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Hayastan

Anfänger

  • »Hayastan« ist männlich
  • »Hayastan« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 33

Zwangssymptome: Kontrollzwang, Zwangsgedanken (agressiver Inhalte)

Medikament / Dosis: Clomipramin 75 mg

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Hobbys: Sport zum Abschalten, ehrenamtliche Arbeit

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1

Samstag, 24. März 2012, 01:08

Vertrauen

Immer wieder stelle ich fest, dass mein großes Problem (und auch wohl das Problem fast aller Zwangskranken) das Vertrauen in sich selbst und das Leben ist.
Betrachtet man das Leben als einen Baum, so kommt es mir vor, als säge ich sowohl an seinem Stamm als auch an dem Ast, auf dem ich sitze. Denn Vertrauen kommt mir als etwas sehr Essenzielles im Leben vor, ohne das des Lebens Würze verloren geht. Ich glaube, wenn ich mein Vertrauen wieder zurückbekommen könnte, würde ich auch meine Zwänge ablegen. Doch wie geht das?

In einem Buch über Zwänge beziehungsweise für Zwangskranke habe ich gelesen, dass Zwängler unter anderem folgenden Dingen vertrauen lernen müssen:
- dem Gedächtnis, wäre etwas wichtiges passiert, dann würde man sich ohne nachzudenken daran erinnern.
- seinen Impulsen, sie handeln niemals gegen die eigene Moralvorstellungen,
- seinen Gedanken, es sind unvermeidbare und harmlose Einfälle ohne eigene Wirkung und Macht. Sie liegen nicht im Bereich der eigenen Verantwortung.
- Vertrauen zu haben, dass man nicht für jeden und alles verantwortlich ist.

Diese Aussagen erscheinen mir einleuchtend, doch gleichzeitig schenke ich ihnen bei meinem täglichen "Zwängeln" keinen Glauben. Ich lese etwas über Vertrauen, es erscheint mir einleuchtend, aber ich habe keins? Wie bekommt man es also?

Vertrauen ist wohl etwas, was man nicht rational erlangen kann. Ich kann noch so viel über etwas nachdenken, darüber grübeln, wie wahrscheinlich es ist, dass etwas passiert oder nicht (was sich meine Zwangsgedanken ausmalen), mit genügend Vertrauen würde ich den ganzen Mist beiseite fegen und mein Leben in die Hand nehmen. Was kann ich also machen, um wieder mehr Vertrauen zu bekommen? Habt ihr Tipps? Lasst uns mal darüber nachdenken=)
Ich war allzu moralisch, allzu vernünftig.. gewesen! .. Und so war es mir wieder einmal geschehen, daß ich mich selbst und das ganze Leben vergewaltigt hatte.
- Hermann Hesse, Kurgast

2

Sonntag, 25. März 2012, 20:21

hallo hayastan,
du hast völlig recht, vertrauen in sich selbst ist der schlüssel zu allem.
ich erlebe das ganz hautnah bei meiner tochter, die in ihrer therapie mühsam lernt, vertrauen zu finden zu ihren eigenen handlungen und wünschen. dazu, daß sie ein "ganz normaler mensch" ist, der ganz normale dinge anstrebt.
es ist in ordnung, du zu sein, heißt die losung. du mußt nicht perfekt sein, kannst es nicht. niemand kann das. du mußt dich herantasten an das, was dich ausmacht. du darfst dich irren. du wirst es dennoch schaffen.
für mich als mutter manchmal horror, weil ich mir so sehr den vorwurf mache, ihr diese sicherheit, dieses vertrauen in die eigene stärke, trotz aller rückschläge, die nun mal vorkommen können, anscheinend nicht habe vermitteln können!
aber immerhin gibt es die möglichkeit, hilfe bei diesem prozess zu bekommen.und das sollte man nutzen.
lg. katja

Kolibri

unregistriert

3

Sonntag, 25. März 2012, 23:32

RE: Vertrauen

Hallo Hayastan

Ich halte mangelndes Selbstvertrauen als eines der grundlegenden Probleme von Zwangserkrankten, nicht umsonst heisst es wohl ja auch "Krankheit des Zweifelns". Selbst kleine Zweifel können ausreichen, um eine Zwangshandlung auszuführen ("sicher ist sicher!").

In meiner Therapie hat sich gezeigt, dass Selbstvertrauen tatsächlich ein wichtiges Thema ist. Es ist inzwischen ein wenig gewachsen, die Zwänge sind entsprechend etwas weniger geworden. Eigentlich ganz logisch, oder? ;)

Die Frage ist nun, warum das Vertrauen in sich selbst gestört ist. Bei mir hat es mit meiner Kindheit/Erziehung zu tun. Liebe gegen Leistung bzw. Liebesentzug bei Fehlern, übertrieben hohe Erwartungen, Perfektionismus etc. Ich arbeite jetzt daran, mich von falsch gelehrten Mustern zu lösen, dazu gehört auch, sich selbst was Gutes zu tun. Ich muss also lernen, mir "zu erlauben", dass es mir gut gehen darf (mal nichts tun, Hobbies etc) und das ohne schlechtes Gewissen!!!! Das ist ein ebenfalls zentraler Punkt: Schuldgefühle, schlechtes Gewissen etc.

Ich konnte mich früher kaum eine Viertelstunde auf ein Buch konzentrieren, heute lese ich oft und mit Freude, weil es mir gut tut! :) Es ist also quasi zur Gewohnheit geworden! Es geht also - man muss einfach oft genug und regelmässig "trainieren". Das klingt jetzt alles viel einfacher als es ist...ich bin noch lange nicht am Ziel, aber Teilerfolge sind auch Erfolge. :banger:

Liebe Grüsse
Kolibri