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renelovesvany

unregistriert

1

Freitag, 6. Juli 2007, 23:12

Allein sein... das geht nicht

Immer habe ich dieses Gefühl, ganz alleine auf der Welt zu sein. Ständig begleitet es mich. Ich kann keine emotionale Distanz zu Menschen aufbauen und irgendwie komme ich mit Nähe auch nicht wirklich klar. Ich weiß nicht, ob das eine Nebenwirkung der Zwangsstörung ist oder ob ich einfach nur depressiv bin. Es kann für mich nur gut oder schlecht geben. Mit Zwischentönen komme ich ganz schlecht klar. Entweder jemand ist mein bester Freund oder mein Erzfeind. "Bekannte" gibt es nicht. Vielleicht, weil ich mit extremen am besten zurecht komme, sie richtig einschätzen kann. Sie sind perfekt. und ich will ja auch ein perfekter freund sein oder eben nicht. und das macht mir die meisten probleme. es greift irgendwie alles ineinander. wenn ich probleme mit freunden habe, werden die zwänge stärker und umgekehrt auch. kleinste missetaten oder falsche mimiken oder ein falscher ton - dann bin ich enttäuscht und will sie nie wieder sehen. das stört freundschaften sehr, weil immer etwas in der luft liegt.


ich weiss nicht mehr weiter, aber diese angst, etwas falsch zu machen und eine freundin/freund zu verlieren... das gefühl quält mich so sehr.... obwohl ich doch keine angst haben müsste, immerhin kann es mir ja auch piepegal sein, hab ich eben eine freundin / freund weniger.


aber das gefühl zerreisst mich.. voll und ganz.

2

Freitag, 6. Juli 2007, 23:36

RE: Allein sein... das geht nicht

Hallo,
das Gefühl das du beschreibst kenne ich sehr gut. Mir geht es nämlich genau so. Nähe zu Menschen? Keine Chance. Ich lasse sie irgendwie nicht zu obwohl ich sie will. Was bei mir auch noch auffällig ist, kommt mir ein Mensch mal wirklich nahe, dann geht alles bergab. Jeder Satz, jeder Spruch kann dann zu tiefst beleidigend sein. Und dann ist die Enttäuschung von der Person (die mir Nahe kam) so groß, dass ich sie am liebsten einfach nur genauso verletzen würde wie sie mich. Kennst du das auch?
Finde ich nichts mehr an der Person, fange ich an an mir zu zweifeln. Und das ist noch schlimmer, wenn man sich dann nicht mal mehr auf sich selbst verlassen kann. Meine Freundin macht das seit knapp 2 Jahren mit. Ich kämpfe um sie, mit mir selbst.

renelovesvany

unregistriert

3

Samstag, 7. Juli 2007, 01:00

ja. das kenne ich auch. wenn sie mich enttäuschen und ich dann frustriert bin, dann erwarte ich von ihnen gefahr... ich male mir dann aus, wie ich es ihnen heimzahlen könnte, wenn sie mir was böses antun wollen. ohne je was davon in die tat umzusetzen. das macht beziehungen und freundschaften natürlich sehr kaputt und lässt auch keine wirkliche entstehen. (jedenfalls bei mir). ich sehe auch kaum jemanden als meinen freund an. kann ich vom gefühl her nicht.

4

Samstag, 7. Juli 2007, 01:59

Sehr interessant,

dann erzähle ich Euch mal, wie genau das, was Ihr beschreibt, beim Partner/Gegenüber ankommt. Offensichtlich denkt mein Mann genauso.

Also: Eigentlich will er, dass ich stolz auf ihn bin. Bin ich stolz auf ihn und sage das, sagt er, ich bevormunde ihn. Meistens verlässt er wortlos das Zimmer. Ich habe in seinen Augen einen Fehler gemacht.
Meine Knie sind dann weich, ich kriege Tränen und bin über diese Lieblosigkeit schockiert.
Sieht er meine Tränen, bohrt er in meiner Wunde weiter und meint, ich versinke wohl wieder in Selbstmitleid, ob ich nicht mal was auf die Reihe kriege, das liegt wohl an meiner schweren Kindheit - ich will mich verteidigen, sage etwas lauter, dass er mich bitte in Ruhe lassen soll. Er fühlt sich angegriffen, baut sich vor mir auf und sagt grinsend: Ja, versinke nur in Deiner Mitleidnummer. Ich gehe dann meistens in mein Zimmer. Dann geht er zu den Kindern und meint: Wir müssen heute was allein unternehmen, Mutti schließt sich wieder ein, faul wie immer.
Ich bin dann kurz vorm Selbstmordgedanken, fühle mich wie abgeschossen. Ehrlich gesagt - würde er dann noch weiter machen, würde er das schaffen. Psychoterror. Am besten zieht er mir im Flur noch die WLAN-Strippe raus, damit ich im Internet nichts schreiben kann.

Anders herum. Ich sage dann eben nicht, dass ich stolz auf ihn bin. Sage ich halt gar nichts. Wieder falsch. Er fühlt sich angegriffen, nicht geliebt, keine Ahnung. Er verlässt wieder wortlos das Zimmer, ich sitze mit Tränen in den Augen da... bis ich wieder in meinem Zimmer sitze, ohne WLAN - Strippe und von ihm zusammengeschissen.

Was das bei mir bewirkt: Angst, Angst, Angst.
Dass ich alles falsch mache, dass alles, was ich tue und sage, null und nichtig ist. Dass ich sein Feind bin, obwohl ich doch seine Frau sein will. Dass ich von einer Sekunde zur nächsten zur Schnecke gemacht werde. Dass ich für die nächsten Ehejahre komplett auf Liebe verzichten muss.
Dass er mich hasst und mich für das personifizierte Böse hält.

Meistens ist nach solchen Sachen, (die kommen einmal in zwei Wochen vor) mit mir zwei Tage lang nichts anzufangen. Keine Ahnung, Depression oder sonstwas. Dann kommt er ganz lieb, sagt, dass wir doch wieder Freunde sein könnten u.s.w. Er ist aufmerksam, ruft sogar von Arbeit aus an, wie es mir geht. Und dann geht ein paar Tage später das Spielchen von vorn los.

Das mit dem stolz-auf-ihn-sein war nur ein Beispiel. Es gibt viele Gründe für ihn, mich zu hassen.

Dabei weiß ich, dass er mich liebt. Aber nur eigentlich.
Man wird mit der Zeit vorsichtig, geht ihm aus dem Weg, und wenn man doch mit ihm zusammen sein muss z.B. am Abendbrottisch, dann halte ich lieber meine Klappe, werde dann aber wiederum zusammengesch...., dass ich schon den ganzen Tag schlechte Laune habe, am besten sagt er es laut vor den Kindern.

Ich frage mich immer - warum bekämpft er mich so hasserfüllt, obwohl er mich doch liebt? D.h. liebt er mich?

Anna.

5

Samstag, 7. Juli 2007, 02:03

PS: Mit Deinen Worten, Renelovesvany: Was genau will er mir heimzahlen? Dass ich lebe, dass ich atme, dass ich ein Mensch mit Fehlern bin?

Und weißt Du, welches Lied er abgrundtief hasst?
Ich bin ich, von Rosenstolz. Als ob dieser Text ihm furchtbar Angst macht.
Anna.

renelovesvany

unregistriert

6

Samstag, 7. Juli 2007, 02:27

ja, ich weiss es leider auch nicht anna. was will ich eigentlich heimzahlen? man hat mir ja nichts getan. für mich sind diese kleinen fehler an menschen riesengroß. obwohl sie objektiv gesehen nichts ausmachen. ich mag meine freunde eigentlich, ich hasse sie aber auch.


es ist schwer für mich, das zu definieren. auch kann ich schlecht sagen, was mir mein gegenüber denn so schlimmes getan hat. ich bin dann einfach nur verletzt, obwohl es keinen triftigen grund dafür gibt.

im prinzip bin ich unfähig angemessene gefühle zu haben. ja, so würde ich es ausdrücken.

ein gefühlsautist. gefühle ausgeschaltet und nicht wieder zurück holbar. die zwänge sind der ersatz, um nie wieder leid erfahren zu müssen.

7

Samstag, 7. Juli 2007, 02:29

ist Dir bewusst, dass der andere dadurch sehr leidet?
Anna.

renelovesvany

unregistriert

8

Samstag, 7. Juli 2007, 02:49

nein. gar nicht. ich hab das gefühl, mein gegenüber reagiert gar nicht darauf.

9

Samstag, 7. Juli 2007, 12:01

Hallo ihr zwei,

ich hoffe, es ist ok, wenn ich mich mal kurz einklinke, aber ich kann sehr gut nachvollziehen, worüber ihr gerade diskutiert aus euren verschiedenen Perspektiven. Natürlich hast du völlig Recht, Anna, wenn du beschreibst, wie furchtbar so ein Verhalten auf ein Gegenüber wirkt. Es wäre ideal, aber übermenschlich, wenn du dich durch die Einsicht, dass dein Mann in dem Moment, wo er dich beleidigt, einen Kampf mit sich selbst führt, von dem Gesagten distanzieren könntest. (Meine Güte, habe ich das kompliziert ausgedrückt! Kann das noch einer verstehen?) So aber trifft es dich bis ins Mark und du reagierst mit Angst. Würde ich auch.
Andererseits kenne ich auch die andere Seite (vielleicht sogar ein bisschen besser), die renelovesvany beschreibt. Kleinste Anzeichen werden so gedeutet, dass man mich nicht realistisch sieht, mich nicht ernst genug nimmt, ... dass keine wirkliche Nähe möglich ist. Und dann kommt die Wut und ich stoße die Person weg. Ein gelerntes Muster aus der Kindheit (zumindest bei mir): "Das Bedürfnis nach Nähe (erst zu den Eltern, jetzt zum Partner) führt zu Enttäuschung. Ich werde sowieso nicht als Persönlichkeit ernst genommen, darf nicht so sein, wie ich bin."
Ich weiß nicht, ob das auch bei anderen so ist, aber die Gefühle, die du, renelovesvany beschreibst, kenne ich gut. Ich warte förmlich auf die Enttäuschung, suche Beweise, dass sie kommen muss. Mache aus Mücken Elefanten.
Das ist für das Gegenüber furchtbar, für mich aber auch.

cibi.

Kinderseele

unregistriert

10

Samstag, 7. Juli 2007, 14:54

RE: Allein sein... das geht nicht

Ich habe auch immer wieder mit der Einsamkeit zu kämpfen.Ich muss dazusagen, dass ich Borderline habe, also generell starke Probleme mit Nähe-Distanz habe, was andere Menschen betrifft.Deshalb kam mir das, was du geschrieben hast, sehr bekannt vor!!!
Die Einsamkeit frisst mich auf und doch bin ich gerne alleine.Das ist für mich auch ein grosser Unterschied.
Ich kann Menschen emotional manchmal schon an mich heranlassen, körperlich aber umso weniger...Habe oft die Angst, mich zu verlieren...:-(

renelovesvany

unregistriert

11

Samstag, 7. Juli 2007, 15:44

@ ja cibi. du hast recht... es ist ein festes muster... man geht automatisch davon aus, nicht so zu funktionieren, wie andere es wollen. also nicht liebenswert zu sein. als schutz davor: keine nähe... so konnte man auch nie einüben, mit nähe und distanz umzugehen. daraus entstehen vielfältige probleme, die beziehungen immens belasten können.


@kinderseele.

willkommen dir! bei mir wird auch borderline vermutet. falls du interesse am austausch hast, sag einfach bescheid ;-)

12

Samstag, 7. Juli 2007, 16:58

Cibi, Renelovesvany,

leidet Ihr darunter, dass Ihr keine Nähe zulassen könnt? Was geht in Euch vor, wenn Ihr es jemand Ahnungslosen heimzahlen wollt?

Ich vermisse bei meinem Mann an dieser Stelle die Schuldgefühle. Er kann das Gesagte erst nach zweitägigem Schmollen meinerseits bereuen. Obwohl bereuen - er kann es dann wohl zwei Tage lang nicht ertragen, dass ich mich von ihm abwende.

Merkt er das nicht? Dass ich mich durch seine Angriffe mehr und mehr von ihm entferne? Dass er sich nur selbst schadet? Dass er mit Liebenswürdigkeit auf jeden Fall besser fahren würde?

Besonders schlimm: Das kleinste, gedankenlos gesprochene Wort, das ich sarkastisch meinte, reicht, dass er es mir fünffach heimzahlt. Wieder und wieder, bis ich auf dem Zahnfleisch krieche. Er will mich am Boden zerstört wissen.

Werde auf einmal so müde, es war aber auch spät gestern, bzw. heute.
Also dann,
Anna.

Pit-2001

unregistriert

13

Samstag, 7. Juli 2007, 19:18

An alle im Thread

Hi, was jetzt kommt ist kein geistreicher Satz, auch nicht auf euch abgestimmt. Es ist einfach der Versuch, etwas zur Diskussion beizutragen. O.k?

Also was haltet ihr davon, dass man als Erwachsener in anderen irgendeinen Elternteil oder Elternkonflikt sieht und den bis zum Exzess durchführt?

Es könnte sein, dass man einmal im Leben gegen diesen Teil gewinnen will und das mit kindlichen Methoden, denn der Konflikt begann ja damals, und trotzdem noch geliebt sein will. Dann kommt sowas raus, wie ihr teils beschriebt.

Einmal langt natürlich nicht, weil der Konflikt mit den Eltern mit dem eingebauten Instanzen der Eltern natürlich nicht dauerhaft an einem anderen in einer anderen Zeit gelöst werden kann.

Das sind nur meine Überlegungen, wie genau der Konflikt in jedem Fall heißen könnte, müsst ihr selbst überlegen und vielleicht sogar hier niederschreiben.

Grüße von

Pit

renelovesvany

unregistriert

14

Samstag, 7. Juli 2007, 21:33

an dem elternkonflikt, da ist bestimmt etwas dran. es kann auch an anderen konflikten liegen, die man in der vergangenheit nicht bewältigen konnte. dieses trauma setzt sich jetzt dann natürlich in meinem verhalten fort.

aber ich habe auch immer ein schlechtes gewissen, wenn ich so zu anderen bin. ja, ich bereue dass zutiefst, wenn ich mal wieder überreagiert habe und wegen einer kleinigkeit explodiert bin. meistens kann ich mir das später selber nicht mehr erklären.

renelovesvany

unregistriert

15

Samstag, 7. Juli 2007, 21:34

ps: und ja, ich leide sehr darunter, keine nähe zulassen zu können. und vielleicht bin ich grade deshalbso abweisend zu anderen. um diese gefühl nich ertragen zu müssen

16

Samstag, 7. Juli 2007, 23:18

Ja, ich glaube auch, dass das, was man als Kind erreichen wollte, aber nicht konnte, sich bis ins Erwachsenenleben fortsetzt. Dann mit anderen Menschen, Partnern, Freunden, die die "Figuren" der Kindheit ersetzen sollen.

Ich denke, dass das bei meinem Mann der Fall ist, aber auch bei mir. Dieses Ins-Zimmer-Flüchten, das war auch früher meine Rettung, wenn meine Eltern sauer waren. Heißt doch so viel, dass ich keinen anderen Ausweg als diesen sehe, weil ich keinen anderen kenne. Woher auch.

Ich glaube auch, dass bei uns zwei Kindheitsmuster aufeinander prallen.

Heute mache ich eher Schluss.
Gute Nacht,
Anna.

renelovesvany

unregistriert

17

Sonntag, 8. Juli 2007, 15:28

liebe anna,

ich wünsche dir und deinem mann, dass ihr einen weg finden werdet, diese situation zu meistern.


viel kraft wünscht

renelovesvany

18

Montag, 9. Juli 2007, 10:18

RE: Allein sein... das geht nicht

Mein lieber Rene,

ich kann dich sooooooooooo gut verstehen!!! Ich weiss ganz genau wie du dich fühlst, denn ich fühle oft das gleiche. Es ist schli8mm, wenn man sich so alleine fühlt, dieses Gefühl zerreist einen regelrecht.

Leider ist es oft so das man geliebte Menschen im Leben verliert. ich musste das auch oft durchmachen. doch wenn dich ein Freund wirklich gern hat, dann wird er dich auch so mögen mit all deinen Fehlern und Macken! Und weisst du was??
Eine wirkliche Freundschaft bedeutet auch das man über alles reden kann und sich verzeihen kann.
Und ich bin mir sicher das es in deinem liebe Menschen gibt, die dich so mögen wie du bist!! Das wünsche ich dir jedenfalls!!

Du weisst das du immer mit mir reden kannst! Wenn was ist, dann komm zu mir und wir können über alles sprechen, denn ich mag dich so wie du bist, scheiss egal was für Fehler du hast! denn auch die kleinen Fehler machen einen Menschen liebenswürdig....
Ich will dir auch ein guter Freund sein...vergiss das nicht!
Du bist nicht allein!!

Knuddel!!

ninchen

renelovesvany

unregistriert

19

Montag, 9. Juli 2007, 16:31

huhu ninchen!

danke für deine lieben worte :-) ich hab dich auch ganz doll gerne du.
ich möchte dir danke sagen, denn du gibst mir in schlechten zeiten das gefühl, doch nicht ganz allein zu sein. und du gibst mir das gefühl, dass es doch noch nette weibliche wesen auf dieser welt gibt. :D :D

immer wenn ich mich alleine fühle, dann zerresit es mich innerlich. wenn ich glaube jemanden zu verlieren, nur weil irgendetwas schief lag, dann bricht eine welt für mich zusammen.

ich hoffe, das irgendwann mal hinzubekommen und auch für mich alleine sein zu können. ohne zu denken, in der versenkung zu verschwinden.

auf jedenfall bin ich auch immer für dich da! denn du bist echt eine mega liebe!!!

bussi

rene

renelovesvany

unregistriert

20

Dienstag, 31. Juli 2007, 22:52

also, ich hab ja sonst immer probleme damit... aber in den letzten tagen geniesse ich es, nur für mich zu sein... hoffentlich hälts noch ein wenig an...