Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Zwangserkrankungen.de. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

kleinerdelphin

unregistriert

1

Montag, 11. Juli 2011, 21:23

Mein Mann hat Zwangsneurosen.

Hallo liebe Forummitglieder,
es hat mich viel Überwindung gekostet,diesem Forum beizutreten und nun hoffe ich hier ein wenig Licht in mein Leben zu bekommen.
Vor über 20 Jahren lernte ich meinen Mann kennen. Augenscheinlich war er ganz normal nur fiel mir auf, dass er unter, für mich unverständlichen Ticks litt. Er berührte damals ständig mit dem Kopf die Gardinen als würde er daran kleben bleiben.Ich sprach ihn darauf an und er verleugnete es. Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Ticks hinzu.Er fuhr mit dem Auto umwege,musste in die Tür in die er hinein ging auch wieder raus, drehte sich wenn er aus dem Auto stieg, lief im Haus immer die selben Wege ab, berührte nie den Boden und, und, und wenn er einen Zwang ablegte kam ein anderer hinzu. Ich habe jahrelang nicht gewusst was es ist, es war nur eine unglaubliche Belastung und vor allen Dingen, ertappte ich ihn permanent beim Lügen. Zu Zwangsneurosen kam noch hinzu, das er mich wenige Monate nach der Hochzeitt betrog und mir ebenfalls erzählte, dass er diese Frau bis zu 70 mal pro Tag anrufen musste und teilweise die Treppe so lange rauf und runter lief, bis er ein gutes Gefühl hatte. Für mich unvorstellbar. Er besuchte einen Therapeuten und er bestätigte, das er eine narzistische Persönlichkeitsstörung und Zwangsneurosen hätte.Leider sah er diese Therapie als nicht notwendig an und brach sie ab. Er hätte schließlich alles im Griff. Immer mehr wuchs ihm sein Leben über den Kopf. Er machte immer mehr schulden, fuhr regelmässig betrunken Auto (verlor auch seinen Führerschein) und war auch teilweise sehr aggressiv.Ich könnte noch so vieles schreiben, doch das würde den Rahmen sprengen.Wer hat Erfahrungen mit diesem Verhalten und kann mir mehr dazu schreiben?

Pit-2001

unregistriert

2

Montag, 11. Juli 2011, 22:39

Will ein paar grundsätzliche Sachen sagen, die ich mir gewünscht hätte und wünschte und die ich für sehr wichtig erachte:

Schaffe ein Klima, in dem er nicht mehr Lügen muss, indem er so wie er ist von dir angenommen wird.

Lerne seine Gedanken und Gefühle kennen, so dass er weiß, du weißt wies ihm wirklich geht, tief in seinen Ängsten.

Dann überlege (das mag ein längerer Prozess mit viel Lesen oder Infos von Therapeuten sein) wie du ihm einerseits helfen andererseits Grenzen setzen kannst, die dich schützen, ihn aber nicht umbringen. Sei dabei stark und konsequent aber nie unflexibel hart.

Wenn er zu keiner Übereinkunft bereit ist, drohe mit Trennung, wenn er nicht in Therapie geht oder sich mit dir auf eine Verfahrensweise einigt, die euch beide leben lässt. Auf gut Deutsch: Kompromisse als Mittel der Wahl. Er muss Härte spüren, um an sich zu arbeiten, in Therapie zu gehen oder oder, aber diese Härte darf nicht in der Seele das kaputt machen, was viell. verantwortlich ist, für sein Verhalten, weil mancher vielleicht ähnliches in der Kindheit erlebt hat. Es ihm jetzt wieder zu kredenzen, wäre kein guter Schritt. Das ist das, was viele nicht kapieren.

Das ganze klingt ziemlich einfach, ist es auch, aber durchführbar ist es wohl erst, wenn du ne Menge über sein Leiden gelernt hast.

Vielleicht überfordert dich auch, was ich hier schreibe, trotzdem ist da viel Wahres dran. Manchmal dauert es, bis man gewisse Dinge erkennt.

Pit

PS: jeder Fall ist anders, obiges ist das Fazit aus vielem Lesen und vor allem meinem persönlichen Fall, der sich jemand gewünscht hätte, der wie obig mit mir umgegangen wäre oder es noch tut . . .Obiges ist nicht unbedingt auf jeden Fall anwendbar, das zur Vorsicht. Und wenn mir jemand klar macht, warum er es viell. anders sieht, nehme ich diese Sicht auch gern auf :-)

kleinerdelphin

unregistriert

3

Montag, 11. Juli 2011, 22:51

Mein Mann hat Zwangsneurosen

Danke Pit für deine Antwort,
tja, mit Trennung habe ich bereits gedroht und wir gehen auch bereits getrennte Wege, weil er eine Therapie nicht für notwendig hält. Mitlerweile geht es an meine Existenz. Ich muss mich ganz einfach schützen. Er tut mir leid und ich würde ihm so gerne helfen, ihm als Freund zur Seite stehen, egal was passiert ist. Ich weiß einfach nicht mehr was ich ihm noch glauben soll. Ist denn lügen bei dieser Krankheit normal? Er lebt ein sehr undurchsichtiges Leben und ich muss sagen, ich kenne ihn immer noch nicht nach all den Jahren. Er lebt in seiner eigenen Welt und lässt selbst mir nur einen kleinen Zugang,

Inkognito

unregistriert

4

Dienstag, 12. Juli 2011, 22:45

Kleinerdelphin vergiss nicht zu leben.

Dein Gatte hatte mehr als 20 Jahre jegliche Chance was zu verändern. Mit noch mehr Verständnis wirst Du da nicht weiter kommen.

Wenn jemand ein Arschloch ist, dann muss man dafür nicht immer ne Störung suchen.

Pit-2001

unregistriert

5

Mittwoch, 13. Juli 2011, 00:20

RE: Mein Mann hat Zwangsneurosen

Nein, Lügen ist nicht ein Bestandteil von Zwangskranken.

Manche haben es allerdings erlernt, mit so was ähnlichem wie Lügen damit nicht aufzufallen, weil man Zwängler auch heutzutage gern verteufelt,

und andere mögen sich selbst was vorlügen, um nicht in die Tiefe und die Realität sehen zu müssen, aber auch das alles ist nicht zwangsläufig mit dem Krankheitsbild verbunden.

Ich kenne beides nicht.

Ich bin gegen jede Schocktherapie, aber wenn Charakterzüge den Zugang zu einem ehrlichen Gespräch verbauen, mag die Situation anders sein, als ich sie mir von mir kenne.

Ich wehre mich dagegen, Zwangskranke mit der Pflicht, eine bestimmte Therapie zu machen, weil man sie sonst abschießt, zu erpressen. Kein Kranker darf zu einer Therapie gezwungen werden und wenn er sie ablehnt, missachtet werden!!!

Aber jeder sollte sich klar sein, dass er auf Ablehnung trifft, wenn er zu jemand, der ihm helfen will unehrlich ist, verbergend und unberechenbar. All das hat nicht zwangsläufig mit dem Krankheitsbild zu tun und all das sind Eigenschaften, die m. E. eher auf den Charakter zurückzuführen sind und immer ein entsprechendes Echo nach sich ziehen. Trotzdem mag es auch Blockaden geben, die man erst durchbrechen muss, gemeinsam, ehe man Schlüsse zieht und mit Konsequenzen droht. Alles nicht ganz so einfach . . .

Mit Gruß

Pit

Inkognito

unregistriert

6

Mittwoch, 13. Juli 2011, 08:08

RE: Mein Mann hat Zwangsneurosen

Zitat

[
Ich wehre mich dagegen, Zwangskranke mit der Pflicht, eine bestimmte Therapie zu machen, weil man sie sonst abschießt, zu erpressen. Kein Kranker darf zu einer Therapie gezwungen werden und wenn er sie ablehnt, missachtet werden!!!


Richtig! Aber dann muss er auch mit den Konsequenzen leben.
Es geht nicht nur um den Kranken, es geht auch um sein Umfeld und nur weil man krank ist heisst das noch lange nicht, dass man nicht an sich arbeiten muss.bzw. an sich arbeiten lassen muss.

Es ist richtig, dass jeder mit seinem Leben und seiner Gesundheit machen kann was er will, aber dann muss er wie schon gesagt auch mit den Konsequenzen seines Handelns leben.
Der Spass hört dann auf, wenn er sich nicht selbst schädigt, sondern seine Mitmenschen.

kleinerdelphin

unregistriert

7

Mittwoch, 13. Juli 2011, 23:15

Hallo, danke für Eure Antworten. Ein kleiner Lichtblick trotzdem ist es schwer zu verstehen warum ein Mensch sich so verhält. Ich habe ständig angst das etwas neues an Überraschungen auf mich zukommt und trotzdem kann ich ihn nicht ganz fallen lassen. És ist mitlerweile ein Teufelskreis.
Und oftmals habe ich mir auch überlegt, ob nicht doch einige negative Charakterzüge seine Verhaltensweise erklären aber ganz ehrlich .......ich weiß es nicht mehr. Sicher ist , er hat mir einige Jahre in meinem Leben genommen und tiéfe Wunden hinterlassen aber wie sagt man so schön: Niemand löst Probleme in der Vergangenheit.

Pit-2001

unregistriert

8

Donnerstag, 14. Juli 2011, 00:12

RE: Mein Mann hat Zwangsneurosen

Zitat

Original von Inkognito

Zitat

[
Ich wehre mich dagegen, Zwangskranke mit der Pflicht, eine bestimmte Therapie zu machen, weil man sie sonst abschießt, zu erpressen. Kein Kranker darf zu einer Therapie gezwungen werden und wenn er sie ablehnt, missachtet werden!!!


Richtig! Aber dann muss er auch mit den Konsequenzen leben.
Es geht nicht nur um den Kranken, es geht auch um sein Umfeld und nur weil man krank ist heisst das noch lange nicht, dass man nicht an sich arbeiten muss.bzw. an sich arbeiten lassen muss.

Es ist richtig, dass jeder mit seinem Leben und seiner Gesundheit machen kann was er will, aber dann muss er wie schon gesagt auch mit den Konsequenzen seines Handelns leben.
Der Spass hört dann auf, wenn er sich nicht selbst schädigt, sondern seine Mitmenschen.



Dazu möchte ich noch was sagen dürfen: Ich mache einen Unterschied zwischen jemand, der sich konstant weigert, an sich zu arbeiten und jemand, der anders vorgeht, als ihm auferlegt wird. Nur wenn ein Leiden perfekt erkannt ist, dürfte man jemand zu einer bestimmten Therapieform zwingen, wenn überhaupt, in allen anderen Fällen, muss der Kranke selbst entscheiden dürfen, welche Therpaie er annimmt und man darf ihm das nicht anrechnen. Wie oft rechnet man Leuten was an, weil das ein guter Entschuldigungsgrund ist, nicht mehr helfen zu brauchen. !!!

Es soll aber auch Leute geben, die sich vergraben und konstant weigern, irgendwie etwas an sich zu tun, die müssen wahrhaftig auch in Kauf nehmen, durch einseitig getroffene Konsequenzen wachgerüttelt zu werden.

Es gibt aber auch beidseitig getroffene Konsequenzen, wenn etwas nicht mehr geht oder nur noch negativ wirkt, das müssen die beiden Leute aber immer mit sich abmachen und beschließen.

Pit

Pit-2001

unregistriert

9

Donnerstag, 14. Juli 2011, 00:14

Kommunikation und Kompromisse sind alles und wenn die nicht gehen, dann liegt das sicher langfristig gesehen zu einem hohen Prozentsatz nicht an der Angst- oder Zwangskrankheit, sondern an der Person selbst.

Von daher wüsstest du dann, wie du es einzuschätzen hast, ob du mit der Person kannst, willst oder nicht mehr.

Pit

Inkognito

unregistriert

10

Donnerstag, 14. Juli 2011, 02:38

Zitat

Original von kleinerdelphin
Und oftmals habe ich mir auch überlegt, ob nicht doch einige negative Charakterzüge seine Verhaltensweise erklären aber ganz ehrlich .......ich weiß es nicht mehr. Sicher ist , er hat mir einige Jahre in meinem Leben genommen und tiéfe Wunden hinterlassen aber wie sagt man so schön: Niemand löst Probleme in der Vergangenheit.


Verlorene Jahre bringt einem auch keiner mehr zurück - es gibt Zeiten da ist es vielleicht besser sich neu zu orientieren.

Für Ihn selbst ist der Leidensdruck noch nicht hoch genug und deshalb glaube ich Du wirst noch mehr Überraschungen erleben - Einsicht und Veränderungswille wären etwas das ich erwarten würde - als Gegenleistung für meine Hilfe.

kleinerdelphin

unregistriert

11

Donnerstag, 14. Juli 2011, 19:29

Er sagt er wäre einsichtig es täte ihm alles leid aber sein Leben ging ja schließlich auch weiter wenn ich mit ihm nicht mehr leben wollte. Er könnte die Zeit nicht mehr zurück drehen.....recht hat er!
Ich vermisse die klaren Worte, das offene Gespräch die wahren Bemühungen um diese Ehe. Er ist so sehr mit sich beschäftigt, dass er für andere Menschen tiefgründig keinen Platz hat. Es ist mir bewusst, das er keine Verantwortung übernehmen kann und die anderen für seine Not verantwortlich gemacht werden. Er findet immer einen dummen.
Seine Zwänge sagt er, wären verschwunden sobald er stressfrei Leben würde. Er begreift die Ernsthaftigkeit nicht dahinter.
Ich habe ihn jahrelang gedeckt, ihm den Rücken gestärkt bis er vor Freunden sagte: wenn er 8 Stunden arbeiten würde, dann ginge seine Kreativität verloren.
Ich fühlte mich ein wenig verar....... als diejenige, die ihn 10 Jahre fast finanzierte und 10-12 Stunden am Tag klotzte. Verständlich oder?
Trotzdem gerät man in einen Sog und kann aus seiner Haut nicht raus, wenn man andere Wesenszüge hat.
Ich weiß es ist besser dieses Leben gemeinsam zu trennen. Der Kopf sagt ja aber das Herz zweifelt. Schrecklich