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MiudasGlühwürmchen

unregistriert

1

Donnerstag, 26. August 2010, 07:42

Was tun wenn der familiäre "Feind" wieder auftaucht?

Guten Morgen, liebe Mit-Zwängler,

wie ihr an der Uhrzeit des erstellten Thema´s sicher erkennen könnt, bin ich immernoch wach. Das hat mit mehreren Faktoren zu tun. Der erstere hängt damit zusammen, das mein Schlafrhytmus zutun hat, der zweitere und deutlich unschönere ist mein Grübelzwang.
Der Auslöser allen Übels ist genau der Grund, weswegen ich überhaupt all diese Probleme habe: Meine Mutter. Diesmal allerdings hatte ich keinen Streit mit ihr oder wir haben uns Hass-Mails geschrieben, sondern ... genau das Gegenteil.

Zur Vorgeschichte:

Ich bin mit 18 rausgeworfen worden, da ich a) Volljährig war, b) das Schwarze Schaf der Familie bin und c) meine Mutter meinen damaligen Freund hasste und sie mich nach 1 Woche Schweigen nicht mehr ertrug.
Als ich dann in Krefeld landete, meine Schule, meine Wohnung, meine finanzielle Unterstützung durch den Ausbruch der Panikattacken (was erst nach einem halben Jahr erkannt wurde) verlor, kam ich bei einem guten Freund unter. Ich meldete mich weiterhin bei meiner Mutter, fast wöchentlich, von ihrer Seite kam selten was. Durch die Panikattacken bekam ich auch Depressionen, machte mir Vorwürfe und sah die ganze Welt in Trümmern.
Irgendwann Nachts platzte mir dann der Kragen und ich schrieb, ohne Namen zu nennen, eine Art Blog über die Dinge, die mich am meisten ankotzen. Sie wusste, das der Großteil sie betraf und damit war der Streit entfacht. Wir schrieben uns innerhalb 3 Tage ne Menge Mails, sagten Dinge, die man besser nicht sagt und machten uns Gegenseitig Vorwürfe, wovon die meisten (berechtigten) von meiner Seite kamen. Daraufhin brach dann erst meine Mutter den Kontakt ab, dann mein Vater und ich erhiet das Verbot mich bei einem meiner Familienmitglieder zu melden, woran ich mich auch gehalten habe.
Ich hatte nie ein besonders gutes Verhältnis, bis auf die ersten 2 Jahre nach meinem Rausschmiss. Mein Therapeut vermutet, dass sie Borderlinerin ist, denn phasenweiße war sie supernett, dann kamen Prügel, grundlose Ausraster, mir wurde erst was geschenkt, dann an meine Geschwister verschenkt, etc. Ich habe meine Mutter insgesamt nun 20 Jahre gehasst. Sagen wir 15, denn bis ich 5 war, konnte ich wahrscheinlich nicht viel Denken. ;)

Nun zu meinem Problem:

Vor ca. 5 Tagen schaute ich bei einer Plattform meine Emails nach, ich hatte die Beste Laune seit 1 1/2 Monaten, ich hab zum ersten mal seit Wochen wieder 6 Stunden am Stück durchgeschlafen, war supererholt und selbst meine Träume von meiner Familie liefen ausnahmsweiße mal anders ab.
Dann sah ich, dass meine Mutter mir geschrieben hat und wunderte mich. Denn ich hätte niemals erwartet, dass sich meine Mutter aus freien Stücken bei MIR melden würde. Ich habe die letzten 2 Jahre mehrmals überlegt ihr zu schreiben, doch ich vermutete, dass meinerseits nur Vorwürfe kommen würden und ließ es.
Da ich aber gute Laune hatte, konnte mich das nicht schocken, zumal sie nichts böses schrieb, sondern wissen wollte, wie es mir ergangen ist und was ich so mache. Wir schrieben ein bisschen hin und her, bis ich einkaufen musste und eigentlich war die Welt super. Bis 5 Uhr morgends.
Um 5 Uhr am frühen Morgen war ich dann erst frustriert, dann sauer. Ich fing an nachzudenken und wusste nicht, was ich von der Sache halten soll. 2 Jahre keinen Kontakt zu ihr, 2 Jahre in denen ich meine Agressionen, meine Wut in meinen Träumen an ihr rauslassen konnte. 2 Jahre in denen ich mich gefreut hätte, wenn ich eine liebevolle Familie gehabt hätte oder in meinen Klinikaufenthalten auch mal andere Gesichter, als nur meinen Freund und die Stationierten gesehen hätte.
22 Jahre, in denen ich mir wünschte, meine Mutter verstehen zu können. Zu verstehen, wieso sie mich so hasst(-e), warum ich so gelitten habe und dass sie der Hauptgrund ist, weswegen ich heute so viele Psychische und physische Beschwerden habe. Daher war mein erster Impuls: Schreiben wir ihr eine Böse Email und machen ihr Vorwürfe. (Hab ich nicht getan.)

Ich hatte am nächsten Tag ein Gespräch bei meinem Therapeuten und er fragte mich ob ich den Kontakt will und was ich glaube, wie das weiterlaufen wird.
Es ist ein bisschen quer, denn eigentlich hasse ich sie. Doch ich bin in den 2 Jahren auch erwachsener geworden, habe genug psychisch Kranke erlebt um sie auch ein bisschen zu verstehen. Ich bin mir sicher, dass sie psychische Probleme hat und das die Erklärung ist, wieso ich all die Jahre gelitten hatte. Daher, egal wie sauer ich auch bin, ja ich will den Kontakt. Ich meinte auch, dass ich wahrscheinlich im Laufe der Monate und Jahre damit umgehen kann. Nicht den Impuls haben ihr böse Sachen zu schreiben. Vergessen und verzeihen werde ich wohl nie oder erst spät, aber zumindest ein "normales" Mutter-Tochter Verhältnis aufbauen.
Er riet mir, einen "Bösen" Brief zu schreiben und ihn nicht abzuschicken, allerdings: Das habe ich getan, jedoch abgeschickt. Vor 2 Jahren. 34 Seiten, was ich vermisst habe, was ich gehasst habe, ... Mir hat es nichts gebracht, außer dass ich mich daran festgebissen habe.

Nunja, jetzt ist die Sache:
Was mache ich jetzt? An wen soll ich in meinen Träumen meine Wut auf meine Mutter, meine Familie loswerden? Wie soll ich damit umgehen? Jetzt wo ich niemanden mehr zum hassen habe? Denn es widerstrebt mir, meine Mutter jetzt zu hassen. Diesmal hat sie mir nichts getan, sie war nett, freundlich, bot mir bei Schilderung meiner Krankheit sogar ihre Hilfe an.
Jetzt ist da ein großes und tiefes Loch. Ich bin in den letzten 2 Tagen abwechselnd sauer, depressiv, frustriert, erheitert. Ich nerve mich selber, suche Alternativlösungen bezüglich wen ich hassen soll, habe keinerlei Antrieb mehr und weiß nichts mit meiner Zeit anzufangen. Die letzten 2 Jahre war ich stetig darauf bedacht sie zu hassen, mich bei meinem Therapeuten auszukotzen, was sie alles falsch gemacht hat, versucht zu verstehen, was ich falsch gemacht haben soll etc. Und jetzt ist alles... ok? Darauf komm ich derzeit nicht klar, weswegen auch sofort gestern Abend meine Panikattacken zurück kehrten, ich meine Träume und Ängste extrem überbewerte und mal wieder Angst habe, meine Ratten rauszulassen, da ich ihnen ja z.B. die Tasthaare abschneiden könnte. Zudem glaube ich phasenweiße, dass meine Ratten mich hassen, weil ich mich in meinen Träumen nicht genügend um sie gekümmert habe. Ich fürchte auch, dass meine Zwangsgedanken die nächsten Tage wieder auftreten.^^
Also, was tue ich? Einfach so tun als wäre nichts? Denn wenn ich noch einen weiteren Brief schreibe, wäre das schlecht. Ich weiß, dass ich ihn abschicken würde, denn ich schreibe keine Briefe wenn die Person sie nicht lesen soll. Rausgehen und mich ablenken ist auch schwierig, denn dann rege ich mich über die Menschheit auf und bin total sauer. Und einfach so sagen "Ach, was solls, wir machen iwas", wie ich es sonst mache wenn ich kb mehr auf Krank sein habe, klappt derzeit auch nicht.

Was ratet ihr mir? Hat vll. irgendjemand diese Erfahrung schoneinmal gemacht und wenn ja, wie seid ihr damit umgegangen?
Ich würde mich über Antworten Freuen.^^

Liebe Grüße
Miu

Sandra

Schüler

  • »Sandra « ist weiblich

Beiträge: 85

Zwangssymptome: Wasch.-Kontroll.-Ordnungs.und Putzzwang,Zwangsged.

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Deutschland

Hobbys: Kochen,Sport

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2

Donnerstag, 26. August 2010, 11:59

RE: Was tun wenn der familiäre "Feind" wieder auftaucht?

Hallo Miu,

ich habe hier etwas für dich,obwohl ich nicht weiß ob ich dir damit in irgendeiner Form weiter helfen kann.

Von Atemzug zu Atemzug

Den weißen Wolken nachträumen
und ihnen die eigenen Wünsche auf ihrer Reise über den Himmel mitgeben.
Sein dürfen,einfach nur sein:
von Atemzug zu Atemzug
von Augenblick zu Augenblick.

Von Christa Spilling-Nöker

Liebe Grüße
Sandra

Brummbär

unregistriert

3

Donnerstag, 26. August 2010, 21:51

Die Einsicht Deiner Mutter kommt aber spät. Warum hat sie nicht schon früher versucht Dich zu verstehen? Ich denke, das ist nur eine gute Phase, ein falsches Wort und das Hassobjekt ist wie früher.

MiudasGlühwürmchen

unregistriert

4

Donnerstag, 26. August 2010, 22:39

Zitat

Original von Brummbär
Die Einsicht Deiner Mutter kommt aber spät. Warum hat sie nicht schon früher versucht Dich zu verstehen? Ich denke, das ist nur eine gute Phase, ein falsches Wort und das Hassobjekt ist wie früher.


Ja, das glaub ich auch. ^^ Aber solange gilt es, die Zeit zu überbrücken.^^

5

Freitag, 27. August 2010, 09:24

RE: Was tun wenn der familiäre "Feind" wieder auftaucht?

Hallo Miu,

Deine Schilderungen zum Verhältnis Deiner Mutter kommen mir bekannt vor, denn das Verhältnis zu meiner Mutter war seit meiner Kindheit durch die absolute Dominanz meiner Mutter geprägt, was zu großen Konflikten und Aggressionen zwischen uns beiden führte.

Die Bewertungen und Ansichten meiner Mutter waren das Regelwerk, was für mich einzuhalten war. Ausbrüche meinerseits oder eigene Meinungen, gerade in der beginnenden Jugend, wurden entweder durch Aussagen, die mein Selbstbewußtsein stark schmälerten, oder durch Gewalt unterbunden. Ich war einfach aufgrund meiner eigenen psychischen Ausstattung nicht in der Lage, eine angemessene Persönlichkeit zu entwickeln. Die Konflikte stiegen im Laufe der Pubertät ständig an und eskalierten in Szenen, in denen ich mich zur Wehr setzte, die Faust schon im Anschlag vor dem Gesicht meiner Mutter hatte, wobei ich jedoch nicht abgedrückt habe. Meine Zwänge begannen schon im Kindesalter und verstärkten sich natürlich mit dieser Entwicklung im Elternhaus. Die Zwänge waren für mich ein Mittel der Regulastion meiner Aggression. Es war die einzige Möglichkeit meiner Psyche, diese Zeit zu überstehen. Dieses Mittel ist natürlich völlig unangemessen, richtet sich dorch die Aggression gegen einen selbst. In der Pubertät rückte dann der Waschzwang in den Vordergrund, so wie auch Kontrollzwänge. Sie gesellten sich zu den schon vorhandenen Zwangsgedanken.

Erst eine tiefenpsychologische Therapie im Alter von ca. 30 Jahren brachte mir, man will es kaum glauben, gute Erfolge. Der Therapeut arbeitete mit mir das Verhältnis zu meiner Mutter auf. Ich wurde selbstbewußter und psychisch stärker. Er gab mir den Rat, entweder das Verhältnis zu meiner Mutter umzugestalten oder abzubrechen. Ich entschied mich für die zweite Variante, was natürlich viel Streit und Ärger brachte, verbunden mit allen aufgestauten Aggressionen und Enttäuschungen. Es kam zu Diffammierungen meiner Person in weiten Umfeld unserer Familie durch meine Mutter. Ich war der schlechteste Sohn auf dieser Welt, für den man schließlich alles gemacht hat. Dennoch, ich habe das alles durchgestanden, habe die Schmutzkübel über mich ausschütten lassen und der Erfolg war auf meiner Seite. Meine Zwänge reduzierten sich maßgeblich und waren für Jahre fast schon Geschichte.

Dann stellte sich eine starke Herz- Kreislauferkrankung bei mir ein. Der Kontakt zu meiner Mutter lebte wieder auf, denn sie war doch so besorgt um meine Gesundheit und mein Leben. Ich lies das Verhältnis wieder zu.

Meine Zwänge sind, unabhängig von dieser Erkrankung, wieder schwerer geworden. Das Verhältnis zu meiner Mutter fängt sich zu wiederholen an, mit einer Zeitdifferenz von Jahrzehnten. Die Zwänge sind so schwer geworden, dass die Alltagsbewältigung wieder nicht möglich ist.

Ich habe daher das Verhältnis zu meiner Mutter vor einigen Wochen wieder aufgekündigt. Meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass das der beste, und einzige Weg für mich ist. Ich weiß, mir wird es eines Tages wieder besser gehen.

Mein Tip daher: Beende das Verhältnis zu Deiner Mutter. Befreie ich aus dem Dschungel des lianenartigen Beziehungsgeflechts zu Deiner Mutter und lass die negativen Erfahrungen und Enttäuschungen Deiner Kindheit und Jugend hinter Dir, auch wenn Du kein Ventil für Deine Aggressionen derzeit findest. Das schlimmste was Dir passieren kann ist, dass Deine Zwänge sich vorübergehend verstärken. Genau das passiert in mir derzeit auch. Versuche genau wie ich, endlich erwachsen zu werden. Die Kinderschuhe unserer Eltern passen uns schon lange nicht mehr.

Ich hoffe Die geholfen zu haben.

Viele Grüsse
Ernest

MiudasGlühwürmchen

unregistriert

6

Freitag, 27. August 2010, 10:42

@Ernest:

Was du da schilderst kommt mir sehr bekannt vor, bei mir zeigte sich im Alter von 9-13 eine Magersucht, die schlimmste Zeit meines Lebens, die schlimmste Phase die meine Mutter je hatte. Wegen jedem bisschen Hausarrest, Ein starker, bissiger und ihr gehöriger Hund, Mobbing in der Schule, was sie unterstützte, Gewalt, Beleidigungen. Im Laufe der Zeit hat es sich zwar gebessert, doch gut ist es nie besonders geworden.

Den Kontakt einstellen ist so eine Sache. Ich bin zwar in den 4 Jahren, in denen sie nichtmehr über mich bestimmen kann, gut klar gekommen, erwachsener geworden und der Meinung gewesen, ich bräuchte keine Mutter, doch derzeit sehe ich das ein bisschen anders. Nicht in Form von: Ich brauche eine Mutter, sondern eher: Es ist schön, dass es der Familie doch nicht egal ist, was bei mir los ist.
Ich habe meiner Mutter nicht gesagt, weswegen ich diese ganzen Psychischen Probleme habe, sie geht davon aus,dass das alles durch den Missbrauch meines Großvaters passiert. Ich will sie in dem Glauben lassen, solange ich nicht gezwungen bin es ihr direkt zu sagen, denn ich bin derzeit nicht in der Lage wieder einen Streit auf mich zu nehmen.
Ich habe in den letzten 2 Jahren eine Menge Hass entwickelt, aufgestaut, wieder verpackt und mich NUR NOCH auf meine Mutter fixiert, was der Auslöser meiner derzeitigen Zwangserkrankung sein kann. Ich habe in den 2 Jahren auch nachgedacht, wie ich meine Mutter und diesen Hass bewältigen soll, doch ich kann es nicht. Ich habe zu viele andere Probleme, als das ich mich mit meinem Hass auseinander setzen könnte, doch wie soll ich das machen?
Daher bin ich im Prinzip froh, dass ich mich nicht darauf fixiere, meine Mutter zu hassen etc, denn das frisst einen auf. Aber es ist Hass da. Und ich weiß nicht wohin mit ihm, denn es widerstrebt mir jemanden zu hassen, der im Moment nicht böse ist.
Ich weiß, dass sie irgendwann wieder so eine schlechte Phase hat, dass es wieder so einen heftigen Streit geben wird. Doch die Frage ist, wie ich diesmal damit umgehe. In den letzten Jahren bin ich der Meinung gewesen, sie macht das, weil sie mich hasst und böse ist. Heute weiß ich, dass sie Psychisch krank ist, wenn auch nicht aus ihrer Sicht. Ich habe auch durch meinen Freund gelernt, das Streit nichts nutzt und versuche daher die Gespräche einfach einzustellen, anstatt Krieg zu führen.^^ Und derzeit weiß ich sowieso nicht genau, was ich eigentlich will. ^^

Mein Therapeut ist der Meinung, ich muss diesen Schritt selber entscheiden, was ich an sich nicht besonders schlecht finde. Ich konnte bisher auch mit den Konsequenzen leben, wenn sie auch nicht schön waren. Ich muss halt jetzt mit der Zeit rausfinden, ob ich wirklich den Kontakt will.

Liebe Grüße
Miu

7

Freitag, 27. August 2010, 11:29

Hallo Miu,

auch das was Du jetzt schreibst, kommt mir bekannt vor.

Es ist sehr verständlich, dass Du Dich in Deiner elterlichen Familie geborgen fühlen möchtest. Ja, das würde ich auch gerne. Geht aber nicht, wie die Erfahrung gezeigt hat, oder nur zu Bedingungen, die auf meine Kosten gehen.

Meine Mutter wollte auch immer eine heile Familie, aber nur zu ihren Bedingungen, nach ihren Vorstellungen und Wünschen. Auch meine Mutter wird ich als diffus angserkrankt einstufen, um es allgemein darzustellen. Daher konzentriert sich alles auf ihre Ängste und deren Beruhigung im Ergebnis. Ich weiß, dass ich in dieser Beziehung immer an der gleichen Stelle stehen werde. Es geht nicht um mich, wie natürlich immer gesagt und steif und fest behauptet wird, sondern nur um sie. Das würde sie in ihrem Alter aus ihrer subjektiven Sicht nicht verstehen können, geschweige etwas ändern können.

Ich kann Dich verstehen, dass es schwer ist, so zu handeln, eine Beziehung abzubrechen, wenn man doch so nett und verständnisvoll zu einem ist. Das Spiel kenne ich. Es ist immer wieder der Versuch, mich an den von mir gehassten Platz in der elterlichen Familie zu stellen, damit meine Mutter ihre Ruhe findet. Wer kann schon NEIN sagen, wenn man doch so verständnisvoll und liebevoll ist. Bitte versuche es einmal auf diesem Hintergrund zu sehen.

Auch in mir ist Hass gewachsen. Es sind starke Aggressionen entstanden. Irgendwann werden sie sich wieder relativieren. Vielleicht solltest Du Deinem Freund vertrauen und Dich ohne weitere Krieg zurückziehen. Hier würde aus meiner Sicht die Zukunft liegen.

Viele Grüsse
Ernest

Brummbär

unregistriert

8

Samstag, 28. August 2010, 00:22

Freunde kann man sich aussuchen, Familie nicht. Eine vertrauensvolle, freundschaftliche Beziehung ist wichtig, es muss aber nicht die Mutter sein, wenn diese nur schadet. Ich habe zwar noch meine Mutter im Hintergrund, sie ist aber keine Vertrauensperson, weil sie es noch nie war. Entweder behalte ich meine Probleme für mich oder ich finde einen Freund/in mit der ich reden kann, auch über meine Mutter. Zum Therapeuten komme ich zu selten, er weiß vom schwierigen Verhältnis zu meiner Mutter aber ich müsste alles wochenlang in mir aufstauen, wenn ich mich auf ihn verlassen würde.

Miu: bei mir zeigte sich im Alter von 9-13 eine Magersucht,
Kenne ich auch noch, als ich 12 war hat mich die Schulärztin zur Kur geschickt wegen Untergewicht. Ich hatte aber später noch eine extremere Phase.
Meine Mutter ist hysterisch, sie hatte immer Gewaltausbrüche, die sie selber gar nicht als solche wahrgenommen hat. Für mich kamen sie immer grundlos, darum konnte ich auch nicht dagegen tun. Wie sollte ich denn mein Verhalten ändern, wenn nie klar war, was sie eigentlich wollte und welche Laune sie gerade hatte? Das brachte Angst mit sich, Angst die sich als Zwänge zeigten, von klein auf.

MiudasGlühwürmchen

unregistriert

9

Samstag, 28. August 2010, 09:12

Eine Vertrauensperson wird meine Mutter auch nie sein, dafür ist zuviel passiert. ^^
In meinem Fall hat sich die Schule mehrmals eingeschaltet, was es jedoch nur noch schlimmer gemacht hat. Auch dass die Leute im Dorf mitbekommen haben was bei uns abging und sich dann miteingeschalten haben, hat nur eine verschlimmerung gebracht.
Die Leute kamen zu meiner Mutter und fragten, wieso ich nichts oder mehr zu essen bekomme, wieso ich im Winter keine gescheiten Winterklamotten habe, wieso ich so ungepflegt und abgemagert bin etc. Meine Mutter hat gemeint, dass sähe nur so aus, es würde mir prima gehen, sie sollen mich nicht so ernst nehmen. Tür zu, warten bis sie weg sind und das Geschreie ging los. Wie ich denn behaupten könne, ich würde nichts zum essen bekommen, wieso ich so assig rumrenne, was die Leute über uns denken würden, dass ich nur Mist im Kopf habe, was ich ein Misratenes Kind sei etc.
Was sie nie verstand: Ich habe nie meinen Mund aufgemacht. Ich habe immer behauptet es sei alles okay, bis auf die Vertrauenslehrerin die sich irgendwann einschaltete, habe ich niemandem die Wahrheit gesagt. Aber man hat es gesehen. Und auch die Mitschüler haben es mitbekommen, was für noch mehr Mobbing führte.^^

Heute weiß ich einfach, dass sie weder Verantwortung übernehmen noch Kritik annehmen kann, sie ist dazu einfach nicht in der Lage. Was es noch immer nicht entschuldigt, denn auch ich habe Probleme mit anderen Menschen, auch ich kann die Leute mal gut mal schlecht leiden etc. Aber ich weiß was ich habe und versuche in schlechten Phasen gar nicht erst in die Nähe anderer Menschen zu kommen. ^^
Auch zu lernen, dass nicht alle so reagieren wie meine Mutter, war eine positive Erfahrung. Ich hatte jahrelang ein Verhalten gelernt, was in der Anfangszeit meiner Beziehung für Streit sorgte. Ich war trotzig, wollte nicht über meine Probleme reden etc. Daraufhin ging mein Freund, als er merkte dass ich auf Krawall gebürstet war, einfach weg. Ich saß mindestens 1 1/2 Stunden auf dem Bett und war total fassungslos. Ich wusste nicht wie ich reagieren sollte, noch was eigentlich los war. Ich hab mir Vorwürfe gemacht und gleichzeitig konnte ich nichts begreifen. Ich war gewohnt: Ich widersetze mich und mein Gegenüber schlägt zu. Es gibt Schreierein und was weiß ich für Verbote.
Mein Freund kam wieder und tat erstmal stundenlang so als wäre nichts passiert, aber er redete auch nicht viel. Als er dann ins Bett kam, haben wir darüber geredet und es war eigentlich alles okay. Wir erklärten gegenseitig, was los war und damit war es gut.^^
Er musste lernen, dass ich mit Gewalt aufgezogen wurde, ich musste lernen, dass er den menschlicheren und gewaltfreien Weg geht.

Nun ja, um auf das Thema zurück zu kommen.^^
Ich habe nicht vor, meiner Mutter wichtige bzw. Vertrauensvorraussetzende Dinge zu erzählen, auch Dinge in denen ich eine Entscheidung fassen muss, wird sie wohl erst im Nachhinein erfahren. Ich kann mit meinem Freund über alles reden, er respektiert meine Entscheidungen und versucht mir nicht zu helfen, weil er dann iwann diese Hilfe einfordern kann.
Bisher liefen die Mails, die zwischen meiner Mutter und mir in der letzten Woche hin und her gingen anfangs darum, wie es mir geht und mittlerweile nur noch um banale Dinge, z.B. wie mein Tag war, ob ich schlafen kann, was für ein Wetter ist, wer grade was macht. Ich habe nicht vor, es tiefer fließen zu lassen, vor allem, wo ich mich noch nicht entschieden habe, was ich nun zu tun gedenke. Ich sollte noch keine Entscheidung fassen, denn es gibt einige Pros und Kontras, außerdem bin ich derzeit in einer eher Depressiven Verfassung, was mein Urteilsvermögen stark beeinflusst.

Ps: Ich habe außer derzeit nur zu 3 Personen in meiner Familie bzw. Verwandschaft mehr oder weniger Kontakt, derzeit zu meiner Mutter, alle paar Monate zu der meines Vaters und immer mal wieder nen Satz von ihrer Cousine.
Hat viel mit der Kriminalität der Verwandschaft zutun.^^

Brummbär

unregistriert

10

Samstag, 28. August 2010, 21:58

Da hört sich vieles für mich bekannt an, naja, wir haben ja auch die gleiche Krankheit bekommen.

:alarm:

MiudasGlühwürmchen

unregistriert

11

Sonntag, 29. August 2010, 05:49

Das stimmt..^^ Ist bei solchen Eltern auch leider nicht anders zu erwarten.