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Donnerstag, 26. April 2007, 08:33

Umgang mit dem Zwang

Hallo zusammen,

Seit einem Jahr wohne ich in einer 4er-WG, und im LAufe der ZEit hat sich herausgestellt, dass eine meiner MItbewohnerinnen an einer Zwangserkrankung (Waschzwang) leidet. Nach ein paar Monaten haben wir alle zusammen es immerhin geschafft, dass sie seit Februar eine (Verhaltens)Therapie macht. Natürlich ist so eine Therapie eine langwierige Sache, und man kann so schnell keine Erfolge erwarten, und ich schätze es ist auch normal, dass die Zwänge in der ersten Zeit schlimmer werden (bei ihr sogar extrem: woran man es merkt ist vorallem, dass sie zu beginn mit einer 500ml Flüssigseife fast 3 Wochen ausgekommen ist, jetzt sind es noch höchstens 2-3 Tage).

Meine Frage ist nun, wie genau wir mit ihr umgehen sollen. Es ist extrem schwierig, weil man ihr nichts recht machen kann. Belasten tut es uns alle sehr, und wir würden auch gerne immer verständnis zeigen, aber wir sind eben auch nur Menschen und oft staut sich so eine Wut an, dass man eben mal austickt. Sie kann nichts alleine entscheiden, kommt wegen jeder kleinigkeit an und will, dass jemand anders entscheidet und die verantwortung trägt. Und das ist meiner Meinung nach das Problem, dass das auch immer getan wurde und wird. Sie gibt die Verantwortung von ihrem gesamten Leben in die Hände von anderen. Wartet abends immer so lange bis jemand von uns nach hause kommt, damit beim waschen und zähneputzen jemand hinter ihr steht und ihr ständig sagt, sie ist schon sauber und letztendlich aus dem bad zerrt. NUr immer hat man die kraft auch nicht, weil sie sich ja trotzdem dagegen wehrt, obwohl sie es von uns erwartet.
Ich weiß es nicht. Es ist nicht nur extrem belastend für unseren Geldbeutel (wasser- und stromkosten), sondern eben auch für uns selbst.
Sollte man ihr langsam die Verantwortung übergeben? Sollen wir schauen wie sie zurecht kommt wenn wir ihr nicht immer alles abnehmen?

Lg,
Verena

Gypsyweed

unregistriert

2

Donnerstag, 26. April 2007, 09:55

Hmm...jeder Waschzwang ist anders. Kann das jetzt schwer beurteilen.
Ich habe immer versucht, meinen Waschzwang vor Gleichaltrigen zu verbergen, es ist dann manchmal sogar besser geworden.

Wann wäscht sie sich denn? Nur einmal, und dann ewig lang? Oder wie darf man sich das vorstellen?

Ich merke, dass ich inzwischen gar nicht mehr weiß, was in puncto Sauberkeit normal ist, ich muss immer jemanden fragen: "Ist es normal, wenn ich mir jetzt die Hände wasche, oder ist das zwanghaft".
Mir würde es, denke ich, sehr helfen, wenn jemand hinter mir stehen würde und mir sagen würde "Du musst Dich jetzt nicht waschen"
Bei mir ist das allerdings eher auf Situationen bezogen, ich fühle mich dann schon wieder sauber wenn ich mich einfach nur mit Wasser wasche, und es dauert auch nicht lange.

Diese Mitbewohnerin...

Ihr solltet ihr wohl wirklich mehr Verantwortung geben, aber lieber auf einem anderen Gebiet als dem ihrer Wascherei. Denn da hat sie wohl jeglichen Realitätsbezug verloren, und braucht Hilfe.

Besser auf einem Gebiet, auf dem sie sich wirklich auskennt. Es muss doch irgendwas geben wovon sie objektiv mehr Ahnung hat als ihr...und da kann man dann sagen "Ich weiß nicht, wie Du das machen sollst, das weißt Du besser"
Und nach und nach lernt sie dann vielleicht, dass sie selbst auch Entscheidungen treffen kann ohne dass deswegen alles schiefgeht.

Pit-2001

unregistriert

3

Freitag, 27. April 2007, 00:39

RE: Umgang mit dem Zwang

Erst mal finde ich es eine Riesenleistung, dass Ihr ihr entgegen kommt und euch Gedanken macht statt einfach eigenmächtig zu handeln.
D I C K E S L O B ! ! !


Was Gypsweed schreibt ist sehr nachdenkenswert, aber ihr wollt ja eine schnellere Antwort.

Jemand sollte sich mit ihr hinsetzen und sich vielleicht mal ihre Ängste erklären lassen. Ihr könntet ihr sagen, dass ihr gern helft, und dass sie keine Angst bekommen soll, ihr wärt da und verlässlich. Macht ihr klar, warum ihr diese Ängste nicht habt und helft ihr zu verstehen, dass und warum sie aus Eurer Sicht vernachlässigbar sind, aber versteht gleichzeitig ihre Ängste.

Dann macht ihr klar, dass dies sich immer weiter ausbreitet und ab welcher Grenze es für euch nicht tragbar ist. Denkt euch in einigen Gesprächen aus, was ihr ihr zusichern könnt und was nicht. Sagt ihr, dass ihr für sie verlässlich da sein wollte und gern helft, dass aber genau das nur bis zu einer gewissen Grenze geht, weil ihr sonst überfordert seid und die Hilfe gezwungen ist und dass ihr das bald auffallen wird und dass das keinem dient.

Ja, das Ziel muss sein, dass sie genau den Teil, der euch überfordert, allein bewältigen lernt, dass ihr aber eine Basis ihrer Ängste auch akzeptiert und zu helfen bereit seid. Welcher Teil, wie und was, das muss man in ernsten aber liebevollen Gesprächen herausbekommen.

Ich wünsche euch allen, dass es eine förderliche Lösung gibt.

Pit