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Dienstag, 20. Februar 2007, 17:38

Hallo zusammen

Liebe Leute,
hier möchte ich mich kurz vorstellen, denn beim Reinschnuppern in diesem Forum hat mich einiges angesprochen.
Wir sind von außen betrachtet eine typische Durchschnittsfamilie: Mann, Frau, zwei Töchter (mitten in der Pubertät).
Hinter der schönen Fassade (beruflich erfolgreich, Häuschen im Grünen, Verwandschaft zum Teil am Ort) gibt es diverse tiefgreifende Probleme.
Dass diese uns bewusst wurden, hat damit begonnen, dass wir vor zwei 1/2 Jahren entdeckt haben, dass unsere ältere Tochter Bulimie hat.
Sie befindet sich seitdem in intensiver therapeutischer Behandlung und wohnt jetzt schon lange in einer entsprechenden Wohngemeinschaft.
Mein Mann hatte schon immer sehr festgefahrene Gewohnheiten. Doch mittlerweile haben diese sich so verstärkt, dass er - wie ich meine - gar kein freier Mensch mehr ist.
In Kurzbeschreibung ist er ein "MONK" (der aus der Fernsehserie), d.h. sehr liebenswert, aber ständig damit beschäftigt irgendetwas zu ordnen (z.B. Gläser an der Spüle in der richtigen Reihenfolge aufstellen),oder zu putzen (Autos täglich polieren, Rollos wöchentlich von außen putzen..) oder zu kontrollieren (wer hat wann wen angerufen), oder sich vor den Fernseher zurückzuziehen.
Er selbst empfindet sich jedoch nicht als krank. Es sind nur seine Kollegen, die schlampig arbeiten(sie vergessen ab und zu i-Punkte), die Nachbarn, die keinen Sinn für Ordnung haben (beim großen Sturm hatte die Nachbarin ein paar Plastikeimer nicht weggeräumt), ich, die ich zu faul zum Putzen bin (mir würden die Rollos drei Mal im Jahr genügen), die Kinder, die sich nicht stillhalten können (unsere zwei Mädchen sind FURCHTBAR brav).
Dazu kommt, dass er sich immer mehr zurückzieht und nahezu keine sozialen Kontakte mehr pflegt (inklusive Familie). Mittlerweile fährt er auch nicht mehr in Urlaub, weil er das Haus nicht unbeaufsichtigt lassen kann.
Wir leiden darunter, bzw. haben aufgegeben darauf zu hoffen, dass er sich an der Familie beteiligt. So hat er unsere Tochter phasenweise monatelang nicht besucht und sich strikt geweigert an einer Familientherapie teilzunehmen.
Ich selbst hatte zeitweise auch recht niedergeschlagene Zeiten und bin mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich ihn nicht mehr dazu zu bewegen versuche sich an den oben genannten Dingen zu beteiligen, sondern angefangen habe wieder selbst zu leben.
D.h. ich habe wieder angefangen ein Hobby zu pflegen, begebe mich in Gesellschaft, versuche das zu machen, was ich gern mache unabhängig davon , was er gerne macht und unternehme manches mit meinen Töchtern.
Einerseits tut das gut, anderseits stehen viele ungelöste Fragen im Raum.
Meine aktuell größte Sorge ist die, dass meine jüngere Tochter auch Anzeichen von Essstörungen zeigt und meine Geduld im Hinblick auf meinen Mann langsam erschöpft ist.
Denn sein Problem ist zu meinem Problem geworden. Ich fühle mich nicht mehr frei, sondern überlege, bevor ich etwas mache, wie es wirken könnte etc.

Pit-2001

unregistriert

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Dienstag, 20. Februar 2007, 18:16

RE: Hallo zusammen

Liebe "Mama" Bix, ja da bleiben einem erst mal die Worte weg. Jetzt hat der Mann eine psychisch gestörte Tochter und geht nicht mit zu einer Familientherapie! Das haut schon rein.

Dabei ist er selbst alles andere als o.k., psychisch betreffend.

Du machst das ganz gut, wenn du dein Leben lebst *Mut zuspreche*.

Dass du damit nicht zufrieden bist, leuchtet ein.

Jetzt möchtest du einen Rat, gell, fällt mir aber nichts ein.

Was glaubst du, was zwingt einen Mann in das Versteck, aus dem er mit Dreck wirft, sich allen überlegen fühlt und trotzdem nichts anderes ist als ein armes kleines Tier, im Rückzug?

Wer weiß, ob das mit deiner Tochter letztlich auch damit zusammenhängt. Welche Rolle spielst du in der Situation. Hast du irgendeine Beteiligung an dem Verhalten deines Mannes (obwohl ich das in dem Fall nicht glaube)?

Was ist der Sinn eurer Familie, jedes einzelnen? Gibt es einen? Usw. usw.

Tja, Fragen stellen, auf die ich gar keine Antwort verlange, weil es eure Privatsphäre ist, das ist das einzige, was ich noch kann, aber ich glaube, dass das alles schon in der Therapie behandelt wurde? Welche Ergebnisse kamen da raus?

Viele Grüße

Pit

und Papa Bix, falls du das liest, merkst du nicht, dass deine Familie leidet?
Was ist los mit dir? Unter was leidest du, dass dich so hart macht, das leid deiner Familie nicht zu sehen?

3

Dienstag, 20. Februar 2007, 18:33

RE: Hallo zusammen

Bix,

das klingt wirklich alles bekannt, was Du da schreibst.

Ja, dass ein Mann nicht zugibt, dass mit ihm etwas nicht stimmt, leuchtet sogar ein, denn Männer werden so erzogen. Nie weinen, immer stark sein...

Sie äußern ihre Probleme offensichtlich so, dass sie andere klein machen, um selbst größer da zu stehen.
Das läuft bei uns so: An einem Tag, wo mein Mann besonders viele Spitzen gegen mich loslässt, geht es ihm selbst am schlechtesten, d.h. fühlt er sich selbst am kleinsten.
Da ist dann irgendwas passiert, wahrscheinlich zuviele Kontrollgedanken gehabt u.s.w.

Was mir an Deinem Schreiben auffällt: Genau, es sind immer die anderen.
Und man will ihn ja nie verärgern, also überlegt man sich kleine, gut gemeinte Neckereien lieber 2x, bevor man sie ausspricht...
Das verkrampft die häusliche Atmosphäre zusehens.

Ich antworte noch auf den anderen Thread, okay?
Und überhaupt - willkommen hier im Forum.
Bis gleich, Anna.