ihr könnt euch mal informieren wegen eines Härtefallantrages (ist was anderes als ein Schwebiausweis), manchmal können psychische Erkrankungen da auch ausschlaggebend sein. Das ist aber auch sehr verschieden (von Uni/FH zu Uni/FH). Genauso sieht es bei Prüfungen, Abgabefristen etc. aus, auch da kann man ohne Schwebiausweis einen Nachteilsausgleich erlangen. Es gibt bei mir an der Uni zum Beispiel ein Referat für Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung sowie einen Gleichstellungsbeauftragten, einfach da mal nachfragen bei Bedarf/Interesse. Manchmal reicht es aber auch bei einem Dozenten/Prof ehrlich zu sein und die gewähren einem eine längere Zeit für Arbeiten (meine Erfahrung).
Allgemein rate ich, dass man sich nicht zu viel Stress macht, langsam anfängt und dann Stück für Stück die Anforderungen steigert. Organisation ist viel wert und nimmt Stress raus. Ich habe zu Beginn meines Studiums die Fachberatung aufgesucht und mir den Modulplan, die Anforderungen, etc. erklären lassen. Habe dann im ersten Semester langsam angefangen, keine Leistungen erbracht, die benotet wurden. Ich brauchte viel Zeit zum Eingewöhnen in/an die Uni. Dann habe ich im zweiten und dritten Semester langsam gesteigert und im vierten und fünften dann ordentlich was zu tun gehabt und jetzt bin ich im sechsten, habe bis auf ein zwei kleinere Leistungen nur noch die BA und bereite mich langsam darauf vor. Ich nehme mir bewusst mehrere Monate dafür Zeit. Ich habe von Anfang an gesagt, wenn ich sieben Semester brauche ist das auch kein Beinbruch.
So lange deine Tochter kein Bafög bekommt, kann sie übrigens studieren so lange sie mag (außer das Studienmodell ändert sich, dann wird es irgendwann auslaufen wie bei mir - aber um das mal zu verdeutlichen, was das bedeutet: Ich habe angefange im SoSe 2011 (bin der letzte Semesterjahrgang, der anfing) und kann Kurse bis zum SoSe 2014 besuchen, also sieben Semester, und dann kann ich noch bis zum SoSe 2016 Leistungen erbringen, sprich Einschreiben, keine Kurse besuchen aber Arbeiten abgeben, etc. - also, wenn man halbwegs fit ist, ist das locker machbar und ich denke, wenn deine Tochter über ein Studium nachdenkt wird sie das sein - notfalls informieren bzw. nachfragen. Uns hat man das leider erst mitten im ersten Semester gesagt, sodass ich leider mein Nebenfach bis zum Ende behalten musste, obwohl ich gerne gewechselt hätte (Wechsel sind da durchaus möglich, aber die bedeuten Stress, deshalb vorher Informieren :-) ).

franka1, die Zwänge, die du beschreibst scheinen recht 'harmlos' - harmlos soll nicht heißen, dass sie keine Relevanz/Beeinträchtigung darstellen, sondern, dass es m.E. nach durchaus möglich ist, damit ein Studium zu managen. Generell wird es Phasen geben, wo es schwer und unglaublich anstrengend sein wird, aber genauso auch Phasen, wo es gut läuft. Ich persönlich schaffe es nicht nebenher arbeiten zu gehen, was ich schade finde, aber ansonsten klappt das Studium ziemlich gut und ich hätte im April 2011 (also vor fast drei Jahren) es NIE (!) für möglich gehalten, dass alles so zu schaffen. Natürlich gibt es Einschränkungen und ich glaube, dass ich es im Vergleich zu gesunden Studenten teilweise schwieriger habe, aber umso mehr freue ich mich und bin stolz auf mich, dass ich jetzt meine Bachelor mache und thematisch in meinem Hauptfach aufgehe.

Um noch eine deiner Fragen zu beantworten: Ohne meine Eltern und deren Unterstützung hätte ich es nicht so weit gebracht. Dass ich nicht arbeiten gehen muss ich purer Luxus, aber meine Eltern zahlen lieber mehr als dass ich nachher wieder zusammenbreche und das Studium nicht läuft. Sie haben mir häufig Ängste genommen, mich angehört, meine Arbeiten Korrektur gelesen und geholfen, wo sie nur konnten. Sie haben mir immer wieder gesagt, dass ich das richtige mache, ich mir Zeit lassen solle und ich gut bin wie ich bin.


das wars erstmal...tut mir leid, dass es so lang wurde... :(

11

Donnerstag, 2. Januar 2014, 20:28

@ girasol:
vielen Dank für deine ausführliche Antwort.
Ich finde es toll, dass du das alles so schaffst!!!
Liebe Grüße
Franka