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Pauline

unregistriert

1

Freitag, 10. August 2007, 14:15

Umgang mit Zwangsgedanken

Hallo,

ich bin neu im Forum und möchte kurz meine Einstellung zu meiner Krankheit darstellen. Mich würde sehr interessieren, wie Ihr darüber denkt und ob andere Gedankenzwängler ähnlich empfinden.

Meiner festen Überzeugung nach sind die Zwangsgedanken (zumindest bei mir) Verdrängungsmechanismen der Seele, die mich dazu verleiten wollen, mich nicht mit den wahren Ursachen meiner Ängste auseinanderzusetzen und daran zu arbeiten.

Für mich ist jede Sekunde, die ich mich mit dem Inhalt der Zwangsgedanken auseinandersetze, eine Sekunde zu viel. Die Ängste sind real, die Zwangsgedanken sehe ich als mehr oder weniger zufälliges Produkt, mit dem die Seele versucht, sich diese übergroßen Ängste, die keine direkte Ursache zu haben scheinen, aber dennoch immer da sind, zu erklären.

Ich denke, die Problematik hängt (ich kann immer nur von mir selbst sprechen, weil mir jegliche Erkenntnis darüber fehlt, inwieweit meine "Erkenntnisse" verallgemeinert werden können) vorwiegend mit sozialen "Defiziten" zusammen.

Ich bin ein konfliktscheuer und harmoniebedürftiger Mensch, der in der Regel zuerst an die anderen und dann erst an sich selbst denkt. Ansatzpunkte, an denen ich (auch mit Hilfe einer Therapie) arbeiten möchte, sind z. B.
- Konflikte aushalten zu können
- Kritik angemessen zu äußern und auch selbst damit umgehen zu können, kritisiert zu werden
- zu spüren, wenn mich jemand verletzt (bewusst oder unbewusst) und angemessen zu reagieren
- sich der eignen Wünsche und Bedürfnisse zunächst einmal bewusst zu werden und dann an die Umsetzung zu gehen u. s. w.

Die Zwangsängste und Zwangsgedanken sind immer vorhanden, ich versuche, das Vorhandensein sozusagen zum Normalzustand zu deklarieren und mich mit den "ralen Problemen" wirklich auseinander zu setzen, anstatt in dieser Scheinwelt zu leben und gegen etwas anzukämpfen, das ich nicht beeinflussen kann. Zumal mein Verstand weiß, dass ich die Inhalte meiner aggressiven Zwangsgedanken niemals umsetzen werde, ganz einfach weil ich es nicht will.

Natürlich ist die ganze Sache nicht so einfach, wie sich das vielleicht jetzt anhören mag. Ich leide und kämpfe jeden Tag mit meinen Ängsten und bin auch sehr oft verzweifelt.

Oft hilft mir auch eine Passage aus dem Buch "Angstfrei leben", in der die Autorin beschreibt, wie heilend es sein kann, die Angst in Ihrer ganzen Härte zu spüren und trotzdem für sein Leben die volle Verantwortung zu übernehmen und sich einfach daran zu machen, seine Wünsche und Bedürfnisse zu realisieren.

Ich bin gespannt, wie Ihr darüber denkt.

Liebe Grüße

Pauline

2

Freitag, 10. August 2007, 18:08

Hallo Pauline !

Deine Schilderung kommt auch meiner Problematik sehr nahe. Lange Zeit habe ich darüber nachgedacht, woher die Ursprünge der Zwangsgedanken und -handlungen kommen. Auch die sehr lange tiefenpsychologisch orientierte PT hat mir diese Antworten eigentlich nicht geben können - dennoch war auch sie hilfreich für das Erkennen meines eigenen Standpunktes.

Du hast recht, indem du schilderst, daß die ZG fast immer offenbar sind. Zwischenzeitlich bin ich der festen Meinung, daß ich mich hiermit wohl auch unter Zuhilfenahme von SSRI und zuweil Verhaltenstherapie arrangieren muß. Das ist wohl der beste Weg, um mir das Leben nicht total zu vermiesen. Immerhin gibt es zwischendurch ja auch relativ gute Phasen, die einem das Leben erträglich erscheinen lassen.

Zwangsstörungen sind nach meiner Meinung

a. anlagebedingt
b. angelernt
c. Ausweichmanöver

Hieraus kann erkennbar, sein, daß das Schwergewicht auf der eigenen beeinflußbaren Ebene liegt und hier gilt es anzusetzen (mit Hilfestellung).

Pauline

unregistriert

3

Samstag, 11. August 2007, 09:50

Danke für Antwort

Hallo Angsthase,

ich kann Deiner Einschätzung nur zustimmen. Und weil die Zwangsgedanken diese vielschichtigen Ursachen haben, ist es auch so schwer, eine Strategie zu entwickeln, die langfristig Besserung bringt.

An manchen Tagen denke ich: Das ist es - jetzt habe ich die optimale Strategie gefunden - und dann bin ich wieder mittendrin im Sumpf und habe den Eindruck, keinen Schritt vorwärts gekommen zu sein.

Ich mache gerade eine Verhaltenstherapie, habe aber erst angefangen und kann noch nichts über eventuelle Fortschritte sagen. Nur soviel: Meine frühere "Hoffnung", dass man irgendwie behandelt und geheilt werden kann ist Illusion. Gerade da die Zwänge, wie Du auch schilderst, zumindest teilweise anlagebedingt und darüber hinaus über das ganze bisherige Leben angelernt sind, kann man nicht einfach zu seinem Leben vor den Zwängen zurückkehren, wie ich es mir früher oft gewünscht hatte.

Ich würde mich freuen, weiter von Dir zu hören.

LG

M.