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On4wheels

unregistriert

1

Dienstag, 13. April 2010, 12:32

Zwänge,Süchte,Impulskontrollstörungen

Hallo zusammen,

angeregt wurde diese Frage dadurch, dass beispielsweise pathologisches Spielen je nach Auffassung als Zwang, Impulskontrollstörung oder Sucht bezeichnet wird. Oder auch die häufige synonyme Verwendung von Kaufzwang oder Kaufsucht z.B.

Kann man die drei Arten (Zwang, Impulskontrollstörung oder Sucht) nicht sauber trennen oder steckt hinter allem an sich dasselbe Phänomen?

LG,
Wheely

2

Dienstag, 13. April 2010, 18:14

Hallo,

für die "pathologischen" Fragen möchte ich dir folgende Arbeit näherlegen:

http://www.vorarlberg.biz/cms/files/user…s%20Stehlen.pdf

Dort wird auch auf die Differenzierung zwischen pathologischen Störungen und Zwangserkrankungen eingegangen

Zitat

Der wesentliche Unterschied zu reinen Zwangshandlungen wird
darin gesehen, dass Diebeshandlungen kaum zur Abwehr einer sich aufdrängenden Angst begangen werden und oft mit Erregung und Lustempfindung verbunden
sind.

On4wheels

unregistriert

3

Dienstag, 13. April 2010, 19:46

Hallo tobsen,

danke für den Link. Ich frage mich: beruhen denn alle Zwänge nur auf der Angst etwas zu verhindern oder nicht zu tun? Oder anders: Ist Angst Kriterium für das Vorliegen einer Zwangsstörung?

Im Artikel heißt es auch über die Impulskontrollstörung, in dem Fall Kleptomanie :

Zitat

Die betroffene Person beschreibt laut ICD gewöhnlich eine steigende Spannung vor der Handlung und ein Gefühl der Befriedigung während oder unmittelbar nach der Tat.


Vom Prinzip her kennen Zwängler das genauso, sonst würde man ja gar keine Zwangshandlungen ausführen, wenn sie nicht den Druck abbauen und Erleichterung verschaffen würden, oder?

LG,
Wheely

4

Dienstag, 13. April 2010, 20:04

Hi,

so wie ich das verstehe, ist der Ansatzpunkt gegenläufig, wenn man zB das Kleptomanie-Zitat mit einer Zwangshandlugn vergleicht, bei Kleptomanie und vll auch Extremsportarten gibt es einen Reiz, der den 'Kick' auslöst, durch die Grenzüberschreitung und die Gefahr, bei der Kleptomanie durch den Gesetzesbruch und bei einer Extremsportart durch das Risiko der Todesnähe.

Ich denke, Zwangshandlungen dienen dazu, Ängste abzuwehren oder sich zu beruhigen, eine Sicherheit durch eine Handlung zu erreichen, wie es einem anders nicht möglich ist, während ein Extremsportler oder Kleptomane ja künstlich Stress erzeugt, indem er sich in eine solche Situation bringt und diese dann berauschend findet, während ich Zwangshandlungen eher belastend als berauschend empfinde....

Hoffe, ich habe es verständlich formuliert, was ich meine.

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

5

Dienstag, 13. April 2010, 20:37

Zitat

Original von On4wheels

Im Artikel heißt es auch über die Impulskontrollstörung, in dem Fall Kleptomanie :

Zitat

Die betroffene Person beschreibt laut ICD gewöhnlich eine steigende Spannung vor der Handlung und ein Gefühl der Befriedigung während oder unmittelbar nach der Tat.


Vom Prinzip her kennen Zwängler das genauso, sonst würde man ja gar keine Zwangshandlungen ausführen, wenn sie nicht den Druck abbauen und Erleichterung verschaffen würden, oder?


Hey,

das ist der entscheidende Unterschied. Du wirst fast keinen Zwangspatienten finden, der, nachdem er eine Zwangshandlung ausgeführt hat, von sich sagen kann das er eine innerliche Befriedigung verspürt, wie etwa Hermit schon gesagt hat, beim Extremsport.

Eine kurze Phase der Erleichterung ist meistens da, die jedoch schnell wieder in negative Gedanken und Selbstvorwürfe umschwingt.

Deswegen kann man meiner Einsicht nach die Kleptomanie eher dem Spektrum der Suchterkrankungen zuordnen, da etwas "bewusst schadendes" (sei es nun körperlich und / oder gesellschaftlich) in Kauf genommen wird um einen bestimmten Zustand zu erreichen. Also es wird auf etwas hinausgearbeitet.

Bei Zwangshandlungen- / gedanken wird dagegen versucht ein Gefühl durch sein Verhalten zu verhindern, also nicht zum auslösen zu bringen oder zu unterdrücken.

Die Linien zwischen den von dir gennanten Störungen sind aber dünn und wenn sich nichteinmal die Profis über eine Norm einig sind, lässt das natürlich viel Diskussionsspielraum. :)

Brummbär

unregistriert

6

Dienstag, 13. April 2010, 20:56

Der Unterschied wurde von Euch schon treffend beschrieben. Ich möchte nur noch ergänzen, dass im Kick-holen das Krankhafte fehlt. Der Leidensdruck ist für mich nicht erkennbar, wenn jemand nur unbedingt den stoffungebundene Kick braucht. Der Zwängler, führt seinen Zwang ja nur aus, weil er eine unerträgliche Angst und Anspannung abbauen muss, nicht weil er Spaß dran hat.

On4wheels

unregistriert

7

Mittwoch, 14. April 2010, 00:01

Hallo zusammen,

ich hab eure Beiträge gelesen und bedanke mich schon mal.

Ich muss zugeben, ich bin kein Kleptomane, aber so wie es ihr es darstellt, würde ich es nicht sehen. Kleptomanie geht ja weit über Mutproben, etc. hinaus. Sowie ich Kleptomanie verstehe, kann er oder sie auch nicht dem Impuls/Drang widerstehen und verschafft sich Erleichterung durch das Stehlen. Die Suche nach dem Kick würde ich davon aber unterscheiden.

Ich weiß nicht, ob mein Verständnis von Kleptomanie richtig ist; allerdings macht es für mich dann mehr Sinn, wenn es in einer Reihe mit Trichotillomanie genannt wird. Denn die Betroffenen reißen sich ja auch nicht die Haare aus, weil es Ihnen einen Kick gibt...

Ich bin mir auch gerade nicht sicher, ob hier gerade immer klar ist auf welche Art der Störung wir uns beziehen. Und gerade das hat mich ja auch verwirrt.

Wie dem auch sei: wie beurteilt ihr die Frage, ob es gemeinsame Ursprünge, wenn schon nachweislich große Ähnlichkeiten bestehen?

8

Mittwoch, 14. April 2010, 01:33

Zitat

Original von On4wheels
Wie dem auch sei: wie beurteilt ihr die Frage, ob es gemeinsame Ursprünge, wenn schon nachweislich große Ähnlichkeiten bestehen?


Da sich im Prinzip alles auf irgendeine Weise in Form von biochemischen Botenstoffen im Gehirn widerspiegelt, würde ich da die Gemeinsamkeit sehen, also nicht unbedingt beim Auslöser, sondern bei der Folge dessen, was wie im Gehirn wirkt und bewirkt.

Letztes Jahr habe ich zB einen Bericht über eine Studie gelesen, in dem per Gehirnscan die Gehirne von Zwangskranken und Verliebten verglichen wurden. Die Scans waren nahezu identisch, nur mit dem Unterschied, dass der Effekt bei den Verliebten, im Gegensatz zu den Zwangskranken, nicht dauerhaft war; leider stand nicht dabei, ob Zwangskranke dann in gewisser Weise unfähig sind, sich zu verlieben und ob das dann auch nachweisbar wäre, weil der Zwang sozusagen permanent die Areale blockiert, die sich bei gesunden durchs Verlieben aktivieren.

Interessant wäre mal ein Gehirnscanvergleich zwischen den von dir gebrachten Beispielen und ob und inwieweit sich da die aktiven Areale unterscheiden, oder ob sich nur/vor allem die Botenstoffe unterscheiden und/oder vor allem das Empfinden der Betroffenen.

Pauschal und ohne auf Details zu achten, würde ich sagen, Süchte unterscheiden sich vom Zwang vor allem im persönlichen Empfinden, selbst wenn man in beiden Fällen gezwungen ist, gewisse Dinge auszuüben, wenn auch aufgrund anderer Motive.

(Ich meine jetzt Süchte, bei denen keine stoffliche Abhängigkeit besteht).

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

On4wheels

unregistriert

9

Mittwoch, 14. April 2010, 15:50

Hallo Hermit,

danke für deine Ausführungen. In puncto Biochemie bin ich mir nicht so sicher, aber mich würde es auch interessieren, ob ähnliche Areale bei den drei genannten Störungen betroffen wären/sind.

Nebenbei gibt es ja verliebte Zwängler, also scheint sich das nicht auszuschließen, aber Liebe ist ja auch für Zwängler auch ein heißes Eisen. Aber kausale Zusammenhänge herzustellen ist wohl schwierig.

Nochmal an alle: wir sind uns einig, dass bei Zwängen und Süchten ein Drang besteht. Wird dieser Drang unterdrückt bzw. stellt sich nach der Befriedigung des Drangs ein Schuldgefühl ein, wäre es ein Zwang. Ist die Befriedigung des Drangs positiv und macht glücklich, würdet ihr eher von Sucht sprechen. Ist das soweit korrekt zusammen gefasst?

Übrigens: wir hatten bislang Zwänge und Süchte. Wo würdet ihr Impulskontrollstörungen sehen?

LG,
Wheely

10

Mittwoch, 14. April 2010, 18:38

Zitat

Original von On4wheels
Nebenbei gibt es ja verliebte Zwängler, also scheint sich das nicht auszuschließen, aber Liebe ist ja auch für Zwängler auch ein heißes Eisen. Aber kausale Zusammenhänge herzustellen ist wohl schwierig.


Lass dir aus erster Hand versichert sein: Ist es nicht. :)

Fast alle Zwangspatienten sind sich der (totalen) Unsinnigkeit ihrer Handlungen/Gedanken bewusst. Das diese trotzdem ausgeführt werden, erzeugt innerlich noch ein zusätzliches Spannungfeld (Was zur Selbstabwertung und zu weiteren Handlungen/Gedanken führt. Ein Teufelskreis).

Die Liebe ist natürlich ein heißes Eisen, aber auch nicht mehr als bei Nicht-Zwänglern. :D

Zitat

Original von On4wheels
Ist die Befriedigung des Drangs unmittelbar nach dem Konsum mit einem positiven Gefühl belegt, würdet ihr eher von Sucht sprechen.


So würde ich das stehen lassen, da jemand der unter Substanzmissbrauch leidet, sich ja sehrwohl den negativen Auswirkungen seines Handeln bewusst ist. Und sobald "der Kick" vorbei ist, natürlich auch ein schlechtes Gewissen auftreten kann, was mit weiterer Substanzaufnahme wieder versucht unterdrückt zu werden.

Biochemisch ähneln sich die Vorgänge von Sucht und Zwang. Aber, ich hoffe da drücke ich mich verständlich aus, bei Drogeneinnahme wird das Belohnungszentrum im Hirn aktiv (wie etwa bei Sex oder Essen). Bei der Ausführung von Zwängen wird das "Belohnungssystem" im Hirn nicht aktiviert, was erklären würde, wie bereits oben erwähnt, warum sich Erkrankte der Unsinnigkeit ihrer Handlungen/Gedanken deutlicher bewusst sind.

Dazu:
http://www.drogen-aufklaerung.de/das-bel…tem-des-gehirns

On4wheels

unregistriert

11

Mittwoch, 14. April 2010, 19:17

Hallo tobsen,

natürlich ist die Liebe nicht nur für Zwängler schwierig, meinte ich auch so. Hab es aber anders geschrieben, touché. :-)

Ich kann dir aber langsam folgen, glaube ich. Durch die fehlende Aktivierung des Belohnungssystems fehlt einem Zwängler das Hochgefühl. Die Befriedigung ist eigentlich nur Erleichterung.

Etwas off-topic, aber es passt thematisch: wenn das Belohnungssystem nicht aktiviert wird, wie kann der Zwang dann suggerieren, dass die Ausführung einer Handlung oder das Denken eines Gedankens mir ein Hochgefühl verschaffen würde? Es ist nie passiert, eher die beschriebenen Schuldgefühle. Gehört das zum Zwang oder deutet es daraufhin, dass es kein Zwang ist?

12

Mittwoch, 14. April 2010, 21:11

Hi Wheely,

ich denke, auch bei einer Sucht, kann man sich schuldig fühlen, wenn man der Sucht nachgibt, genau wie beim Zwang. Ich sehe den Unterschied eher direkt bei der Handlung und dem Gefühl, das die Handlung/man während der Handlung hat.

Als Beispiel: Waschzwang vs. Onlinespielsucht.

Wenn ich soundsoviel Zeit mit dem Zwang zugebracht habe, fühle ich mich ausgeliefert und schwach, dem Zwang erlegen und meist total erschöpft.

Wenn ich dagegen soundsoviel Zeit mit Spielen verbracht habe, im Spiel dann auch dieses und jenes 'erreicht' habe, vielleicht nur eine Stunde oder zwei spielen wollte und stattdessen wesentlich mehr gespielt habe, obwohl ich eigentlich zB hätte einkaufen gehen müssen oder im Haushalt was tun, dann fühle ich mich danach auch 'schuldig' bzw habe ein schlechtes Gewissen; der Unterschied ist im Gegensatz zum Zwang jedoch, dass es Spaß gemacht hat zu spielen und die Zeit so zu verbringen, während ein Waschzwang quälende Selbstfolter ist, wo die Schuldgefühle, sofern man welche hat, eher daher rühren, dass man zu schwach ist, sich dem Zwang ganz zu entziehen und dagegen zu wehren (wobei ich für mich den Zwang betreffend die Bezeichnung Schuld(gefühl) irgendwie nicht ganz zutreffend finde).

Was genau sind "Impulskontrollstörungen "?

"Wie kann der Zwang dann suggerieren, dass die Ausführung einer Handlung oder das Denken eines Gedankens mir ein Hochgefühl verschaffen würde?"

Bedeutet Hochgefühl für dich Beruhigung oder ein Gefühl der Sicherheit oder eher ein momentanes Glücksgefühl?

Vielleicht ist das bei jedem Zwang auch anders, bei mir jedenfalls suggeriert mir der Zwang kein Hochgefühl, sondern dient eher als Beruhigung oder Ablenkung von Ängsten. Habt ihr auch ein ständiges Wechselspiel zwischen Ängsten und Zwängen? Das irritierende ist, dass bei mir, wenn der Zwang stärker ist, die Ängste sehr in den Hintergrund treten, während andererseits der Zwang sehr schwach ist, wenn ich nur noch Panik habe - was dann zu einer andauernden Patt-Situation führt :(

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

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~T~R~ O - o - O ~ L

Brummbär

unregistriert

13

Mittwoch, 14. April 2010, 22:01

Zitat

Original von Hermit
..Wenn ich dagegen soundsoviel Zeit mit Spielen verbracht habe, im Spiel dann auch dieses und jenes 'erreicht' habe, vielleicht nur eine Stunde oder zwei spielen wollte und stattdessen wesentlich mehr gespielt habe, obwohl ich eigentlich zB hätte einkaufen gehen müssen oder im Haushalt was tun, dann fühle ich mich danach auch 'schuldig' bzw habe ein schlechtes Gewissen; der Unterschied ist im Gegensatz zum Zwang jedoch, dass es Spaß gemacht hat zu spielen und die Zeit so zu verbringen, während ein Waschzwang quälende Selbstfolter ist,...


Dazu ein Nein und ein Ja

Das Nein:
Mein Sohn ist computerspielsüchtig aber er hat nicht den Funken von schlechtem Gewissen, wenn er seine Zeit überschritten hat und Nachteile erleidet (HA nicht gemacht, Nacht zu kurz) Das Spiel steht über allem, er hat das gleiche Gefühl wie ein Farbikarbeiter der Überstunden gemacht hat und dadurch einen Zusatzverdienst gemacht hat.

Waschzwängeln oder andere Zwänge sind quälende Folter, dazu das Ja.

14

Mittwoch, 14. April 2010, 22:47

Was mir eben einfiel, kann man eigentlich gleichzeitig zwangskrank und suchtkrank sein? Oder würde sich das, was bei anderen eine 'reine' Sucht wäre, bei einem zwangskranken dann auch eher wie ein Zwang auswirken? Oder würde immer eins das andere überlagern?

(Keine stofflichen Süchte).

Grüße, Hermit.
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On4wheels

unregistriert

15

Mittwoch, 14. April 2010, 23:29

Hallo Hermit,

bei Impulskontrollstörungen soll die Fähigkeit Impulse zu kontrollieren stark vermindert sein. Gilt für Handlungsimpulse (Dinge sofort tun,sobald sie in den Sinn kommen, ohne auf die Konsequenzen zu achten) oder emotionale Impulse (z.B. heftige Wutausbrüche, da die Wut nicht gezügelt werden kann). So kenn ich es.

Was das Gefühl betrifft: schwer zu beschreiben, aber ich versuch es mal:

der Zwang sugeriert mir, dass ich unbedingt ein rosa Fahrrad möchte. Ich kann zwar kein Fahrrad fahren und rosa mag ich eigentlich auch nicht, aber mich beschäftigt nur noch das Fahrrad. Ich stell mir vor wie die Sonne scheint, ich Fahrrad fahre und glücklich dabei bin. Wenn ich es dann kaufe, frag ich mich allerdings, warum ich jemals eines wollte, weil es vollkommen unnütz ist.

Verstehst du die Metapher? Der Gedanke ist längst nicht unangenehm, sondern schön, ich bekomm dabei ein gutes Gefühl, aber ich weiß auch genau, dass ich nicht Fahrrad fahren kann. Der Gedanke löst eben auch keinen klassischen Leidensdruck aus, er nervt nur, weil er mir vor Augen führt, was ich nicht kann und drängt mich dazu etwas Sinnloses zu tun (Fahrradkauf).

Sowas bekomm ich immer mal wieder. Wenn es sexuelle Gedanken sind, sind sie auch durchaus erregend, aber nur bis sich in der Realität herausstellt, dass es mir doch nicht so gefällt wie ich dachte. Und trotzdem tauchen die Gedanken immer wieder auf, obwohl sie real widerlegt wurden.

Zur Zwang vs Suchtfrage: Ich denke, dass beide Störungen nebeneinander existieren können, aber nicht auf dasselbe Objekt bezogen. Die Belastung durch den Zwang wird verhindern, dass sich auf dem gleichen Gebiet eine Sucht entwickelt, denn die Grundlage für eine positive Wertung/Erfahrung fehlt dann höchstwahrscheinlich.

16

Donnerstag, 15. April 2010, 00:12

Kurz und knapp: Ja, das ist möglich und auch garnicht ungewöhnlich.

Die Zahlen sind zwar sehr schwammig, aber die Komorbidtät von Zwangsstörungen mit Suchterkrankungen besteht, auch wenn sie bei weitem nicht so hoch anzusiedeln ist, wie etwa bei der Borderlineerkrankung.

Je nach Studie varieren die Zahlen zwischen 2,7% - 16,7% der Erkrankten.

Quelle: http://books.google.de/books?id=qfTKDQPE…%C3%A4t&f=false


Edit: Da habe ich nicht genau hingelesen, du hast ja nur nach nicht stoffgebundenen Süchten gefragt.

On4wheels

unregistriert

17

Donnerstag, 15. April 2010, 10:18

Nachtrag

Mir fiel heute Nacht noch ein, dass ich mich auf die sexuellen Gedanken unglücklich geäußert habe. Ich kenne auch sexuelle Zwangsgedanken/-befürchtungen, und da gab es keinerlei positives Gefühl, eher Panik. Daher kann ich das von den anderen (positiven) Gedanken, die ich jetzt angedeutet habe, sehr gut unterscheiden.

18

Donnerstag, 15. April 2010, 17:59

Zitat

Original von Hermit
wo die Schuldgefühle, sofern man welche hat, eher daher rühren, dass man zu schwach ist, sich dem Zwang ganz zu entziehen und dagegen zu wehren (wobei ich für mich den Zwang betreffend die Bezeichnung Schuld(gefühl) irgendwie nicht ganz zutreffend finde).


Vollkommen richtig. Bei Zwangsgedanken ist das ja auch eines der Hauptprobleme. Die innerliche Zielsetzung lautet "die Gedanken zu kontrollieren". Das ist natürlich nicht zu erreichen. Was wäre ein Mensch der seine Gedanken zu 100% kontrollieren könnte? Zumindestens kein Mensch mehr. ;)

Aber je mehr man versucht dieses Ziel zu erreichen und man (natürlich) scheitert, desto stärker werden die Schuldgefühle.

Ich finde, dass für den Erkrankten die Bezeichnung Schuldgefühle schon angebracht ist, für mich hat sich das immer genau wie Schuldgefühle angefühlt, aber die Gefühle sind aufgrund ihrer Entstehung halt vollkommen unnötig.

Sich von dieser utopischen Zielsetzung zu lösen ist oft der erste Schritt um festgefahrene Gedankenstrukturen "aufzuknacken".

Zitat

Original von Hermit
Vielleicht ist das bei jedem Zwang auch anders, bei mir jedenfalls suggeriert mir der Zwang kein Hochgefühl, sondern dient eher als Beruhigung oder Ablenkung von Ängsten.


Auch hier stimme ich dir zu. Das wurde wohl etwas falsch aufgefasst: Zwänge lösen (auch direkt nach der Ausführung) keine Glücksgefühle aus. Es ist mehr die Erleichterung, dass ein, und das mag jetzt vielleicht etwas übertrieben formuliert sein, Horrorszenario abgewendet worden ist (Wie etwa wenn es im Flugzeug schwere Turbulenzen gab, man direkt nach der Landung ja auch nicht "Glücklich" oder in einem "Rausch" ist, sondern lediglich erleichtert, die Situation überstanden zu haben).


Zitat

Original von Hermit
Habt ihr auch ein ständiges Wechselspiel zwischen Ängsten und Zwängen? Das irritierende ist, dass bei mir, wenn der Zwang stärker ist, die Ängste sehr in den Hintergrund treten, während andererseits der Zwang sehr schwach ist, wenn ich nur noch Panik habe - was dann zu einer andauernden Patt-Situation führt :(


Das Gefühl kenne ich bestens. Aus detailierten Selbstbeobachtungen kann ich sogar berichten, das die Zwänge die Ängste gegenseitig "hochzupushen". Also ein Zwangsgedanke löst eine Panikattacke aus, die wieder die Zwänge verstärkt....

BG
Toby

On4wheels

unregistriert

19

Donnerstag, 15. April 2010, 19:40

Hallo zusammen,

also Schuldgefühle danach, aufgrund der Tatsache, dass ich die Gedanken nicht wegschieben konnte, mich nicht behaupten konnte, hab ich auch jedes Mal. Darin stimme ich euch zu.

Um nochmal auf das Hochgefühl zu kommen: wenn ich mir vorstelle, ich könnte jemanden verletzen oder mich daran freuen, dass sich jemand verletzt, erfüllt mich das schon mit Panik. Somit hab ich beim Gedanken an sich und danach Schuldgefühle.

Wenn ich das Gefühl habe, unbedingt etwas zu bekommen oder zu machen, ist der Gedanke einfach, dass ich zufrieden wäre, wenn sich das erfüllen würde oder ich das Gewünschte bekommen hätte. Jedoch zeigt sich da, wenn ich dem Drang nachgebe, dass ich nicht zufrieden bin, vielleicht sogar gar nicht verstehe, was mich geritten hat anzunehmen, dass mich der Gedanke und dessen Erfüllung zufrieden machen könnte.

Für einen Zwang wäre der letzte Gedanke an und für sich zu angenehm, aber er drängt sich auf und erscheint mir oft sinnlos/ohne Substanz. Wäre es eine Suchte, müsste mich aber auch die Erfüllung glücklich machen und das tut sie nicht.

Stehen diese Gedanken also zwischen Sucht und Zwang?

Um das nochmal zu sagen: Ich meine keine Euphorie, vielleicht trifft es Zufriedenheit besser. Aber im Vergleich zum Schuldgefühl ist es schon ein Hochgefühl

LG,
Wheely

Brummbär

unregistriert

20

Donnerstag, 15. April 2010, 22:46

Wenn Kleptomanie eine Art der Zwangstörung sein soll, dann wirft das bei mir folgende Frage auf.
Was macht der Kleptomane auf einer einsamen Insel? Bekommt er Druck und klaut Kokosnüsse? Der Waschzwängler wird auf jedenfall zum Strand gehen und sich die Hände waschen, weil er Druck abbauen muss. Was macht also der Kleptomane, wenn kein Laden in der Nähe ist? Scheinbar wird ja nur in Läden geklaut.