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Dienstag, 29. Dezember 2009, 15:53

RE: Rechthaberei/Intoleranz meiner zwangserkrankten Freundin

Hallo Metallica-Fan,

als erstes muss ihr Verhalten nicht mit den eigentlichen Zwängen zu tun haben, es ist aber natürlich naheliegend. Ihr extremes Kontrollbedürfnis in allen Bereichen, auch darüber wie du reagierst zeugt von einer enormen inneren Abhängigkeit. Solange sie die Kontrolle hat, auch auf Kosten der Beziehungen, auch zu dir, kann sie ihre Gefühlslage und die der anderen besser berechnen, besser beobachten. Sie muss Herr der Lage sein, sonst wirkt es wie eine Bloßstellung ihrer Person. Und zum anderen ist das ihr einziger (nicht realer - aber für sie real) Schutz, um Situationen, Gefühle und Menschen genau einschätzen zu können, in dem sie diese kontrolliert und im Grunde auch, wie die sich zu fühlen haben. Würdest du ihr Verhalten in Frage stellen, käme es einem persönlichen Angriff gleich. Da du ja bislang auch sehr eigenständig warst bist du ein guter Gegenpart für sie, aber nicht unbedingt im postiven Sinn, aber du bist eine Herausforderung, sie kann sich an die reiben (geistig - intellektuell) und versucht dabei immer oben zu sein. Das verschafft eben auch Abwechslung und Aufregung in ihrem Leben und so ist sie dann auch nicht gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, denn sie ist ja gut abgelenkt und beschäftigt, alles andere zu kontrollieren.

In gewisser Weise ist sie abhängig von solchen Situationen und Menschen, die sie braucht, um nicht an ihre eigenen Gefühle heranzumüssen. Sie denkt, wenn sie genug Aufregung, auch in Form von ständigen Streitereien hat, dann ist sie stark, kann sich ja auch ständig beweisen, in dem sie immer wider zu dominieren versucht und es ja auch schafft. Ihr Leben wird allgemein davon bestimmt sein, viel zu leisten, um einfach sich gut zu fühlen, sich über andere stellen zu können, sie braucht Aufregendes.

Die Frage ist hier viel mehr, ob du für dich erkennen und fühlen kannst, warum du diese Beziehung brauchst? Unabhängi davon, dass ihr beiden intellektuell seid, euch anziehend findet - mal ganz in dich hieneinsehen, was du du fühlst bzw. brauchst.

Ist es die Extreme, das völlig andere, als deine bisherigen Beziehungen? Denn du bist in dem Moment auch mit ihr abgelenkt, wenn du dich mit ihren Problemen auseinandersetzt, die sie als solche nicht sehen will. Wichtig ist, ob du differenzieren kannst, warum du diese Beziehung brauchst und willst, selbstehrlich und bei sich sein.

Gruß

Anna

James Hetfield

unregistriert

2

Mittwoch, 30. Dezember 2009, 01:53

Hallo Anna,

danke für Deine interessante Antwort.

Um das Ganze noch ein wenig zu relativieren, denn es kommt ja so rüber, als ob sie ein Monster wäre und ich vielleicht irgendwie drauf stehen würde, erniedrigt zu werden: Dies ist nicht der Fall. Wir sind beide dominant und hatten früher immer Beziehungen, in denen wir beide eher devote Partner hatten und die Beziehungen verliefen deshalb auch immer relativ stressfrei, oder besser gesagt, es fanden keine exzessiven Rechthabediskussionen und Machtkämpfe statt. Deswegen sollte ich vielleicht etwas anders formulieren: Ich habe noch nie ansatzweise eine Frau erlebt an meiner Seite, die mir so eindeutig ihre Bedürfnisse mitgeteilt und deren bindungslose Befriedigung verlangt hat. Weiter will sie, wie oben schon beschrieben, in jeder Alltagskleinigkeit den Ton angeben, egal, ob ich mich dabei wohl fühle, oder nicht. Und sie hat die fixe Idee, mich irgendwie retten zu wollen und möchte mich von Grund auf verändern, (was ich mir nie gefallen lassen würde). So empfinde ich es jedenfalls.

„…aber du bist eine Herausforderung, sie kann sich an die reiben (geistig - intellektuell) und versucht dabei immer oben zu sein. Das verschafft eben auch Abwechslung und Aufregung in ihrem Leben und so ist sie dann auch nicht gezwungen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen, denn sie ist ja gut abgelenkt und beschäftigt, alles andere zu kontrollieren.“

Ja, das hört sich schlüssig an. Von ihrem enormen Kontrollbedürfnis hat sie mir schon berichtet, ganz abgesehen von den oben genannten Zwangshandlungssymptomen. Das hat sich sogar in massiven körperlichen, psychosomatischen Symptomen geäußert, die überwunden sind und die ich nicht konkretisieren möchte, da sie sonst 100 % mich hier identifizieren könnte, wenn sie denn hier lesen würde.

„Die Frage ist hier viel mehr, ob du für dich erkennen und fühlen kannst, warum du diese Beziehung brauchst? Unabhängi davon, dass ihr beiden intellektuell seid, euch anziehend findet - mal ganz in dich hieneinsehen, was du du fühlst bzw. brauchst.“

Sehr gut abgeleitet aus meinem Eingangsbeitrag. Genau diese Frage stelle ich mir auch, denn es ist eine Tatsache, dass wir beiden uns unheimlich voneinander angezogen fühlen, so, wie wir beide es noch nie erlebt haben, jedenfalls kann ich das für mich ganz sicher sagen. Sie hat mir das für sich auch so gesagt und ich glaube, wir würden uns diesen Machtkampfstress, der bis an unsere Belastungsgrenze geht, beide nicht antun, wenn das nicht so wäre. Und das dies so ist, hat natürlich seinen Grund, welcher das auch immer ist.

„Ist es die Extreme, das völlig andere, als deine bisherigen Beziehungen? Denn du bist in dem Moment auch mit ihr abgelenkt, wenn du dich mit ihren Problemen auseinandersetzt, die sie als solche nicht sehen will. Wichtig ist, ob du differenzieren kannst, warum du diese Beziehung brauchst und willst, selbstehrlich und bei sich sein.“

Auch sehr gut formuliert. Genau diese Frage stelle ich mir und ich sehe es genau so, dass das eine Menge mit mir selbst zu tun hat. Jedenfalls habe ich noch nie so viel gelernt auch über mich selbst, denn sie ist – auch mit ihrer Krankheit – eine sehr sozial kompetente Person, von der ich bisher eine Menge gelernt und vor der ich auch eine Menge Respekt habe. Sie sieht im Übrigen ihre Probleme sehr wohl......in schwachen Momente, wo sie über ihre Zwänge und ihren damit einhergehenden Charakter bzw. ihr Verhalten reden kann.

Ok, dann danke nochmal für Deine Antwort. Ich denke, ich bin jetzt ein bisschen schlauer.

3

Mittwoch, 30. Dezember 2009, 09:23

Hallo noch einmal,

ich glaube nicht einmal, dass sie ein Monster ist, ganz und gar nicht, sondern viel mehr, im Inneren eine äußerst verletzliche und unsichere Person, die aber nach außen hin etwas anderes verkörpert.

Auch dass sie so eindeutig ihre Bedürfnisse formulieren kann und auch ihre Befriedigung fordert spricht meistens dafür, dass sie in den Bereichen, in denen sie sicher ist und meint, genau zu wissen, was sie will, es auch so äußern kann, aber ob es um ihre wirkliche seelische Befriedgung dabei geht, stelle ich ein wenig in Frage. Und natürlich wird sie das auch nie preisgeben, sondern stets ihren festen Standpunkt verteidigen.

Und ich kann gut nachvollziehen, dass es dich beindruckt und sehr anziehend ist.

Zum anderen gehe ich davon, dass sie vermutlich als Kind bereits gezwungen war, Aufgaben zu übernehmen, die sie als Kind überfordert haben und irgendwie musste sie sich schützen. Und der beste Schutz, den ein Kind vornehmen kann, ist sich von seinen gefühlen abzuschneiden bzw. durch Kontrolle der Gefühle, auch der anderen, denn sie wird gelernt haben, wenn sie gut funktioniert und die Bedürfnisse der anderen erfüllt, also sehr gut funktioniert, kann sie auch indirekt das Verhalten der anderen kontrollieren, was ihr als Kind natürlich nicht bewusst ist, weil sie keine Wahl hatte, sondern funktionieren musste. Sie wird gemerkt haben, wenn sie leistungsstark ist, hat sie Kontrolle und bekommt so auch Anerkennung. Da sie aber als Kind nie erfahren durfte, egal wie sehr sie sich anstrengt, ihre Eltern werden nicht die liebenden gewesen sein, wie sie es gerbaucht hätte, versucht sie nun in ihren Beziehungen die Männer zu retten, weil sie glaubt, nur durch sie würden sie glücklich werden und sie wird jetzt alle Anstrengung in dich einbringen, um dich davon zu überzeugen, das, was sie als Kind nicht bei ihren Eltern geschafft hat, was ja das perverse ist, denn die Eltern hatten die Verantwortung und nicht sie.

Du bist aber eine besondere Herausforderung, denn du bist nicht devot, sondern ebenfalls dominat, also ist es für sie um so interessanter, denn du bietest Widerstand und besonders unter diesem fühlt sie sich gut, denn kann sie aufreiben, anstrengen, denn nur unter Anstrengung und Reibung glaubt sie sich gut zu fühlen, aber es ist nicht gesund, nur muss sie dahinter kommen.

Letztendlich musst du immer wieder bei dir schauen, wozu du bereit bist. Ich kann dir nur empfehlen, bei dir zu bleiben, also seelisch, dann kann sie nicht kontrollieren, was sie kontrollieren möchte. Und entweder schaut sie bei sich oder sie wird irgendwann wieder Abstand nehmen, weil das Kontoll- und Rettungsbedürfnis nicht funktioniert und sie hat dann die Möglichkeit, selbst zu reflektieren und zu differenzieren oder eben nicht.

Also im Grunde verschaffen ihr Anstrengungen in Beziehungen und auf ihrer Arbeit genug Ablenkung und je anstrengender es ist, um so mehr kann sie sich daran reiben und Energie aufbringen, um ja zu beweisen, dass sie gut ist und wertvoll, denn ansonsten kann sie sich selbst nicht mehr wahrnehmen, obwohl sie dadurch viel mehr von sich selbst wegkommt. Sie kann nur druch ständige Kontrolle und auch, dass sie immer die Verantwortung übernehmen will, ihr Leben meistern, weil sie das ihr Leben lang schon so macht. Ein gesundes Verhalten und ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper und ihren Bedürfnissen wird sie nicht erfahren haben als Kind, denn ihre Eltern werden sich nicht dafür interessiert haben, sondern sie musste funktionieren, und das hat sie perfekt gekonnt, denn das macht sie auch heute noch. Aber heute wird es auf ihre Arbeit und den Erfolg und auf ihre Beziehungen übertragen. Und wie gesagt, je anstrengender sie wirken, desto aufregender ist es für sie.

Und ich gehe von aus, dass ihre schwachen Momente auch eher selten sind bzw, auch dann vermutlich genau überlegt und zwar so, dass sie nicht zu schwach und zu durchschaubar erscheint, denn sie weiß selbst noch nicht, wie sie aus diesem Kreislauf ihres Verhltens herauskommt, solange sie nicht selbst ihre Zusammenhänge erkennt und fühlen kann.

Gruß

Anna

James Hetfield

unregistriert

4

Montag, 4. Januar 2010, 22:11

Danke nochmal für Deine Antwort, Anna. Habe den Eingangseintrag gelöscht, da ich sicher gehen will, dass sie mich hier nicht identifiziert.

Ihre Eltern waren übrigens sehr wohl sehr liebend. Sie stammt aus bodenständigen Verhältnissen mit sehr starker Mutter und sehr schwachem Vater, was auch ein Grund für ihr Verhalten gegenüber Männern sein dürfte. Allerdings gab es ein traumatisches Erlebnis in der Kindheit. Dieses Erlebnis wird laut Therapieergebnis vor Jahren für ihre Zwänge verantwortlich gemacht.

Das ganze gestaltet sich weiterhin stressig. Ich habe mein Gegenfeuer jetzt komplett aus dem Krieg zwischen uns raus genommen. Ich hatte einfach keine Lust mehr und es bringt vor allen Dingen nichts. Sie kann keinen Millimeter auf einen anderen Menschen zugehen oder Kompromisse schliessen, jedenfalls in Beziehungen zu Männern; das weiss ich mittlerweile ganz sicher. Allerdings fühle ich mich so jetzt auch nicht besser. Sicher sind auch schöne, enspannte Momente zwischen uns; die machen aber höchstens 20 % unsere Zeit aus; der Rest besteht daraus, dass sie mir meine (vermeintlichen) Schwächen vorhält bzw. mir ihren Willen aufdrückt. Sie möchte mich von Grund auf ummodeln. Ich fühle mich nicht ansatzweise als Mann an der Seite einer Frau, sondern befinde mich gefühlsmässig in einer Lage als ungezogener Schüler, der von Frau Lehrerin seinen Einlauf kassiert.

Nochmal etwas zu den Zwängen: Ein Zwang besteht daraus, dass sie absolute Vollkrise kriegt, wenn sie etwas verliert und sei der Gegenstand für noch so wenig Geld leicht wieder zu beschaffen. Vor Jahren hat sie mal ihre Geldbörse verloren. Sie hat darauf monatelange Anzeigen in Zeitungen geschaltet, Aushänge an Laternenmasten gemacht, diverse Müllkippen angerufen, tausende Kilometer mit dem Auto gefahren. Nach nem halben Jahr hatte der Finder/Dieb dann wohl Mitleid und hat das Teil - ohne Geld, was aber völlig egal war - wieder geschickt.

Gerade rief sie wieder an und es gab nen Einlauf, weil ich (angeblich) ein Teil (will nicht genau schreiben, was es ist) im Wert von max. 5 Euro verloren gemacht hätte, als ich die letzten Tage bei ihr war. Sie war völlig fertig mit den Nerven deswegen und griff mich massiv an. Ich habe dann wie verrrückt in meinem Auto danach gesucht, obwohl ich wusste, dass es da nicht war. Dann rief ich später nochmal an, ob sie es gefunden hätte, was sie lapidar bejahte. Keine Entschuldigung, nichts. Das ist aber nur ein Beispiel. Solche Sachen passieren ca. 10 Mal pro Woche.

Für mich steht mittlerweile fest, dass ich das beenden will. Ich werde das in einem geeigeneten Moment machen. Was dann allerdings wird.......ich mag es mir kaum vorstellen, denn sie wird dann einen Megastress schieben, denn ich weiss, dass sie unheimlich an mir hängt und sich weit aus dem Fenster gelehnt hat, indem sie mich in ihre hohen beruflichen Kreise eingeführt hat, obwohl unsere Beziehung zu keinem Zeitpunkt langfristig gefestigt war. Der ausschlagebende Grund, warum sie Stress schieben wird, ist, weil ihr hier mein Wille aufgedrängt wird...der Wille, das alles zu beenden.

Ok, dann danke nochmal.

5

Dienstag, 5. Januar 2010, 10:05

Hallo auch noch einmal,

ja, es sind mit Sicherheit die Zusammenhänge zur Kindheit zu finden und es wurd ihr auch vorgelebt. Die starke Mutter, die vermutlich den Vater mitgezogen hat und wahrscheinlich auch "erziehen" und der schwache Vater, der vermutlich widerum auch aus einem "gestörten" Elternhaus kommt und vielleicht auch nicht wusste, was er will und auch Schwierigkeiten hat, etwas durchzusetzen, ohne reglementiert oder als unfähiges Wesen hingestellt zu werden. das ist natürlich ein völlig verschobenes Bild, was deine Freundin als "normal" vorgelebt bekommen hat und jemals es zu hinterfragen bzw. auch nur anders erlebt haben zu dürfen.

Letztendlich muss sie dahinter kommen, warum ihre Beziehungen so ablaufen, auch das endlose und zwanghafte Festhalten, ob nun an Objekten und Gegenständen oder an Männern. Wenn sich etwas löst oder sie verlässt, dann ist das wie ein innerer Todestoß, den sie nur dadurch aufzuheben glaubt, indem sie festhält und kontrolliert in alle Richtungen, denn Verlustschmerzen sind in ihrem Gefühlserleben zerstörend.

Und solange sie Männer findet, die sich dominieren lassen, klappt das auch, weil sie ihr Muster wiederholen kann und natürlich kennt sie ihre Wirkung als wiederum starke Frau auf Männer, die aber eben nichts mit der eigentlichen Stärke zu tun hat.

Wenn sie den Weg findet, herauszufinden, warum sie ihre Muster wiederholt, auch den Zusammenhang zu ihrer Kindheit und auch ihrem einschneidenen Erlebnis, kann sie vielleicht die Wirkung empfinden, die es auf ihr Leben hat und vor allem trauern, aber sie muss eben erst selbst spüren, dass sie etwas ändern muss, vor allem fühlen. Den Mut haben zu sich zu gehen und vor allem bei sich zu bleiben, dann können sich auch andere Verhaltensweisen lösen, eben auch das zwanghafte Festhalten und Sammeln, weil sie die Zusammenhänge fühlen kann und die Mechanismen erkennt, warum das Verhalten ihr "geholfen" hat zu überleben, aber sie auch gleichzeitig von ihren Gefühlen abschneidet und ablenkt.

Unabhängig davon musst du wie du schon festgestellt hast, bei dir bleiben, um auch selbst frei entscheiden zu können und dich auch somit gegen eine Bindung mit dieser Frau entscheiden, das ist wohl emotional auch gesünder für dich. Das du bei ihr ein Gefühlschaos anrichten wirst, wird sicher unangnehm, wenn du aber differenziert bist, weißt du, dass sie vermutlich immer so reagieren wird, wenn es um Verluste geht und die Frage ist, ob du das auch aushalten kannst, denn es ist eben ihre Verantwortung ihr Verhalten zu durchschauen und anzufangen, bei sich selbst zu schauen und zu ihre Muster zu fühlen.

Alles Gute für dich,

Anna

James Hetfield

unregistriert

6

Mittwoch, 6. Januar 2010, 16:49

Hi nochmal,

habe noch nicht Schluss gemacht, aber im Augenblick ist Funkstille zwischen uns. Sie lässt mich im Augenblick in Ruhe. Unglaublich. Das hat sie noch nie gemacht.

Im Prinzip weiss sie ihre Probleme sehr wohl. Trotzdem ändert sie ihr Verhalten nicht bzw. zeigt nicht mal die Bereitschaft dazu. Das ist ja das perfide, das einen so verzweifeln lässt. Sie ist wirklich superintelligent und - abgesehen von dem zwanghaften Verhalten - sehr lebenstüchtig und auch emotional intelligent. Ich habe wirklich eine Menge von ihr gelernt. Und da ist (obwohl im Augenblick von meiner Seite eher: war) diese enorme Anziehungskraft zwischen uns.

Wie schon geschrieben, das Therapie-"Ergebnis" damals war das traumatische Erlebnis in der Kindheit, das wohl wirklich sehr schlimm war und genau mit Verlassen werden / Verlust zu tun hat. Weiter erzählte sie mir, dass sie IMMER ihren Willen bekommen hat bei ihren Eltern bzw. diesen mit aller Macht durchgesetzt hat als Kind. Dieses Verhalten führt sie nun als Erwachsene fort, auf geradezu groteske Art und Weise. Ich könnte hier Beispiele nennen.....die würden mir hier kein Mensch glauben, vor allen Dingen nicht, dass ich sowas mitgemacht habe.

Ich habe noch nie so ein Ehepaar wie ihre Eltern gesehen; man muss den Vater nur anschauen (sofern man ihn überhaupt sieht/bemerkt) und weiss sofort, was Sache ist. Er ist extrem klein, geht gebückt, als ob der die gesamte Last der Welt auf seinen Schultern trägt und guckt verängstigt. Ich habe ihn gar nicht bemerkt am Anfang; ich habe noch nie einen Menschen gesehen, der so wenig Präsenz zeigt, wenn man sich mit ihm in einem Raum befindet. Ich habe noch kein Wort mit ihm gesprochen; nur die Mutter spricht. Meine Freundin ist sich dessen übrigens schon bewusst und kann dies auch benennen, wenn auch selten und ich merke, dass es ihr unangenehm ist. Und auch hier gilt: Sie zeigt keinerlei Anstalten, ihr extrem dominantes Verhalten ändern zu wollen. Statt dessen geht sie in den Gegenangriff über, der dann so aussieht, ständig die (vermeintlichen) Schwächen des Partners zu kritisieren, so als eine Art Gegenverteidigung, um von den eigenen abzulenken. Auch dies hat sie mir früher mal in einem schwachen Moment erzählt. Doch auch hier: Keinerlei Änderung bzw. Bereitschaft zur Änderung.

Naja, man wird sehen. Diese Frau ist mit Abstand die aussergewöhnlichste, die ich in meinem Leben kennen gelernt habe. Ich staune wirklich täglich. :))

7

Donnerstag, 7. Januar 2010, 10:16

Auch hallo abermals,

na ja, letztendlich wird es davon abhängen, inwieweit du bereit bist, diese Bindung zu tragen, was es dir wert ist, wie lange du sozusagen durch/aushalten kannst.

Ob sich etwas ändern wird, hängt eben im großen Maße auch von ihr ab, ansonsten solltest du bei dir (seelisch) bleiben, damit du dich nicht selbst aufgibst.

Vielleicht hilft ihr ja die "Pause" in eurer Beziehung, vielleicht auch nicht. Die Frage ist eben, ob und wie es danach weitergeht, ob sie da weiter ansetzt oder anfängt bei sich selbst zu schauen.

Intelligenz ist oft auch eine Art des Selbstschutzes, man muss nicht unbedingt fühlen, auch wenn sie mit Sicherheit stark empfindsam ist, nur hat sie die größte Empfindung, und zwar für sich selbst, am meisten verdrängt. Deswegen fällt es ihr auch schwer, wirklich freie Beziehungen zu anderen aufzuabuen, die nicht durch Kontrolle und Festhalten gekennzeichnet sind.

Sie ist es gewohnt, sich zu verhalten, wie sie sich schon als Kind verhalten, wie du ja auch festgestellt hast und sie letztendlich zugibt, aber nichts ändern kann, weil sie letztendlich auch nicht weiß, wie es sich anfühlt, sich anders zu verhalten. Und das kann sie eben nur, wenn sie sich und ihrer Kindheit stellt, vor allem mit allen Gefühlen stellt.

War sie eigentlich selbst schon mal in therapeutischer Begleitung und gibt sie irgendwie zu erkennen, dass ihr eigener Zustand selbst unangenehm erscheint, denn letztendlich läuft es nämlich nicht so, wie sie es gerne hätte, und deswegen strengt sie sich so immens auch an, denn ihre Konsequenz ist, je mehr sie festhalten kann, um nicht zu verlieren, um so besser hat sie die Kontrolle, um eben nichts zu verlieren. Das sie sich selbst dabei verliert bzw. eigentlich von sich selbst am meisten entfernt ist, ist ihr vielleicht nicht wirklich bewusst. Das Erleben der Ohnmachtgefühle in der Kindheit mit all der Wut über das Verlassenwordensein und auch das Trauern darüber sind immens wichtig, um heutige Verhaltensweise zu durchschauen. Das Loslassen auch von heutigen Verhaltensweisen, eben auch den Zwängen, kann sich somit auflösen, denn sie kann fühlen, dass es damals überlebenswichtig war, ihr noch heute so erscheint, aber sie heute nicht mehr das kleine Kind ist, das aushalten muss, sondern sie hat die Wahl. Sie darf heute wütend sein, ausdrücken, was sie verletzt werden, ohne Angst haben zu müssen, dass sie wieder vielleicht etwas verlieren könnte, aber der Weg dorthin geht nur über das Fühlen und sich selbst wahrnehmen.

Na ja, letztendlich, ob ich das nun an dich schreibe oder nicht, muss sie den Weg gehen, dann ist sie auch wirklich soweit, ihr handeln zu hinterfragen und auch die Konsequenzen zu fühlen, denn sie kann die Gefühle dorthin zurückgeben, wo sie produziert wurden bzw. sie wüsste dann heutzutage, warum sie so fühlt und kann mögliche Auslöser besser einordnen, ohne in alte Verhaltensmuster zu verfallen.

Du musst für dich deine Entscheidung treffen und wie du dich entscheidest, ob du bei ihr bleibst oder nicht, beides hat mit dir zu tun und beides hat somit seine Berechtigung, denn du machst letztendlich auch nichts umsonst, es hat immer eine Grundlage.

Gruß

Anna

James Hetfield

unregistriert

8

Donnerstag, 7. Januar 2010, 11:33

Ja, sie war sowohl stationär 12 Wochen in Therapie (vor ca. 4 Jahren....) und auch ambulant danach. Vor der stationären Therapie muss es wohl total ausgeartet sein. Da ist sie laut ihren eigenen Erzählungen dauernd nachts rum gefahren und hat Mülltonnen nach Restmüll durchsucht und das Zeug Containerwaise nach Hause gebracht. Ihr damaliger Freund, viele Jahre jünger als sie und ein Ja-Sager, der ALLES für sie gemacht hat, hat sie dann auch noch immer rumkutschiert. Wenn man bedenkt, was für eine Karriere diese Frau unter der massiven Behinderung von solchen Zwangshandlungen hingelegt hat, weiß man, was für eine enorme Selbstdisziplin sie hat. Ja, sie hat letztendlich die Selbsterkenntnis, was ihr Verhalten auch mir gegenüber angeht. Alles, was ich hier über sie erzählt habe, hat sie ein oder zwei Mal erzählt in schwachen Momenten. Auch das mit dem Vater ist ihr bewusst. Allerdings geht die Bereitschaft, das ändern zu wollen gegen null. Auch ist es ihr unangenehm, darüber zu sprechen. Mir hätten schon ein paar Entschuldigungen nach Situationen/Streits gereicht oder einfach nur der Wille zur Änderung. Ist aber alles nicht vorgekommen/vorhanden. Stattdessen hat sie den Spieß umgedreht und mich täglich wegen meiner vermeintlichen Schwächen angegriffen und wollte mich zu ihrem Sklaven erziehen. Auch dieses ständige Zursprachebringen der Schwächen des Partners ist ihr wohl bewusst und war sogar häufig Thema in ihren Therapiegesprächen.

Ich habe übrigens gestern Schluss gemacht. Ich hatte ihr ja früher schon eine "Auszeit" angeboten bzw. ihr eindeutigst mitgeteilt, dass ich diese brauche; allerdings hat sie mir diese nicht gewährt, nicht mal einen Tag, so krank sich das jetzt anhören mag. Im Gegenteil, zu dieser Zeit klammerte sie noch mehr als sonst schon. Der Grund ist natürlich eindeutig: Sie hatte Angst, dass diese Auszeit die Einleitung zum Schluss ist. Heute hole ich noch ein paar Sachen von ihr ab. Das war es dann. Bisher ist sie erstaunlich distanziert, um nicht zu sagen eiskalt. Natürlich bin ich an allem Schuld; sie hat komplett alles richtig gemacht.
Ich für meinen Teil werde diese Frau ein für alle mal aus meinem Leben schaffen, und keinen Kontakt mehr zu ihr haben. Ihre ganzen Exfreunde der letzten 4 Jahre (5!) haben alle noch Kontakt zu ihr. Sie kommen mir vor wie eine Sammlung, genau wie ihre übrigen „Freunde“ (für mich allerhöchstens Bekannte) , ein schier unübersichtlicher Haufen von ca. 100 Menschen, die sie verzweifelt zwischen Arbeits- und Beziehungsstress parallel zu bedienen versucht, was darin ausartet, dass sie nicht vor 1 Uhr ins Bett kommt und um 6 Uhr aufsteht. Sie hat mir mehrmals erzählt, dass sie unbedingt, wenn denn doch Schluss sein sollte zwischen uns irgendwann, auf jeden Fall noch mit mir „befreundet“ bleiben will. Ich bin allerdings genau das Gegenteil von dem „Freundebleiben“-Typ. Schluss heißt Schluss; so ist das bei mir. Sie hält mich deswegen für „total gestört“, was mich natürlich nicht mehr juckt. Allerdings weiß ich nicht, wie das nun ablaufen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie das einfach so verkraften kann, dass ich von einen Tag auf den anderen aus ihrem Leben verschwinde. Mir ist das aber mittlerweile komplett egal. Ich fühle mich im Augenblick super, wie befreit von einer Riesenlast.

Anna, noch mal was anderes: Was machst Du denn hier im Forum? (Musst Du nicht erzählen, wenn du nicht magst…….)

Grüsse,

ein Metallica-Fan :P

9

Donnerstag, 7. Januar 2010, 19:10

Hallo Metallica-Fan,

nun, dann hast du deine Entscheidung getroffen und solange du sie als richtig empfindest, weil du dich eben nicht für eine "unausgeglichene" Beziehung aus deiner Sicht entscheidest, kannst auch du seelisch bei dir sein, auch das ist wichtig für dich.

Aus ihrer Sicht muss sie dich natürlich "verteufeln" weil sie die Gefühle wiederum des Verlassenswerden sonst nicht aushalten kann und sie kann es auch nicht aushalten, Verantwortung dafür zu übernehmen, also projeziert sie die Verantwortung für das Ende, das du ja eingeleitet hast, auf dich, um nicht schuld sein zu müssen. Sie wird es verdrängen, sie kann nicht anders, auch wenn es ihr intellektuell bewusst ist.

Ihre Selbstdisziplin und auch ihre Energie, die sie in alles und jeden reinsteckt, der verbessert werden muss, der nur durch sie scheinbar erst wertvoll ist, ist keineswegs wirklich produktiv bzw. gesund, aber nur diese hält sie widerum aufrecht, aber es liegt eben letztendlich an ihr, ihre Intelligenz zu nutzen, denn das Wissen hat sie über ihre Kindheit, nun auch anzufangen, warum sie sich so verhält, warum sie ihre Intelligenz nutzt, um zu wirken, um eben Anerkennung und Aufmerksamkeit zu bekommen, all das, was sie als Kind nicht bekommen hat, sondern eben nur, wenn sie stark und war und gehandelt hat, sich durchgesetzt hat auf ihre Weise. Stehenzubleiben und durchzuatmen hat sie nie gedürft und auch jetzt kann sie es nicht. In dem Moment, in dem sie das tun würde, würden wahrscheinlich Lawinen von Gefühle auf sie einstürzen, die viel bedrohlicher erscheinen, die eben nicht mit Intelligenz zu bekämpfen sind, aber eben durch diese abgewendet werden können, die beste Abwehrmöglichkeiten sind Kontrolle und Sammeln und sie wird viele Mechanismen kennen, um Gefühle abzuwehren und zu funktionieren.

Sie ist es ihr Leben lang gewohnt, so zu funktionieren wie sie es bisher tut, eine gesunde Kindheit hatte sie nicht. Ihre Intelligenz hat ihr viel mehr geholfen, nicht unterzugehen, aber trotzdem ist es unabhängig von der Intelligenz, ob man sich selbst stellen möchte oder nicht. Aufgrund ihrer Selbstdisziplin und Intelligenz bekommt sie Anerkennung, Achtung und Aufmerksamkeit. Sie hat nie erfahren dürfen, wie es sich anfühlt, ohne all diese Anstrengungen geliebt zu werden, nun um ihrer selbst willen. Aber es wird auch niemand anderes schaffen, denn das würde sie nicht erkennen, auch wird sie wirkliche, ehrliche Nähe nicht aushalten können bzw. sie wird alles und jeden "verbessern" wollen. Nähe, die nur mit ihrer Person zu tun hat, nicht mit dem, was sie alles leisten kann und worin sie so viel Energie steckt. Solange sie nicht selbst empfindsam und aufmerksam mit sich selbst umgehen kann. Das ist eben sehr schwierig.

Klar will sie den Kontakt halten, denn Verluste kann sie nicht ertragen und so hat sie immer etwas zu tun, ist abgelenkt, in dem sie so "viele" "Freunde" hat. Sie wird somit auch nie in die Lage kommen, sich mit sich selbst zu beschäftigen, weil sie das ja sehr gut abwehrt, durch ihre Triebsamkeit.

Auch jetzt kannst du nur bei dir schauen, wie es sich für dich anfühlt, ob es eben entgültig ist und du die Verantwortung für ihr mögliches Wutempfinden über das Ende und ihre Projektion über die Schuld auf dich bei ihr lassen kannst.

Du musst genauso auf dich achten, und das kannst du auch nur, wenn du in dich schaust und differenzieren kannst, was gesund für dich ist und du trotzdem ihre Faszination auf dich einordnen kannst, denn auch du hast ja durch diese Bindung etwas über dich erfahren.

Tja, zu deiner Frage..... was ich hier mache.

In diesem Forum schreibe ich immer wieder sporadisch. Wenn, dann sind es Beiträge, zu denen ich ein Gefühl habe.

Gruß

Anna

James Hetfield

unregistriert

10

Donnerstag, 14. Januar 2010, 02:15

Hi Anna,

ich lese Deine Antworten immer mit sehr viel Interesse. Das hört sich alles sehr schlüssig und bemerkenswert an, wenn gleich ich mir nicht ganz sicher bin, wie liebevoll/lose ihre Kindheit verlief. Sie stammt aus sehr bodenständigen Verhältnissen; ihre Mutter machte allerdings einen eher kalten Eindruck auf mich, was aber täuschen mag. Aus ihren Erzählungen weiß ich, dass der ihr Bruder wohl etwas bevorzugt wurde und sie immer ihren Willen bekommen hat, wie auch immer das zusammen passt. Weiter weiß ich auch sicher, dass ihre Eltern sie keineswegs unter Druck gesetzt haben, was Leistung in der Schule oder Beruf angeht. Das ist alles aus ihrem eigenen Antrieb geschehen. Es war ganz sicher nicht nach dem Motto „Wenn Du nichts leistest, lieben wir Dich nicht.“ Und dann war ja noch das traumatische Erlebnis in der Kindheit, das mit Verlassen werden zu tun hat. Ob das nun auch in der Verantwortung der Eltern liegt, kann ich nicht genau sagen, obwohl ich schon denke, dass die eine Teilschuld tragen. Auch andere Dinge hören sich für mich merkwürdig an. Sie lassen eventuell darauf schließen, dass die Mutter mitnichten so liebevoll und fürsorglich war, wie sie immer erzählt. Der Vater war ja eh praktisch nicht existent. Meine (Ex-)-Freundin hat ein hohes politisch-verwaltungstechnisches Amt inne, das sich sicher erledigt hätte, wenn sie als diejenige, über die ich hier schreibe, identifiziert würde. Selbst, nachdem jetzt Schluss ist und sie mir im Prinzip jetzt egal ist, möchte ich vorsichtig sein und erzähle deshalb nicht in jedem kleinen Detail.

Ich hatte ja Schluss gemacht letzte Woche……so dachte ich jedenfalls. Ich wollte eigentlich die Sachen bei ihr abholen nach der Arbeit…..wollte. Ich war mir ja ziemlich sicher, dass alles reibungslos über die Bühne gehen würde, denn sie hatte ja schon mitgeteilt, dass ich die Sachen holen könne und dann wäre das Thema durch. Auf einmal steht sie dann bei mir auf der Arbeit vor der Tür, natürlich ohne meine Sachen und mit der Bitte, das alles noch mal zu überdenken. Nein, keine Reue oder Entschuldigungen, aber auf einmal wieder weich und versöhnlich…..und ich habe mich natürlich wieder breit schlagen lassen. Es folgte ein schönes, stressfreies gemeinsames Wochenende. Allerdings war klar, dass man die Uhr nach der nächsten Auseinandersetzung stellen konnte, die dann auch diese Woche folgte. Seit vorgestern ist wieder Schluss und ich fühle mich wieder wie von einer Riesenlast befreit. Vielleicht hat Gott mir diese Frau geschickt, damit ich endlich mal lerne, etwas zu beenden, das mir nicht gut tut und vor allen Dingen „bei mir zu bleiben“, wie Du so schön geschrieben hast. Diese Frau strahlt – abgesehen von ein paar schwachen Momenten, wo sie über ihre Krankheit spricht - eine absolute Autorität und Selbstsicherheit aus, so, dass man ihr ihre abstrus-kranken Theorien über das Leben und Beziehungen zeitweise tatsächlich abnimmt. Sie besitzt unglaublich manipulative Fähigkeiten, so, dass man am Ende Dinge tut bzw. denkt, die man noch vor Wochen für vollkommen krank und gestört gehalten hat. Ich für meinen Teil hatte mir ja eingebildet, so selbstsicher und unabhängig zu sein; anscheinend bin ich das Gegenteil, denn sonst hätte ich mir so etwas nicht ein halbes Jahr gegeben.

Es ist jetzt Schluss und ich habe seit vorgestern nichts mehr von ihr gehört. Ich habe ihr das in einer ziemlich krassen Sprache klar gemacht und sie ist jetzt auch wohl beleidigt bzw. denkt sich vielleicht, dass ich es nicht mehr wert bin. Allerdings traue ich dem Frieden noch nicht so ganz, denn die letzten Tage hat sie wieder volles Programm mit Arbeit, Freundinnen, Bekannten, usw. von morgens 6 bis abends um 24 Uhr; da ist sie natürlich abgelenkt. Interessant fand ich, was Du über ihre Selbstdisziplin und ihre Umtriebigkeit geschrieben hast, denn genau so nehme ich das auch war. Was diese Frau leistet ist ein Wahnwitz; ich würde sowas nicht 4 Wochen durchhalten; und sie hat dabei noch die Behinderung durch ihre Zwangshandlungen, die ja auch einen gewissen Zeit- und Energieteil abverlangen. Unglaublich ist das. Ich habe mit ihr auch schon darüber gesprochen und sie meint allen Ernst, sie würde immer noch nicht genug schaffen und das läge halt an ihr. Sie hat auch schon Management-Coachings diesbezüglich besucht, in denen man ihr angeblich beibringt, noch mehr zu schaffen. Ein absoluter Wahnsinn ist das, aber sie meint das alles ernst.
Ich meld mich wieder, wenn es endgültig ausgestanden ist.

11

Donnerstag, 14. Januar 2010, 10:51

Hallo Metallica-Fan,

Es muss auch nicht unbedingt ein offensichtlicher Druck vorgelegen haben. Entscheidend ist, was deine Ex-Freundin als Kind wahrgenommen hat und eine Drucksituation hat mit Sicherheit vorgelegen, vor allem durch das Nichtverhalten ihrer Eltern, weil sie eben gar nicht wahrgenommen haben, was in ihrer Tochter vorgegangen ist. Drucksituationen können Kinder nur schwer auf gesunde Weise kompensieren, wenn sie nicht vorglebt bekommen, wie man damit umgehen kann, vor allem zu spüren, dass sie nicht für eine Druckentlastung verantwortlich sind und erst recht nicht für die Druckentstehung, sondern einzig und allein die Eltern, nur sind diese darauf nicht eingegangen. Nur werden kinder oft dafür vernatwortlich gemacht und fühlen sich auch selbst recht schnell dafür verantwortlich bzw. schuldig, wenn es den Eltern bzw. Bezugspersonen nicht gut geht. Nur kann ein Kind das niemals schaffen, die Bedürfnisse seiner Eltern zu befriedigen, wenn diese es nicht einmal selbst können, ohne das dabei ihre Seele Folgen davon trägt, die sich oft, weil eben viele Abwehrmechanismen als Kind zum seelischen Überleben entwickelt werden, erst im Erwachsenenalter bzw. Teenageralter zeigen, jedenfalls bewusster und vor allem verstärkt, weil der Körper und die Seele einfach nicht solange aushalten können, was als Kind zum Überleben geholfen hat. Es ist dann entscheidend, ob man bereit ist, hinzuschauen oder eben das weiterzuleben, was man gut kennt und gewohnt ist, auch wenn es nicht gesund bzw. postiv ist. Ganz entscheidend ist, dass ich als Erwachsene die Wahl haben, hinschauen zu dürfen, ich muss nicht mehr aushalten, ich darf aussprechen, was mir widerfahren ist, ich darf das verurteilen, wütend sein. Ich darf darüber trauern, und ich darf die Verantwortung zurückgeben, denn ein Kind ist niemals Schuld daran, wenn die Eltern es nicht geschafft haben, ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen zu können, geschweige die ihrer Kinder. Man darf die Verantwortung zurückgeben über die Schuldgefühle, die einem als Kind übertragen wurde, wenn man unglücklich darüber war, das man nicht geliebt und geachtet wurde. Man ist nicht schulkd daran, wenn einen die Eltern nicht geliebt und geachtet haben, man ist nicht schuld an der Unfähigkeit der Eltern selbst für ihren seelischen Wohlgefühl zu sorgen, aber als Kind hat man das immer so empfunden, weil das auch oft so durch die Eltern vermittelt wurde. Und darum fühlen sich so viele heutige Erwachsene endlos verantwortlich und damit schuldig, weil dieses extreme Verantwortungsgefühl (und auch das Gefühl, dass nur sie auch das retten können, was selten existierte, aber das Gefühl, wengistens sich bis ins letzte Detail bemüht zu haben, stärker ist) sie als Kinder überfordert hat und sie nicht erlebten, wann auch die Eltern damit aufhören, denn die Grenzen und die Belastbarkeit der Kinder wurden über alle Maßen überstrapaziert und in ständiger Form überschritten. Deine Ex-Freundin kennt somit auch heute keine Grenzen ihrer Seele, sie überfordert diese auch noch heute, sie ist es gewohnt, so wurde mit ihr schon umgegangen und nur so hatte sie das gefühle, jemand zu sein, die unendlich belastbare Frau, die alles kann und noch viel mehr aushalten kann.

Wenn deine Ex-Freundin gespürt hat, dass ihr Bruder bevorzugt wurde, hatte sie als Kind wenig Chancen gesehen zu werden, wenn sie sich nicht ins Zeug legt. Unbewusst wird sie alles getan haben, um auch selbst ein wenig Aufmerksamkeit zu erhalten, ob das nun dadurch war, dass sie ihren Willen durchgesetzt hat und die Eltern mit Sicherheit nicht reflektiert haben, warum sie das macht. Und weil es vermutlich auch viel zu anstrengend für ihre Eltern war, hat man sie gewähren lassen, damit sozusagen "Ruhe" herrscht und andererseits wird deine Ex selbst gespürt haben, wenn sie sich ins Zeug legt, egal ob in der Schule oder bei anderen Pflichten, dann bestand bei ihr als kleines Mädchen die leise Chance auch in gewisser Weise Aufmerksamkeit zu bekommen. Nur auf diese Weise dachte sie überhaupt gesehen zu werden, nur durchlebt bzw. folgt sie diesem Muster weiter, weil sie das "gewohnt" ist, weil sie sonst die Wahrheit als kleines Mädchen nicht hätte aushalten können und auch keinen hatte, der sie in ihrer Wahrnehmung gesehen hätte und gestützt hätte. Es ist ihre Art zu überleben, nicht stillzustehen. Das, was sie damals sozusagen "beschützt" hat, nämlich um Anerkennung und Aufmerksamkeit zu ringen, die sie aber letztendlich nicht bekommen hat, nur hat sie aber daran geglaubt und konnte sich so etwas besser fühlen, weil sie selbst dadurch das Gefühl hatte jemand zu sein, ist für sie heute genauso existent, obgleich sich die Personen und die Situationen geändert haben.

Sie selber kann sich nur spüren, wenn sie aktiv ist, aber nicht im positiven Sinn, und sie kennt keine Grenzen, weil sie nie erleben durfte, dass ihre Triebsamkeit eine postive Folge hat, nämlich gesehen zu werden, geliebt zu werden. Sie wiederholt immer und immer das, was sie als Kind sich angeeignet hat. Sie hat nicht nie die Möglichkeit gehabt, eine gesunde Beziehung und gesunden Umgang zu erfahren, und ihre Eltern haben ihren Wunsch nach Anerkennung und den Drang um ihre Zuwendung nicht befriedigen können, somit konnte sie nie erleben, dass ihre Anstrengung endlich Früchte trägt, darum spürt sie auch keine inneren Grenzen ihrer Triebsamkeit, eher das Gegenteil ist der Fall. Ihr innerer Drang verlangt nach noch mehr Triebsamkeit, und darunter leidet ihre Seele und ihr Körper. Aber das wird sie verdrängen, das kann sie nicht aushalten.

Wie ich schon sagte, in dem Moment, wo sie stehen bleiben würde, um zu atmen, um sich selbst zu hören, würden Lawinen von Gefühle auf sie einstürzen, und zum einen, kann sie nicht einschätzen, ob sie das aushalten kann und zum anderen weiß sie nicht, was dann mit ihr passieren würde. Diese ganze Wahrheit wahrzunehmen, vor allem zu fühlen, ist immens und verlangt viel Mut und es verlangt oft jemanden, der sie begleiten würde in ihrer Wahrnehmung und im Erleben dieser Gefühle und sie braucht vor allem Zeit, um alles, was sie tut, warum sie etwas macht, für sich zu verstehen, zu fühlen, den Zusammenhang zu fühlen.

"Sie lassen eventuell darauf schließen, dass die Mutter mitnichten so liebevoll und fürsorglich war, wie sie immer erzählt."

Die einzige Möglichkeit, um sich selbst mit der Wahrheit zu verschonen, ist häufig sich die Kindheit schön zu reden, bzw. den Eltern zu vergeben. In dem Moment, wo man das macht, muss man sich damit nicht auseinandersetzen, man glaubt, dass es auch funktioniert, aber der Körper und die Seele sprechen eine andere Sprache. Man kann sich selbst nicht belügen, das geht immer auf Kosten der Seele. Das, was man erlebt hat, speichert der Körper, auch wenn Kinder und auch Erwachsene Mechanismen entwickeln, um das auszuhalten, um überleben zu können, aber wenn ich als Erwachsene die Zeichen des Körpers abermals relativiere, nicht beachte, (denn als Kind hat diese Form - das Verdrängen der natürlichsten Bedürfnisse über Ungerechtigkeiten, keine Fürsorge, Missachtung, keine Wärme erhalten zu haben - geholfen, die Kindheit zu durchstehen, nur so hatte man das Gefühl, wenn man aufhört Bedürfnisse an die Eltern zu stellen, die damit oft überfordert sind, dann scheinen sie ruhiger oder zufriedener, man ist zwar anwesend als Kind, aber die Seele, das eigene Individuum darf sich nicht entfalten, darf nicht wachsen, weil es keine Beachtung findet, keinen Platz, an dem es auch die nötige Bestätigung für sein Dasein findet, keine Möglichkeit, in den Arm genommen zu werden, Liebe zu bekommen, ohne vorher erst die Bedürfnisse der Eltern befriedigen zu müssen, damit sie das Dasein des Kindes übergaupt aushalten können), denn jetzt habe ich die Wahl hinschauen zu dürfen, um zu fühlen, warum man selbst so ist, warum man diese und diese Symptome oder Verhaltensweisen hat, dann wird immer das fortgelebt, was man als Kind schon erleben musste.

Die Abhängigkeit der Eltern von Kindern besteht oft bis zum Tod der Eltern, denn viele Kinder existieren nur, um die Bedürfnisse ihrer Eltern/Bezugspersonen erfüllen zu müssen, damit diese sich besser fühlen. Stellt aber ein Kind seine ureigensten Bedürfnisse nach Liebe, nach Zuwendung, nach Spiegelung an die Eltern, fühlen sich sehr, sehr viele Eltern überfordert. Sie können mit diesen Bedrüfnissen nichts anfangen und darum werden Regeln und Erziehungsmassnahmen absurdester Art eingeführt, damit die Kinder funktionalisiert werden, im Glauben, dass man das nur zu ihrem Besten macht.

Wie soll nun ein Kind sich wehren, welche Chance hat es? Also enwickeln viele Kinder unbwusst Möglichkeiten, um doch irgendwie ein Ahnung, einen Hauch von Aufmerksamkeit zu bekommen. Sie passen sich an, funktionieren, strengen sich enorm in allem an, denn dann sind die Eltern stolz, versuchen bloß nicht irgendein ein Anspruch an ihre Eltern zu stellen, denn Kinder merken das, wenn Eltern überfordert sind. Die Sache ist, es wird nichts geben, was sie auch tun, dass ihre Eltern anfangen, ihre Kinder zu sehen. Aber die Kinder spüren, auch eben deine Ex, dass wenigstens so scheinbar etwas da ist, aber es ist nicht wirklich existent, denn ihr natürlichsten Bedürfnis nach Zuwendung und Liebe wird trotzdem nicht gestillt.

Als Erwachsene wird aber dieses Muster fortgeführt, wiederholt, wiederholt.

Viele Kinde haben zwar Eltern, aber im Grunde nie habt, aber die Angst vor dem Verlust an möglicher Aufmerksamkeit, ein Schimmer von Hoffnung ist seelisch tödlich für ein kleines Kind, auch der wirkliche Verlust, wenn der als Kind nicht begleitet wurde, wenn der Verlust nicht erlebt werden durfte. Die Gefühle wie Wut über den Verlust und auch die Trauer darüber nicht erlebt und gelebt werden durfte, wenn man als Kind all das verdrängen musste.

Deine Ex konnte nur durch die Kontrolle und dem Festhalten an Situationen und Menschen eine Existenz sichern, um diese Ohnmachtsgefühle, die ihr als Kind den Atem abgeschnürt hätten, logischerweise, nicht erleben zu müssen, weil sie eben nie eine Begleitung in ihrem Leben hatte, denn ihre Eltern haben das Gefühlsleben ihrer Tochter nicht wahrgenommen.

Ich kann mir gut vorstellen, dass es immer wieder dazu kommen könnte, dass sie vor deiner Tür steht und natürlich kennt sie manipulative Mechanismen, denn nur so kann sie kontrollieren, jedenfalls in ihrer Gedankenwelt und sie weiß auch, wie sie sich ins rechte Licht setzen muss, um Anerkennung zu bekommen, die sie aber letztendlich nicht befriedigt, weil sie gesunde Beziehungen nicht erleben kann, weil sie das ja bereits durch ihr Elternhaus nicht erlebt hat. Aber sie hat gemerkt, dass sie trotzdem, für das, was sie macht, Anerkennung bekommt und vor allem, für ihre endlose Energie, aber sie wird trotzdem einen starke innere Leere verspüren, der sie nur durch noch mehr Triebsamkeit entgegenkommen kann.

Deine Ex wird entweder irgendwann stehen bleiben, weil ihr Körper dem ein Ende setzt und sie dann die Wahl in betracht zieht, doch genauer hinzusehen oder sie wird dann wieder daran ansetzen und Mechanismen anwenden, um all ihre Symptome weiter zu verschleiern und zu verdrängen und sich auf extreme Weise von sich selsbt abzulenken.

Ich denke, du wirst für dich genauso deine Entscheidungen treffen, aber auch dir wird diese Beziehung viel über dich sagen, wie ich schon mal schrieb, und du wirst auch dir die Zeit geben, zu spüren, warum du diese Beziehung eingegangen bist, was mit dir passiert ist, auch deine Zusammenhänge zu erkennen und zu fühlen. Für dich wird es angenehm sein, wenn du in dem Moment, in dem du Entscheidungen triffst, bei dir sein kannst, denn kannst du diese Entschdeidungen fühlen und triffst sie nicht aus einer Abhängigkeit heraus. Egal, wie nun der Kontakt zu dieser Frau weitergeht, für dich immer wieder zu differenzieren, warum du ihn weiterführst, und wichtig zu fühlen, was auch gesund für dich ist. Und letztendlich auch zu wissen, dass auch du nicht für ihr Wohlergehen verantwortlich bist, ob sie sich gut fühlt oder, ob sie sich sich selbst stellen will oder nicht. Ihre Benutzung und Kontrolle und Verbesserung deiner Person zu erkennen, der du dich nicht ergeben musst. Das Ehrlichste, was du ihr bieten kannst, ist wenn du bei dir seelisch bleibst, und auch dich nicht ihren Verbesserungsmassnahmen untergibst, die ihr das Gefühl von Kontrolle und Sicherheit vermitteln. In dem Moment hat sie keine Möglichkeit, Einfluss auf dich zu nehmen und sie kann selbst wählen, ob sie weiterhin versucht, dich zu beeinflussen, womit sie natürlich nicht das errreicht, was sie sich eigentlich wünscht bzw. die Verantwortung und auch Schuld für das Ende auf dich zu projezieren oder sie anfängt, weil es eine ganz andere Ebene hätte, als die sie bisher erlebt hat, wirklich hinzusehen und vor allem zu fühlen.

Seelisch bei sich zu sein, heißt eben nicht zu verlieren, sondern viel mehr, dass Entscheidungen, die man trifft, nicht als Opfer und Aufgabe empfunden werden und man auch gerne die Verantwortung dafür trägt, und es heißt eben Loslassen, aber nicht nicht von sich selbst, sondern von Situationen und Menschen, die man auch in diesem Moment so akzeptieren kann wie sie sind, ohne sie auch beinflussen zu wollen.


Gruß

Anna