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Freitag, 13. Mai 2011, 15:39

Neu hier mit einer Frage

Hallo zusammen, ich bin auf der Suche nach Antwort auf dieses Forum gestossen. Es geht um meine Frau. Ich frage mich, ob sie unter Zwangsvorstellungen leidet. Sie hat mir erzaehlt, dass sie frueher einmal, bevor wir uns kannten, einen Zaehlzwang hatte. Heute nach ca. 3 Jahren Partnerschaft gibt es Gewohnheiten bei ihr, die mir zwanghaft scheinen. Wenn ich sie darauf anspreche, reagiert sie sehr emotional und faengt oft an zu weinen.
Sie hat z.B ein Problem mit der Nase. Sie muss sich regelmaessig die Nase putzen, jeden Tag, 24 Stunden, oft im Minutentakt. Sie denkt, es ist eine Allergie. Meiner Meinung nach, sollte sie einmal zum HNO-Arzt gehen, um das pruefen zu lassen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass eine Allergie ganzjaehrig, ganztaegig Symptome zeigt. Aber sie besteht darauf, dass es eine Allergie ist. Zwar hat sie vor Jahren eine entsprechende Diagnose bekommen, aber ich an ihrer Stelle wuerde mir eine zweite Meinung holen, da die Symptome ja staendig vorhanden sind.
Oder: ein Friseur hat ihr einmal erzaehlt, dass sie Schuppen haette. Seitdem nimmt sie Anti-Schuppen-Shampoo und benutzt nachts Haarwasser. Ich habe noch nie bei Schuppen gesehen weder auf der Kopfhaut noch auf der Kleidung.
Es gibt noch einige andere solche Gewohnheiten. Die Beispiele sind aber fuer mich stoerend, da sie nachts sich die Nase schneuzst, was ich trotz Ohrstoepsel hoere. Oder es riecht unangenehm nach Haarwasser. Meistens kann ich damit leben, aber manchmal geht es mir doch auf die Nerven, doch halte ich mich mit einem Kommentar zurueck, was aber frustrierend ist. Meine Frau haelt an ihren Ideen fest. Noch so ein Beispiel: irgendwo hat sie gehoert, dass Pfeffer gut fuer die Verdauung ist. Ich habe das noch nicht nachgeprueft. Aber seitdem streut sie sich auf jede Mahlzeit eine nicht geringe Menge Pfeffer, was meiner Meinung nach uebertrieben ist, aber ich sage nichts. Ich habe nur meine Zweifel geaeussert. Es ist fuer mich frustrierend, dass sie sich nicht auf neue Aspekte eines Themas einlassen kann. So ist es schwierig mit ihr zu diskutieren. Mir erscheint das Verhalten schon zwanghaft oder bin ich in meinem Urteilen zu streng?

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Samstag, 14. Mai 2011, 20:07

RE: Neu hier mit einer Frage

Hallo Dirk,
nach einer Zwangsstörung hört sich das Verhalten deiner Frau für mich nicht an. Eher könnte bei ihr eine Persönlichkeitsakzentuierung/-Störung im Sinne einer zwanghaften Persönlichkeit vorliegen.
Du kannst bei Wikipedia nachschauen, wie sich eine solche Akzentuierung/Störung beim Betroffenen manifestiert.
Ich finde es sehr verständlich, dass du dich durch die "Macken" deiner Frau gestört fühlt, und du darfst dein Angenervtsein auch laut und deutlich äußern. Ändern wird das bei ihr zwar nichts, eine Einsicht und eine Veränderungsmotivation liegen bei deiner Frau bisher ja nicht vor. Du musst dir trotzdem nicht alles gefallen lassen, was sie sich in den Kopf setzt.

Viele Grüße,

Youtwo

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Samstag, 14. Mai 2011, 21:20

Hallo Youtwo,
vielen Dank fuer die Antwort. Ich aeusser selten meinen Unmut, weil es immer so folgenreich und anstrengend fuer mich ist. Manchmal denke ich, ich sollte strenger sein und oefter etwas sagen. Aber weil die Einsicht bei ihr fehlt, lasse ich es dann. Meine Gereiztheit runterschlucken ist aber auf die Dauer auch extrem frustrierend. Vom Psychiater Albert Ellis, der die Rational-Emotive-Therapie entwickelt hat, gibt es den Tipp, es alles nicht persoenlich zu nehmen, den Partner zu akzeptieren wie er ist und die Schlussfolgerung zu ziehen, dass diese Verhaltensweisen nicht furchtbar sind. Das alles gelingt mir auch, aber nicht immer. Nicht, wenn ich muede oder sonst in einer negativen Stimmung bin. Auf die Dauer ist es auch belastend fuer die Beziehung. Sie hat eine mehrjaehrige Therapie hinter sich und ich frage mich, was das alles gebracht hat. Auch hier unterlasse ich es, etwas zu bemerken, weil solch eine Kritik als persoenliche Beleidigung angesehen wird. Manchmal weiss ich nicht mehr weiter und ich denke, dass eine Trennung vernuenftig waere. Doch liebe ich meine Frau noch immer, auch wenn es manchmal hart ist. Gibt es eigentlich Selbsthilfegruppen fuer solche Faelle, also fuer Angehoerige?

Danke und Gruss, Dirk

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Samstag, 14. Mai 2011, 22:11

Hallo Dirk,
die Verhaltensweisen an sich mögen nicht furchtbar sein, aber die Tatsache, mit deiner Frau keine Gesprächsbasis finden zu können, ihre Uneinsichtigkeit und Sturheit aushalten zu müssen, das ist sicherlich anstrengend. Dieser Teil an ihr, der durch die Krankheit besetzt ist, bleibt dir verschlossen. Da lässt sie dich nicht an sich heran, da seid ihr euch fremd. Das muss sich seltsam anfühlen.
Ob es speziell Selbsthilfegruppen für Angehörige von zwanghaften Persönlichkeiten gibt, weiß ich nicht. Es gibt aber sicherlich SHGs für Angehörige von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Vielleicht kann dir diesbezüglich die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen e. V. weiterhelfen, oder du recherchierst im Internet.

Ein gutes Buch, welches sich speziell mit zwanghaften Persönlichkeitsstörungen auseinandersetzt, stammt von Nicolas Hoffmann und heißt "Zwanghafte Persönlichkeitsstörung und Zwangserkrankungen". Du findest es am Ende dieser Seite bei den Buchempfehlungen.

Ich wünsche dir alles Gute!
Viele Grüße,

Youtwo.