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Zwangsgedanken: Erinnerungen/Einbildungen

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1

Sonntag, 6. September 2009, 22:40

Erinnerungen/Einbildungen

Hi,

ich wollte mal wissen, ob ihr glaubt, dass man gewisse einschneidene Taten die man begangen hat evtl vergessen oder verdrängen kann?
Bei mir ist es so, dass mir vor einem halben Jahr einfiel, dass ich evtl vor 2 Jahren etwas schlimmes verbrochen haben könnte. Das hat mich in tiefste Depression gestürzt. Ich hatte schreckliche Bilder im Kopf von dem, was ich getan haben könnte, an Details konnte ich mich jedoch nicht mehr erinnern, also forschte ich nach und überlegte viel. Dann fand ich heraus dass es so, wie ich es mir vorgestellt habe, garnicht möglich gewesen sein könnte und war erstmal beruhigt.
Dann kam mir plötzlich der Gedanke, dass ich es ja anders getan haben könnte. Ich überlegte wieder nach, wie ich es getan haben könnte, so dass es möglich sei und dann kristallisierte sich nach einigen Wochen ein deutliches Szenario heraus, was bis heute geblieben ist und mir nicht mehr aus dem Kopf geht.
Meint ihr, dass es möglich ist, dass man einschneidene Erlebnisse einfach vergisst und sie einen dann 2 Jahre später in tiefe Depressionen stürzen? Ist es möglich, dass man sich nicht sofort erinnert, sondern erst nachdem man wochenlang darüber nachdenkt?
Ich weiß nämlich nicht, ob dass alles nur eine Kreation meines verwirrten Geistes ist, oder ob es sich tatsächlich zugetragen hat.

Ich danke euch vielmals!

Biene Maya

unregistriert

2

Montag, 7. September 2009, 09:47

RE: Erinnerungen/Einbildungen

Hallo tweet!
Es ist doch total zwangstypisch, dass man überlegt, ob man da oder dort etwas Falsches getan haben könnte. Wenn die vermutete Aktion gerade erst zurückliegt, kann man meistens noch nachkontrollieren, aber selbst das schafft bei uns Zwänglern doch auch meist nur eine gewisse Beruhigung (z.B. Rütteln an der Tür, ob man diese auch wirklich verschlossen hat, dann erneutes Rütteln an der Tür, obwohl sie sich doch eben (eigentlich) auch nicht geöffnet hat, usw.). Liegen die vermuteten Fehler weiter zurück und ist ein direktes Kontrollieren meistens nicht möglich, geht die Gedankenkette los ""ist es möglich dass...?" und selbst wenn wir uns damit wieder einigermaßen beruhigen können, überlegen wir weiter "ob nicht viellleicht doch...?". Und je mehr wir ausschließen können, umso mehr konstruiert unser Gehirn neue Möglichkeiten, bis wir keine Möglichkeit mehr parat haben, noch irgendetwas auszuschließen und übrig bleib ein Schuldgefühl auch wenn sie auf noch so verdrehten Möglichkeiten basiert. Und eigentlich wissen wir das auch, aber wir können dann eben irgendeine absurde Theorie für uns nicht mehr ausschließen. Ich denke, dass genau das bei Dir passiert ist, Du hast überlegt, ob Du irgendetwas Falsches getan hast, konntest dieses dann einigermaßen doch für Dich ausschließen und hast dann regelrecht mit der "Fehlersuche" begonnen. Dabei hast Du Dich dann so hineingesteigert, dass Du nun schon daran glaubst. Denn Deine Anfangsthese war ja DASS Du etwas Falsches getan haben mußt und nun hast Du so lange konstruiert, bis Du Dir das selber Eingeredete quasi bestätigt hast. Wie gesagt, ich denke das ist ganz typisch "Zwang".
Vielleicht konnte ich Dich damit ein wenig beruhigen, aber ich weiß selber, wie schwer das ist.
Liebe Grüße

3

Donnerstag, 10. September 2009, 02:21

RE: Erinnerungen/Einbildungen

Meint ihr, dass es möglich ist, dass man einschneidene Erlebnisse einfach vergisst und sie einen dann 2 Jahre später in tiefe Depressionen stürzen?
(original tweet)

hallo tweet

Ja, dass ist möglich,
und dieses erlebniss führt noch bis heute zu zwangsgrüblerei,
wann könnte ich was schlimmes getan haben!
ich hasse schuldgefühle, schuldgefühle sind so grausam!!!

lg
tpg

Kinderseele

unregistriert

4

Donnerstag, 10. September 2009, 15:57

Schuldgefühle

Hi,

Schuldgefühle sind so etwas hartnäckiges, sie fressen einen auf.
Als ich letztens in der Klinik war, hatte ich zwei Elterngespräche, die mir sehr viel geholfen haben. Ich habe da einige Dinge mit Hilfe der Therapeutin ansprechen können, die mir sehr am Herzen lagen.
Ich bin sehr froh, dass das jetzt ausgesprochen wurde!!!

lg :banger:

5

Donnerstag, 10. September 2009, 22:38

RE: Erinnerungen/Einbildungen

Hi
Hier mal eine kleine "Klugscheisserweisheit" (eine Weisheit die jeder schon mal gehört hat, doch die oft von Zwänglern vergessen wird ;)):

"Grüble nie über die Vergangenheit nach; du wirst sie nicht mehr ändern können,
mach dir Gedanken um die Zukunft und mach das Beste daraus (dabei sind Schuldgefühle äußerst deskonstruktiv, also schmeiss sie über Bord) ."
Viele Grüsse
Ralf

6

Freitag, 11. September 2009, 01:07

RE: Erinnerungen/Einbildungen

Wie heißt es so schön... "Wer sich seiner Geschichte nicht erinnert, ist dazu
verdammt sie zu wiederholen."

Klar, Schuldgefühle ohne konkreten Bezug sind extrem destruktiv und sinnlos.
Andererseits können Schuldgefühle, sofern sie Bezug zu einem Fehlverhalten
haben, uns auch davor bewahren, ein und denselben Fehler mehrmals zu begehen.

Man muss lernen, das richtige Maß zu finden. Nichts überbewerten aber auch
nichts verdrängen.


Gruß Kater

Kinderseele

unregistriert

7

Freitag, 11. September 2009, 11:43

Schuldgefühle

Hi,

danke für die "Klugscheißerweisheit". :-) Im Prinzip hast du ja schon recht...
Wenn das nur so einfach zu beherzigen wäre, dann wären wir glaub ich alle nicht hier... oder? :-) Aber ab und zu so ein Spruch schadet einem natürlich auch nicht.

Viele liebe Grüße,

Kerstin :tocktock:

8

Freitag, 11. September 2009, 21:21

RE: Erinnerungen/Einbildungen

Hi Kater
Lernen aus seinen Fehlern ist sehr wichtig!
Sich aber wegen den begangenden Fehlverhalten als schlecht und sündhaft zu fühlen halte ich persönlich für völlig unbrauchbar.
Viele Grüsse
Ralf

9

Samstag, 12. September 2009, 01:15

RE: Erinnerungen/Einbildungen

Hallo Ralf,

ich meine, es kommt auf das Fehlverhalten an.
Das Problem ist, daß es Leute gibt, die lebenslang von Schuldgefühlen geplagt
werden sollten, weil sie z.T. absichtlich und rücksichtslos Existenzen vernichten
und sich einen Sch... darum scheren, während andere schon tagelang mit sich
hadern, nur weil sie mal versehentlich jemandem auf den Fuß getreten sind.
Das meinte ich mit "das richtige Maß finden".

Gruß Kater

10

Samstag, 12. September 2009, 16:33

Also meint ihr wirklich, dass man schlimme Taten die man begangen hat verdrängen kann?
Aber sollte man sich dann nicht von vorne herein darüber in klaren sein, DASS man etwas getan hat? Bei mir ist es ja so, dass ich immer überlege ob ich das jetzt getan habe oder nicht. Meine Überlegungen lassen dann Bilder im Kopf entstehen und wenn ich dann etwas falsifizieren konnte, grüble ich so lange darüber nach, bis andere Bilder entstehen, wo es dann doch wieder möglich wäre, dass ich es getan haben könnte.

11

Samstag, 12. September 2009, 16:35

Glaub ihr, dass ein Mensch sein Recht auf Leben verwirken kann, indem er schlimme Dinge tut?

12

Sonntag, 13. September 2009, 02:04

Hallo tweet,

prinzipiell ist das schon möglich, daß man Vorkommnisse, die man nicht ver-
arbeiten kann, erstmal ausblendet, egal ob man direkt in bestimmte Vorkomm-
nisse verwickelt war oder nur Zuschauer.
Soldaten verdrängen ja auch vieles von dem, was sie tun (müssen).

Aber ich glaube bei Zwänglern dürfte die Wahrscheinlichkeit, daß den Be-
fürchtungen tatsächlich etwas Schlimmes zugrunde liegt, sehr gering sein.
Zumindest was das "Täter sein" angeht.
Wir stellen uns ja oft vor, was evtl. alles passiert sein könnte, letztendlich ist da
aber in den allermeisten Fällen nix dran.
Hundertprozentige Sicherheit gibt es natürlich nie, deshalb muss man lernen
mit Wahrscheinlichkeiten zu leben. Das ist jedenfalls meine Meinung.

Gruß Kater

13

Sonntag, 13. September 2009, 02:09

Nein, das Recht auf Leben ist an keinerlei Bedingungen gebunden.

Allerdings gibt es auch Leute, die das anders sehen.


Gruß Kater

Kinderseele

unregistriert

14

Sonntag, 13. September 2009, 10:59

RE: Schuldgefühle

Hi Ralf,

wenn das alles immer so einfach wäre... :-(
Natürlich, logisch betrachtet ist es sinnlos, sich das Leben durch Schuldgefühle schwer zu machen...

Liebe Grüße,

Kerstin *wink*

15

Sonntag, 13. September 2009, 11:02

Das denke ich auch!
Recht auf Leben kann man nicht verlieren, egal was man in der Vergangenheit getan hat!
Ich weiss jetzt nicht wieweit ihr religiös seid, aber meine Überzeugung ist es, dass man egal was man verbrochen hat, immer und immer wieder die Chance bekommt es besser zu machen.
Ich glaube auch nicht an Sünden und Bestrafungen.
Begründung: Wir sind nur "kleine dumme" Menschen; Wesen die fehlerhaft sind und denen ihr falsches Handeln oft gar nicht bewusst ist.

An dich tweet: Mach dich nicht wegen deinen Fehlern verückt und vergib dir selber (völlig egal, was passiert ist) !

Viele Grüsse
Ralf

PS: Jeder Moment ist ein Neuanfang!

Kinderseele

unregistriert

16

Sonntag, 13. September 2009, 17:55

Schuldgefühle

Ich denke auch, dass jeder Mensch eine zweite Chance verdient hat.
Jeder macht mal Fehler, die er im Nachhinein bereut.
Und schon allein die Reue zeigt ja, dass man den Fehler einsieht. Falsch ist meiner Meinung nur, wenn man sich immer wieder darauf ausruht, dass man ja Reue zeigen kann und dann ist wieder alles in Ordnung...
Man sollte schon aus seinen Fehlern lernen...

LG

Kerstin :prust:

17

Sonntag, 13. September 2009, 22:33

Also könnte ich theoretisch ein Kind missbraucht haben, es dann 2 Jahre lang vergessen/ausgeblendet haben und dann plötzlich fällt es mir wieder ein?

18

Montag, 14. September 2009, 00:57

Theoretisch schon, aber extrem unwahrscheinlich.
Viel wahrscheinlicher ist es, daß sich Deine Schuldgefühle auf irgendeinen
marginalen Scheiß (sorry) beziehen. Vielleicht hast Du mal versehentlich je-
manden angerempelt und vergessen Dich dafür zu entschuldigen oder Du hast
mal vergessen eine Zimmerpflanze zu gießen.
Ich hatte mal Schuldgefühle, weil ich versehentlich beim Fensterzumachen eine
Hornisse zermatscht hab, die, von mir unbemerkt, zwischen Fenster und Rahmen
saß.
Zwängler sind eben sehr empfänglich dafür, sich wegen jedem Mist verrückt zu
machen.
Mit allerhöchster Wahrscheinlichkeit hast Du überhaupt nichts Schlimmes ge-
macht, akzeptiere das, lehne Dich zurück und genieße diese Erkenntnis! :]

Liebe Grüße
Kater

19

Montag, 14. September 2009, 11:02

Zitat

Original von Kater
Theoretisch schon, aber extrem unwahrscheinlich.


Ja super! Wie soll ich das denn jetzt herausfinden...

Kinderseele

unregistriert

20

Montag, 14. September 2009, 11:16

Schuldgefühle

Na ja, du hast ja auch ne diagnostizierte Zwangserkrankung, oder?
Von daher kann man da noch so viel mit Logik kommen... es ist ja schließlich ne Kh und ich denke, da ht die Logik oft nicht so viel Macht... :-(
Ich hatte und habe auch oft Schuldgefühle und rede mir Dinge ein, die ich dann selbst irgendwann glaube; auch, wenn mein Verstand vielleicht sagt, dass das gar nicht sein kann... :-(
Machst du eine Therapie?

lg,

Kinderseele :prost: