Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Zwangserkrankungen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

angel70

unregistriert

1

Mittwoch, 11. August 2010, 09:10

Besuch, der übernachtet

Hallo,
die Eltern von meinem Mann leben ja über 1000 km weit weg von uns und wenn die dann so 3x im Jahr zu Besuch kommen, dann gleich für eine Woche oder fast 2 Wochen und diese Zeit ist die Hölle für mich. Ich fange dann schon Wochen vorher an Tabletten zu schlucken, was mir aber auch nicht hilft.
Ich habe ein Problem mit deren Wäsche in der Waschmaschine (Hygienespüler verwende ich dann ausschliesslich, was mich angeht, würde ich das ganze Gerät aber tauschen), mit dem Kühlschrank (die gehen mit schmutzigen Händen da rein, ich kann dann kaum Lebensmittel von da essen) und auch mit anderen Dingen.
Wenn die weg sind, putze ich sicher 2 Wochen um das Gefühl wieder zu haben, dass es OK ist, nur diesmal stellt sich das nicht ein. Sie sind nun 2 Wochen weg und ich werde diesen was auch immer nicht los, egal wie sehr ich sauber mache. Ich würde nicht sagen Dreck, ich weiss ja, dass die nicht dreckig sind. Keine Ahnung.
Wenn Besuch kommt, habe ich keine Probleme damit, nur wenn die da sind und hier essen und schlafen, ist es für mich schlimm.
Meine Frage ist, ob es zumutbar wäre, meinem Mann zu sagen, dass ich diese Besuche nicht mehr mag. Er weiss, dass ich leide und viele Probleme damit habe. Ich bin mir unsicher, ob man sowas "verlangen" kann?
Vielleicht versteht mich ja jemand von euch? Seine Eltern sind ihm schon wichtig, die telefonieren auch regelmässig und oft miteinander. Ich will nicht, dass er denkt, er müsste sich zwischen mir und denen entscheiden.
Ein Hotel oder Zimmer würde nicht in Frage kommen, da fehlt denen das Geld. Ich habe schon überlegt, dass ich dann wegfahre, wenn die hier sind, aber das hilft mir dann ja auch kaum weiter, weil wenn ich dann wieder kommen würde, wäre es ja genauso. Ich weiss ja, dass die an allem dran waren. Es würde mir insofern ev. helfen, dass ich den täglichen Stress nicht haben würde und mich dann rechtfertigen müsste, dass ich die komplette Küche ausräume und schrubbe.
Wie handhabt ihr das so mit Besuchen?
Liebe Grüsse

angel70

unregistriert

2

Mittwoch, 11. August 2010, 10:28

Unruhe

Wollte noch kurz hinterher fragen, ob das auch jemand kennt, dass man sich unwohl fühlt, wenn Unruhe herrscht, also wenn etwas nicht so läuft, wie es geplant war.
Ich bin nahezu unspontan, ich muss alles planen und mich darauf vorbereiten, wenn es nicht so läuft, wie geplant, dann versuche ich mit aller Macht den ursprünglichen Plan durchzusetzen und bin total fertig, wenn es nicht klappt. Ich glaube, dass fremde Menschen in der Wohnung mich vielleicht auch deshalb so stören, weil die laufen immer ausser Plan und schaffen Unruhe. Ist es das?

Endurist

unregistriert

3

Mittwoch, 11. August 2010, 11:45

Zitat

Meine Frage ist, ob es zumutbar wäre, meinem Mann zu sagen, dass ich diese Besuche nicht mehr mag. Er weiss, dass ich leide und viele Probleme damit habe. Ich bin mir unsicher, ob man sowas "verlangen" kann?


Ich halte das zumindest für sehr, sehr schwierig.

Die wesentliche Frage ist eigentlich ob du bereit bist deiner Angst zu begegnen und an deinem Zwang zu arbeiten. Aus therapeutischer Sicht ist es nichts anderes als eine Exposition in vivo.

Was micht intressiert: Bleibt die Anspannung/Angst über die gesamte Zeit, die eure Gäste im Haus sind identisch?


Wünsche dir alles Gute!
der Endurist.

angel70

unregistriert

4

Mittwoch, 11. August 2010, 14:03

Ich weiss das ja vorher und habe schon Wochen vorher Angst. Zuletzt habe ich es mit Johanniskraut versucht (bringt nichts) und davor auch mit ADs (Seroxat).
Es ist mal stärker, mal schwächer. Gewisse Sachen kann ich vertragen, aber wenn ich heute jetzt an die Zeit denke, dann wird mir schon schlecht. Nein, die Angst ist also nicht gleich stark und nicht gleich ausgeprägt. Das schwankt immer. Je nach Tagesverfassund und je nachdem, immer unterschiedlich. Mittlerweile ist die Angst, dass jemand kommen könnte, extrem hoch, ich möchte diese Konfrontation im Moment garnicht und will diese auch nicht, weil das ist so viel Stress und dann so viel Arbeit, da habe ich keine Lust auf all das.
Ich dachte, ich wäre frei von Zwängen, doch diese Geschichte beschäftigt mich total. Also wenn etwas mich aus meinen Plan rauswirft- geht garnichts. Zur Zeit schlafe ich wieder nachts nicht durch und grüble rum, vielleicht ist wieder Zeit auf ADs zurückzugreifen, da ist aber immer eine Therapie mit verbunden, nur die bringt mir auch nicht die Lösung. Ich ekel mich seit jeher vor anderen Leuten, bin nicht gesellig und gehe nicht viel raus, jedenfalls nicht dorthin, wo es Menschenansammlungen gibt. Das schlimmste sind für mich so diese Bierzelte. Wo sich die ganzen Ausdünstungen und alles was die Leute ausatmen, oben an der Plane manifestiert und dann tröpfchenweise runtertropft- total ekelig! Bei meinem Mann und Kindern habe ich das nicht, schon komisch, oder?
Ich kann ja keinem sagen, der soll nicht zu mir kommen, weil ich mich ekel und dann alles putzen und desinfizieren muss :) Würde ich aber am liebsten. Dann hätte ich das Problem einfach nicht. Das ist wie mit dreckigen Türklinken, die fasst man einfach nicht an, Problem gelöst.
Ich weiss garnicht, ob eine Therapie was in dieser Hinsicht bringen würde, da ich garnicht bereit wäre diesen Dreck anzufassen, wie zB eine Türklinke einer öffentlichen Toilette oder so. Da bringen mich keine 10 Pferde zu. Jetzt jedenfalls nicht.

angel70

unregistriert

5

Mittwoch, 11. August 2010, 14:10

Ich kann nur sagen, weil Du fragtest, ob ich bereit bin daran zu arbeiten, dass es jedesmal schlimmer wird, je öfter die kommen. Mittlerweile wasche ich die Wände ab (!)- sind mit Silikonfarbe gestrichen. Und dort wo nicht, werde ich neu streichen. Da kann jemand noch so sehr erzählen, dass es nicht schlimm ist, wenn jemand die Wand anfasst, ich MUSS die aber trotzdem danach abwaschen, verstehst Du das? Ich kann einfach nicht mehr...kann doch nicht jedesmal streichen und so, nur weil jemand zu Besuch da war?

Endurist

unregistriert

6

Mittwoch, 11. August 2010, 14:26

Zitat

da ich garnicht bereit wäre diesen Dreck anzufassen, wie zB eine Türklinke einer öffentlichen Toilette oder so. Da bringen mich keine 10 Pferde zu. Jetzt jedenfalls nicht.


Ich denke es wäre sinnvoll mit weniger dramatischen Zwangshandlungen/vermeidungen anzufangen. Ich meine jene Handlungen, die du zwanghaft ausführst, oder aber vermeidest, die du aber durchaus mit Überwindung aushalten könntest.
Der Schwierigkeitsgrad der Übungen würde sich dann allmählich steigern bis hin zu Dingen, die du heute für völlig unmöglich hälst.

Eigentlich sollte so etwas aber von einem Therapeuten begleitet werden.
Du bist in ambulanter Therapie? Was sagt dein(e) Therapeut/in denn zu der Problematik?

Zitat

Da kann jemand noch so sehr erzählen, dass es nicht schlimm ist, wenn jemand die Wand anfasst, ich MUSS die aber trotzdem danach abwaschen, verstehst Du das?


Ja, ich verstehe dich sehr gut. Ich habe zwar keinen Hygiene/Reinlichkeits/Waschzwang,
aber mit einem Kontrollzwang bringt man auch schon eine Menge unsinniger Handlungen zusammen. ;)

Zitat

Ich kann einfach nicht mehr...kann doch nicht jedesmal streichen und so, nur weil jemand zu Besuch da war?


Das kannst du nicht und du musst es auch nicht.
Die richtige Therapie kann dir wesentlich helfen, aber dazu muss man immer durch Angst und hart an sich arbeiten.

Liebe Grüße
derEndurist

angel70

unregistriert

7

Mittwoch, 11. August 2010, 16:51

Naja, das mit dem Steigern habe ich schon geübt sozusagen. Mal einen Tag nicht staubsaugen -> geht. Oder aber die Krümel in der Küche liegenzulassen-> bedingt.
Aber wenn die da sind, dann ist das volles Programm und das alles auf einmal. Da ist jemand, der benutzt mein Klo, da kann ich dann nicht drauf. Die sind so dreist, gehen an meine Haarbürste, ich habe da graue Haare dran gefunden -> Müll.
Ich kann eben alles nur bedingt, das geht nicht alles auf einmal. Meine Therapeutin meinte, dass jeder eine Art Zwang hat, Dinge eben auf seine Art erledigt. Und dass wenn ich meine, dass Wäscheklammern paarweise in Reih und Glied nach farben sortiert hängen müssen, dann soll ich das eben so tun, das wäre nichts. Ich weiss nicht, ob sie das richtig verstanden hat. Ich war ja da, weil ich ADs bekommen habe von der Psychiaterin und die meinte, ohne Therapie bringt das alles nichts. Da habe ich dann erstmals erkannt, dass ich Zwänge habe, weil auf einmal war es dann egal, nein, lustig, dass ich etwas nicht machen "musste". Ich muss sagen, die haben bei mir vom ersten Tag an wie Bombe eingeschlagen, sofort gewirkt. Ich kann die nur nicht dauerhaft einnehmen, was ich eigentlich sollte laut der Psychiaterin wegen dem PT Syndrom und einer Essstörung, die ich auch noch habe. Nur die Bilder aus der Vergangenheit, das ist nun OK. Vielleicht sollte man sich einen Speziallisten suchen, der auf Zwänge spezialisiert ist. Da fängt aber mein Problem an. Wohne in einem Dorf 60 km ausserhalb von Wien und da gibt es sowas nicht. Und rauszukommen ist ja extrem schwierig, ich meide das ja alles, ist eben kompliziert :) Ich weiss ja, was zu tun ist, nur ich kann es nicht umsetzen, das ist das fiese. Ich komme ja sonst gut zurecht, was nicht geht, sind Leute im Haus, mein Mann und Kind kennen schon meine Ticks und leben damit auch ganz gut, ich kann das sozusagen frei ausleben, wenn ich meine, dass ich muss.

8

Donnerstag, 12. August 2010, 00:19

Zitat

Original von angel70
Die sind so dreist, gehen an meine Haarbürste, ich habe da graue Haare dran gefunden -> Müll.


Ich denke gerade beim Waschzwang geht es immer um Grenzverletzungen und mangelnden Respekt sowie die unzureichende Fähigkeit, sich abzugrenzen.

So wie sich deine Erlebnisse lesen, würde ich vermuten, dass diese Schwiegereltern sich eben permanent so verhalten, dass du dich mißachtet fühlst, was bei dir dann zu verstärktem Zwang und Ekel fühlt und eben auch dazu, dass das Gefühl bleibt und du die Sachen am liebsten weg tun würdest, da sie sozusagen verseucht sind.

Wenn es dir gelingt, dich wieder vollständig und unversehrt zu fühlen, läßt vermutlich auch das Ekelgefühl nach, unabhängig davon, wie oft du etwas geputzt hast, das ist das Schwierige, im Grunde kommt es nicht auf die Anzahl des Putzens an, sondern auf das Gefühl.

Vielleicht kann dir dein Therapeut dahingehend weiterhelfen, eine Möglichkeit zu finden, dich abzugrenzen?

Zu sagen, sie dürfen nicht mehr kommen, ist vermutlich sehr schwierig, vll gibt es jedoch eine Alternativlösung für dich? zB, dass ihr sie besucht anstatt andersrum? Oder dass ihr sie besucht und in einem Hotel wohnt? Oder dass du ihnen klarmachst, dass sie nichts an deinen Sachen zu suchen haben und sich die Hände zu waschen haben, wenn sie an deinen Kühlschrank gehen ~ und wenn sie 1-2 Wochen bei euch sind, ist es an sich auch nicht notwendig, wer weiss wieviel Wäsche bei euch zu waschen....

Gäste, auch wenn es Anverwandte sind, sollten die Grundbedürfnisse akzeptieren, abgesehen davon ist es sowieso unhygienisch, wenn Leute sich nicht die Hände waschen, bevor sie essen/Geschirr anfassen oder zB die Straßenschuhe in der Wohnung nicht ausziehen.

Selbst Menschen ohne Waschzwang können sich in solchen Situationen dermassen anfangen zu ekeln, dass sie danach die Sachen waschen/putzen oder im Zweifel sogar desinfizieren, wenn auch vermutlich nicht die Wände, da man in der Regel ja Wände auch nicht anfäßt.

Viele Grüße, Hermit.

PS: Mehr als dass es nicht hilft, kann ja nicht passieren, vll solltest du mal versuchen, ob Weihrauch/Räucherstäbchen helfen, wenn du dir dabei vorstellst, dass dadurch dann die ganze negative Energie gereinigt wird.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L