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Peter

Anfänger

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  • »Peter« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 15

Zwangssymptome: Negative Zwangsgedanken

Status: Betroffene/r

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1

Sonntag, 29. November 2015, 01:14

Meditation statt Medikation (Teil 2)

(Dieser Beitrag ist die Fortsetzung zu "Meditation statt Medikation (Teil 1), welcher sich im Forum unter diesem Eintrag befindet. Bitte den 1. Teil zuerst lesen, damit man den Zusammenhang versteht. Ich konnte den Beitrag nicht im Ganzen posten, weil er zu lang ist)




Wie meditieren?!

Es gibt ein paar grundlegende Infos zur Meditation, aber das wichtigste ist es
einfach selbst auszuprobieren.

Außerdem gibt tausende Bücher zu diesem Thema, Youtubevideos und auch Kurse und
Gruppenangebote. Alles dazu findet man im Netz. Dieses Buch jedoch empfehle
ich:


http://www.amazon.de/gp/product/B004X2X7…pf_rd_i=desktop


Also, wie meditieren?
Such dir einen bequemen und ruhigen Platz, draußen oder in deiner Wohnung.
Manche nutzen Meditationskissen, ich z.B. nehme einen einfachen Küchenstuhl.
Ich setze mich mit meinem Po ans vordere Ende der Sitzfläche ohne meinen Rücken
an die Lehne zu lehnen. Egal ob auf Stuhl oder Sitzkissen, dass wichtigste ist
das man aufrecht sitzt, Rücken gerade, so das man gut und frei atmen kann. Meine
Hände lege ich auf meine Oberschenkel, die Füße vor mir in stabiler, bequemer
Haltung auf dem Boden. Der Atem:
Beobachte deinen eigenen Atem. Jeder Mensch atmet sowieso ganz unbewusst von
allein. Das Atmen übernimmt dein Körper für dich du musst dabei nichts steuern
oder kontrollieren. Lass deinen Atem so wie er sowieso von ganz allein fließt.
Lege deine Aufmerksamkeit auf deinen Atem!


Gedanken! Es geht
schlichtweg darum alle Gedanken so zu lassen wie sie sind. Während du dasitzt
und meditierst werden dir Gedanken durch den Kopf gehen. Es geht darum diese
Gedanken nicht zu bewerten, sie nicht verändern, sie nicht weg haben zu wollen,
sie nicht zu verdrängen, es geht darum sie neutral zu betrachten. Ein Beispiel
aus meiner Vergangenheit: „Vielleicht will ich mit dem Messer in der Küche
meine Mutter töten?!“ Lass diesen Gedanken existieren so wie er ist, nur weil
du es denkst wird es noch lange nicht passieren. Der Gedanke hat genauso seine
Berechtigung wie „Was möchte ich heute zu Abend essen?“ Beides sind nur
Gedanken, erst durch die Bewertung der Gedanken werden Gedanken bedrohlich. Das
Problem bei Zwangserkrankten ist, dass sie kaum bis keinen Abstand zu ihren
eignen Gedanken haben, sie beziehen ihre Gedanken komplett auf sich und
identifizieren sich mit ihnen, es fehlt Zwangserkrankten daran die Gedanken
abstrakt wahrzunehmen.

Ein Gedanke an ein Messer z.B. hat mich zeitweise um den Verstand gebracht,
weil ich innerlich für mich schlussfolgerte, auf den Gedanken folgt bald eine
Tat. Das ist absoluter Schwachsinn und schlichtweg ein falscher Zusammenhang in
deinem Kopf. Zum Glück kann man denken was man will. Vor gut sechs Jahren hatte
ich panische Angst vor Babys, weil ich immer dachte, dass es sehr leicht wäre
ein Baby zu töten. Klar wäre es leicht, weil sie sehr hilflos sind, aber ein
Gedanke macht keinen Mord und ein
solcher Gedanke macht dich auch nicht zu einem schlechten Menschen. Heute bin
ich Familienvater! Genauso wenig macht dich ein homosexueller Gedanke
homosexuell (und was wäre so schlimm daran homosexuell zu sein? Wenn du
wirklich ein Problem damit haben solltest, dann solltest du die negative
Bewertung die du Homosexualität beimisst betrachten und überdenken. Wäre es
wirklich so schlimm z.B. schwul aber glücklich zu sein? Wir Menschen
entscheiden nicht homo- oder heterosexuell zu sein, es liegt einfach in unserer
Natur wie wir gepolt sind) oder ein blasphemischer Gedanke zu einem schlechten
Christ oder Moslem.

Natürlich werden dich während der Meditation nicht nur Zwangsgedanken
beschäftigen, auch „normale“ Gedanken werden dir durch den Kopf gehen. Lass
auch diese Gedanken da sein und behandle sie neutral. Ziel der Meditation ist
die Gedanken so sein zu lassen wie sie sind und ihnen aber keine besondere
Aufmerksamkeit beizumessen. Achte stattdessen auf deinen Atem.


Ich weiß genau wie schwer es ist all die bösen Gedanken
zuzulassen die man nicht haben möchte, aber du musst da durch.

Bei der Meditation werden dir viele Gedanken durch deinen Kopf sprudeln, du
wirst dich kratzen und umsetzen wollen, weil es zwickt und kneift und
vielleicht würdest du gern aus der Meditation flüchten. Versuche diesen Impulsen nicht nachzukommen,
sondern versuche es auszuhalten und dich aufs Atmen zu konzentrieren. Versuch
bitte sitzen zu bleiben. Ich verspreche dir nicht, dass es leicht sein wird sich
seinen Gedanken zu stellen, aber weiter wegrennen kann keine Option sein!


Trotz allem bitte verkrampf dich nicht dabei es perfekt
machen zu wollen, lass innerlich los und zu was in deinem Kopf passiert. Am
besten stellst du dir einen Wecker für den Zeitrahmen der Meditation. 10
Minuten für den Anfang sollten reichen. Wenn du 10 Minuten durchgehalten hast
super, versuche am besten dir jeden Tag 10 Minuten Zeit zu nehmen um zu
meditieren, um zu üben, denn Meditation ist Übung! Wenn du mit der Zeit
erfahrener wirst verlängere die Zeit. Ich z.b. versuche 4x in der Woche eine
halbe Stunde zu meditieren, klappt nicht immer, ich versuche mich auch nicht zu
stressen wenn es nicht klappt, aber 4 x 30 Min., das ist mein Ziel.


ERWARTUNGEN!?

Bitte erwarte keine Wunder, wahrscheinlich wirst du am Anfang garnichts merken,
vielleicht sogar genervt und frustriert von der Meditation sein und dich fragen
was der Scheiß soll???

Bei mir hat es Jahre gedauert die Meditation wirklich in mein Leben zu
integrieren, aber schon nach ein paar Wochen der Meditation merkte ich, dass da
etwas passiert was man wohl mit dem Wort LOSLASSEN nicht besser beschreiben
könnte.

Wie gehe ich mit Ärger, Frust, Wut und Stress um? All diese Emotionen tauchten
bei mir in der Meditation und im Alltag immer wieder heftig auf, es auszuhalten
und zu beobachten wie „es“ mit mir passiert war und ist eine sehr interessante
und lehrreiche Erfahrung.

Das sind meine Erfahrungen, es gibt bestimmt viele Therapien, aber diese hat
für mich definitiv funktioniert. Ich bin ein brennender Verfechter der Meditation
und lege gerne Menschen die ich treffe die Meditation ans Herz, auch wenn sie
keine Zwangserkrankung haben, weil sie uns Menschen helfen kann unsere
gedankliche Zerstreutheit zu minimieren gar zu beenden. Die Meditation ist für
mich ein Hilfsmittel zu erforschen wer ich bin und wie ich gestrickt bin und
das ist sicherlich für alle von großem Interesse oder?

Meditation lässt sich im Alltag
integrieren
, dass ist sogar das Ziel der Meditation, dass was man im
Stillen sitzen erlebt in den Alltag mitzunehmen, in den Alltag zu übertragen
bzw... In einer stressigen Situation nicht die Stressgedanken zu verfolgen,
sondern den Atem zu fokussieren...




Eine praktische Übung: Mache einen Spaziergang: Lass dein Handy daheim,
zieh dich dem Wetter angepasst an und Laufe, achte auf deine Schritte, du gehst
spazieren mehr nicht, wenn du merkst wie du über deine Arbeit oder den Stress
mit deiner Freundin nachdenkst oder ob du homosexuell bist oder ob vielleicht
ein Mörder in dir steckt, lass die Gedanken sein wie sie sind, verdränge sie
nicht, ärgere dich nicht darüber das du immer wieder in Gedanken versunken
bist. Dein Ziel ist, du willst einfach nur spazieren, achte auf die Geräusche
um dich, wie die Füße auf dem Asphalt aufsetzen, wie der Wind um deine Nase
weht, gehe schlichtweg spazieren mehr nicht!

Die Meditation bedeutet im „JETZT“ zu sein, statt im Gestern oder in der
Zukunft oder in Gedanken. Ich könnte so viel über dieses Thema schreiben, es
geht aber vor allem um deine persönlichen Erfahrungen, es gibt hierbei keinen
Königsweg.


Medikamente
können sicherlich eine Stütze sein, aber meiner Meinung nach sind sie keine
Lösung des Problems. Ich habe selbst lange darüber nachgedacht welche zu nehmen
als es mir mies ging... es dann aber nicht getan. Für Ärzte sind Medikamente
mangels Therapieplätzen eine „einfache und schnelle“ Lösung und viele Patienten
erhoffen sich durch sie ein Ende der Qualen. Für Pharmakonzerne sind die Pillen
ein dickes Geschäft, aber will man sein Leben lang Tabletten nehmen um mit dem
Leben klar zu kommen? Diese Frage konnte ich mir leicht mit „nein“ beantworten
und daher wagte ich es wohl nicht sie anzufassen, auch wenn mein Leidensdruck
am Anfang riesig war. Es gibt Alternativen, habe den Mut sie auszuprobieren!
Wenn du Medikamente nimmst, versuche begleitend eine Gesprächstherapie und die
Meditation und gib dir Zeit, denn Zwänge verschwinden nicht einfach von heute
auf morgen. Es ist keine Schande Medikamente zu nehmen, das will ich nochmal
klarstellen, aber bitte Stelle dich nicht nur medikamentös deinem Problem. Es
ist harte Arbeit an dir selbst, bleib am Ball und habe Mut neue Wege zu gehen.


MEDITATION!!!! Kostet nichts, kann theoretisch jeder der
dafür offen sein will, hat mit Religion nichts zu tun.

Probier es einfach aus, was hast du zu verlieren?


PETER

Sommerwiese

Schüler

Beiträge: 146

Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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2

Donnerstag, 3. Dezember 2015, 23:30

Danke für den tollen Text!

Ich hab ihn mir gleich abgespeichert und will es ausprobieren.


Grüße von Sommerwiese

Peter

Anfänger

  • »Peter« ist männlich
  • »Peter« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 15

Zwangssymptome: Negative Zwangsgedanken

Status: Betroffene/r

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3

Samstag, 5. Dezember 2015, 00:36

Hallo Sommerwiese, das freut mich sehr!
Alles Gute für die Zukunft.