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Zwangsgedanken: Ist das Grübelzwang?

On4wheels

unregistriert

1

Freitag, 2. Januar 2015, 11:36

Ist das Grübelzwang?

Hallo zusammen,

erstmal ein frohes und weitestgehend zwangloses Jahr uns allen!

Habe mal eine Frage an euch: stelle immer wieder fest, dass ich fast ein Problem-Radar habe. Wie zielsicher kreisen die Gedanken um Probleme und ist ein Problem erstmal beseitigt, finden die Gedanken das nächste. Ist die meiste Zeit am Tag so. Könnte das auch eine Form von Zwang bzw. Grübelzwang sein?

LG,
Wheely

Jo

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2

Freitag, 2. Januar 2015, 12:21

Ja das ist Zwang!
Grundmuster des Zwangs ist das unbestimmte Gefühl etwas sei nicht in Ordnung. Das konkrete Thema wird dann gesucht und auch ge- oder erfunden an dem man sich dann abzwängeln darf.
Ziel der Zwängelei ist: Das quälende Gefühl "Nicht in Ordnung!" wegzubekommen. Endlich das Gefühl "Alles in Ordnung" zu haben.
Gruß
_Jo_
Macht zu haben, bedeutet nicht, Recht zu haben.

On4wheels

unregistriert

3

Freitag, 2. Januar 2015, 20:55

Danke dir Jo.

Also es wechselt halt mehrfach am Tag, von einer Sache zur nächsten, so ungefähr. Ich hab das oft, dass ich Probleme durchdenke, dann irgendwann für den Moment durch bin mit dem Thema. Hab dann etwas Ruhe und dann geht es wieder los. Darf es denn dann auch ruhige Stunden geben, wo die Gedanken mal nicht kreisen?

Hab außerdem oft gelesen, dass das Problem bei Grübelzwängen darin bestehen soll, dass man ein Problem nie zu Ende denken kann, nicht dass es immer wieder anfängt. Ist das denn von der Sache her wichtig oder egal? Das hat mich immer verunsichert, ob es ein Grübelzwang ist oder nicht.

LG & danke,
Wheely

Jo

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4

Dienstag, 6. Januar 2015, 21:33

Hallo Wheely,
kann es sein, dass du gerade darüber grübelst, ob dein Grübelzwang ein Grübelzwang ist? ;)
Die Zwangsstörung wird im Französischen auch "Krankheit des Zweifelns" genannt. Wenn eine Sache nicht eindeutig ist kann bei uns das Gefühl "Nicht in Ordnung" entstehen.
Man will Eindeutigkeit: Grübelzwang 100% ja oder 100% nein. Tatsache ist: Vieles im Leben ist nicht absolut, es gibt nur Wahrscheinlichkeiten. Übergänge sind fließend.
Da gibt es z.B. das Diagnostic Manual der amerikanischen psychatrischen Gesellschaft DSM 4. Ein Kriterium für die Diganose ist, dass die Zwänge mehr als eine Stunde pro Tag beanspruchen. Also 59 Minuten Zwängeln=gesund; 61 Minuten Zwängeln = krank?
Wir müssen lernen mit Unsicherheiten zu leben. Es ist egal ob du, oder irgendjemand der eine Definition verfasst hat, es Grübelzwang oder wie auch immer nennt. Du willst es nicht, es quält dich, du erkennst das es übertrieben ist, es ist Zwang. Ein wichtiger Merksatz von J F Schwartz. "Wenn Sie denken es KÖNNTE Zwang sein dann IST es Zwang. Die Wirklichkeit nimmt nie die Gestalt von Zwang an, der Zwang aber die Gestalt von Wirklichkeit" (aus dem Gedächtnis zitiert)
Gruß
Jo
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5

Mittwoch, 7. Januar 2015, 01:03

Danke lieber Jo, du hast mich genau erkannt. lach

Ja, ich denke sehr oft darüber nach was das für Gedanken sind. Sie verfolgen mich so viele Jahre und ich weiß nicht genau was es ist.

Mit dem Zustand des fließenden Zustandes komme ich nicht zurecht. Der Umstand, dass es ein Zwang wäre/ist, nimmt mir zumindest ein wenig Belastung und ich kann damit besser umgehen. Wenn es normal wäre, hätte ich das Gefühl, dass man da wenig machen kann, denn es wäre ja normal. Letztlich wäre es mir egal was es ist, hauptsache ich kann damit umgehen.

Den Satz von J.F. Schwartz ist interessant. Könntest du mir noch das Zitat schicken?

LG,
Wheely

6

Freitag, 9. Januar 2015, 20:01

Hallo Jo,

ich habe in den letzten Tagen viel über das Zitat, das
du mir genannt hast, nachgedacht. Ist wirklich entscheidend, dass man
selbst denkt, dass es ein Zwang sein könnte? Spielt äußere Wahrnehmung
da keine Rolle? Ich möchte mich nächste Woche nochmal mit meinem
Hausarzt besprechen, Psychiater hab ich hoffentlich auch bald wieder.
Aber ich möchte halt alles richtig rüberbringen, deswegen beschäftigt
mich das alles zur Zeit noch mehr als sonst.

LG,
Wheely

P.S: Dein Postfach ist voll Jo. ;-)

Sommerwiese

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7

Freitag, 9. Januar 2015, 20:25

Ja das ist Zwang!
Grundmuster des Zwangs ist das unbestimmte Gefühl etwas sei nicht in Ordnung. Das konkrete Thema wird dann gesucht und auch ge- oder erfunden an dem man sich dann abzwängeln darf.
Ziel der Zwängelei ist: Das quälende Gefühl "Nicht in Ordnung!" wegzubekommen. Endlich das Gefühl "Alles in Ordnung" zu haben.
Gruß
_Jo_

Hallo Jo,

das ist die beste Kurzdefinition von Zwang, die ich je gelesen habe! :thumbsup:

Ich hatte sie mir schon vor ein paar Tagen kopiert und würde sie am liebsten als Signatur nehmen.
Echt!

Denn genau das trifft es: Das Gefühl “Alles in Ordnung“ zu erreichen.

Leider wird der Zwang dabei immer anspruchsvoller, so dass die Dosis der Zwangshandlungen gesteigert werden muss.

Sommerwiese

Jo

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8

Samstag, 10. Januar 2015, 12:50

Den Satz von J.F. Schwartz ist interessant. Könntest du mir noch das Zitat schicken?
Hallo Wheely, das Zitat:
"Zwangsstörungen können ein Empfinden von Realität nachahmen, aber die Realität wird niemals ein Empfinden von Zwangsstörungen nachahmen. Diese Tatsache führt uns zu einem äußerst wichtigen Grundsatz: Wenn das Empfinden aufkommt, es könnte eine Zwangsstörung sein, dann ist es eine Zwangsstörung! Denn wenn es die Realität wäre, dann käme noch nicht einmal das Empfinden auf, es könnte eine Zwangsstörung sein."
(Schwartz, Jeffrey M, 1996; "Zwangshandlungen und wie man sich davon befreit", 1997, Wolfgang Krüger Verlag, Seite 106)
Gruß
Jo
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9

Samstag, 10. Januar 2015, 13:34

Hallo Sommerwiese,
Leider wird der Zwang dabei immer anspruchsvoller, so dass die Dosis der Zwangshandlungen gesteigert werden muss.
ja, man verfestigt und stärkt den Zwang, wenn man mit Zwangshandlungen reagiert. Das Tragische: Es ist ja "in Ordnung"! Das Gefühl "Nicht in Ordnung" ist falscher Alarm! Ursache ist eine biochemische Fehlfunktion in unserem Gehirn.
Mein Bild ist das eines Territorialkampfes. Der Zwang als Angreifer, der einen Teil meines Hoheitsgebietes beansprucht. Nun könnte man sich vorstellen, na gut, ich kann immer noch gut leben wenn ich ihm einen Teil abtrete,wenn dann nur wieder Ruhe und Frieden herrscht. Der Irrtum: Es wird dann kein Frieden herrschen! Hat der Zwang einen Teil besetzt wird er weitere Ansprüche stellen. Er wird immer weiter in mein Leben marschieren, wenn ich ihm keinen Widerstand entgegensetze.
Zu der Definition: Es ist das, was ich mit Hilfe verschiedener Bücher zu dem Thema gelernt habe. Man kann jeden Zwang auf dieses Grundprinzip reduzieren.
Gruß
Jo
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10

Sonntag, 11. Januar 2015, 14:46

Hallo!

Diesen "Zwang-Radar" kenne ich auch nur zu gut. Wenn denn mal kurzzeitig ein Gefühl von "in Ordnung" auftritt, kommt ganz schnell dieses Gefühl von "da war doch noch was". Ganz schlimm finde ich auch, wenn man z.B. einen kurzen Ansatz eines Zwangsgedanken aufgrund eines Ereignisses hat, diesen aber gut abwenden konnte, dann wird er spätestens beim Suchlauf des "Zwangs-Radars" wieder auf den Tisch gebracht. Ich erwische mich so oft dabei, dass ich denke "bitte Hirn, kram es nicht wieder raus, bitte hör auf, ich weiß, dass nichts Gutes dabei raus kommt". Man kramt dann irgendwie in den Erinnerungen und schwupps ist der Gedanke da, an dem man dann wieder zu grübeln hat. Ich hasse es... ;(


LG

Mic26

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11

Sonntag, 11. Januar 2015, 18:12

Genau dieses "Zwangs Radar" habe ich auch wie es Jyoti_1709 beschrieben hat ;)

Aber ich sag mir dann immer kenn ich schon ist nix neues un halt die dabei aufkommenden "unsicherheitsgefühle" aus oft klappt das schon sehr gut.

Denn ganz ehrlich ich hab die Schnauze voll das diese Krankheit ein Teil meines Lebens bestimmen soll ;) Da hab ich gar kein bock zu. Welche schönen Momente mir das schon versaut hat ne das ist es nicht wert da ertrage ich lieber die Angst wenn sie da ist immer wieder und dadurch wird man auch immer sicherer ;)

Und wenns grad nid geht weil mir alles zu viel wird nimm ich mir Pausen mach schöne dinge.

Ich seh gar nich ein das mich solche Gedanken kontrollieren ich bin mein Chef ;)

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