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schwester44

unregistriert

1

Mittwoch, 13. Juni 2012, 11:19

Gibt es noch Hoffnung für meine Freundin?

Hallo,
habe schon vor einigen Jahren in irgendeinem Forum wegen meiner Freundin geschrieben.
Ja, die Beiträge haben mir auch gut geholfen und mich ermutigt.
Nun bin ich aber wieder am Ende meiner Kräfte, weil ich nicht weiß, wie ich meiner Freundin helfen kann.

Oft wenn sie mich anruft weint sie nur. Sie hasst sich und fühlt sich absolut wertlos.
Sie wohnt in einer kleinen Messie-Wohnung (zugemüllt), ist 48 Jahre, nicht verheiratet (hatte absolut noch nie ein Freund/Partner) und ist zur zeit berentet (möchte allerdings gerne in ihren Beruf als Krankenschwester zurückkehren).

Sie ruft oft an und weint vor Hass über sich selber, hauptsächlich wegen der Wasch-, Anzieh- oder Zahnputzzwänge...auch das Kämmen dauert eine Stunde, so dass es alles so um die 5 Stunden dauert, bis sie das Haus verlassen kann. Dann noch Kontrollzwänge, ob der Herd ausgeschaltet ... ist. Beim Verlassen der Wohnung nochmal eine bestimmte Anzahl oft die Fußsohlen ansehen, damit nichts wichtiges dran ist...
Und dann die Messiewohnung, die sie endlich in den Griff bekommen will. Sie duscht sich lt. ihrer Aussage oft Wochen nicht. Oft, weil auch alles vollgestellt und schmutzig ist.
Ganz in Depression ist sie natürlich wenn der Toilettendeckel nicht mehr zu geht !!
Irgendwann schafft sie es dann wieder zu putzen und es geht ihr ein bisschen besser.
Ich ermutige sie halt immer, so gut ich kann, mal so mal so, ich weiß nicht ob ich immer das Richtige sage. (Wir telefonieren hauptsächlich miteinander, hin und wieder treffen wir uns auch mit noch anderen Freunden)

Sie war schon öfter stationär in Behandlung, und hat eigentlich ständig mehrere Therapeuten. Zur Zeit hat sie einen sehr guten Therapeuten, (ich war auch schon mal bei Gesprächen mit dabei) Er sagte schon auch ich könnte ihn gerne anrufen...aber ich weiß nicht ob das gut ist, und ich habe Ängste was falsch zu machen...

Ich (44) denke eigentlich, ich bin nicht die richtige Freundin für sie, weil ich extrem oberflächlich bin. Ich mache alles ganz schnell, und es geht halt nicht immer so genau. Bei ihr geht es alles sehr genau, sie gibt sich alle Mühe alles ordentlich zu machen (Mülltrennen, Briefe, Körperpflege...), auch ein Grund für die Zwänge...
Ich denke nun, dass es nicht gut ist, ihr beim "aufräumen" zu helfen. Es hat sie bisher immer sehr belastet, und ich habe bemerkt, dass es ihr besser geht, wenn ihr jemand anders hilft. Aber auch dieses Aufräumen ist nur ein Tröpfelchen...

Auch habe ich Familie (5 Kinder) und sie hätte so gerne Familie. Wenn ich sage, ich fühle mich auch sehr einsam und wertlos -was tatsächlich auch stimmt- kann sie das nicht verstehen und ist gar böse auf mich.


Nun ich freue mich über jede Antwort, besonders auch über Antworten von Betroffenen, denen es ähnlich geht wie meiner Freundin (obwohl es natürlich wünschenswerter wäre, es gäbe da niemanden mehr).

Liebe Grüße

sunflower

unregistriert

2

Mittwoch, 13. Juni 2012, 13:18

RE: Gibt es noch Hoffnung für meine Freundin?

Hallo Schwester44,

beim Lesen der ersten Zeilen Deines Beitrags habe ich natürlich zuerst gedacht, dass Du Deine Freundin "dazu bekommen müsstest", sich an einen Therapeuten zu wenden. So offen wie sie mit Dir über ihre Krankheit spricht und auch sagt, dass sie was ändern möchte, wäre das mein Vorschlag gewesen, aber Du schreibst ja später im Text, dass sie in therapeutischer Behandlung ist.

Vielleicht solltest Du tatsächlich, wie der Therapeut es Dir angeboten hat, mal mit ihm telefonieren, was Du tun kannst.

Alternativ gibt es vielleicht in Deiner Nähe eine Selbsthilfegruppe (für Angehörige), die Du mal besuchen könntest (müsste sich ja über google rausfinden lassen.

Oder vielleicht gibt es einen Vortrag oder Literatur, die Dir helfen könnten?

Als ich dann weiter gelesen habe, wo Du von Deinen Kindern berichtest ... ich weiß nicht, wie alt Deine Kinder sind, könnte man möglicherweise Deine Freundin ab und zu einladen, sich um sie "zu kümmern" oder sich mit ihnen zu beschäftigen ... ohne, dass die Kinder sich von ihren krankheitsbedingten Verhaltensweisen beeinflussen lassen?

Ich wünsche Dir/Euch alles Gute, die Krankheit in den Griff zu kriegen.
Komplett geheilt zu werden wird wahrscheinlich lange dauern, wenn überhaupt, aber man kann ja zumindest ihr Leben wieder lebenswerter hinbekommen, das sollte doch mit einer verständnisvollen Freundin wie Dir und dem richtigen Therapeutin und vielleicht begleitend einem Medikament zu schaffen sein.

Viel Glück!

Liebe Grüße
sunflower

schwester44

unregistriert

3

Mittwoch, 13. Juni 2012, 16:53

Hallo sunflower,
vielen Dank für die Antwort und Tipps.
Ja, eine Selbsthilfegruppe, das wäre schön, da werde ich mich doch mal darüber informieren, und evtl. auch mal (wieder) den Therapeuten anrufen. Obwohl er auch eher schweigsam ist (das passt auch gut zu meiner Freundin) und meistens nichts herauskommt dabei.

Bei meinen Kindern ist der Jüngste nun schon 12, dann 14, 17, 20, 22. Der Älteste studiert in einer ca. 100 km entfernten Stadt. Die anderen sind alle noch zu Hause, und dann habe ich natürlich auch noch einen Ehemann.
Mit dem Helfen bei uns zu Hause, hat mal ganz selten geklappt. Obwohl sie sich immer und immer angeboten hat, habe ich doch recht bald gemerkt, dass sie das nur schnell und auch wirklich gerne zusagt, es aber dann doch nicht schafft und ein unwahrscheinlicher Druck für sie ist (Sie braucht ja 5 Stunden um auch dem Haus zu gehen...) Dann hat sie auch noch Vater und Bruder/Schwägerin (die haben leider gar kein Verständnis für sie, und schimpfen über ihre Unordnung) mit Bauernhof in der Nähe. Dort hilft sie eigentlich immer gerne und auch viele Nichten und Neffen hat sie, um die sie sich auch kümmert.
Also ab und zu geht es ihr schon auch etwas besser....wenn doch nur die Zwänge und der Müll nicht wäre, so sagt sie...

Also nochmals Vielen Dank für den Beitrag
LG

4

Mittwoch, 13. Juni 2012, 20:06

Hallo und willkommen im Forum,

da deine Freundin schon stationär in Behandlung war und nun ambulante Therapie macht, hat sie sich zumindest für einen Bereich Hilfe gesucht, jedoch ist das nicht unbedingt der Bereich, der Messis hilft.

Messi-Syndrom wird selten erkannt und oft auch in der Therapie nicht angesprochen, weil es zu peinlich ist. Waschzwang/Ekel/Zwänge etc. klingen noch gesellschaftsfähiger, als zu sagen: Die Wohnung ist das reinste Chaos!

Es gibt jedoch inzwischen gezielte Hilfeleistung für Messi - die findet sich jedoch nicht beim Psychotherapeuten - sondern zB hier:

http://www.h-team-ev.de/wir_ueber_uns_te…ntwicklung.html

Je nach Einzelfall hilft/zahlt auch das Sozialamt und hilft(wobei sich das evtll je nach Bundesland unterscheidet).

Wenn deine Freundin wirklich Hilfe will und das Wohnungschaos hinter sich lassen, sollte sie sich professionelle Hilfe suchen (für das Messi-Problem).

Psychotherapeuten sind gut zum Reden und für andere Bereiche, aber meist keine Hilfe für Messi-Problematiken.

Zuerst muss die Wohnung ok sein, dann kommt das Üben, dass es ok bleibt.

Alleine wird sie das vermutlich nicht schaffen, zumindest nicht sofort.

Es gibt auch spezielle Messi-Foren/Vereine, vll würde ihr ein Austausch mit anderen helfen.

Manche lösen zB das Messi-Problem durch eine Haushaltshilfe, um zu verhindern, daß es wieder so chaotisch wird wie zuvor, gerade, wenn noch Zwänge hinzukommen, bleiben Menschen oft im Messi-Chaos stecken, weil es zu anstregend und überforernd ist: Die Zwänge erfüllen, die Dinge so machen, wie sie gemacht werden müssen (aus Zwangssicht) und für eine ordentliche Wohnung sorgen.

Zitat

Auch habe ich Familie (5 Kinder) und sie hätte so gerne Familie. Wenn ich sage, ich fühle mich auch sehr einsam und wertlos -was tatsächlich auch stimmt- kann sie das nicht verstehen und ist gar böse auf mich.


Das Gefühl der Einsamkeit ist unabhängig vom Umfeld, jemand kann unter Leuten sein und sich einsam fühlen, oder ganz alleine und sich nicht einsam fühlen.
Die Isolation ist jedoch bei jemand, der alleine lebt und kaum? soziale Kontakte hat viel, viel größer, ich denke, deshalb kann sie nicht verstehen, was du meinst, ebenso wenig, wie Menschen, die nie alleine gelebt haben und wenig bis keine soziale Kontakte/Integration mehr hatten, die andere Qualität der Einsamkeit (durch Isolation) erfassen können.

Ich finde übrigens nicht, daß du oberflächlich bist, wer oberflächlich ist, würde sich keine Gedanken über die Freundin machen und überlegen, wie ihr geholfen werden kann. Auch, dass du trotz ihrer Probleme noch mit ihr befreundet bist, zeigt, dass du nicht oberflächlich/gedankenlos bist!

Wenn jeder sich bei jeder Kleinigkeit (zB Putzen etc.) so viele Gedanken machen würde, wie ein Zwangskranker, würde gar nichts mehr funktionieren. Der Zwang hindert auch daran, Sachen zu schaffen, wegen/weil alles dadurch kompliziert wird, was wie gemacht werden muss etc. und dann wird derjenige entweder gar nicht fertig (zB Aufräumen) oder braucht Stunden und schafft nur minimal etwas, weil die meiste Zeit für den Zwang/Zwangsgedanken drauf geht.

Viele Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L