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Heartsease

Schüler

  • »Heartsease« ist weiblich
  • »Heartsease« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 65

Zwangssymptome: Angst anderen zu schaden,Wasch- und Kontrollzwänge

Medikament / Dosis: 60 mg Fluoxetin

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: Hamburg

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1

Samstag, 22. September 2012, 20:45

„Ich kann nicht anders! – Wenn Zwänge das Leben bestimmen“ am 27. Oktober um 20:15 Uhr bei VOX

Vox behandelt am 27.10, ab 20:15 Uhr (wenn's nicht verschoben wird) in der großen Samstagsdokumentation das Thema Zwangsstörungen (zusammen mit Tourette und Angststörungen).
http://kommunikation.vox.de/de/pub/aktuell/i43388_1.cfm

Gruß,
Heartsease

2

Freitag, 26. Oktober 2012, 20:03

wollte nur noch einmal auf die Sendung Morgen in Vox aufmerksam machen!
LG Bee

Calippo

unregistriert

3

Samstag, 27. Oktober 2012, 22:23

Ich wollte es auch grade schreiben und habe gesehen, dass Du das schon gemacht hast :-)


am Sonttag kommt um 9Uhr Vormittags die Wiederholung!

Kathrin

Schüler

Beiträge: 104

Zwangssymptome: Waschen

Status: Betroffene/r

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4

Sonntag, 28. Oktober 2012, 00:47

Und wie fandet ihrs? Sind eigentlich manche aus der Doku auch hier angemeldet?
Ich fands zur Aufklärung ganz gut, dass mal Einblick gegeben wurde. Natürlich für Betroffene nichts Neues.
Ich verstehe allerdings nie, arum immer bei Dokus über Zwänge auch Tourette mit einbezogen wird, das ist doch etwas völlig anderes!!
Da sind keine existenzbedrohliche Ängste, es geht meiner Meinung nach in eine andere Richtung.
Ich denk, dass bei den Ängsten immer ein Trauma (unbewusst oder bewusst) zugrundeliegt. Das war auch eine Bestätigung für mich, dass gerade der Angstpatient trotz Expos seine Ängste nicht wegbekam, sondern ihm eine Traumatherapie zusätzlich zu Expos half!
Ich glaube sehr sehr viele von uns bräuchten eine Aufarbeitung der zugrundeliegenden Gefühle, gegen welche man ja EIGENTLICH kämpft, um die Ängste zu integrieren in das Verarbeitete...

5

Montag, 29. Oktober 2012, 13:49

Hab die Doku auch gesehen und ich fand das echt mutig, dass sich erkrankte Menschen durch ihren Alltag begleiten lassen. Also Hut ab. Ich glaub ich könnte das nicht.
Außer meinem Mann weiß in meinem Umfeld niemand von meiner Zwangserkrankung. Ich trau mich auch nicht mehr darüber zu sprechen, weil ich noch genau weiß, wie einige Leute damals reagiert haben, als ich von meinen Depressionen, die ich ja zusätzlich auch noch hatte, erzählt habe. Damals bin ich schon echt schief angeguckt worden, obwohl Depressionen ja in der Öffentlichkeit etwas bekannter und weit verbreiteter sind als Zwangserkrankungen. Da ist selbst in der Familie gelästert worden. Na klar, jetzt kann man sagen, dass es immer Leute gibt, die sowas tun und man sich nicht entmutigen lassen, das ignorieren und trotzdem seinen Weg gehen soll. Aber mir hat das gereicht und deswegen hab ich mich von diesen Leuten distanziert und werde bestimmt nicht mehr erwähnen, dass ich zusätzlich noch zwangskrank bin. Es ist halt wirklich so, wenn du psychisch krank bist, dann gilst du für die meisten Leute immer noch als verrückt und wirst ausgegrenzt und bist dann echt Zielscheibe für alle möglichen dummen Sprüche oder Mobbing-Attacken. Hab ich mit meinen Depressionen alles schon durch. Das macht es für die Betroffenen nicht leichter. Deswegen fand ich das wirklich mutig, dass es dann von Zwankserkrankungen betroffene Leute gibt, die mit solchen Dokus ja auch für mehr Anerkennung dieser Krankheiten kämpfen.
Aber auch wie Kathrin bin ich im Zwiespalt, ob Tourette wirklich mit reinen Zwangserkrankungen verglichen werden kann. Im Prinzip ist es nichts anderes und nicht weniger quälend oder schlimm und dann doch wieder ein himmelweiter Unterschied. Ich weiß es nicht.

Liebe Grüße Ina :P

6

Dienstag, 30. Oktober 2012, 19:19

welche Wirkung hat so eine Doku auf Betroffene? Wenn man so eine Doku sieht ist man dann gefährdet andere Zwänge zu übernehmen oder besteht da keine Gefahr? Bringt einen das nicht auf andere Dumme Ideen?
Oder fühlt man sich erleichtert, weil man nicht alleine dasteht?
Als Angehörige habe ich Informationen zum Umgang mit den Zwang vermisst, es gab keinen Hinweis, wie Angehörige sich am besten verhalten sollen.

Ansonsten empfinde ich tiefen Respekt vor jedem, der so offen mit seinen Zwängen umgehen kann. Ich habe nur einen Schimmer von Ahnung wie schwer der Kampf wirklich ist. Ich finde es schlimm, wenn Menschen nur auf ihren Zwang reduziert werden, aber ich denke, das kommt daher, dass "gesunde" einfach Berührungsängste haben und unwissend sind.

Schlimm finde ich auch, dass die "Blicke der gesunden Mitmenschen" den Druck für Betroffene verstärken und dass Zwangserkrankte ein schlechtes Gewissen ihrer Familie gegenüber haben. Ich versuche immer, dass ich bei meiner Tochter solche Gefühle in Wut gegen den Zwang umlenke. Schlechtes Gewissen und Scham sind falsch - der Zwang ist der Feind!

LG Bee

7

Dienstag, 30. Oktober 2012, 23:55

Zitat

welche Wirkung hat so eine Doku auf Betroffene? Wenn man so eine Doku sieht ist man dann gefährdet andere Zwänge zu übernehmen oder besteht da keine Gefahr? Bringt einen das nicht auf andere Dumme Ideen?


Abgesehen von Symptomverschiebungen, die es immer geben kann und die zB auch die Folge von VT sein können (Zwänge, die sich auf eine Eßstörung verlagern), bleibt jeder meist innerhalb seines Symptomschematas. Wer einen Putzzwang hat, wird nicht nur wegen so einer Sendung plötzlich einen Uhrzeitzwang oder einen Magisches Zahlendenkenzwang bekommen.
Zwangssymptome sind doch keine Viren, die durch alleiniges "hören/sehen" eine Infektion verursachen.

Sicherlich können manche Sachen Zwangssymptome verschlimmern, aber das gilt für alles, da reicht es zB auch, einen Film anzusehen, die Nachrichten zu lesen o.ä.

Wenn man so herangeht, daß man alles,was negativ wirken könnte, vermeiden will, kann man üerhaupt nicht mehr leben, weil theoretisch alles Zwangssymptome auslösen kann.

Zitat

Oder fühlt man sich erleichtert, weil man nicht alleine dasteht?


Ich finde es gut, daß Zwänge & Ängste so eine Dokumentation bekommen haben, da gerade diese Krankheit und Problematik bis heute in der Gesellschaft tabuisiert wird und wie auch andere schon schrieben, sind die Reaktionen darauf oft so negativ, dass Betroffene das lieber verheimlichen, was wieder neuen Streß erzeugt.

Gerade bei psych Krankheiten wird oft eine Mischung aus Unglauben (derjenige will bloß nicht, ist faul, etc.) und Abwehr (derjenige ist verrückt/nicht zurechnungsfähig) Betroffenen gegenüber an den Tag gelegt, deshalb sind solch Sendungen sehr wichtig.

Zitat

der Zwang ist der Feind!


Irgendwie verwundert es mich, wenn eine Erkrankung so betrachtet wird. Es gibt zwar auch wenige, die wieder nahezu zwangsfrei werden, doch viele müssen zeitlebens damit leben, wenn man also einen wesentlichen Aspekt des eigenen Lebens als Feind betrachtet, lehnt man sich auch selbst ab, haßt sich womöglich selbst; vor allem, wenn und weil man dem Zwang nicht entkommen kann. Was hierbei auch vergessen wird, ist, daß Zwänge auch eine bestimmte (Schutz)funktion erfüllen können, zwar fehlgeleitet, aber trotzdem notwendig, um mit einer unlösbaren Situation klarzukommen. => Anstelle einer Konfliktlösung hat man ein Zwangssymptom, sozusagen als Ersatz. In der Doku sagte die eine Frau zB ihre Zwangssymptome/Probleme hängen auch davon ab, ob sie jemand kennt/nicht kennt, mag/nicht mag. Dieselbe Situation kann also je nach emotionaler Einschätzung zu Zwangshandlungen/Gedanken führen oder nicht führen. Etwas Ähnliches sagte auch die eine Ärztin bei der CT-Studie im bezug auf das Bewerten persönlicher Erlebnisse.
Doch auch darauf wird in vielen Therapien nicht eingegangen, anstatt dem Patienten einen adäquaten Ersatz als Möglichkeit zu geben, mit Problemen anders umzugehen, wird zB nur sowas Bizarres wie die Fußboden-Bett-Übung gemacht.

Oft wird dann übersehen, nach Möglichkeiten zu suchen, trotz des Zwangs Lebensqualität wieder zu erlangen; stattdessen richten sich auch die Therapien meistens nur darauf, wieder "normal" zu werden, selbst wenn es ausgeschlossen ist, wieder ein "normales" Leben, wie ein nicht Zwängler zu führen. Dadurch werden auch Stärken nicht gefördert, weil der Fokus immer nur auf dem Zwang liegt, anstatt zu schauen, was trotz so einer Erkrankung noch möglich ist. Wie stets kommt es auch bei psych Erkrankungen auf den Schweregrad an, wie stark die Besserung sein kann, doch auch hier wird (gesellschaftlich/im sozialen Umfeld) oft nicht daran gemessen, wo jemand stand, der einst schwer krank war, sondern, welches Manko nach wie vor im Vergleich zu Gesunden besteht.

Bekämen Zwangs- & Ansgtkranke eine solche Unterstützung, wie Körperbehinderte, fiele es viel leichter, mit so einer oftmals dauerhaften Erkrankung zu leben.

Als Beispiel:

Rollstuhlfahrer bekommen einen Fahrdienst, teilweise auch Begleitdienst, wenn jemand wegen gravierenden Zwängen oder Panikattacken nicht mehr alleine rausgehen oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen kann, hat derjenige Pech, entweder müssen das Angehörige unternehmen, oder derjenige kann sehen, wo er bleibt.
Bis heute wird eine schwere psychische Erkrankung nicht richtig ernst genommen und es findet auch nahezu keine Hilfestellung statt, obwohl eine psych Erkrankung ebenso schwer und einschneidend sein kann, wie eine körperliche. Ambulante Therapeuten weisen chronnisch psych Kranke (vor allem wenn es sich um Zwänge/Ängste handelt) lieber ab und reden nur von stationärer Therapie, anstatt demjenigen zu helfen, sich in seinem gewohnten Umfeld im Alltag besser zurecht zu finden. Es ist sicher keine Lösung, als chronisch psych Kranker nur dann Hilfe zu bekommen, wenn der Betroffene immer und immer wieder in Kliniken geht, die Probleme im Alltag jedoch bestehen bleiben. Ein stationärer Aufenthalt ist so eine Ausnahmesituation, daß er mit den Anforderungen des Alltags gar nicht verglichen werden kann und auch nicht im Voraus darauf vorbereiten bzw Alltags-stabilisierend wirken kann. Deshalb wäre eine professionelle Unterstützung im Alltagsleben wünschenswert.

Ich fand es schade, daß auf die Traumatherapie nicht näher eingegangen wurde, denn offensichtlich war die Traumatherapie das, was dem Angstpatienten wirklich weitergeholfen hat, im Gegensatz zu den VT und wenn auch bei manchen Zwangspatienten Traumata zugrunde liegen, wird eine VT in diesen Fällen vermutlich auch wenig bringen.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

8

Freitag, 2. November 2012, 09:37

Hermit, danke für deine Gedanken!
Irgendwie verwundert es mich, wenn eine Erkrankung so betrachtet wird. Es gibt zwar auch wenige, die wieder nahezu zwangsfrei werden, doch viele müssen zeitlebens damit leben, wenn man also einen wesentlichen Aspekt des eigenen Lebens als Feind betrachtet, lehnt man sich auch selbst ab, haßt sich womöglich selbst; vor allem, wenn und weil man dem Zwang nicht entkommen kann. Was hierbei auch vergessen wird, ist, daß Zwänge auch eine bestimmte (Schutz)funktion erfüllen können, zwar fehlgeleitet, aber trotzdem notwendig, um mit einer unlösbaren Situation klarzukommen. => Anstelle einer Konfliktlösung hat man ein Zwangssymptom, sozusagen als Ersatz.
Ich sehe das so: Viele Zwangserkrankte hassen sich doch schon selbst, sie haben ein schlechtes Gewissen, weil sie ihren Mitmenschen weh tun oder weil sie sich dem Zwang nicht widersetzen können. Außerdem ist bei einigen das Selbstwertgefühl angeschlagen. Wenn ich jetzt den Zwang als etwas sehe, dass verantwortlich ist für mein Dilemma, so ist das doch eine Entlastung für den Betroffenen. Man kann die Schuld auf den Zwang schieben und den Zwang hassen. Dadurch, dass man den Zwang als etwas "nicht Eigenes, sondern Fremdes" sieht lässt sich vielleicht dagegen ankämpfen. Außerdem mindert man dadurch sein schlechtes Gewissen und den Druck. Das führt wiederum dazu, dass man weniger Stress hat und die Zwänge sich seltener melden.
Wenn meine Tochter wieder sehr angespannt ist entlädt sie ihre Wut sehr oft auf mich. Uns hilft es dann immer wenn ich ihr sage: sei wütend auf den Zwang, nicht auf mich! (Dieser Satz wurde mir von der Therapeutin nahegelgt). Den Zwang als etwas Eigenständiges, Fremdes zu betrachten hilft ihr, ihre Gefühle einzuordnen. Sie kann ungehemmt ihre Wut loswerden. Den Zwang kann man hemmungslos beschimpfen, es ist wirklich befreiend, auch für mich.

Natürlich muss man dann nach anderen Konfliktlösungsmodellen suchen, aber so nähert man sich wenigstens wieder dem Kern des Problems.

Eine VT finde ich schon wichtig, weil dadurch das Selbstvertrauen wieder gewonnen und schon ein Teil der Ängste abgebaut wird. Jeder Mensch hat Angst und auch wir "Nichtzwängler" (die Grenzen sind ja bekanntlich fließend) müssen uns oft überwinden. Ich hatte z.B. wahnsinnige Angst vor dem Autofahren. Ich hatte zwar schon die längste Zeit meinen Führerschein, bin aber nie gefahren, da ich immer Panik bekam. Irgendwann nahm ich mir dann eine Perfektionsstunde und jetzt fahre ich schon jahrelang ohne darüber nachzudenken. Wenn ich an meine Angst damals denke, schüttle ich nur mehr den Kopf.

Aber ich finde auch, dass eine VT durch andere Therapien ergänzt werden muss. Doch diesbezüglich fühle ich mich ein wenig alleine gelassen. Ich lebe in Österreich und mir wurde nur die VT empfohlen. Mehr Begleitung gab es für uns nicht. Deshalb finde ich den Gedankenaustausch hier im Forum so wichtig.

LG Bee

9

Samstag, 3. November 2012, 00:27

Ich sehe das so: Viele Zwangserkrankte hassen sich doch schon selbst, sie haben ein schlechtes Gewissen, weil sie ihren Mitmenschen weh tun oder weil sie sich dem Zwang nicht widersetzen können. Außerdem ist bei einigen das Selbstwertgefühl angeschlagen. Wenn ich jetzt den Zwang als etwas sehe, dass verantwortlich ist für mein Dilemma, so ist das doch eine Entlastung für den Betroffenen. Man kann die Schuld auf den Zwang schieben und den Zwang hassen. Dadurch, dass man den Zwang als etwas "nicht Eigenes, sondern Fremdes" sieht lässt sich vielleicht dagegen ankämpfen. Außerdem mindert man dadurch sein schlechtes Gewissen und den Druck. Das führt wiederum dazu, dass man weniger Stress hat und die Zwänge sich seltener melden.


Vll meinen wir es auch ähnlich, nur daß du andere Worte verwendest. Das schlechte Gewissen hat sehr viel damit zu tun, daß psych Krankheiten nicht so anerkannt sind wie körperliche und auch damit, wie das Umfeld damit umgeht. Ich denke, da gibt es immer Wechselwirkungen. Wenn man nun zB Krebspatienten nimmt, die ihren Krebs selbst begünstigt haben, so werden sie trotzdem nicht dermaßen verachtet & ausgegrenzt, wie das leider bei psych Kranken bis heute der Fall ist.

Das Widersinnige ist, einen Feind will und muss man besiegen, eine psych Erkrankung kann man jedoch nicht in jedem Fall besiegen; was ist, wenn es chronisch bleibt? Dann vergeudet man die ganze Kraft auf eine sinnlose Dauerfehde mit sich selbst und die Schulgefühle können trotzdem bleiben oder sogar schlimmer werden, eben weil jemand es vll nicht schafft, den Zwang zu "besiegen", was nur neue Minderwertigkeitskomplexe verursacht. Haß und Aggression sind so oder so negativ und wenn jemand darin verbleibt bzw das die übrigbleibenden Hauptemotionen sind, fehlt auch wieder die Kraft, positive Dinge wahrzunehmen und zu stärken. Deshalb ist Akzeptanz wichtig, dahingehend, daß auch psych Erkrankungen eine ernstzunehmende Krankheit sind, für die der Betroffene nichts kann.

Ich finde eine integrative Herangehensweise sinnvoller und effektiver, um ein bildliches Beispiel zu bringen: Bevor eine brechende Welle einen mit sich reißt, ist es besser, hindurchzutauchen, anstatt sich direkt zu konfrontieren und zerschmettert zu werden.

Wenn jemand erst kurze Zeit zwangskrank ist, mag deine Schilderung noch kurzfristig entlasten, doch das funktioniert nicht auf Dauer, wenn jemand 10, 15, 20 Jahre (oder sein Leben lang) mit so einer Krankheit leben muss. Ebenso wenig würde es einem Rollstuhlfahrer nützen, seine Zeit mit Haß auf den Rollstuhl/die Lähmung zuzubringen.

Wenn man sich mit Biografien von Menschen befaßt, die aus ihrem normalen Alltag herausgerissen wurden und dann mit einer körperlichen Einschränkung weiterleben mussten, fällt immer wieder auf, dass jene neue Lebensqualität gefunden haben, die ihre Einschränkung integriert haben und ihre Zeit und Kraft nicht darauf verschwendet haben, was sie alles nicht mehr können und auch nie wieder schaffen werden.

So ähnlich ist es mit chronisch psych Kranken auch und da sollte der Fokus drauf liegen und nicht darin, eine Normalität wieder herzustellen, die unerreichbar ist. (Was sich natürlich individuell von Fall zu Fall anders äußert).

Zitat

Eine VT finde ich schon wichtig, weil dadurch das Selbstvertrauen wieder gewonnen und schon ein Teil der Ängste abgebaut wird. Jeder Mensch hat Angst und auch wir "Nichtzwängler" (die Grenzen sind ja bekanntlich fließend) müssen uns oft überwinden. Ich hatte z.B. wahnsinnige Angst vor dem Autofahren. Ich hatte zwar schon die längste Zeit meinen Führerschein, bin aber nie gefahren, da ich immer Panik bekam. Irgendwann nahm ich mir dann eine Perfektionsstunde und jetzt fahre ich schon jahrelang ohne darüber nachzudenken. Wenn ich an meine Angst damals denke, schüttle ich nur mehr den Kopf.


Vertrauen hat weniger mit der Therapiemethode, als mit dem Therapeuten zu tun. In erster Linie entsteht das Selbstvertrauen auch durch eine Projektion auf den Therapeuten, sozusagen ausgelagert und im Idealfall kann infolge der Therapie und des Vertrauens zum Therapeuten das Selbstvertrauen wiederhergestellt werden, unabhängig von der Methode. Hinzu kommt noch die Ursache der Zwangserkrankung, wie auch im Bericht genannt wurde, sind weder die Ursachen bei allen gleich, noch haben ähnliche Symptome automatisch dieselben Ursachen und bei Traumapatienten nutzt VT nun mal nix, selbst wenn das Symptom vordergründig zB "Angst" oder "Zwang" ist. Du kannst auch nicht so eine konkrete Angst vor dem Autofahren mit einer Angststörung, die zB durch ein Trauma entstanden ist, vergleichen.
Ohne adäquate alternative Verhaltensmuster/Lösungen, verschiebt sich ein Symptom höchstens nur, ich habe zB mehrere Zwangspatienten gekannt, bei denen sich durch VT das Symptom auf eine Eßstörung verlagert hat, anstatt sich aufzulösen und der Zwang ging trotzdem nicht wirklich weg.

Leider bezahlen die Kassen kein Psychodrama, das wäre meiner Meinung nach eine gute Kombination aus Konfrontation/Verhaltensänderung und gleichzeitiger Auseinandersetzung mit der auslösenden Thematik. In VT wird gerade bei bestimmten Zwangssymptomen nie ein normaler Umgang mit der Angst geübt, sondern ein unsinniger (wie das mit dem Boden und dem Bett, das machen nicht mal Gesunde, die Wert auf Hygiene legen). Sinnvoller fand ich das Beispiel mit dem Therapiehund in der Spezialklinik für Kinder & Jugendliche oder auch die Übung bei dem Mann, der Angst vor Hunden hatte.
Wenn die Übung sich direkt auf das bezieht, was Angst macht und was an sich nicht schlimm ist, finde ich die Konfrontationen sinnvoll, aber nicht, wenn es alltagsfremde Sachen sind wie zB auf den Boden legen und dann damit ins Bett oder Zugfahren und damit ins Bett (vor allem nicht in den heutigen Zeiten und den ganzen Krankheitswellen, wo es immer heißt: wenn die Leute richtig die Hände waschen würden und simple Hygieneregeln beachten, gäbs auch weniger Infektionen).

Bei der Frau aus dem Beitrag hätten sie zB üben können, daß sie einen Einkaufswagen nimmt und den Kassenzettel raustut, das wäre auch wieder realitäts & alltagsbezogen gewesen.

Zitat

Aber ich finde auch, dass eine VT durch andere Therapien ergänzt werden muss. Doch diesbezüglich fühle ich mich ein wenig alleine gelassen. Ich lebe in Österreich und mir wurde nur die VT empfohlen. Mehr Begleitung gab es für uns nicht. Deshalb finde ich den Gedankenaustausch hier im Forum so wichtig.


Vll liegt es wirklch am Land, vll aber auch am Krankheitsbild deiner Tochter, ich kenne auch Zwangs-/Angstkranke, denen nie VT empfohlen wurde. Gibt es bei euch keine Möglichkeit der Ergotherapie? (das ist zB ein Musik-/Mal-/Tanz-/Bastelkurs, der auch therapeutisch angeleitet wird und auch dabei helfen kann, wieder einen Bezug zu sich selbst zu finden).

Grüße, Hermit.
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

10

Samstag, 3. November 2012, 03:05

PS @ Bee

Bist du diejenige, deren Tochter so früh/unter 10 Jahren krank geworden ist? Dann versteh ich, was du meintest. Ich bezog mich auf Menschen, die alt genug sind, um abstrakt zu denken, zu reflektieren und zu analysieren, was ein junges Kind natürlich nicht kann.

Vll hilft dir sowas auch weiter als Austausch:

http://www.hpe.at/

http://www.psychiatrie.de/bapk/
Das Leben als solches ist absolut lebensgefährlich und führt mit 100%iger Wahrscheinlichkeit zum physischen Tod.

Lesen -> Denken -> Schreiben

~T~R~ O - o - O ~ L

11

Freitag, 9. November 2012, 14:55

Hi Hermit,
ja, genau, das bin ich. Stimmt, bei Erwachsenen ist die Situation schon anders. Ich denke, bei so jungen Kindern ist es noch einfacher den Zwang in den Griff zu bekommen.

Danke, für die Links!

LG Bee

Quovadis

unregistriert

12

Mittwoch, 14. November 2012, 09:10

Zitat

und bei Traumapatienten nutzt VT nun mal nix, selbst wenn das Symptom vordergründig zB "Angst" oder "Zwang" ist.
Das kann ich so nicht bestätigen. Ich selber wurde in Kombination behandelt und habe sowohl klassische Übungen der kVT (Exposition) und der Traumatherapie (EMDR) erhalten. Eine Therapie ist im Idealfall sehr individuell auf den Patienten angepasst.


Zitat

In VT wird gerade bei bestimmten Zwangssymptomen nie ein normaler Umgang
mit der Angst geübt, sondern ein unsinniger (wie das mit dem Boden und
dem Bett, das machen nicht mal Gesunde, die Wert auf Hygiene legen).
Dazu gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Ich habe mal eine US-Doku. zum Thema Zwang gesehen, bei der der federführende Therapeut äußerte, dass die Zwängler ja auch in einem absoluten Extrem die ängstigende Situation überbewerten und das Pendel müsse auch wieder wieder genauso weit in die Gegenrichtung schwingen können um sich dann am Ende wieder am Nullpunkt zu befinden. Mal sehr bildlich gesprochen. Ein guter Therapeut nimmt den Patienten aber auch ernst und akzeptiert Argumente gegen subjektiv unsinnige Übungen und findet Alternativen.

Tomm

Anfänger

  • »Tomm« ist männlich

Beiträge: 5

Zwangssymptome: Waschzwang, Zwangsgedanken etc. (Ehefrau)

Aktueller Therapie-Status: War erfolgreich in Therapie

Status: Angehörige/r

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13

Mittwoch, 14. November 2012, 18:02

Ich hab die Sendung auch gesehen und fand das eigentlich sehr gut und trffend dokumentiert. Auch habe ich viele Verhaltensmuster einer Zwangserkrankung wiedererkannt. Besonders betroffen machte mich der junge Mann, der in seiner Zwangserkrankung offensichtlich total vereinsamt. Es gibt Leute die sind noch viel schlimmer dran als man selbst. Alles in allem eine sehr gute, informative Sendung die dazu beiträgt die Zwangserkrankung in der Öffentlichkeit etwas bekannter zu machen. Gestört hat mich allerdings die Berichterstatung über Tourette-Kranke weil das ja doch etwas ganz anderes ist.

Kathrin

Schüler

Beiträge: 104

Zwangssymptome: Waschen

Status: Betroffene/r

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14

Montag, 19. November 2012, 12:51

Zitat


und bei Traumapatienten nutzt VT nun mal nix, selbst wenn das Symptom vordergründig zB "Angst" oder "Zwang" ist.
Das kann ich so nicht bestätigen. Ich selber wurde in Kombination behandelt und habe sowohl klassische Übungen der kVT (Exposition) und der Traumatherapie (EMDR) erhalten. Eine Therapie ist im Idealfall sehr individuell auf den Patienten angepasst.




Mich würde mal intressieren, wie du vom EMDR profitierst, denn immer häufiger hört man von EMDR, aber nicht, inwiefern es verändert...

Kathrin

Schüler

Beiträge: 104

Zwangssymptome: Waschen

Status: Betroffene/r

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15

Montag, 19. November 2012, 12:53

Es nervt doch, dass es hier kein Edit-Funktion gibt
nun hab ich etwas falsch als Zitat markiert.
Bei obigem Beitrag war das natürlich als meine eigene Frage an Quovadis gemeint. also nochmal:

Quovadis:
Mich würde mal intressieren, wie du vom EMDR profitierst, denn immer häufiger hört man von EMDR, aber nicht, inwiefern es verändert...

Quovadis

unregistriert

16

Montag, 19. November 2012, 15:03

Beim EMDR werden Traumata prozessiert indem man von der problematischen Ausgangssituation bis zu einer neuen und positiven Überzeugung arbeitet.
"Verankert" wird diese Veränderung durch wiederholte Fingerbewegung des Therapeuten vor den Augen des Patienten. Es wird, wenn man so will eine REM-Schlafphase simuliert.

Ich muss gestehen, dass ich es zu Anfang für Hokus-Pokus gehalten habe. Das hat sich recht zügig geändert, als die bearbeitete Angst in Folge der Situationen abnahm.

EMDR sollte natürlich nur von einem erfahrenen Traumatherapeuten durchgeführt werden und kann andernfalls auch gründlich nach hinten los gehen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Eye_Movemen…nd_Reprocessing

Kathrin

Schüler

Beiträge: 104

Zwangssymptome: Waschen

Status: Betroffene/r

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17

Montag, 19. November 2012, 15:15

Ja, was es ist weiss ich, ich warte schon seit 2 Jahren auf nen geeigneten Therapeuten (wartelisten sehr lang) und war auch in einer Klinik deshalb, die dann leider, weil meine Therapeutin ausgerechnet keine emdr-Therapeutin war, das nicht anwendete. Aber es ist im Kommen beim Zwang, daher wollt ich das wissen. Jeder Zwang beruht ja auf Traumata meiner Meinung nach und an sich die Bilder von Zwängen allein sind mit ihrer Hartnäckigkeit EMDR geeignet. Verändert es also bei dir allein schon einiges an den Bildern im KOpf vom Zwang her?

Frank

Anfänger

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Zwangssymptome: Kontrollzwang

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: erwerbsunfähig wegen Zwängen

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18

Sonntag, 13. Januar 2013, 15:27

kann man die Doku irgendwo noch anschauen?

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