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bo

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1

Montag, 5. Juli 2004, 23:02

Psychosomatik, was ist das?

Psychosomatik, was ist das?


Psychosomatik: Der Körper als Sprachrohr der Seele

Was Worte oft nicht ausdrücken können - der Körper kann es. Experten schätzen, dass etwa 78 Prozent aller körperlichen Beschwerden keinen organischen Ursprung haben. Auslöser oder zumindest beteiligt ist ein seelisches Problem. Die Psyche nutzt den Körper beziehungsweise Körperorgane als Sprachrohr.

Millionen von Menschen leiden unter psychosomatischen Störungen, etwa 20 Prozent schwer. Die Betroffenen wissen das oft gar nicht. Und wenn sie es wüssten - Entrüstung wäre die Folge: "Ich bin doch nicht verrückt!"
Irrtümlicherweise verbinden viele den Wortbestandteil Psycho mit dem gesellschaftlichen Makel, eine Meise zu haben. Psyche ist die Seele, Soma der Körper. Bei psychosomatischen Erkrankungen wandelt sich seelischer Schmerz in körperliche Symptome. Sie sind Botschafter chronisch gewordener Konflikte oder Defizite. Klingt plausibel, setzt jedoch oft genug einen Teufelskreis in Gang.
In der alltäglichen Praxis werden Symptome therapiert, seelische Komponenten häufig ignoriert. Selbst wenn ein Therapeut Spurensuche betreiben will, stößt er zunächst auf Widerstand, da Menschen gewohnt sind, ihren Körper technisch zu betrachten. Der Defekt soll repariert werden, schnell und wirksam.
Über psycho-soziale Hintergründe spricht man nicht gern - kann sich auch schwer vorstellen, was die damit zu tun haben könnten. Wenn der therapeutische Blick sich andererseits nur aufs Organische heftet, durchschaut er wenig.

Hier setzt die psychosomatische - auch ganzheitlich genannte - Medizin an. Idealerweise führt sie ein hoch spezialisierter Allgemeinmediziner beziehungsweise Hausarzt durch (in Kliniken, psychosomatischen Schwerpunktpraxen). Dieser direkte Weg spart Zeit (die richtige Diagnose erfolgt bei vielen Beschwerden erst sieben Jahre später), Kosten, vermeidet oftmals unnötig verordnete Medikamente und Operationen. Er kann unter Umständen lebensrettend sein: "Von den rund 12.000 Suizidtoten würden viele noch leben, wenn mehr Ärzte psychosomatisch behandeln würden", so Dr. Erich Schröder, Gründer des Bundesverbandes der niedergelassenen psychosomatisch tätigen Ärzte.


Körperliche Probleme in Lebenskrisen

Scheinbar unlösbare Probleme, Gefühle von Schuld, Trauer, Ausweg- und Sinnlosigkeit stürzen Menschen in eine Krise. Sie entwickeln Depressionen, Ängste. Gesichert ist längst, dass Depressionen und Angststörungen auch physisch krank machen. Besonders häufig entwickeln sich psychosomatische Probleme daher in Lebenskrisen und Schwellensituationen, also beim Übergang von der Kindheit in die Pubertät, von der Pubertät ins Erwachsenenalter, beim Wechsel ins Alter.

Auch das soziale Umfeld muss berücksichtigt werden: Die Beziehung zur Familie oder zum Partner kann so gestört sein, dass man mit Krankheit reagiert. Frauen tun dies häufiger als Männer. Gerade Psychosomatiker stellen oft fest, dass viele Beziehungen nur aufrecht erhalten werden, weil ein Partner seine Krankheiten pflegt und der andere für ihn da sein kann. Die nicht geglückte Ablösung eines Kindes vom Elternhaus, Missbrauch, Arbeitslosigkeit, schmerzliche Trennungen, massive Erschöpfung können ebenfalls Auslöser sein.

Wie die Seele mit dem Körper
spricht Ein psychosomatisches Leiden ist ein Leiden wie jedes andere. Es wird nur nicht so empfunden. Patienten sollten deshalb den Mut entwickeln, mit dem/den "richtigen Therapeuten" an sich zu arbeiten. Vielleicht hilft ihnen das Wissen, dass man messen kann, wie die Seele mit dem Körper "spricht": Die Psychoneuroimmunologie (PNI) hat ermittelt, dass das Zentrale Nervensystem - und damit die Psyche - mit dem Immunsystem über Nerven- und Hormonreize kommuniziert. Und umgekehrt. Man spricht von einem psychosomatischen Netzwerk, das an der Nachrichtenübermittlung zwischen Körper und Gehirn beteiligt ist. In der PNI wird wissenschaftlich aufgezeigt, dass die Nervenzellen des Gehirns Signale aussenden, die eine Infektionsabwehr verstärken können. Sie produzieren biochemische Substanzen (Hormone, Botenstoffe), die dem Körper dazu verhelfen, Krankheiten effektiver entgegenzusteuern. Diese lebhafte Kommunikation zwischen allen Systemen (Immun-, Nerven-, Hormonsystem) untersuchen unterschiedlichste Messmethoden aus der Hirn-, Stress-, Hormonforschung und Psychologie.

Schaltstellen der Regelkreise sind das Gehirn mit der Hirnanhangdrüse, die Nebennieren und die Immunzellen selbst. Darüber hinaus kann man diese Regelkreise und Informationswege durch den Einfluss von Gedanken, Vorstellungen und Gefühlen steuern und damit auch für die Heilung nutzen. Unbewusste negative Gedanken- und Gefühlsmuster beeinträchtigen natürlich ebenso diese Prozesse - im Sinne einer Unterdrückung der Selbstheilung. Die Information, die übertragen wird, ist abhängig vom jeweiligen emotionalen Zustand. Insbesondere bei Neuropeptiden (Botenstoffen im Gehirn) wurde festgestellt, dass sie die Fähigkeit haben, an die Rezeptoren von Immunzellen anzubinden. Dort können sie z. B. die Geschwindigkeit und die Bewegungsrichtung von Makrophagen (Fresszellen des Immunsystems) bestimmen.

Die klassischen Krankheitsbilder
Dem psychosomatischen Ansatz zufolge ist eine strenge Unterscheidung zwischen psychischen, psychosomatischen und rein somatischen Krankheitsbildern zwar nicht möglich, da Krankheiten als ein multifaktorielles (aus vielen Faktoren bestehendes) Geschehen betrachtet werden. Dennoch gibt es psychosomatische "Klassiker":
- chronische Magen-Darm-Erkrankungen wie Colitis ulcerosa und Morbus Crohn, Bluthochdruck, Zwölffingerdarmgeschwür, Allergien (z. B. Neurodermitis, Heuschnupfen), Asthma bronchiale, rheumatische Erkrankungen (z. B. rheumatoide Arthritis), Überfunktion der Schilddrüse, eine Fülle von gynäkologischen/urologischen Problemen (z. B. ständig wiederkehrende Harnwegsinfekte).
- Aber auch Migräne, Schlaf-, Ess-Störungen, HNO-Erkrankungen (Hörsturz, Tinnitus, Schwindel, ständig wiederkehrende Erkältungen) zählen zum Komplex der psychosomatischen Krankheitsbilder.


Quelle: Psychosomatik Homepage

Pit-2001

unregistriert

2

Dienstag, 6. Juli 2004, 09:03

Danke Bo

Super Artikel, ich kenne den Stoff schon lange. Der bekannte LAUSTER schreibt in seinen Büchern viel darüber. Aber die, die sich immer psychisch clean fühlen und auf uns herabsehen und den Kopf schütteln, selbst aber an psychosomatischen Dingen leiden, sollten ihn gut lesen.

Lauster schreibt, dass die Leiden der Seele entweder durch den Körper angezeigt werden und sogar in den Tod führen können!
Wenn jemand psychisch krank ist, nehmen sie einen Umweg und werden in der Neurose z. B. deutlich. Ist es von daher nicht sogar erlaubt, zu sagen, was für ein Glück, das Leid, was im schlimmsten Fall zum Tod führen kann, ist in der Psychosackgasse stecken geblieben? Feiern wir es, denn leiden tun wir dafür genug!

Aber all das sollte Anlass sein, Ursachen zu erforschen, die Menschen psychisch zu heilen, bevor es in die Krankheit oder die Neurose führt.
Aber gibt es dafür Hoffnung?

Lieber Bo, alles Gute und Grüße

Pit

3

Dienstag, 6. Juli 2004, 19:34

RE: Danke Bo

hallo Pit!

meinst du Peter Lauster? von dem menschen hab ich das buch "Wege zur Gelassenheit" gelesen. mein lieber vati hatte es mir zu der zeit geschenkt als ich in die maedchen-obsession geschlittert bin und mein vater wohl gemerkt hatte, dass ich mich mal lockerer machen muesste.

leider war das damals schon nicht mehr genug. ich befand mich bereits auf dem absteigenden ast, und mir haette nur die erkenntnis geholfen, dass ich schnurstracks auf dem weg in die zwangsneurose bin.

so eine zwangsstoerung hat auch was somatisches oder? die hirnchemie ist aus dem gleichgewicht. abgesehen davon hatte ich arge schlafstoerungen, alle paar wochen eine starke erkaeltung und (vom vielen gruebeln wohl...) kopfschmerzen und so eine unertraegliche spannung im kopf.

hast du irgendwelche psychosomatischen symptome an dir festgestellt?

ah... und gibt es von dem lauster noch ein buch das du mir empfehlen koenntest?

viele gruesse!

tito

Pit-2001

unregistriert

4

Dienstag, 6. Juli 2004, 21:26

An Tito

Hi Tito, danke für deine Antwort. Ich las damals Peter Lauster: "Lassen Sie der Seele Flügel wachsen". Ich möchte es nicht empfehlen, es hilft nichts gegen Zwänge, aber ist ansonsten eine äußerst angenehme Literatur. Daraus sind auch die Gedanken, die ich über Psychosomatik erwähnte.

Ja, ich hatte schwere psychosomatische Beschwerden, damit fing alles an.
Darin waren meine unaufgearbeiteten seelischen Defizite begraben.
Ich möchte nicht darüber sprechen, was es war. Ist letztlich auch egal.
Aber als ich sie beseitigen wollte (damals noch doof), gingen sie nicht und ich kam in die medizinische Teufelsküche. Ich erfuhr ganz langsam, dass die psychosomatischen Beschwerden nicht mein dauerhafter Begleiter waren, sondern immer wieder verschwanden. Aber mit dem Verschwinden, stellten sich Ängste ein, ob es wirklich so ist und die Ärzte stellten eine Menge Auslöser fest, die wenn sie wären, mein Tod oder schwere Eingriffe zur Folge hätten. Später erwies sich alles als Quatsch, was die an mir feststellten, aber die Angst wich nie mehr, darin waren nun mehr die seelischen Probleme begraben, von denen ich damals allerdings nicht die Spur verstand, die ich fortan aber nur nur zwanghaft bekämpfen konnte und zu denen sich immer mehr dazugesellten. Als sich die Zwänge einspielten, verschwanden die psychosomatischen Dinge völlig. Ich hatte ja die Zwänge und schaffte mir dadurch Sicherheit. Ich war Neurotiker und nicht mehr Psychosomatiker.

Interessant?

Freundliche Grüße Pit

5

Mittwoch, 7. Juli 2004, 18:33

gracias Pit!

hallo Pit!

interessant ist das auf jeden fall aber auch beaengstigend. du sprichst von aerztlichen fehldiagnosen wenn ich dich richtig verstanden habe, und die kollegen im kittel haben dir schlimmste folgen prophezeit, das ist uebel.

bemerkenswert finde ich die umwandlung des ausdrucks der inneren spannungen. in deinem fall haben diese sich nach den koerperlichen (psychosomatischen) beschwerden ihren weg in die zwaenge (psychische beschwerden) gesucht?

an so etwas habe ich noch nie gedacht. ich hatte aber auch erst wirklich koerperliche beschwerden als ich in die schuld- und gruebeletappe meines lebens gedriftet bin. vorher hatte ich nur ein arg schwaches immunsystem, aber das kann auch andere ursachen haben.

vielen dank fuer den buchtipp, auch wenns nicht gegen zwaenge hilft. das buch das ich von lauster gelesen hab war prima und ich konnte einiges daraus lernen, wenns auch einige kitschige und meiner meinung nach unsinnige stellen enthaelt. aber ich kann ja kritisch lesen:=)

bis bald!

tito

Pit-2001

unregistriert

6

Mittwoch, 7. Juli 2004, 21:28

nochmal kurz

hi,
freut mich, wenns dir hilft. Die Lauster Bücher sind angenehm zu lesen, das ist das erste, sie zwingen einen aber auch über seinen eigenen Lebensstil nachzudenken, denn einiges darin, leuchtet nicht sofort jedem ein.

Ja, du hast richtig verstanden, damals wandelte sich das psychosomatische ins neurotische um, ausschlaggebend war der Schock, den man mir verpasste, das ist eindeutig!
Ausschlaggebend, dass der Schock mich aber so fertig machte, obwohl sich später herausstellen sollte, dass alles Fehldiagnosen waren, ist aber wohl, der psychische Zustand, der sich damals erstmals psychosomatisch bemerkbar machte, denn ich dachte damals niemals an Psychisches, dazu war ich viel zu überzeugt von allem, was mir anerzogen wurde usw.

All das klingt im nachhinein so locker, aber für mich war es ein langer steiniger Weg, die Dinge zu erkennen.

Lebst du in Spanien? Bist du Spanier?

Gruß Pit

7

Mittwoch, 7. Juli 2004, 23:51

RE: nochmal kurz

hi Pit!

hat denn die erkenntnis, das verstehen des mechanismus dir geholfen, die zwaenge loszuwerden? ich weiss nicht, wenn mir heute ein psychiater erzaehlen wuerde dass ich schlicht und einfach abgedreht bin weil ich eine streptokokken-infektion hatte in meiner kindheit oder mich ein lehrer sexuell missbraucht haette (beides nicht der fall...), dann wuerde das trotzdem nicht meine obsession und die schuldgefuehle aufloesen.

aber ich komm vom thema ab, hier gehts um psychosomatik.... und ich muss sagen zumindest in meinem fall sind die koerperlichen symptome um einiges ertraeglicher als die seelischen. aber da gibt es sicherlich unterschiede, bei dir war es wohl haerter als nur kopfschmerzen, dauerndes erkaeltetsein und schlaflosigkeit.

in diesem sinne, ich weiss garnicht wo du mittlerweile stehst. hast du die sache in den griff bekommen?

viele gruesse!

tito

PS: bin aus dem tiefsten westfalen, lebe aber seit zweieinhalb jahren in madrid.

Pit-2001

unregistriert

8

Donnerstag, 8. Juli 2004, 12:25

Verständnis

Danke für deine Herkunftsauskunft,

zu deiner Frage:

bis jetzt nicht!

Aber, ich bin jetzt endlich ans Ende meiner Forschungen angelangt und brauche nicht weiter nach Ursachen suchen, weil ich den bisher herausgefundenen nicht traute. Das ist eine enorme Erleichterung.

Jetzt kommt die Zeit, mich mit den Traumas auseinanderzusetzen, in mich eintröpfeln zu lassen, dass sie sich nicht zwangsläufig ständig wiederholen und ich mich nicht zwangsläufig immer und immer wieder dagegen verteidigen muss.

Weiter weiß ich immer besser, was mir wirklich fehlt, nämlich die Aufgehobenheit in den Armen der Mutter und des liebevollen Vaters, die durch die Instandhaltung eines Ersatzgebietes (Zwangsgebiet: körperlich unantastbar gesund zu sein, um unabhängig von jeder Liebe "ewig" zu leben) von mir nachgeholt werden wollen, was natürlich nicht funktioniert, weil dieses Gebiet nicht absegnet, nicht mal pervers, wie damals meine Eltern, wo ich zumindst einen perversen Halt hatte, der durch Leistung kam.

Ich denke, es wird Zeit, darüber nachzudenken, auf welche Weise ich meine wirklichen Bedürfnisse noch irgendwie befriedigen kann. All das lernte ich aus den Forschungen bisher und langsam nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch.

Mehr kann ich dazu jetzt auch nicht sagen, als dass irgendwann vielleicht auch nochmal eine Verhaltenstherapie hinzukommen könnte, wenn sie Sinn hat, weil die Quellen nicht ständig neu und daus dem Unbekannten spucken.

Viele Grüße Pit

9

Mittwoch, 14. Juli 2004, 14:45

RE: Verständnis

Hallo Pit,

du schreibst: „Jetzt kommt die Zeit, mich mit den Traumas auseinanderzusetzen, in mich eintröpfeln zu lassen....“


Gerade in dieser Auseinandersetzung braucht man jemanden, einen Menschen, der
einem sehr nahe steht und einen auffängt.
Denn schließlich läßt man sich ja „fallen“.
Ich bin gerade in dieser Auseinandersetzung von Verarbeitung der Traumatas (selbständig), und weiß , wie wichtig es ist, dabei nicht alleine zu sein.
Hast DU so einen Menschen, der Dir nahe ist?

Grüße
Doro

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