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sabrina

Fortgeschrittener

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Beiträge: 221

Zwangssymptome: Wasch-, Gedankenzwang

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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Donnerstag, 5. März 2015, 22:26

bitte um Unterstützung, Waschzwang und Umzug

Hallo,

ich werde
in gut 3 Wochen hier ausziehen.


Allerdings
habe ich noch keine endgültige Wohnung, es ist so geplant dass ich erstmal eine
möblierte Unterkunft für eine längere Zeit habe und derweil meine Möbel und
Kartons in einem Lager unterstelle.

Morgen
werde ich so richtig mal anfangen zu packen, bisher habe ich erst mal
aussortiert usw.


Aber ich
mache mir schon seit Tagen Gedanken wie ich das ganze überhaupt gestalten
werde.

Mein
hauptsächlicher Zwang ist dass ich meine das Haus ist verseucht. Wie ich einzog
lebte hier der Vermieter und der war krank und niemand machte sauber. Ich
ekelte mich extrem, weil ich immer dachte der zittert so sehr (Parkinson) da
geht wohl auch auf der Toilette einiges daneben und wird vertreten, auch in den
Flur hinaus (er schaute immer zur Tür raus).


Wir
kreuzten seinen Weg um zu unserer Treppe zu kommen und der Zwang war geboren.


Ich meine
dass wir den „Dreck“ mit in unsere Wohnung nehmen und verteilen und dass dann
alles verseucht ist. Es wurde immer schlimmer. Der Weg zum Auto und
mittlerweile das Auto sind der verlängerte Flur. Aber auch wenn ich mit meinen
Schuhen woanders hingehen nehme ich den Schmutz mit.


Ich habe
keine Angst vor Bakterien und Viren, es ist wie ein unüberwindbarer Ekel.


Die
Therapeuten meinten bisher, das eigentliche Problem wäre „verschoben“. Hilft mir aber auch nicht weiter!


Erschwerend
kommt dazu, dass der Vermieter mittlerweile verstorben ist und der Erbe
ziemlich oft hier vorbeikommt. Der ist von einem Bauernhof und im Flur ist
undefinierbarer Dreck aber er sieht aus wie von der Landwirtschaft, das macht
mir das ganze noch schwerer.


Eigentlich
gingen wir nie mit Schuhen in die Wohnung. Nur letztes Jahr war ich durch einen
Aufenthalt in der Klinik so weit dass ich mit Schuhen rein ging, nur dann war
die ambulante Therapie auch zu Ende und alles erarbeitete habe ich nach und
nach verloren. Mittlerweile bleiben die Schuhe wieder draussen.


Nur einige
Zeit gingen wir ja rein und der Schmutz ist munter verteilt worden auf
Spielsachen (vom Kind) etc. oder zum Kindergeburtstag waren Kinder da, die
erstmal mit Schuhen ins Zimmer gingen bevor sie diese auszogen.

Nun weiß
ich nicht wie ich damit umgehen soll. Wasche oder brause ich erst alles ab,
bevor ich es einpacke um es in einigen Monaten in neuer Wohnung auszupacken und
keine Angst davor zu haben und die neue Wohnung nicht mit den alten Problemen
zu verseuchen
- o d e r – lasse ich es „verseucht“ und
konfrontiere mich in einigen Monaten damit?!


Ich will ja
in die Klinik (steh auf der Warteliste) aber die Frage ist ob ich hinterher
wirklich so weit bin damit klar zu kommen. Letztes Jahr war ich schon mal in
der Klinik und allzu viel haben wir auch nicht geschafft und wie schon geschrieben danach war meine
ambulante Therapie auch gleich zu Ende.

Aktuell bin
ich bei einer Instituts-Ambulanz, aber ausser Reden sind wir noch nicht
wirklich vorangekommen. Sie konnte mir auch keinen wirklichen Rat geben. Sie
meinte evtl. finden sie einen Kompromiss?!


Mir ist
schon klar dass ich Eure Ratschläge auch nicht einfach 1:1 umsetzen kann, aber
ich bin dankbar für jeden Denkanstoss.


Übungen
kann ich zur Zeit gar keine mehr machen, ich muß in der Klinik erstmal wieder
bei Null anfangen.


Schlimm
wird auch der Umzugstag, bisher kann mir keiner helfen der von meinen Problemen
weiß, der eine ist krank, der andere im Urlaub usw.


Wenn ich
nun fremde anheuern muss, kann ich dann sagen: bitte stellen Sie im Flur nichts
ab ich habe da ein psychisches Problem, geben Sie die Gegenstände direkt ins
Auto?! Kann man das bringen?


Bei
Waschmaschine usw. ist mir klar dass es nicht anders geht, aber bei allen
andren Sachen möchte ich es nicht. Die haben schon beim Einzug die Matratzen
etc. einfach im Flur vor dem Herrn seiner Wohnung abgestellt…..


Wer von
Euch hatte auch schon ähnliche Probleme?

Bin dankbar
für jeden Input!


So muss nun
erstmal schlafen.


LG sabrina








sabrina

Richard

unregistriert

2

Freitag, 6. März 2015, 07:33

Hallo sabrina,

schön das es für Dich eine neue Lebens/ Zukunftsperspektive gibt!

"Der Weg zum Auto und mittlerweile das Auto sind der verlängerte Flur. Aber auch wenn ich mit meinen Schuhen woanders hingehen nehme ich den Schmutz mit."

Das ist "normal" aus der Sicht eines Zwangserkrankten. Das Du dabei keine Angst hast vor realen Bedrohungen wie Bakterien oder Viren, ist auch normal im Selbstbild der Zwankserkrankung und gibt letztenendes nur deren Irrwitz (gegen den man sich nur schwerlich wehren kann) her...

Ob Du nun alle vermeintlich kontamierten Gegenstände in Deinem Sinne reinigst, also abwäscht/ abbraust und dann verpackst, liegt bei Dir und dem zu bewältigenden Zeitaufwand dafür. Ob Du die Unterlassung dessen zuläßt, um Dich in einigen Monaten nach evt. Heilungserfolgen damit nicht mehr konfrontiert zu sehen, wäre absolut gut! (Ich versehe das aber mit ein paar ???)

Das Du als Umzugshelfer keine Co-abhängigen Helfer, also in Deinem Sinne manipulierte Menschen zur Verfügung hast, betrachte generell mal als Vorteil. Ein Umzug, egal ob mit bekannten oder unbekannten Helfern, verläuft meißtens abrupt, außerhalb jeder Kontrolle und chaotisch. Kartons und Möbel werden nach draussen geschleppt und auf die LKW-Ladefläche gehievt. Dabei kaum ein Karton nur von außen, -diese müssen auf der Ladefläche gestapelt werden, also muß auch die Ladefläche betreten werden, der "verlängerte Flur" ist auf der Ladefläche, wo alles abgestellt wird, somit kann dieserart keine "Reinheit" im Mindesten gewährleistet werden. Auch Möbelteile und andere sperrige Gegenstände werden zwangsläufig unterwegs irgendwo anstoßen und abgesetzt werden müssen und auf die Ladefläche transportiert und abgesetzt und gestapelt werden müssen. Das geht nicht ohne die Ladefläche zu betreten und allsomit "Verseuchung" auf die Ladefläche zu übertragen. Da kannst Du denken und planen wie Du willst, das klappt so nicht. Die Habseligkeiten, die Dir existenzwichtig sind, kannst Du in Kartons verpacken, dort sind sie sicher und bleiben "unverseucht".

Aus/ in der absoluten Not, entwickelt der Mensch teilweise neue Überlebensstrategien. Ich kann das aus eigener Erfahrung sagen. Die heute vermutete Katastrophe wird von Dir abgewendet werden können und selbst wenn Du heute noch nicht weißt wie, -wird sich alles Befürchtete erledigen und zum Besseren wenden. Ich bin nicht Thomas Gottschalk aber "Wetten das"?!

Tue im Vorfeld das, was Du meinst tun zu müsses.

Du wirst alles überstehen, auch wenn Du heute noch nicht weißt wie.

Ich wünsche Dir Kraft, die Du selber mobilisieren kannst und wirst!

Alles Gute,

Richard



sabrina

Fortgeschrittener

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Zwangssymptome: Wasch-, Gedankenzwang

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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3

Sonntag, 8. März 2015, 00:01

Hallo Richard,

danke Dir für Deine Antwort!






Du hast schon recht mit deiner Aussage, der Dreck wird mit in
den Laster gehen usw.



Aber mein Hirn macht dennoch einen Unterschied ob der Dreck dann
nur an den Schuhen ist oder an den



Kartons und Möbeln die evtl. im Flur abgestellt werden.


Man kann es logisch nicht erklären, das hat sich das Hirn eben
mal so ausgedacht.






Ich hätte ja gerne am Tag vor dem Auszug noch den Flur gewischt,
aber zur Zeit weiß ich nicht wann die Erben immer so auftauchen. Die renovieren
jetzt die Wohnung unten. Da kann es mir passieren dass ich wische und am Morgen
stehen sie vor der Tür und ich will umziehen. Sie kommen nicht jeden Tag, aber
meist am Wochenende und gerade da zieht man ja um. Am liebsten würde
ich ja fragen ob sie an diesem Tag mal ausnahmsweise weg bleiben könnten. Aber
im Moment sind wohl die Fronten verhärtet.







Du hast auch recht, dass in Extrem-Situationen man doch noch einen Weg findet.

Das ist aber schon seltsam oder? Auf einmal gehen dann Sachen die sonst nicht
gehen würden.



Mir ist ja das auch schon ab und an passiert und ich frage mich dann immer was
war der Impuls?



Gab es auf einmal eine Angst vor etwas die evtl. noch größer war als die bisher
bekannte und somit

den bisher gelebten und dennoch gefährlichen Zwang in Frage stellte so dass man
in auf eine gewisse

Art ertragen konnte?






Aber die Angst vor der Angst ist im Moment noch größer.





Gott sei Dank konnte ich heute Hilfe mobilisieren für den Umzug.
Bei uns gibt es so eine humanitäre Hilfe und da habe ich angefragt. So konkret
weiß ich noch nicht wie es ablaufen wird. Evtl. wollen sie öfters was abholen,
nicht nur am eigentlichen Umzugstag.



Hab ich halt wieder Probleme wg. Fußboden usw. aber es muß halt
dann sein. Auf jedenfall sind das sympathische Leute da fällt es mir leichter.



Ich bin so froh, ich konnte heute mit denen reden und die hatten
Verständnis, ich habe vor lauter Dankbarkeit zu heulen angefangen, ich habe so
etwas noch nicht erlebt. So uneigennützig! Ich war tief beeindruckt.



Ich habe dann später in einem Geschäft so aufgestylte Menschen
gesehen oder andere (die ich sogar kenne) welche heute mit dem Cabrio
herumgefahren sind mit ihrem Kind hintendrin obwohl es bei uns schon noch kalt ist und Schnee liegt. Aber da
kam mir so in den Sinn, diese Leute wissen doch gar nicht



um was es geht. Die leben ihr Leben in den Tag hinein ohne
Sorgen um Finanzen oder was es heisst zu „überleben“ die nur an sich denken und
auf der anderen Seite diese wunderbaren Menschen die ich heute kennengelernt
habe, die ihre Freizeit opfern für andere und die mit anpacken dass es anderen
besser geht.



Was für eine Welt!





Gute Nacht!


Sabrina






sabrina