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Freitag, 20. April 2007, 19:49

Traumatische Erlebnisse!

Meine kleinen Hände umklammerten den braunen weichen Kuscheltierbär.
Ich zitterte...
Mein Blick starrte ins leere.Ich hatte Angst.Angst vor der Einsamkeit und eine fürchterliche angst vor vor den vielen fremden Menschen.
Alles drehte sich in meinem Kopf.
Der Schmerz saß so tief.
Sie war weg!Einfach fortgegangen!Ohne einen Blick verschwand sie hinter der Tür.
Das einzige was blieb war der schmerz und die Hilflosigkeit.
Mein ganzer Körper zitterte und ich fing an zu weinen.Es war das Weinen eines kleinen Mädchens, das da Muttersehlen allein stand. Es war mein Weinen.Dieses fröhliche Kinderlachen, es war weg. Weg aus meinem kleinen Gesicht.
Ich schrie, doch niemand hörte mich.
Es war wie ein Alptraum, aus dem ich niemals aufwachen würde......


1985 wurde ich in Frankfurt am Main geboren.Meine leibliche Mutter war damals erst 14 Jahre alt gewesen und mein leiblicher Vater war damals 17 Jahre alt gewesen.
an meinen Vater kann ich mich nicht mehr erinnern, weil er nie da war.
Drei Jahre lang lebte ich bei meiner leiblichen Mutter und ihrer Mutter.
Es müssen drei furchtbare Jahre gewesen sein. an ein paar kindliche Erlebnisse kann ich mich noch erinnern. Einmal hatte meine Mutter mich in eine Kneipe mitgenommen und mich dort mehrere Stunden alleine auf einem stuhl sitzen lassen.
Es waren auch oft fremde Männer bei uns Zuhause. die liefen dann oft nackt vor mir herum.
Manchmal wurde ich sogar aus dem Zimmer geschmissen, wenn dort Sex stattfand.
An vieles kann mich aber leider nicht erinnern, denn ich muss vieles verdrängt haben.
Mit drei Jahren kam ich dann in ein Kinderheim.
es war eine sehr schlimme Erfahrung für mich. Einmal kam meine Mutter mich besuchen. Ich heulte und weinte auf ihrem schoß und sie weinte mit. Ich flehte sie an mich wieder mitzunehmen. Doch sie nahm mich nicht mehr mit und als sie ging zerbrach erneut eine Welt in mir zusammen. Noch heute sprüre ich den Schmerz und die Hilflosigkeit in mir.
Es zerriss mir das ganze Herz. Nach einem Jahr Heimaufenthalt kam ich zu einer netten Pflegefamilie.dort waren noch drei andere Kinder. Zwei ältere Jungen und ein älteres Mädchen.
das Mädchen hieß Johanna und sie wuchs mir ans Herz. Sie war soetwas wie ein Mutterersatz für mich. Mit ihr konnte ich lachen und weinen.
Meine neuen Pflegeltern sah ich nie als richtige Eltern an.
Doch es ging mir besser in dieser neuen Familie.
Ich lernte viele neue Dinge, die ich zuvor niemals gelernt hatte.
Nur nachts hatte ich schlimme Träume. Ich träumte von meiner Mutter, wie sie mich in den arm nahm und mir sagte das sie mich liebte.
Dieser Traum tat mir innerlich so weh, das ich schweißgebadet aufwachte.
Mein größter Traum war das meine Mutter mich wieder mitnahm und das sie mich liebte. Doch sie kam nie.
es waren solche Schmerzen für mich, das ich den Glauben an mich verlohr.
Ich hatte nie die Hoffnung aufgegeben, ich hatte immer an ein Wunder geglaubt.Und fest in meinem Herzen wusste ich, das meine Mutter irgendwann kommen würde und mich wieder mitnehmen würde.
Später zog ich dann mit meiner Pflegefamilie nach Berlin.
und langsam wuchs ich zu einem großen Mädchen heran. Die Jahre vergingen wie im flug und ich hatte die ganzen Jahre über die Hoffnung nie aufgegeben.In meiner Verzweiflung schrieb ich etliche briefe an meine Mutter. Und als ich dann vom Jugendamt die Adresse meiner Mutter herausfand ich schickte ich ihr einen langen Brief.
Zu meinem Erstaunen schrieb sie mir nach einer Woche zurück. Als ich den brief öffnete kam mir ein schöner Geruch entgegen, ich kannte diesen Geruch irgendwoher. Es war der Geruch meiner Mutter.
Sie schrieb mir das sie mich überalles liebte und das sie mich bald besuchen kommen würde.
Bei diesen Zeilen musste ich weinen vor lauter Glück. Es war der schönste Moment in meinem Leben!
Doch leider schrieb sie mir danach nie wieder. Ich war so hilflos gewesen!Warum tat sie mir ein zweitesmal so weh???
Der Schmerz saß so tief, dass ich anfing mich an Armen und Beinen zu ritzen.
Dann kam noch ein zweites Schicksl in meine Familie. Meine Pflegeschwester erkrankte an Magersucht. Sie war insgesamt vier Jahre im Krankenhaus. Es waren fürterliche Jahre für mich!Jahre voller Verzweiflung und schuldgefühlen.
Nach der Erkrankung veränderte sich meine pflegeschwester sehr, wir lebten uns auseinander. Es war das zweite mal, das ich einen wichtigen Mneschen in meinem Leben verlohr.
Langsam kam ich auch in die Pupertät.Ich wollte meinen eigenen Weg gehen, das heißt ich wollte ihn herausfinden. doch das Leben bei meinen pflegeeltern wurde zunehmend schlimmer. Ich wurde kontrolliert wo es nur ging. Ich bekam keine Liebe mehr dort.
Manchmal sagten sie sogar zu mir das ich ausziehen sollte. Das tat so weh!
Ok, ich war kein leichtes Mädchen, aber doch nur, weil ich so viel schlimmes erlebt hatte. Warum ließen mich alle im stich??
Ich hatte schon damals starke Depressionen und wollte nicht mehr leben. Oft stand ich auf dem dach unseres Hauses und wollte springen.
Als ich dann noch vom jugendamt erfuhr, das meine Leibliche Mutter seit vielen Jahren Drogensüchtig war und ich noch zwei türkische Halbbrüder hatte, die auch in anderen Familien lebten, da brach ich völlig zusammen.
Nun kannte ich das leben meiner Mutter, das was ich immer wissen wollte, doch nun wünschte ich mir das ich es nie erfahren hätte.
Nachts bekam ich schlimme Alpträume. Ich träumte von meiner Mutter, wie sie mit einer spritze in der Hand auf ein Klo ging.
Es war so schrecklich für mich und meine ganze Welt drohte unterzugehen.
Ich ritzte immer schlimmer und war oft besoffen. Mein Leben hatte keinen Sinn mehr!!!
bei meinen Pflegeeltern zog ich dann mit 14 Jahren aus, weil ich es dort nicht mehr aushielt.
Dann erlebte ich eine sehr schlimme Zeit. Eine Zeit voller Drogen und haufenweise Heim und WGs Wechsel.
In einer Nacht passierte dann etwas ganz schlimmes, etwas, dass ich keinem Mneschen auf dieser Welt wünsche!
Man entschied über meinen Willen hinweg und vergewaltigte mich.Danach lag ich voller Schmerzen alleine in einem Keller und das einzigste was ich noch wollte war sterben!
Einfach umfallen und sterben.
Ich startete meinen ersten Selbstmordversuch. Ich schluckte mehrere Tabletten und hoffte, das ich nie mehr aufwachen würde. Leider erblickte ich am nächsten Morgen das Tageslicht. Ich konnte nicht mehr aufstehen und musste mich alle zwei Minuten übergeben. Es war so Qualvoll!So lag ich dann die nächsten Tage auf dem boden, ohne das mich jemand fand.
Mit siebzehn Jahren stand ich dann meiner leiblichen Mutter gegenüber. Es war anders, als ich mir erträumt hatte. Da stand eine völlig Fremde Frau vor mir, die sehr gezeichnet von den Drogen aussah. mich traf fast der Schlag.
Da stand ich nun und verspürte keinerlei Liebe.Meine Mutter schien eine nette Frau zu sein, ohne Zweifel, aber die Wirklichkeit hatte mich eingeholt.
Aus war der Traum!Und das war noch schlimmer für mich, als den Traum träumen zu können.
Über Jahre hinweg schrieben wir uns dann ab und zu briefe.
Letztes Jahr besuchte ich meine Mutter dann im Krankenhasu. Und ich erkannte sie nicht wieder. seit vier Jahren war sie jetzt clean, aber sie sah so krank und verbraucht aus.ich empfand noch immer keine Nähe und Wärme zu ihr.
Und nun entwickelte sich eine unheimliche Wut und Hass in mir. Hass meiner Mutter gegenüber. Wie hatte sie mir das alles antun können???
Ich bin jetzt selbst Mutter eines wundervollen kleinen Jungens. Ich liebe meinen Sohn überalles! Er ist mein eigen fleisch und blut und nur der Gedanke daran mein Kind weggeben zu müssen versetzt solche Schmerzen in mir. Und jetzt kann ich es noch weniger verstehen, warum meine Mutter mich damals weggegeben hatte.
Es geht einfach nicht in meinen Kopf hinein.
Jetzt ist meine ziemlich krank geworden und bittet mich um Mitleid und hilfe.
Was bildet diese Frau sich eigentlich ein??
Ich soll ihr helfen????
Ich bin sprachlos!
Der einzige, der hier Hilfe und mitleid bekommen müsste bin ja wohl ich!
In der Lage meiner Mutter beizustehen bin ich nicht. Dazu ist zuviel passiert!
die Schmerzen stecken noch tief in mir drin und ich denke das wird mich auch mein ganzes Leben lang begleiten.
Wo war denn meine Mutter, als ich sie brauchte??
Wo war sie in all den Jahren??
Wo war sie in jener Nacht, als ich im Keller lag und mich kaum bewegen konnte??
Wo war sie, als ich die Tabletten nahm und der Tod mir näher gewesen war als das Leben???
Wo war sie, als ich im Bad saß und mir die Arme aufritzte???
Sie war nicht da!
Und jetzt verlangt sie von mir Hilfe??
Nein, nein, das kann ich nicht!
Ich kann ihr nicht verzeihen, das sie mich damals einfach so weggegeben hat . Ich kann nicht vergessen, das sie mir solche Schmerzen zugefügt hat.
Nein, das ist echt zuviel.
Ich weiss, ich bin hard, aber doch nur um mich zu schützen,doch nur, um nicht wieder diese Schmerzen ertragen zu müssen!
Die Zwänge sind ja auch sozusagen ein Schutz vor den Schmerzen und der Wirklichkeit.

Nun meine Frage:
Was denkt ihr darüber??


Nina

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »nina« (20. April 2007, 19:58)


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Freitag, 20. April 2007, 19:58

Es hat mich viel Kraft gekostet dies hier zu schreiben.
Eigentlich wollte ich mich nicht so offenbaren, aber es musste jetzt mal raus alles.

3

Freitag, 20. April 2007, 21:22

Hallo Nina

Danke für Dein Vertrauen.

Du hast eine Menge zu tragen.

Franki

Hope

Administrator

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4

Freitag, 20. April 2007, 22:36

Hallo Nina,

das ist ja echt schlimm was Du da durchmachen musstest, aber ich denke das ist Deine Entscheidung und jemand anderes kann sich da nicht reinversetzen.

Egal was Du machst es ist das richtige für Dich und nur das zählt.

Gruß

Hope
Gruß

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http://www.youtube.com/watch?v=j8uefBUOfgA

Pit-2001

unregistriert

5

Freitag, 20. April 2007, 23:43

Mail

Nina, ich habe dir eine Mail geschrieben.

Grüße von Pit

6

Samstag, 21. April 2007, 12:09

Hallo Nina
Erst mal eine Dankeschön für dein Vertrauen. Deine Geschichte macht mich betroffen und wütent zugleich. Das Schlimme für mich ist das Wissen, dass es sich hier nicht um ein Eigenschicksal handelt. Auf der anderen Seite versuche ich deine Geschicht rational zu bewerten. Du hast Dinge geschafft, von denen viele Menschen profitieren können. Schon mal daran gedacht dich sozial zu arrangieren?
Wer könnte ein besserer Lehrer sein als du?
Du lebst heute und hier und bist bestimmt ene wunderbare Mutter. Den Name "Mutter" muß man sich in meinen Augen verdienen und bekommt ihn nicht genetsch mitgegeben.

Wünsche dir viel Erfolg bei deiner Selbstfindung.

liebe Grüße

7

Sonntag, 22. April 2007, 22:10

Ich danke für die Antworten.
Der weg zur Selbstfindung ist wirklich ziemlich hard und auch schmerzhaft, vorallen dann, wenn man der Wahrheit direkt ins auge sehen muss!!
ob ich mal sozial was machen möchte??
Ein Traum von mir ist es später einmal Kindern zu helfen, die gleiches wie ich erleben mussten.
Gerade schreibe ich ein Buch über mein eigenes Leben. Ich will versuchen dieses Buch zu veröffentlichen!Das wäre mein größter Traum!!
Das ich das Erlebte durchgestanden habe und noch am leben bin, das habe ich nur geschafft, weil ich immer wieder aufgestanden bin und an mich geglaubt habe.Und natürlich auch mit ein bißchen Glück.....
Und dafür habe ich jetzt ein großes Geschenk bekommen. Ich habe das große Glück gehabt und habe einen wundervollen Sohn auf die Welt gebracht.
Ich kann das gar nicht in Worte fassen. So ein Glück und auch kleines wunder sollte man jeden Tag aufs neue schätzen!!

LG nina

Waschbärin

unregistriert

8

Sonntag, 22. April 2007, 22:36

Hallo Nina,
dein letzter Beitrag ist richtig schön und hoffnungsvoll. Pass gut auf dich und deinen kleinen Sohn auf.
Liebe Grüße
Waschbärin

Hope

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9

Montag, 23. April 2007, 01:09

Hallo Nina,

das hast Du sehr schön geschrieben.

Gruß

Hope
Gruß

Hope


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