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1

Mittwoch, 28. Februar 2007, 23:03

Was bringt der Zwang?

Hier möchte ich eine provokative Frage stellen:
Was bringt der Zwang?
Ich gehe davon aus, dass Menschen grundsätzlich das tun, was für sie gut ist, einen Vorteil bringt, oder etwas Schlimmeres vermeidet. Also könnte ich mir vorstellen, dass der Zwang auch eine Art "Krankheitsgewinn" (Luise Reddemann) mit sich bringt!
Was habt ihr Betroffenen von euren Zwängen?
Oder was glaubt ihr Angehörigen, dass eure Familienangehörigen davon haben?
Aufmerksamkeit?
Zeit für sich?
Weniger Verantwortung?
Oder was meint ihr?.....

2

Mittwoch, 28. Februar 2007, 23:24

RE: Was bringt der Zwang?

Der Zwang gleicht Defizite aus.

Meistens weiß der Betroffene nicht mal, WAS ihm seelisch fehlt - nur das Unterbewusstsein weiß das ziemlich genau.

Deshalb ist der Zwang so schlecht zu therapieren.
Wenn er wegtherapiert wird - was soll dann an die entstandene "Fehl"-stelle treten?
Meistens wieder der Zwang, weil auch Therapeuten meistens schlecht herauskriegen, welches seelische Defizit den Zwang ausgelöst hat.

Mein Mann sagte einmal, er weiß gar nicht, ob er wieder mal zwangsfrei leben WILL. Er findet es zwar oft idiotisch, was er tut, aber der Kontrollzwang gibt ihm auch ein großes Stück Sicherheit. Wenn jetzt der Kontrollzwang therapiert wird - wo bekommt mein Mann dann seine Sicherheit her?? Davor hat er große Angst.
Für ihn ist der Zwang eine Schutzhülle, mangels einer besseren Lösung.

Was wälzt Du eigentlich noch so spät solche Grübeleien? ;)
Anna.

Pit-2001

unregistriert

3

Donnerstag, 1. März 2007, 00:12

RE: Was bringt der Zwang?

Anna, das hast du gut erklärt.

Grad die Tage habe ich mir die Frage wieder gestellt.

Meine ganz persönliche rein auf mich zugeschnittene Antwort (obwohl ja jeder weiß, dass das ganze multikausal ist):

ohne die Sicherheit, die mir gewisse Dinge geben, falle ich in ein großes Loch, das mich förmlich auffrisst. Es ist wie als wenn früher mal verschiedene Traumata (Unwetter) über meine Psyche herfielen, die Trümmer übriggelassen haben. Diese Trümmer in mir haben die Wirkung von Trümmern in strömenden Wasser, sie können mitreißen, töten usw. Durch die Kontrolle, bringe ich diese Trümmer ständig in eine Lage, die mir ungefährlich scheint. Das bringt mir der Zwang.

Aber sie lösen sich immer wieder, so beginnt alles von vorne. Das nennt man dann Zwangskrankheit.

Es ist so schlimm, dass ich diese Kontrolle nicht abgeben möchte.
Es gibt nur eine Methode da ran zu kommen, wenn jemand mithelfen würde, die Trümmer zu entschärfen, so dass ich den Dingen ihren Lauf lassen könnte, ohne strenge Kontrolle. Das sehe ich bei mir als einzigen Ansatzpunkt.

Gruß

Pit

4

Donnerstag, 1. März 2007, 07:25

Liebe Anna, lieber Pit,
danke für eure Antworten, die die Sache gut erklären.
Trotzdem rumort in mir die nächste Frage: Warum sich an diese "Pseudosicherheiten" klammern. Das kommt mir vor wie zum Schwimmen Bleigürtel anzulegen. Die könnte man auch nicht ersetzen, sondern "nur" weglassen.
Was ist so unerträglich am "Nichts", an einer Lücke, die entsteht oder an der Freiheit etwas neues oder eben nichts zu machen?

Was Annas Mann sagt, nämlich, dass er gar nicht ohne seinen Zwang leben will, kommt mir bekannt vor. Meine Tochter sagt dasselbe über ihre Bulimie.
(An dieser Stelle möchte ich meine Hochachtung für die aussprechen, die bereits über ihre Probleme sprechen können, denn das bedeutet ja immerhin schon einen gewissen inneren Abstand gefunden zu haben)

Alles Liebe!

5

Donnerstag, 1. März 2007, 08:58

Liebe BIX,

andersherum wird ein Schuh draus:

Die Bleigürtel, das sind die seelischen Tiefschläge, die der Organismus nicht verkraftet hat. DIE ziehen Dich nach unten.

Der Zwang, das sind verzweifelt schlagende Flügel, die Dich wieder nach oben bringen sollen.

Verstehst Du? Zwang ist nicht sinnlos.
Wenn hier jemand sagen könnte, wie man den Zwang (die Flügel) durch etwas besseres (zum Beispiel einen mit Helium gefüllten Luftballon) ersetzen könnte, wäre Dir das gesamte Forum dankbar.

Viele Grüße von
Anna.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Anna« (1. März 2007, 09:04)


Pit-2001

unregistriert

6

Donnerstag, 1. März 2007, 10:27

Sinn des Zwanges. An Bix unde alle Interessierten

Vorab möchte ich aber mal erwähnen, vorsichtigerweise nicht jeden Zwängler unter die Erklärung zu wuchten, die Anna und ich hier abgeben.

Erstens ist das Ganze multikausal und zweitens (interessiert mich sehr!!!)
mag es auch Zwängler geben, die vorrangig andere Ursachen haben als Anna und ich sie hier aufführen. Vor allem würde es mich interessieren, ob es wirklich mehr oder weniger rein verhaltensgeschädigte Menschen gibt, für die wirklich einzig eine Verhaltenstherapiie uneingeschränkte und schnelle Hilfe bringen würde.

Aber wieder zu unserem Fall

Nachdem Anna auch deinen Einwand wieder 1a beantwortet hat, möchte ich es noch mal anderse darlegen und zwasr rein von mir aus gesehen:

Frage doch einmal nicht, welchen Nutzen bringt mir der Zwang,
sondern
welchen Nutzen bringt mir die Kontrolle, die mir allerdings immer wieder zusammenbricht und nur deshalb versuche ich sie ja zwanghaft zu erhalten.

Wenn ich mein Zwangsgebiet in Ordnung halte, alles unter Kontrolle habe, fühle ich mich so sicher wie in Fort Knox. Diese Kontrolle gibt mir Selbstvertrauen, Lebensfreude, ich kann ich sein und leben.
Sobald die Kontrole ausfällt, kommen alle Wehen dieser Welt wie eine schlagllartige Plage über mich: schwerste Depression, panische Ängste, Abmagern, Zusammenbrüche, Minderwertigkeitskomplexe, Schwächeanfälle usw.

Jetzt frage nochmal jemand, welchen Nutzen mir die Kontrolle meines Zwangsgebietes bringt.

Es bringt mir den Nutzen, aus der Hölle in den Himmel zu kommen, um es in Bildern auszudrücken. Das heißt die Arbeit und den Stress, den einem die Zwänge auferlegen trage ich wohl immer noch lieber als die Arbeit an dem völligen Verfall, der eintritt, wenn ich die Kontrolle nicht zwanhaft erhalte.

Pit

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pit-2001« (1. März 2007, 10:29)


7

Donnerstag, 1. März 2007, 13:31

Danke Pit,
klingt "plausibel". D. h. ich glaube ich kann verstehen, was du meinst und gleichzeitig auch nicht verstehen, dass man das lieber aushält als loswird.
Wenn ich dich richtig verstanden habe, könnte man es auch so übersetzen, dass der Zwang das Fühlen betäubt, weil es zu unerträglich zu sein scheint, was zu Tage kommen könnte.

Aber wieder eine andere Frage:
Ginge es nicht auch zu versuchen die seelischen Tiefschläge zu verarbeiten?
Gäbe es nicht auch ernsthafte Alternativen?
Muss man manchmal vielleicht im Strudel bis zum Grund tauchen um wieder an die Oberfläche kommen zu können?

Das Schwimmen als Beispiel gefällt mir sehr.
Mein Mann ist einmal als Kind fast ertrunken. Er hat sich stets geweigert schwimmen zu lernen und hat heute noch Angst davor.Er ist nie (!) mit den Kindern ins Schwimmbad gegangen, nicht einmal um zu schauen, wie sie schwimmen können.
Ich bin als Kleinkind auch einmal fast ertrunken und habe erst recht schwimmen gelernt und den Rettungsschwimmschein gemacht (allerdings habe ich ein paar Therapiestunden gebraucht um zu erkennen, dass ich deshalb eine panische Angst vor dem Tauchen hatte, weil ich einmal fast erkunken war - es war mir vorher nicht bewusst).

Ich denke, dass es meistens mehrere Möglichkeiten gibt mit derselbsen Sache umzugehen.
Deshalb der hintergründige Sinn meiner Anfangsfrage: Warum sich quälen, wenn es (zumindest von außen betrachtet) auch anders ginge?

Was die sichere Festung betrifft, die du beschreibst, fällt mir das Märchen des Herrschers von Anamur ein:
Es wurde geweissagt, dass seine Tochter in jugendlichem ALter sterben würde. Deshalb baute er eine Festung für sie und ließ sie überwachen.
Doch die Prophezeiung erfüllte sich indem eine Schlange in einem Korb mit Obst in die Festung gelangte und die Tochter biss.

Wie sollen wir uns vor allem schützen können?
Im Leben gibt es keine Sicherheiten.
Das Leben ist einfach das Leben und ich weiß heute nie, was es morgen mit sich bringt.

Ich hoffe ich stürze dich mit meinen Aussagen nicht in Verzweiflung, sondern mache dir Mut einen Blick aus deiner Festung zu werfen.
Bis bald!

Pit-2001

unregistriert

8

Donnerstag, 1. März 2007, 14:05

Bix

Nein, was du sagst ist für mich nichts Neues. Ich leide schon zu lange daran und kämpfe zu intensiv um Heilung, als dass ich nicht sehr viele Ansätze schon ausprobiert habe.

Ich habe daheim einen dicken prall gefüllten DIN-A 4 Ordner mit lauter schrifrltilchen ÄVersuchen, mir solche Sichten und Tricks aufzuschreiben, wie du sie gerade geäußert hast. Die leuchten an manchen Tagen richtig ein, aber letztlich . . .

Das mit dem Schwimmen, da beschreibst du ja nur den Schock, und das reicht für manchen schon, ein Leben lang nicht mehr ins Wasser zu gehen. Bedenke, dass bei manchen Zwänglern so ein Auslöser da ist, der ein Gebiet zu einem Zwangsgebiet machte, darauf aber noch das ganze psychische kommt, was sich in der Kindheit ereignete und oft auch in der Gegenwart wirkt.

Dass ich dich verstehe zeigt sich ja auch darin, dass ich den Spruch, im Leben kann man sich nicht vor allem schützen ja in x anderen Lebensgebieten auch anwende, erfolgreich. Verrückt gell. Bin sogar eher draufgängerisch, wenn es um Sport und solche Sachen ging, da gibts ganz ganz viel ängstlichere. Nochmal: Verrückt gell.

Dies alles verarbeiten? Prinzipiell schon der richtige Ansatz.
Die Heilsalbe. Wie heißt die?



Pause




Liebe heißt sie. Wenn jemand aber keine so guten Unmstände im Leben hat und überhaupt, wenn man heuzutage bestehen muss, wenn man Erwachsen ist und kein Kind mehr, wenn man, wenn usw. usw.
dann ist die selbige oft sehr rar.

Dass man dann nicht Amok läuft, dass man in Stille sein Möglichstes tut, damit die Zwänge nicht voll ausufern, usw. usw. dann ist das mitunter schon die Höchstleistung, die man von so jemand verlangen kann. Es sieht immer so aus, als bewege sich nichts, man sieht aber nicht die Abwärtskräfte, die an einem wirken und gegen die man jahrelang kämpfte, so dass man zwar keine Fortschritte vorweisen kann, aber eben auch keinen Abgang in die Tiefen, in der allzuviele Menschen heute landen, auch Leute, die nicht mal Zwänge haben.

Was meinst du?

Gruß

Pit

9

Donnerstag, 1. März 2007, 18:10

RE: Bix

BIX,

hast Du dir mal ein Buch über Zwänge ausgeliehen?
Ich glaube, Du musst das mal machen.

Wir sind doch keine Therapeuten, und Du verlangst zuviel von den hier anwesenden. :lol:

Deine Fragen: Ich glaube, Du WILLST die Zwangskrankheit nicht verstehen, sondern Deine Meinung durchdrücken.

Okay, das habe ich am Anfang, als es bei meinem Mann begann, auch so gemacht.
Aber Du hast es hier mit einer Krankheit zu tun. Eine richtig, echte Krankheit.
Die Besiegung des Zwanges kann nur über Ärzte und Therapeuten passieren, wie bei jeder anderen Krankheit auch.

Und ich glaube, mit Deinen Fragen machst Du deutlich, dass Du am liebsten die einfachste Variante bei Deinem Mann und Deiner Tochter anwenden willst: LASST ES DOCH EINFACH. Nein. Nur weil Du es willst, lassen die es noch lange nicht, weil es eben eine Krankheit ist. So wie Krebs, den man auch nicht einfach abschütteln kann.

Es kostet eine Menge Kampf, den Mann dazu zu bringen, zur Therapie zu gehen, und viele Ehen gehen dabei drauf. So sieht´s aus.

Anna.

Pit-2001

unregistriert

10

Donnerstag, 1. März 2007, 18:49

RE: Bix

Anna, du bringst da eine Wahrheit rüber, die stimmt!

Aber solange jemand wie Bix aufrichtig fragt und verstehen will, denke ich nicht, dass die Konfrontation mit ihren Gedanken schadet.

Liebe Anna, Therapeuten sind keine Götter. Es sind dieselben Menschen, wie auch Bix. Sie haben sich allerdings ne Menge Schulwissen angeeingnet, was helfen kann oder auch nicht.

Die heilende Hand muss nicht unbedingt ein Therapeut haben, das möchte ich einfach mal behaupten. Aufgrund ihres Wissens, sind sie allerdings wohl leichter in der Lage dazu.

Denk mal ans Essen kochen. Ein Koch kennt X-Rezepte auswendig.
Trotzdem gibt es den Spruch: dieses Essen ist aber mit Liebe gemacht.
Wenn die fehlt, wird es kein Superessen. Wer keine Kochkenntnisse hat aber Essen mit großer Liebe zubereitet, wird evtl. auch Abnehmer finden (ich z. b. wenn ich Lust zum Kochen habe :lachen: )

Trotzdem tut sich der Koch leichter und das ist es wohl, er vermeidet Fehler, die das liebevollst zubereitete Essen zum Brand-Opfer werden lassen können.

Und trotzdem, letztlich bleibt die Zwangsneurose eine heimtückische Krankheit, die durchaus Krebs ähneln kann, weil sie trotz aller Fortschritte in vielen Fällen unheilbar scheint. Das zvon anderen akzeptiert zu bekommen, wäre für manchen Zwängler schon eine heilende Kraft. Stell dir mal einen unheilbar Krebskranken vor, dem man andauernd Vorwürfe macht, dass er sich nicht so anstellen soll und endlich gesund werden soll, so dem Sinne nach, es liegt doch nur an ihm selbst, dass da nichts läuft.

Schwer, schwer, vor allem, weil natürlich die Zwangskrankheit andererseits auch dazu verleitet, sich gehen zu lassen und nichts zu tun.

Jetzt find mal den Mittelweg.

Pit

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Pit-2001« (1. März 2007, 18:51)


11

Donnerstag, 1. März 2007, 20:33

RE: Bix

Als ich hier eingestiegen bin, habe ich schon im Vorfeld versucht, mir über Literatur Wissen über die Krankheit anzueignen.

Und zwar, weil ich versuchte, meinen Mann erst einmal zu verstehen, bevor ich ihn zur Schnecke mache.

Bei BIX vermisse ich das etwas.
Da ist noch kein Verständnis für Zwangskranke, aber das erwirbt man sich erst dann, wenn man die Leute wirklich verstehen will.

Und da hinterfragt sie und hinterfragt... Das macht mich total wuschig.

Versteht Ihr mich?
Anna.

12

Donnerstag, 1. März 2007, 21:35

und ich hab tatsächlich gedacht, dass ein forum dazu da ist Fragen stellen zu können.
In diesem Zusammenhang noch einmal vielen Dank an dich, Pit, weil ich das Gefühl habe, dass du dies akzeptierst.
Bei dir , Anna, habe ich wohl in ein Wespennst gestochen.
Deshalb möchte ich hier klarstellen, dass ich
* niemanden verletzen will
* niemandem meine Meinung aufdrücken möchte, sondern
* Gedanken ausdrücken und Fragen stellen möchte um vielleicht verstehen zu können
Mag sein, dass du, Anna, sozusagen "Profiangehörige" bist, die nicht nur versteht und unterstützt, sondern dabei auch glücklich lebt.
Mir geht es momentan nicht so.
Wie du oben schreibst, hält nicht jede Ehe diese Krankheit aus.
Hier in dieses forum schaue ich herein um zu sehen, wie andere Angehörige mit dieser Situation umgehen.
Aber hier bin ich momentan nicht um meinen Mann zu therapieren. Was auch immer seine Krankheit ist, so ist es (weil er ein erwachsener Mensch ist und er weder sich noch andere gefährdet) seine Entscheidung, wie er mit sich umgeht. Ich bin hier, weil ich ein Problem habe damit umzugehen, weil ich das Gefühl habe nur als Funktion (Kinder, Haushalt, Beruf..versorgen, ausführendes Organ für seine Wünsche zu sein), aber nicht als Person von Bedeutung zu sein. Vielleicht hat das auch andere Gründe.
Momentan sind mir die Tränen ausgegangen und ich versuche wieder anzufangen zu leben. Dabei ist es sehr zermürbend, wenn banale Normalitäten ständig verpönt werden und Lebensfreude entwertet wird.
Und bei uns geht es ums Überleben. Denn ich bin auch für meine Kinder verantwortlich. Hier zieht sich mein Mann völlig zurück. Während des Klinikaufenthalts meiner Tochter hat er sie drei Monate lang nicht nur nicht besucht, sondern auch nicht mit ihr gesprochen. Bei aller Geduld und Liebe muss ich gestehen: ich bin nicht Mutter Theresa.

tierchen29

unregistriert

13

Donnerstag, 1. März 2007, 21:54

RE: Bix

Hallo Anna,

es ist sehr lobenswert, wenn man sich beliest, um seinen Zwangs-Partner zu verstehen. Eigentlich finde ich, sollte es sogar so sein, dass man sich damit beschäftigt, wenn man einander wichtig ist.

BIX hat vielleicht einen etwas anderen Weg gewählt. Sie versucht Wissen zu bekommen, indem sie Betroffene und Angehörige, die schon weiter sind, befragt.
Diese Gedankengänge "Warum laßt ihr das Zwangsverhalten nicht einfach" zeigt sicherlich, dass sie noch ganz am Anfang ist, aber dort waren wir ja doch auch alle mal. :-) Und dass sie den Weg hier ins Forum gefunden hat zeigt doch irgendwie auch, dass sie sich mit dem Thema beschäftigen will und fragen sollte doch erlaubt sein, oder? ;)

Mir hat eine Psychiaterin mal eine ganz einfache Erklärung zu Zwängen gegeben. Sie sagte, dass Zwänge eigentlich keine Erkrankung im eigentlichen Sinne sind, sondern dass Zwangshandlungen oder -gedanken eigentlich nur ein Schutzmechansimus des Körpers sind, um diesen vor noch unerträglicheren Gefühlen, Schmerz und Belastungen zu schützen. Das wäre dann "der Nutzen". Ich glaube, da ist auf jeden Fall was Wahres dran.

Einen schönen Abend noch.

Tierchen

14

Donnerstag, 1. März 2007, 21:57

RE: Was bringt der Zwang?

hallo bix

der zwang kommt einem vor wie ein freund, der dich vor schlimmeren schützt.

doch in wirklichkeit zieht er dich mit jedem mal wo er dir "hilft"
nur weiter in die scheiße!!!

was der zwang bringt?

jeder zwang festiegt die struktur der krankheit!

aufmersamkeit?

ich denke mal das jeder zwangskranke ,seine zwänge möglichst ohne aufmersamkeit anderer durchführen will ,und nicht an die grosse glocke hängen will!

zeit fur sich? :tocktock:

wo hat den der zwangskranke zeit für sich,wenn er den ganzen tag
mit seinen beschiß... quälenden zwängen beschäftigt ist!

das was du schreibst trifft villeicht auf dich zu,aber sicherlich nicht auf die meisten von uns.

gruss
tpg

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »tpg« (1. März 2007, 22:28)


15

Donnerstag, 1. März 2007, 22:16

Was hast Du denn Deinem Mann gesagt, als er Eure Tochter so lange nicht besuchte?
Hast Du ihm gesagt, wie bescheuert Du das findest?
Dass Du der Meinung bist, dass er ein Problem hat?
Dass Du mit ihm ein Problem hast?

Hast Du eine lautstarke Auseinandersetzung mit ihm in Kauf genommen?

Du schreibst, Du willst überleben.

Und wie?

Trennung?

Zusammenleben?

Was Du schreibst, wie Du dich fühlst: So ausgenutzt, nur noch als funktionierende Ehefrau, das kann ich wirklich sehr gut nachvollziehen. Aber dazu gehört Hintergrundwissen, damit Du für Deine Zufriedenheit etwas ändern kannst. Da gibt es zusätzlich zum Forum Bücher, Fernsehsendungen. Mir hat zum Beispiel das Buch "Wege aus dem Zwang" sehr gut geholfen, weil da strategische Tipps für die Angehörigen drinstehen.
Und gerade wenn man irgendwann harmonisch mit seinem Partner zusammenleben will, darf man eben KEINE Mutter Theresa sein.
Da solltest Du ihm eher Deine Grenzen klarmachen.
Eigentlich meint Pit, liebevoll. Ich war meistens auf 180.
Und das ging bei uns leider so weit, dass ich körperlich angegriffen wurde. Wir haben echte Scheißzeiten hinter uns, und jetzt, nach zwei Jahren, hat mein Mann kapiert, dass er sich mehr zusammenreißen muss, damit seine vielgeliebte Familie nicht auseinander bricht.

Ich wollte Dir klar machen, dass Du nicht alle Antworten aus dem Forum zum Glücklichsein kriegst. Es ist auch nur die Hälfte des Glückes, sich dem Mann zu entziehen und sich einen eigenen Freundeskreis aufzubauen.
Ich vermisse es einfach, dass Du nicht schreibst, wie Du dich mit Deinem Mann auseinander setzt.
Fürchtest Du dich davor?
Vielleicht hast Du dich deshalb so auf den Schlips getreten gefühlt, weil ich da einen wunden Punkt bei Dir getroffen habe?

Einen schönen Abend,
Anna.

Hope

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16

Donnerstag, 1. März 2007, 22:22

RE: Bix

Hallo tierchen,

ja da hast Du recht es ist ein Schutz, das habe ich auch gelernt und das Warum und wie bekomme ich es weg daran arbeite ich noch und ich denke ich bin auf dem richtigen Weg.

Gruß

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17

Donnerstag, 1. März 2007, 22:32

Hallo BIX,

natürlich ist das Forum zum fragen da, ich habe mich zurückgehalten weil ich die erste Frage etwas als Angriff verstanden habe.

Ich kann auch verstehen das es nicht gerade leicht ist mit einem Zwangskranken zusammen zu leben.

Verstehen können aussenstehende die Krankheit nur schwer ich kenne beide Seiten.

Es ist wenn hier geschrieben wird manchmal schwer zu verstehen wie jemand etwas meint aber wenn Du Fragen hast stell sie einfach, mit Kritik solltest Du aber dann auch umgehen können wenn Du provokante fragen stellst, das müssen wir alle.

Gruß

Hope
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18

Donnerstag, 1. März 2007, 23:01

RE: Bix

Tierchen,

Du hast ja Recht.

Aber BIX hat die Antworten, die ich gab, wiederum hinterfragt, und das ging mir auf den Senkel.

Da hat man sich jahrelang in das Thema reingekniet, sich mit seinem Mann bis aufs Messer gezofft, und dann wird alles hinterfragt.

So, als ob sich BIX sicher ist, dass das alles ganz, ganz einfach und viel schneller zu beheben ist. Jedenfalls kam sie für mich so rüber...

Oder habe ich da was falsch verstanden?

Anna.

19

Donnerstag, 1. März 2007, 23:04

@Anna:
Was die Auseinandersetzungen betrifft, gab es verschiedene Phasen, doch letztendlich die Qintessenz, dass ich ihn so zu akzeptieren habe und ich ja gehen kann, wenn er mir nicht passt.
Mein "Problem" ist, dass ich ja nicht gehen will, sondern ein "normales" Zusammenleben möchte. D.h. dass jeder in der Familie so leben kann, wie es gut für ihn ist. Ich liebe ihn ja und schätze vieles an ihm, bin aber manchmal verzweifelt, weil ich wirklich nicht weiß, wie alles weitergehen soll.
Dabei werden immer wieder Grenzen erreicht und manchmal geht es dann nicht mehr darum, was man will, sondern, was man kann.
Allerdings fühle ich mich nicht so sehr ausgenutzt. Mein Leben wäre nicht wesentlich anders, wenn ich allein mit meinen Kindern leben würde. Ich habe vielmehr das Gefühl ignoriert zu werden.
Für meinen Mann genügt es zu wissen, dass ich da bin und alles "ordnungsgemäß" funktioniert. Ich bin es, die mehr will, nicht mehr kriegt und damit nicht glücklich ist. Ich möchte mit meinem Mann etwas unternehmen etc. Doch das interessiert ihn wenig. Ab und zu gibt es Lichtblicke, doch es gibt auch Situationen, wie du sie beschreibst: Ins Krankenhaus zu müssen um operiert zu werden, aber er fährt mich nicht, weil er die Gartenarbeit beenden muss, sondern bittet seine Schwester, oder wir vereinbaren gemeinsam eine Woche in den Urlaub zu fahren und sind nach einem Tagesausflug wieder zu Hause.(Da hab ich erst mal "Rotz und Wasser" geheult und bin dann allein mit den Kindern weggefahren)
Ein typisches Bild für unsere Familie ist: mein Mann sitzt im Gästezimmer und hat die Fernbedienung in der Hand. Und wir machen alles, damit er zufrieden ist und es ist fast unmöglich. Langfristig betrachtet verbessert sich die Situation, doch ich würde nicht garantieren, dass die Geschwindigkeit den Bedürfnissen der Gesamtfamilie entspricht.
Doch jetzt mach ich Schluss für heute.

20

Donnerstag, 1. März 2007, 23:12

@ hope:
Danke für deine lieben Grüße.
Heute bin ich nicht mehr in der Lage meine gedanken unmissverständlich zu formulieren. Deshalb bis demnächst.

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