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MissLuna

unregistriert

1

Dienstag, 6. März 2007, 22:31

Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Am Wochenende war ich etwas angeschlagen und auf einmal merkte ich dass ich keine Kraft mehr hatte alles tausendmal zu kontrollieren und meinen Zwängen nachzugehen. Bis heute habe ich es nicht wieder geschafft hundertprozentig zwanghaft zu leben. Ich hatte bisher immer das Gefühl ich könnte mein ganzes Leben kontrollieren und seit Samstag habe ich das Gefühl ich habe die Kontrolle über mein ganzes Leben verloren. Ich habe immer gewusst irgendwann wird der Tag kommen da kann ich nicht mehr. Ich war mit meinen Kräften in letzter Zeit immer mehr am Ende. Ich fühle mich so niedergeschlagen im Moment weiß nicht wie es weiter gehen soll.
Auf der einen Seite weiß ich wenn ich weiter mit meinen Zwängen lebe dann werde ich daran zerbrechen. Versuche ich jedoch die Zwänge zu durchbrechen habe ich panische Angst und ich fühle mich überhaupt nicht mehr sicher, total verloren.
Ich war auch irgendwie stolz auf mich weil ich so die Kontrolle über mein Leben hatte. Wenn ich die Zwänge nicht ausführe habe ich das Gefühl ich vernachlässige alles, kümmere mich zu wenig um mein Leben z. B. muss ich die ganze Zeit meine Kleidung kontrollieren ob nicht irgendein Dreck dran sein könnte. Das ist nur ein Zwang von mir unter vielen. Es würde mich nicht so viel Kraft kosten wenn ich es sein lasse aber wenn ich es dann wirklich nicht kontrolliere und z. B. mein Pullover wird dreckig denke ich dass ich sowas von nachlässig bin und wie ich es nur zulassen konnte dass mein Pullover schmutzig wird.
Ich muss sagen ich bin echt stolz auf meine ganze (übertriebene) Ordnung in meiner Wohnung und in meinem Leben. Ob ich das einfach so aufgeben kann? Vielleicht würde ich mich ja besser fühlen.
Aber ich habe auch mächtige Angst davor.
Ich würde so gerne wieder einmal einkaufen gehen können ohne schon allein für ein Deo eine halbe Stunde zu brauchen weil ich mich nicht entscheiden kann welches ich nehmen soll. Oder einfach mal die Situation auf mich zukommen lassen und nicht im Kopf vorher alles zwanghaft planen was geschehen soll und was nicht.
Oder einfach mal ein Buch lesen (lese eigentlich sehr gerne) nur leider kann ich zum Teil meine Sachen gar nicht mehr anfassen aus Angst sie gehen kaputt. Oder beim Aufräumen nicht bei jedem Krümmel eine halbe Stunde überlegen müssen brauch ich das jetzt noch oder werfe ich das in den Müll.
Versteht ihr wie es mir geht? Ich fühle mich eigentlich auch gut wenn ich die absolute Kontrolle habe aber kräftemäßig bin ich ziemlich am Ende. Ob ich nun wieder versuchen soll alles zwanghaft zu machen damit ich mich sicher fühle oder gegen den Zwang ankämpfen?
Ich habe es ja die letzten Tage schon ansatzweise geschafft nicht mehr so vieles zwanghaft zu machen aber wirklich gut fühle ich mich nicht dabei. Wird das nach einer gewissen Zeit besser wenn man sich mal etwas daran gewöhnt hat?
Doch muss ich auch noch sagen als ich die letzten Tage mal den einen oder anderen Zwang nicht ausgeführt habe ein klein wenig innere Befreiung habe ich dabei auch empfunden. Aber halt auch riesengroße Angst.

Vielleicht wird es auch immer schlimmer werden wenn ich nicht jetzt versuche etwas daran zu ändern. Vielleicht kommt ja dann der große Zusammenbruch erst Jahre später.

MissLuna

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »MissLuna« (6. März 2007, 22:35)


2

Dienstag, 6. März 2007, 22:54

RE: Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Ich kenne das leider sehr gut wenn man sich nicht entscheiden kann und wenn man bei jedem Krümel fünf mal überlegen muss, werf ich das jetzt weg oder brauch ich es noch bzw. gehen mir dann irgendwelche wichtigen Informationen verloren (bei Zeitschriften und Werbung ganz schlimm bei mir), gleichzeitig hasse ich es dann wenn es sich irgendwo stapelt oder wenn ich wieder ewig lange für was brauche.

Ich war vor ungefähr drei Wochen so weit, dass ich nicht mehr konnte, wirklich nicht mehr klar denken konnte, nicht essen, nicht schlafen. Ich war dann bei der "Psychosamatischen Ambulanz" das hat mir ein wenig geholfen weil der Therapeuth super war und jetzt stellt sich die Frage ob ich es doch nicht mal mit einem Klinikaufenthalt probiere.

Meine Frage sollte eigentlich sein: Hast du einen Therapeuthen???

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Bina« (6. März 2007, 22:55)


3

Dienstag, 6. März 2007, 23:54

Leben lässt sich nicht kontrollieren

Hallo, hier ein Kapitel aus einem wunderbaren Buch, das nichts mit Zwängen zu tun hat (oder indirekt, unter einem anderen Blickwinkel): Mit Erich Fromm die Liebe zum Leben entdecken

...
Im Vergleich mit der Ordnung, die es im nicht-lebendigen Bereich gibt, ist das, was lebt, "unordentlich". Wer ganz in der Erwartung einer Ordnung bestimmt ist (wobei "Ordnung" wohlgemerkt eine Kategorie des eigenen Geistes ist), so dass er eine Ordnung in allen Lebewesen erwartet, wird enttäuscht sein. Ist sein Verlangen nach Ordnung besonders intensiv, dann wird er gar versuchen, dem Leben Ordnung aufzuzwingen, um es besser beherrschen zu können. Stellt sich dann heraus, dass sich das Leben seiner Kontrolle nicht unterwirft, kann es zu einer solchen Wut und Enttäuschung kommen, dass er schließlich versucht, das Leben zu ersticken und zu töten. Er ist zu einem Lebenshasser geworden, weil er sich nicht von dem Zwang befreien konnte, es unter seine Kontrolle zu bekommen. Er scheiterte in seiner Liebe zum Leben, denn - wie ein französisches LIed sagt - "die Liebe ist ein Kind der Freiheit".
Das Gesagte gilt nicht nur hinsichtlich unserer Einstellung gegenüber dem Leben anderer, sondern auch gegenüber dem Leben in uns selbst. Wir alle kennen Menschen, denen es nie gelingt, spontan zu sein und sich frei zu fühlen, weil sie darauf bestehen müssen, ihre Gefühle, Gedanken und Handlungen zu kontrollieren. Sie können nichts tun, es sei denn, sie haben sich der Folgen ihres Tuns versichert. Immer sind sie von Zweifeln geplagt, suchen krampfhaft nach Sicherheit und werden noch mehr von Zweifeln geplagt, wenn sie diese Sicherheit nicht erlangen können. Menschen, die unter einem solchen zwanghaften Kontrollbedürfnis leiden, können freundlich oder grausam sein - immer aber muss eine Bedingung erfüllt sein: Der Gegenstand ihres Interesses muss kontrollierbar sein. Übersteigt das Kontrollbedürfnis ein bestimmtes Maß, spricht man davon, dass jemand unter einer Zwangsneurose und erheblichem Sadismus leidet*.
Solche Kennzeichnungen sind hilfreich, wenn es um die Klassifizierung von psychischen Erkrankungen geht. Bei einer anderen Betrachtungsweise könnte man auch davon sprechen, dass jemand an seiner Unfähigkeit leidet, das Leben zu lieben, und dass er Angst vor dem Leben hat, weil er sich vor allem fürchtet, was er nicht kontrollieren kann.
...

*man möge es dem Text verzeihen, er ist von 1967

MissLuna

unregistriert

4

Donnerstag, 8. März 2007, 14:52

Das ist ein...

... schöner Text Amelie.

Ich bin momentan noch nicht bei einem Therapeuten.
Weiß auch gar nicht welche Therapie sich anbietet. Medikamente möchte ich nicht so gerne einnehmen.
Und selber versuchen da raus zu kommen schafft man das oder nur mit Hilfe eines Therapeuten?


MissLuna :lieb:

brokenfeather

unregistriert

5

Samstag, 10. März 2007, 16:27

RE: Leben lässt sich nicht kontrollieren

Hi Amelie,

das ist ein sehr guter text, denn er trifft den nagel korrekt auf den kopf.
ich selber leide auch an zwangsgedanken,kontrollzwängen und zählzwang.zur zeit komme ich einigermassen klar damit
kannst du mir bitte antworten, ob du durch diesen text schon etwas umsetzen konntest. also die erkenntnis, dass es bei nichts die absolute sicherheit gibt ist schon mal ein schritt nach vorne.


schönes wochenende und liebe grüsse

broken feather:banger:

Kleine Maus

unregistriert

6

Sonntag, 11. März 2007, 21:52

Hallo MissLuna,

also ganz ehrlich gesagt glaube ich nicht das es so leicht ist das selbst zu schaffen.
Ich habe auch lange lange Zeit (sechs Jahre) geglaubt, das ich das selbst in den Griff bekomme mit dem Lassen des Zwangs. Einfach aufhören und nicht mehr auf den Zwang hören dachte ich. Und das Gegenteil traf bei mir ein. Der Zwang wurde noch stärker. Es ist wie ein Fluch. Es lässt einen einfach nicht los, auch wenn man sich vorher noch so oft vornimmt es zu lassen.
Ich glaube ganz ohne Therapeut wird das sehr sehr schwer das wieder wegzubekommen.
Man kann es ja auch erstmal ohne Medikamente versuchen. Das mache ich auch gerade.

Liebe Grüße und viel Erfolg!
Kleine Maus

7

Sonntag, 11. März 2007, 22:24

RE: Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Die grösste Gefahr im Leben ist,dass man zu vorsichtig wird. Alfred Adler

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »tpg« (11. März 2007, 22:29)


cocoloco

unregistriert

8

Mittwoch, 11. April 2007, 01:42

RE: Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Hallo MissLuna!!
Meine Zwänge und die damit verbundenen Ängste habe ich oft als so groß und übermächtig empfunden, dass es ganz ohne Hilfe irgendwann nicht mehr ging. Ich habe es auch sehr lange alleine versucht, aber was ist daran so schlimm Hilfe anzunehmen. Und wenn es nur mal Ausheulen ist. Oft und mit jedem kann/mag man sicher nicht über seinen "Dachschaden" reden. Gerade wir Kontrollierten wollen doch funktionieren, oder?
Aber du kannst auch viel selbst tun. Nimm dir die Dinge die dich stören nacheinander vor. Mach dir eine Liste und sage dir, diese Woche kümmere ich mich mal um diesen Zwang. Dann scheint es nicht so unüberwindbar und groß und ausserdem stellt sich auch mal Erfolg ein.
Die Formel, die mir am meisten geholfen hat war/ist, so simpel wie sie ist:
Üben, üben, üben und die Angst aushalten! Dabei ist es wichtig, dass du dich nicht selber verarscht, sondern dich konsequent verhälst.
BSP: Leg dir €20 für 14 Tage hin und geh jeden zweiten Tag in die Drogerie und kauf dir ein Deo, das erst beste, was du siehst. Mach es wie ein Spiel, sag dir, ich geh jetzt da rein und in 90 Sek bin ich mit einem Deo an der Kasse!! Und zwar 100%! Dabei darfst du das Deo erst daheim wieder ansehen. Und wenn´s ein Männer-Deo ist, haha!
Keine Ahnung, wo der Zwang dich ganz genau ärgert, aber nur durch Üben und Nicht-Nachgeben gehts. Mit jedem Mal Grübeln, Kontrollieren, usw. gibst du deinem Zwang neue Nahrung und verstärkst deine Unsicherheit.
Ohne diese Nahrung, kann der Zwang aber nicht leben, er wird mit der Zeit kleiner und verschwindet vielleicht ganz. Und die Sicherheit hat wieder Platz...
LG,
Coco

cocoloco

unregistriert

9

Mittwoch, 11. April 2007, 01:47

RE: Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Jep!!

Ein Feigling stirbt 1000 Tode, ein Held nur einen!!

W. Shakespeare

10

Mittwoch, 11. April 2007, 14:53

RE: Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Hallo,

hatte dieses Wochenende so ein ähnliches Gefühl. Gestern war es sogar so schlimm, das ich den ganzen Tag nicht von der Couch hoch konnte. Werde mich jetzt intensiv um eine Therapie bemühen, da ich die letzten Jahre auch gemeint habe, das ich das in den Griff bekomme. Manche Kleinigkeiten hab ich schon selbst in den Griff bekommen, und darauf bin ich auch stolz. Ich war zum Teil bin ich auch noch eine furchtbare Sammlerin und brauchte wie Du auch beschrieben hast, Ewigkeiten bis ich mich dazu überwinden konnten, was in den Müll zu werfen. Das ist jetzt besser, aber ich muss mir die Dinge schon noch etwas anschaun. Auch wär es für mich nicht möglich gewesen, mal was von mir gebrauchtes bei Ebay zu versteigern, jetzt kann ich das und das ist schon ein toller Erfolg für mich.
Was aber dazu noch schlimmer geworden ist, ist das ich einen Grübelzwang entwickelt habe und der ist im Augenblick echt schlimm.
Vielleicht kommt man aus diesem "Teufelskreis" wirklich nur mit Therapie heraus. Ich werde es auf alle Fälle mal versuchen.

cocoloco

unregistriert

11

Mittwoch, 11. April 2007, 18:24

RE: Versuchen Zwänge zu besiegen oder nicht

Hallo Roflo!
Das kenne ich nur allzu gut. Meiner Meinung nach ist es nichts anderes als eine "Zwangsverlagerung". Man führt keine Zwangshandlung mehr aus, beruhigt sich aber mit "Darüber-Nachdenken". Ich habe einfach z.B. nicht mehr kontrolliert, ob der Herd aus war, habe nicht minutenlang in der Küche gestanden und auf den Herd gestarrt, sondern überlegt, warum der Herd aussein muss und nichts passieren kann (seit dem Vortag nicht benutzt, Mitbewohner im Haus,...).
Für mich war diese Art von Zwang viel schwieriger anzugehen, es lässt sich schlechter üben. Versuch mal deine Gedanken zu kontrollieren, es geht nicht. Z.t. macht mir diese Denkweise heute noch das Leben schwer, ich muss immer wachsam sein und früh intervenieren, will ich nicht in Grübelorgien verfallen.
U.a. durch "Konfrontation in sensu" habe ich besser gelernt mit den Grübeleien umzugehen. Ganz weg ist es wie gesagt aber noch nicht...
LG,
Coco