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Maultier

unregistriert

1

Montag, 1. Dezember 2008, 03:14

lebensumstellung geglückt

hallo an alle,

ich wollte euch mitteilen, dass ich seit dem 06.10. quasi zwangsfrei lebe (statt einzelner konfrontationen hatte ich mir vernünftigerweise vorgenommen alle rituale auf einmal abzuschaffen...es gab/gibt nur eine ausnahme, dazu später aber mehr). ich hatte mich lang auf verschiedenen ebenen vorbereitet, den ursprünglichen "umstellungstermin" dann aber mehrfach um eine woche verschoben und im nachhinein war es auch richtig (bin ja leider von einigen dafür kritisiert worden, obwohl sie mich und mein leben nicht kennen), denn ich habe damals den kontakt zu meiner mutter abgebrochen (zu meinem miesen vater schon lang vorher) und das hat mich doch ziemlich runtergezogen. es war aber eine richtige und notwendige entscheidung den kontakt abzubrechen, nur war ich halt danach nicht stark genug um die umstellung anzugehen. aber ein paar wochen später war ich dann stark genug und hab es gemacht. vorher hab ich (auch symbolisch) noch mal meine wohnung gereingt und dann gings los...

also, die ersten tage waren schon sehr hart (hab wirklich von einem tag auf den anderen "alles wie früher/vor der erkrankung gemacht"), aber ich wollte unbedingt wieder gesund werden und dafür hatte ich mich ja auf vielen ebenen gestärkt, um dann halt ab dem "tag x" widerstand leisten zu können und es hat von anfang wirklich sehr gut geklappt. zwar hab ich mich die ersten 3-4 tage permanent schmutzig gefühlt, aber das war mir ja klar und da ich wusste und mir eingestanden hatte (über einen längeren zeitraum), dass mein hygieneverhalten übertrieben war und ich absolut bereit war wieder mit der welt ins reine zu kommen (zumindest was "hygiene" betrifft) konnte ich es sehr gut aushalten (mein dank geht an zwei besondere personen, mehr dazu später!). hilfreich war auch, dass ich noch was im leben erreichen will (und damit mein ich nicht karriere machen) und ziele habe, die mich unglaublich motiviert haben. auch "meine musik" war mir (wie immer im leben) eine ganz große hilfe! und ich rede hier nicht von britney spears oder anderer "plastikmucke", sondern von guter musik mit tiefgang und herz und seele!

ich kann heute eigentlich alles machen, was man als waschzwangerkrankter sonst vermeidet oder mit einem waschritual ausgleicht. hände schütteln, türklinken berühren, geld in die hand nehmen usw, das ist alles kein problem mehr. manchmal/selten muss ich mir bei genannten dingen noch ins gedächtnis rufen, dass es a.) "nicht schlimm ist" und b.) "keiner aufmerksamkeit bedarf". wenn ich aber wirklich mal zweifle wenn ich z.b. mal eine türklinke berührt hab, dann berühr ich danach sofort mit der hand mein gesicht, um jeglichen anflug von zwangsritualen im keim zu ersticken. natürlich gibt es immer noch dinge die unangenehm sind, aber mittlerweile seh ich das nicht mehr so dramatisch, weil ich ja die erfahrung gemacht hab, dass es auch gar nicht so schlimm ist. beispiel: bei mir in der gruppentherapie ist so ein typ, der pult sich ganz gerne mal im ohr rum (nicht kratzen, sondern wirklich pulen). bei der verabschiedung gibt uns der therapeut die hand und manchmal hat er vorher dem typen mit dem "ohrengepule" schon die hand gegeben. früher hätte ich das nicht verkraftet, mittlerweile find ich das eher amüsant als bedrohlich.

es gibt aber noch eine ausnahme, wo ich leider noch nicht den status erreicht hab, den ich vor der krankheit hatte und den ich anstrebe: ich kann nicht so ohne weiteres den boden berühren, ohne mich dann waschen zu wollen. ich weiss, dass dies eine achillesferse ist und dadurch auch das zwangssystem noch weiter in mir besteht, aber ich arbeite dran und hab auch schon große erfolge in dem bereich erzielt. beispiele: ich hab jetzt doch schon mehrfach den boden berührt oder sachen fallen lassen ohne mich zu waschen (oder halt die sache die auf dem boden lag wie früher), ich kann leuten problemlos die hand geben die grad den boden berührt haben und einige spezielle vorfälle wie folgender sind der beleg dafür, dass ich auch hier auf einem sehr guten weg bin: also, letztens war ich beim frisör und der hat aus versehen den kamm fallen gelassen mit dem er in meinen haaren gearbeitet hat. danach hat er ihn natürlich auch weiterhin benutzt. nach früheren maßstäben wär das der absolute horror für mich gewesen und ich hab auch gemerkt wie der adrenalinspiegel in mir stieg. ich hab mich dann aber schnell wieder beruhigt und mir mit meinen neuen (verhaltens-)regeln selber gesagt, dass es nicht schlimm ist und keiner ausmerksamkeit bedarf und dann war es auch gut, d.h. ich habe kein ritual durchgeführt und es ist mir auch nicht schwergefallen. ganz im gegenteil: ich habe meine neue freiheit genossen und das ich nicht wie ein getriebenes tier meine alten rituale ausführen musste.

ich bin also was die "boden-problematik" betrifft schon sehr viel weiter als vor meiner lebensumstellung und alles andere bereitet mir so gut wie keine probleme mehr und ich hab es seit dem 06.10 ohne rückfälle durchgezogen. dabei geh ich jetzt natürlich davon aus, dass es dinge gibt, die auch für gesunde menschen unschön sind wie z.b. öffentliche toiletten (v.a. natürlich versiffte) oder auch etwa in einem supermarkt an der kasse direkt hinter einem "siffig-ekligen alkoholiker" (sprich: penner) zu stehen. sowas vermeidet man nicht nur als waschzwangerkrankter...

alles in allem würd ich mich aber immer noch als waschzwangerkrankten bezeichnen, aber ich meine, dass ich wirklich auf einem sehr guten weg bin. ich verwende nur wenig bzw. meistens gar keine aufmerksamkeit mehr für das ganze "hygienethema" und das mach ich wirklich aus überzeugung (es ist nicht schlimm und tut nicht weh, wenn man mal etwas anpackt, was vielleicht nicht 100%-ig sauber ist) und meine jetzt neu gesammelten erfahrungen bestärken mich auch darin (so wie man anfangs in einer negativen spirale in den zwang gerät, so kann es dann auch eine positive spirale wieder raus geben! wenn man manche sachen erst mal gemacht hat, fallen viele andere sofort weg!) wie schon gesagt, ich hab eigentlich gar keine einschränkungen mehr und werd mich jetzt im neuen jahr auch endlich wieder um arbeit bewerben können. morgen bekomm ich auch besuch für eine woche (wär früher absolut undenkbar gewesen) und ich genieße das leben unheimlich, mehr als je zuvor. fast jeder moment ist für mich schön und ich kann mich unglaublich über alles mögliche freuen, auch über kleinste dinge...

ich wünsche jedem von euch, dass er auch erfolge einfährt. ich hab es schon oft erwähnt, aber grade für die "neulinge" mach ich es noch einmal: das buch "wege aus dem zwang" ist wirklich sehr gut und war/ist neben meiner eigenen arbeit (hab mein leben über monate stark umgekrempelt), meiner therapie, meinen 2 lieben "helfern" (besser: freundinnen, siehe unten!) die größte hilfe gewesen. hab es akribisch gelesen und mir auch notizen gemacht für mich (zuzüglich meiner eigenen gedanken und überlegungen), die mir dann auch später sehr geholfen haben (hab mir über monate hinweg ursachen und mechanismen des zwangs, lösungsmöglichkeiten und auch aufbauende dinge in stichworten auf dem pc notiert). für den tag x hab ich mir sogar eine karteikarte erstellt mit den dingen, die ich beachten muss(te) um vom zwang los zu kommen.

ich hatte mir für meine "lebensumstellung" viel zeit genommen (5-6 monate), um zunächst mich, mein leben und meine krankheit zu verstehen, dann mein leben zum positiven zu verändern und danach hab ich dann schritt für schritt mein ziel anvisiert und jetzt kann ich sagen, dass es wunderbar geklappt hat und dass dies das schönste jahr seit langem für mich ist, u.a. auch weil ich jetzt wieder einer frau nahe gekommen bin (was ja vorher auch nicht gegangen wär). allerdings werde ich ganz sicher nicht übermütig werden und jetzt wieder meine alten fehler wiederholen. mein geändertes und "verbessertes" leben will ich beibehalten und es auch weiterhin positiv(er) gestalten.

ich möchte euch ermuntern eure zwänge klug und mit der nötigen nachhaltigkeit zu bekämpfen und grüße alle ganz lieb, aber ganz besonders grüße ich hiermit nina und miriam...ich hab euch beide unglaublich lieb, ihr habt mir SEHR geholfen auf meinem weg und dafür werd ich euch ewig dankbar sein und ich werd auch für immer an eurer seite bleiben und euch helfen wo es nur geht! *kiss*

matthias alias maultier

Friedolin

unregistriert

2

Montag, 1. Dezember 2008, 18:26

Hi Matthias
Diesen Tag x Habe ich jetzt auch vor mir .Habe mir den Silvester ausgesucht wo ich die ganzen Rituale dann weg lassen will.Weis nicht wie dann das neue jahr wird ob ich den ganzen Druck aushalte aber das es geht sehe ich ja an dir .Glückwunsch zu deinem Erfolg.Das gönne ich dir von Herzen weil ich weiß wie man mit so einem Zwang leidet!

Gruß Friedolin!