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Zuckerhaus

unregistriert

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Mittwoch, 3. Februar 2010, 17:16

Kaufzwang - wie richtig erkennen und verhinden?

Hallo ihr alle,

ich bin neu hier und konnte leider kein gleiches Thema finden , weshalb ich beschlossen habe meine eigene Geschichte zu erzählen.
Ich vermute seit längerem dass meine Muter (55 Jahre) unter einem zunehmenden Kaufzwang leidet..
Ich hatte dieses Problem immer wieder - wenn ich mich so an meine Kindheit erinnere und feststelle, dass wir alle doch in recht ärmlichen und gewalttätigen Verhältnissen aufgewachsen sind, hat meine Mutter immer Geld gefunden um sich Kleider zu kaufen. Wenn nichts fürs Essen übrig blieb, dann zahle sie Jacken, Pullover und sonstigen Kram in Raten ab.. Versandhauskataloge waren ihr Leben..
Nach 25 Jahren Ehe liess sie sich endlich von ihrem Mann - meinem Vater scheiden und man meinte sie sollte sich auf ihr neues Leben konzentrieren und ihre neue finanzielle Lage neu ordnen..

Sie lebt nun seit ca 11 Jahren alleine, hat eine Vollzetstelle all die Jahre und ein dickes Minus auf dem Girokonto und Kreditkarte.
Ihre 3Zi Wohnung ist vollgestopfr mit Kleidern und Schuhen die sie teilweise nie anhatte. Im Keller liegen Mäntel und Stiefel...
Nun kam der Hammer - im Sommer 2009 wurde sie auf Kurzarbeitsstufe zurückgestellt ihre finanzielle Lage wurde dadurch gespannter .. Und trotzdem kaufte sie weiter Kleider und sonstigen Mist..

Ich muss dazu sagen , dass sie mich von Kindheitsbeinen immer als Konkurentin sah. Ich habe einfach einen anderen Charakter, Durchsetzungsvermögen und bin selbstbewusst. Sie hat kaum welches , was sie durch die vielen Kleider auszugleichen versucht.. Es wird für sie immer schlimmer, seitdem ich geheiratet habe und in relativ sicherern Verhältnissen lebe.. Ich und mein Mann haben uns ein Haus gekauft und richten es uns ein..
Jedesmal wenn bei uns was neues gib möchte sie das gleiche in der gleichen Farbe.. der Hammer war letztens: sie möchte ihr Wohnzimmer ( letzte Erneuerung war von 2-3 Jahren) neu einrichten mit Schränken, Teppich und Sofa.. Geschätzte Summe ca 10 000 euro.. Ich habe versucht sie zu überzeugen dass sie das nicht braucht, aber sie hört nicht und meint, dass ich überheblich bin..

Vielleicht bin ich das aber irgendwie mache ich mir Sorgen.. Ja wir haben ein gespanntes Verhältnis, aber bei mir dreht sich alles wenn meine Tochter von ihr immer mit 20 unnötig dummen Geschenken zurückkommt und meine Mutter mir danach erzählt, dass sie Blutspenden geht um die Monatsmiete zu bezahlen.

Vielleicht könn ihr mir helfen- sehe ich alles schwarz oder nicht? Wenn bei ihr ein tatsächlicher Kaufzwang vorliegt wie bringe ich es ihr bei und wie bitte ich ihr eine Therapie o.ä. an?

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Dienstag, 9. Februar 2010, 18:54

RE: Kaufzwang - wie richtig erkennen und verhinden?

Hallo Zuckerhaus,

letztendlich wird es so sein, dass du nichts machen kannst. Nachdem, was du beschreibst, ist es eine Mischung aus Sammel/Kaufzwang mit dem sie ihre Gefühle verdrängt. Und sie weiß natürlich auch, dass sie Mitleid erregt, wenn sie erzählt, dass sie Blutspenden geht, um ihre Miete zu bezahlen, aber andererseits Geld für Geschenke ausgibt, die nicht nötig sind oder Sachen einkauft, die sie nicht braucht.

Das einzige, was du ihr ihr vorleben oder bieten kannst, ist genau dein eigenes Leben zu leben und zu differenzieren, dass es nicht dein Problem ist, wenn sie durch dein Leben, dein Selbstbewusstsein beeindruckt ist und mithalten möchte. Und dich zur Konkurentin zu machen, ist genauso eine hohe Belastung für dich, denn sie begreift/fühlt nicht, dass sie dich als ihr Kind nicht wahrgenommen hat/nicht wahrnimmt und sie sieht in dir eher eine Bedrohung, die man entweder unterdrückt oder versucht, sie zu überbieten.

Und letztendlich spricht deine Kindheit auch Bände und wichtig ist viel mehr, nicht darauf zu achten, was sie macht oder wie du sie zu einer "Krankheits"einsicht bewegen kannst, sondern viel mehr deinem Gefühl zu folgen, deinen Bedürfnissen. Sie hat die Wahl, sie kann hinschauen und sehen, wie man leben kann oder sie wird weiterhin versuchen, dich zu überbieten oder eben zu kompensieren. Die Verantwortung musst du für ihr Gefühlsleben- und Handlungsentscheidungen nicht übernehmen, das hat sie auch nicht bei euch getan. Der Unterschied ist aber, dass du ein Kind warst und nicht jetzt und auch damals nicht für ihr Wohlbefinden verantwortlich bist.

Du darfst für dich selbst vernantwortlich sein. Die beste Art, ist bei dir zu sein, deinem Gefühl zu folgen, die Verantwortung für ihr Gefühlsleben zurückzugeben. Du musst ihr nicht beistehen, damit du glaubst, du musst dich nicht schuldig fühlen, das es doch deine Verantwortung als Tochter ist, sie zu begleiten und ihr zu helfen. Das Verhältnis ist verschoben, war es, seit deiner Kindheit. Es ist eindeutig ihre Verantwortung. Du musst für dich reinfühlen, inwieweit du bereit bist, bereit bist auszuhalten, sie davon zu überzeugen, Verantwortung für ihr Leben zu übernehmen, ihre Gefühlswelt zu reflektieren. Es ist nicht deine Aufgabe, auch nicht deine Verantwortung.

Deine Mutter hat die Wahl, klar kannst du ihr Bücher vorlegen oder ihr von dieser Website erzählen. Was dann passiert, ist ihre Wahl. Die Verantwortung kannst du bei ihr lassen, aber das ist schwer, weil man das gefühl haben könnte, man lässt jemanden im Stich, aber so ist es nicht. Du würdest dich am Ende im Stich lassen, so wie du es auch schon als Kind erfahren haben wirst, dass deine Mutter nicht für dich so da war, wie es sein sollte.

Und euer angespanntes Verhältnis belastet vermutlich viel mehr dich, als sie, weil sie es auch so gewohnt ist, so zu leben. Nur du kannst deinen Zustand ändern, in dem du bei dir schaust, wozu du bereit sein willst, ohne dich schlecht zu fühlen. Sie hat die Wahl, dann hinzuschauen oder auch nicht.

Für dich ist wichtig zu erfahren, wie du mit den Gefühlen umgehst, den gefühlen. die aufkommen, wenn du spürst, dass sich bei ihr nicht ändern wird, ob du es differenzieren kannst und auch darüber trauern, aber nicht über sie, sondern darüber, dass diese Traurigkeit dich in der Kindheit schon begleitet hat, dass du eher für deine Mutter eine Konkurrentin/Bedrohung warst, als ein Kind, das Achtung, Respekt, Zuwendung, Fürsorge und Liebe erfahren durfte, weil deine mutter eher mit sich beschäftigt war und die Verantwortung nicht übernommen hat, weder für sich, noch schlussfolgernd für ihre Kinder.

Kaufen uns Sammeln kompensiert, man hat etwas, man kann festhalten, die Möglichkeit eines Verlustes wird scheinbar kontrolliert und sie weiß auch wie sie bei dir Gefühle von Mitleid erregen kann und das ist auch eine Art von Kontrolle. Aber trotzdem übernimmt sie keine Verantwortung, denn bisher funktionierte es für sie so, aber das nicht im postiven Sinn. Aber so konnte sie ihre Gefühle abwehren und es auch vermeiden, sich mit sich selbst zu konfrontieren.

Nun gut, liebe Grüße

Anna