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Leiden

Schüler

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1

Donnerstag, 21. Februar 2013, 14:15

Waschzwang/Berührungsängste



Hallo Zusammen,

Ich lese hier schon länger mit. Toll, dass es dieses Forum gibt.'
Nun möchte ich mich hier auch mal zu Wort melden.

Ich leide schon mehrere Jahre unter Waschzwang, Berührungsängsten.
Zur Zeit habe ich das leider sehr stark. Diese Angst betrifft verschiedene Bereiche meines Lebens, und schränkt mich ziemlich in meiner Lebensqualität ein.
Ich habe exreme Angst vor Dreck, Verschmutzung,
bezw. starken Ekel davor.
Besonders vor Ausscheidungen, Eigenen sowie von Anderen.
Im speziellen ekelt es mich total vor Stuhlgang, Kot.
So fühle ich mich eigentlich nur wirklich sauber, wenn ich nach dem Stuhlen dusche, mit fixem, anstrengendem Duschritual, versteht sich ...
Oder ich benutze massenweise Toilettenpapier, und habe dennoch das Gefühl, damit nicht wirklich sauber zu sein.

Am Schlimmsten ist für mich, dass meine Hände vom andauernden Händewaschen und desinfizieren schon dermaßen angegriffen, blutig rissig sind, dass ich eigentlich aufhören muss damit- aber ich kann nicht :( .
Es ist zum Verzweifeln!
Fühle mich in totaler Sackgasse.

Ich wohne seit ca. 2 1/2 Jahren in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen, da ich aufgrund meiner Zwänge nicht mehr alleine, "normal", wohnen konnte.
Jedoch wohnen in diesem Wohnheim primär chronisch schizophrene Menschen, von denen viele sehr ungepflegt sind, und stinken :( .
Einige der Bewohner/innen verschmieren sogar ihren Stuhlgang auf dem Klo, an der Wand im Badezimmer 8o, wenn es Ihnen sehr
schlecht geht. - Mein absoluter Albtraum! ;( :( .
In meiner Vorstellung ist dann das ganze Haus mit Stuhlgangspuren kontaminiert .
Ich bin/ fühle mich in diesem Wohnheim dermaßen fehl am Platz, weiss aber nicht, wohin sonst.
Alleine wohnen trau ich mir nicht mehr zu.
Vermutlich komme ich nicht drum herum, stationär eine Therapie mit Expositionen zu machen, vor dem ich mich jedoch fürchte.

Hat Jemand von euch auch solche Berührungsängste/Waschzwänge?

In schlimmen Phasen kann ich kaum irgendetwas berühren, ohne dass ich mir danach die Hände waschen muss.
Ich komme so einerseits kaum vom Fleck, und andererseits ist es extrem frustrierend, mir ständig die Hände waschen zu müssen, obwohl ich mir damit meine Haut total kaputt mache. Doch der Drang, der Impuls zu waschen ist so stark :(.
Es ist so eine Saukrankheit, dieser Zwang!

Arbeiten tue ich schon lange nicht mehr- bin viel zu beschäftigt mit dem Zwang. Ist ja auf eine Art auch Arbeit :rolleyes:

Ich würde mich über Austausch mit Gleichgesinnten freuen.

Herzlich, Leiden

Yezrel

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2

Donnerstag, 21. Februar 2013, 15:02

Liebe Leiden

Ich habe auch einen Waschzwang, ebenfalls mit aufgerissenen Händen. Was mir aber half, waren die Erklärungen der Ärzte nach einer OP, wo sie mir vor allem von diversen Mitteln abrieten. Ich solle möglichst nur Wasser nehmen. Sie erklärten mir auch, dass zu viel Reinigung dazu führe, dass die Haut ihren Schutzmantel verliert und dadurch eben in Wirklichkeit viel eher bakteriell anfällig wird. Deshalb ist es ganz wichtig, den Schutzmantel der Haut sicherzustellen. Nun verwende ich - gerade über den Winter besonders - eine Hautkrem, die auch mein Arzt in der Praxis für sich selbst braucht, ebenso auch die Schwestern in der Klinik. Ich erhielt dort auch eine Hautberatung in der Dermatologie-Abteilung. Ich würde auch mal in die Dermatologie-Abteilung einer Klinik hingehen und Dich aufklären lassen, das hilft. Es sind auch falsche Vorstellungen von Reinheit, die den Waschzwang in deine destruktive Richtung führen.
Lieben Gruß
Yezrel

Geri_

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3

Donnerstag, 21. Februar 2013, 23:04

Hallo Leiden,

Dein Problem mit dem Waschzwang und den Berührungsängsten kenne ich nur zu gut. Genau gesagt auch vor Ausscheidungen von Menschen sowohl auch von Tieren. Am meisten von fremden Ausscheidungen. Das tägliche Duschritual nach dem Stuhlgang ist wirklich ein großes Laster, die Zeit die man dafür aufopfert ist extrem.

So ist es aus zu großem Ekel vor fremden Kot oder Urin für mich unmöglich auf fremde/öffentliche Toiletten zu gehen. :S Also so gut wie alles gleicht deinem Zwang.

Das mit den offenen blutigen Händen kenne ich nur zu gut, seit wenigen Monaten verwende ich nur mehr feuchtigkeitsspendende Duschgels auch zum Händewaschen, dadurch sind meine Hände nicht mehr offen und blutig.

Momentan kann ich aufgrund meines Zwanges auch nicht mehr studieren oder arbeiten. Aufgrund meines Duschrituals und dem ganzen Waschen Hände und Wäsche komme ich immer unpünktlich auf die Uni... Weil ich gerade von Wäsche rede, ich kann meine Wäsche speziell die ich auf der Straße anhabe nur max. 1 Mal tragen danach wird die gewaschen. Meistens mit der Waschmaschine nicht nur 1 Mal, also immer 2-3 Waschgänge...

Ich beginnen demnächst eine Verhaltenstherapie (Dauer ca. 2 Monate,stationär) ob diese mit Expositionsübungen ist weiß ich nicht, aner allgemein eine Verhaltenstherapie würde dir sicher auch gut tun. Den so ein extremer Waschzwang ist auf Dauer wirklich ein extremes Handicap.

Und so vom Berühren, ich berühre auch viele Sachen mit Papier... z.B. Klotüren... Klospülungen

Ja das nicht vom Fleck kommen wie du es beschreibst kenne ich nur zu gut...


Ich hoffe ich konnte dir auch einen kleinen EInblick über meinen nervigen Waschzwang geben. Gerne können wir uns auch noch austauschen.



Liebe Grüße und gute Besserung :)

Geri_ ;)

Geri_

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4

Donnerstag, 21. Februar 2013, 23:07

Meinte eigentlich im Chat:)

Yezrel

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5

Freitag, 22. Februar 2013, 04:30

Hier hat es ja auch Chat.
Lieben Gruß
Yezrel

Leiden

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6

Freitag, 22. Februar 2013, 23:56

Danke für eure Antworten :)
Es ist tröstlich, nicht alleine zu sein mit diesem Übel.

Hat denn Jemand von euch schon Exposition gemacht, bezüglich dem Ekelgefühl?

Lg Leiden

Geri_

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7

Samstag, 23. Februar 2013, 20:26

@ Yezrel

Ah okey danke für den Tipp wusste ich auch nicht, bin zu selten hier :)

@ Leiden

Ja es ist irgendwie schön wenn man weiß, dass man nicht alleine mit dem Problem dasteht. Ja und ein Übel ist genau das richtige Wort.
Expositionen habe ich noch keine gemacht, weiß nichtmal ob die das in jeder Verhaltenstherapie anwenden vermute mal nicht. Hätte auch irgendwie Angst davor...
Wie würdest du denn damit umgehen?

Liebe Grüße

Geri_

Angsthase24

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8

Freitag, 1. März 2013, 10:43

Guten Morgen liebe Leiden!

Ich habe Deinen und auch die anderen Beiträge interessiert verfolgt und möchte Euch kurz meinen Weg erzählen..

2006 brach bei mir der Zwang, im speziellen der Waschzwang mit Zwangsgedanken in Bezug auf Kontaminierung aus. Alles was ihr hier beschreibt, kenne ich leider zu Genüge. Aber heute kann ich Euch sagen, das ich den Waschzwang besiegt habe. Letztendlich hat mir ein Klinikaufenthalt sehr dabei geholfen. Ich hätte es nicht zu hoffen geagt, aber heute kann ich wieder ganz `normal`duschen, einkaufen, Türklinken anfassen, auf Toilette gehen etc. ,ohne das das Monster Zwang in meinem Kopf sagt: Pass auf, das ist gefährlich!!!! Du bist jetzt kontaminiert!! Du bist schmutzig etc.
Gut zugegebenermaßen leide ich z.Zt. unter Panikattacken mit Zwangsgedanken. Aber auch das werde ich schaffen..
Ich wollte Euch im speziellen auf den Waschzwang bezogen Mut machen! Ihr könnt es schaffen. Der Weg ist furchtbar hart, aber es lohnt sich!
Gebt nicht auf und tretet dem Waschzwang-Monster in Eurem Kopf kräftig in den Allerwertesten!!!

LG

Jake_Sully

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9

Samstag, 2. März 2013, 05:19


... Im speziellen ekelt es mich total vor Stuhlgang, Kot.
So fühle ich mich eigentlich nur wirklich sauber, wenn ich nach dem Stuhlen dusche, mit fixem, anstrengendem Duschritual, versteht sich ...
Oder ich benutze massenweise Toilettenpapier, und habe dennoch das Gefühl, damit nicht wirklich sauber zu sein ...

Für einen Zwangskranken eigentlich fast-normal, das kennt man hier.




... Ich wohne seit ca. 2 1/2 Jahren in einem Wohnheim für psychisch kranke Menschen, da ich aufgrund meiner Zwänge nicht mehr alleine, "normal", wohnen konnte.
Jedoch wohnen in diesem Wohnheim primär chronisch schizophrene Menschen, von denen viele sehr ungepflegt sind, und stinken :( .
Einige der Bewohner/innen verschmieren sogar ihren Stuhlgang auf dem Klo, an der Wand im Badezimmer 8o, wenn es Ihnen sehr
schlecht geht. - Mein absoluter Albtraum! ;( :( .
In meiner Vorstellung ist dann das ganze Haus mit Stuhlgangspuren kontaminiert .
Ich bin/ fühle mich in diesem Wohnheim dermaßen fehl am Platz, weiss aber nicht, wohin sonst.
Alleine wohnen trau ich mir nicht mehr zu.
Vermutlich komme ich nicht drum herum, stationär eine Therapie mit Expositionen zu machen ...

So extreme Patienten im Wohnheim, wer soll das glauben?
Solche Leute wohnen in einer geschlossenen Klinik-Station und nicht im Wohnheim für psychisch-Kranke.
Lass Dich in eine offene Station einer Psychiatrie-Klinik einweisen, dort helfen Dir Sozialarbeiter/innen das Wohnheim zu wechseln. Wenn die Wohnverhältnisse schlimm sind, wird die Krankheit stärker.

Leiden

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Samstag, 2. März 2013, 14:52

Danke für eure Antworten!  :)) 

@ Geri,

Ich glaube, zu einer "richtigen" Verhaltenstherapie bei Zwängen gehört Expo mit dazu.

@ Angsthase 24,

Deine Zeilen machen Mut! Doch Du hast es vermutlich auch nur mit Expo's geschafft, oder?
Das wär ja unglaublich, wenn ich diese Monster im Kopf verlieren könnte!

@ Jake Sully,

Du glaubst mir nicht, dass solch extreme PatientInnen in einem Wohnheim leben?
Doch, ist so.
Hast Du schon mal was von Sozialpsychiatrie gehört?
Die kümmern sich u.a. um die "Schlimmsten Fälle", diejenigen PatientInnen, welche ansonsten ein Leben lang in der Klinik leben würden/müssten, weil Sie für die "normale" Gesellschaft nicht tragbar sind.

Angsthase24

unregistriert

11

Samstag, 2. März 2013, 17:37

Hallo Leiden!

Ja richtig, ich habe es durch Expo´s geschafft. War damals im Uniklinikum Hamburg-Eppendorf. Mein Therapeut und ich haben dann hier mit Expo´s weitergemacht. Ich habe Expo´s gemacht, da würden selbst gesunden Menschen die Haare zu Kopf stehen, aber nur das bringt eine Genesung. Und was fast noch wichtiger ist: der eigene starke Willen! Ich wollte nichts mehr, als wieder gesund werden und wollte dieses Leiden nicht mehr länger ertragen. Auf gut deutsch: Zähne zusammenbeissen und durch und immer am Ball bleiben!! Du musst durch eine anstrengende Zeit, aber du wirst mit dem besten belohnt, was es gibt für Menschen wie uns: Besserung und/oder Gesundung!!

girasol1991

unregistriert

12

Sonntag, 3. März 2013, 12:25

[...] Ich habe Expo´s gemacht, da würden selbst gesunden Menschen die Haare zu Kopf stehen, aber nur das bringt eine Genesung.[...]
Hallo,

nun ich würde da vorsichtig sein, solche Expos sind von Fall zu Fall unterschiedlich. Ich persönlich halte nichts von Expos, die so krass sind. Was waren das für welche? Ich habe von solchen gehört, wo der Mensch dann Klobrillen anfassen musste und danach ins Gesicht fassen musste etc. Finde ich persönlich richtig bescheuert, man muss ein 'normales', gesundes Hygieneverhalten entwickeln, das ist viel wichtiger. Sowas wie auf Toilette gehen und dann danach einmal normal die Hände waschen ist sinnvoll, aber sich in Kacke wälzen können ist total dämlich.
Ich halte mehr davon, wenn man langsam anfängt mit den Expos, die langsam steigert und dabei aber immer darauf achtet, dass es ein gesundes Verständnis von Hygiene ist. Dafür kann es sehr hilfreich sein mit gesunden Menschen zu sprechen und sich aufzuschreiben, was für die normal ist oder nicht.

Liebe Grüße!

Angsthase24

unregistriert

13

Sonntag, 3. März 2013, 16:07

Hallo girasol1991!
Ich akzeptiere natürlich deine Meinung, jeder muss für sich selbst entscheiden, was der richtige Weg für einen ist!
Natürlich haben sich meine Expo´s auch langsam gesteigert. Angefangen habe ich schon vor dem Klinikaufenthalt hier mit meinem Therapeuten. Ich musste in meiner Wohnung stundenlang Türklinken,Wasserhähne,Geld etc. anfassen. Dann haben wir dies nach ausserhalb verlagert. Ich musste in Geschäften Produkte anfassen, diese dann einkaufen und zuhause ohne sie vorher abzuspülen essen. Ich habe zu Spitzenzeiten drei Stunden unter der Dusche gestanden, bin raus und kurze Zeit später wieder rein. In der Klink haben wir dann auch mit "leichteren" Expo´s angefangen, welche sich dann nach und nach gesteigert haben. Da ich zusätzlich unter dem Zwangs- bzw. Angstgedanken: Ìch könnte mich mit HIV anstecken` gelitten habe, habe ich auch speziell darauf bezogen Expo´s gemacht. Und ja, ich habe auch solche krassen Expo´s gemacht, von denen Du gehört hast.
Ich gebe Dir vollkommen Recht, das ein `normales`Verhalten von Hygiene angestrebt werden sollte! Das Problem ist, das viele Betroffene keine Vorstellung mehr von einem ´gesunden´Hygieneverhalten haben. Da Menschen wie wir ein übertriebenes und überzogenes Hygieneverhalten an den Tag legen, ist der einzige Weg durch übertriebene und überzogene Expo´s wieder einen Weg zu einem ´nomalen´und gesundem Hygieneverhalten zu erlangen. Wenn man diese krassen Expo´s aushalten kann, dann hält man ALLES aus. Nur so sieht man, das einem NICHTS passieren kann. Und ich kann heute von mir behaupten das ich keine Waschzwänglerin mehr bin. Soll heißen, mir hat es geholfen. Natürlich muss jeder für sich selber entscheiden, welcher Weg und welcher Therapieansatz für ihn der richtige ist. Aber im UKE Hamburg wird genau nach diesem Therapieansatz gearbeitet, und die Erfolge der Klinik sprechen für sich!

Ich wünsche Dir von Herzen, das Du den richtigen Weg für Dich findest!!

Ganz lieben Gruß!

Jake_Sully

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14

Sonntag, 3. März 2013, 23:26


... @ Jake Sully,

Du glaubst mir nicht, dass solch extreme PatientInnen in einem Wohnheim leben?
Doch, ist so.
Hast Du schon mal was von Sozialpsychiatrie gehört?
Die kümmern sich u.a. um die "Schlimmsten Fälle", diejenigen PatientInnen, welche ansonsten ein Leben lang in der Klinik leben würden/müssten, weil Sie für die "normale" Gesellschaft nicht tragbar sind.

Sozialpsychiatrie ist was anderes. Extrem-Patienten findet man nicht im Wohnheim für psychisch Kranke in meiner Heimatstadt, einige Leute dort sind arbeitsfähig (ein intelligenter Informatiker/Aspie wohnt auch dort). Früher wollte ich auch ins Wohnheim, aber jetzt hab ich "ambulant betreutes wohnen". Das hab ich bekommen weil ich chronisch-zwangskranker EU-Rentner bin. Morgen kommt wieder die nette Betreuerin und wir kaufen dann zusammen ein. Einkauf, Haushalt, Menschen-Kontakt ... sind für mich irgendwie auch Exposition. Deshalb war in der Klinik, Januar2012, leichte Exposition per Beschäftigungstherapie für mich ausreichend.

Leiden

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15

Montag, 4. März 2013, 00:43

Uffff, auf so extrem Expo`s mag ich mich nicht einlassen 8o .
Das wollte ein Verhaltenstherapeut schon mal mit mir machen:
Sogenannte "Massierte Expositionen".
Nönö, ohne mich ;) .

Da hätte ich z.b. meine Hand in ein Klo halten sollen :pinch:
Nein danke.

Ich hoffe mal, dass auch weniger heftige Expo`s helfen können.

lg Leiden

girasol1991

unregistriert

16

Montag, 4. März 2013, 09:28

Hallo girasol1991!
Ich akzeptiere natürlich deine Meinung, jeder muss für sich selbst entscheiden, was der richtige Weg für einen ist!
Natürlich haben sich meine Expo´s auch langsam gesteigert. Angefangen habe ich schon vor dem Klinikaufenthalt hier mit meinem Therapeuten. Ich musste in meiner Wohnung stundenlang Türklinken,Wasserhähne,Geld etc. anfassen. Dann haben wir dies nach ausserhalb verlagert. Ich musste in Geschäften Produkte anfassen, diese dann einkaufen und zuhause ohne sie vorher abzuspülen essen. Ich habe zu Spitzenzeiten drei Stunden unter der Dusche gestanden, bin raus und kurze Zeit später wieder rein. In der Klink haben wir dann auch mit "leichteren" Expo´s angefangen, welche sich dann nach und nach gesteigert haben. Da ich zusätzlich unter dem Zwangs- bzw. Angstgedanken: Ìch könnte mich mit HIV anstecken` gelitten habe, habe ich auch speziell darauf bezogen Expo´s gemacht. Und ja, ich habe auch solche krassen Expo´s gemacht, von denen Du gehört hast.
Ich gebe Dir vollkommen Recht, das ein `normales`Verhalten von Hygiene angestrebt werden sollte! Das Problem ist, das viele Betroffene keine Vorstellung mehr von einem ´gesunden´Hygieneverhalten haben. Da Menschen wie wir ein übertriebenes und überzogenes Hygieneverhalten an den Tag legen, ist der einzige Weg durch übertriebene und überzogene Expo´s wieder einen Weg zu einem ´nomalen´und gesundem Hygieneverhalten zu erlangen. Wenn man diese krassen Expo´s aushalten kann, dann hält man ALLES aus. Nur so sieht man, das einem NICHTS passieren kann. Und ich kann heute von mir behaupten das ich keine Waschzwänglerin mehr bin. Soll heißen, mir hat es geholfen. Natürlich muss jeder für sich selber entscheiden, welcher Weg und welcher Therapieansatz für ihn der richtige ist. Aber im UKE Hamburg wird genau nach diesem Therapieansatz gearbeitet, und die Erfolge der Klinik sprechen für sich!

Ich wünsche Dir von Herzen, das Du den richtigen Weg für Dich findest!!

Ganz lieben Gruß!

Hallo,

mmh du letztendlich ist es auch deine Entscheidung bzw. die Entscheidung jedes Einzelnen was für Expos er machen will, da gebe ich dir vollkommen Recht und ich wollte auch gar nicht Dich bzw. deine Expos an sich kritisieren, mir missfällt einfach diese Form von Exposition (und das nicht weil ich einen Waschzwang habe, denn dieser hat nichts mit Kot, etc. zu tun).
Mir fällt es nur enorm schwer nachzuvollziehen, wie die sinnvoll sein können. Klar, wenn man alles aushalten kann, dann sind kleinere Dinge viel einfacher, aber es ist ja kein gesundes Hygieneverhalten irgendwie. Und dann wiederum finde ich es schwierig daraus zu ziehen, was denn nun gesund ist und was nicht. Denn wo ziehe ich da die Grenze? Besteht dann nicht vllt auch die Gefahr in so ein komplettes Gegenteil zu verfallen?

Liebe Grüße und dir alles Gute :)

Leiden

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17

Sonntag, 10. März 2013, 01:10

Hallo zusammen,

Es geht mir nicht gut momentan. Habe das Gefühl, auch ziemlich depressiv zu sein.
Mag am liebsten nur schlafen, mich verkrümeln. Könnte nur heulen, fühle mich mit allem überfordert und bin sehr erschöpft, müde.

Ich bin seit einigen Wochen auf der Warteliste für eine stationäre VerhaltensTherapie.
Die Ungewissheit, wann ich eintreten kann, ist unangenehm.
Mittlerweile ist es auch so, dass ich den Eindruck habe, gar nicht genug Kraft, Energie zu haben, mich auf einen stationären Aufenthalt mit Expo`s einzulassen.
Kennt Ihr diesen Zustand auch?
Wo einem einfach alles zuviel ist.

Ich habe für den stationären Aufenthalt schon mal angefangen, eine "Zwangsliste" meiner Zwänge zu erstellen.
Und muss leider feststellen, dass ich ja viele verschiedene Zwänge habe :( .
Das dauert ja dann ewig, bis ich alle "abgearbeitet" habe :( .

Lg Leiden

girasol1991

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18

Sonntag, 10. März 2013, 15:59

Liebe Leiden,

nun depressive Phasen/Depressionen sind eine Nebenerscheinung von Zwangsstörungen. Irgendwie auch logisch, denn je mehr der Zwang einen einschränkt, desto mehr leidet die Lebensqualität etc., sodass depressive Züge wie tiefe Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit, Suizidgedanken und so fort, entstehen können.
Ich kann dir sagen, dass diese Phasen kommen und gehen, denn der Zwang ist nicht immer gleich stark/schwer - das wird dich aktuell wahrscheinlich aber nicht wirklich trösten können und in solchen Tiefphasen verliert man auch häufig das Gefühl dafür, dass es wieder bergauf geht!

Den Zustand wo einem alles zu viel wird - nun ich für mich kann sagen ich kenne den sehr gut, hatte eine Phase vor ca 2 1/2 Jahren wo ich auch an Suizid gedacht habe, war dann teilstationär als Notfall aufgenommen worden und so. Bin dann dort drei Monate gewesen, hab mich langsam gefangen und bin stabiler geworden. So ein richtig krasses Tief habe ich seitdem nicht mehr erlebt, aber in Ansätzen habe ich dennoch regelmäßig (so ein bis alle zwei Monate) ein bis zwei Tage ein kleines Tief, mit heulen, dem Gefühl nicht mehr zu können, ganz allein zu sein, etc.

Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, dass du auf Station gehst sobald es geht. Erwarte keine Wunder und geb dich mit jeder Art (egal wie klein) von Erfolg zufrieden! Du wirst nicht geheilt aus der Therapie herausgehen, das ist eher unwahrscheinlich, versuch realistisch zu sein. Zudem bedeutet eine Therapie nicht zwangsläufig (haha ;-) ) Expos. Bei mir fing damals alles damit an mich zu stabilisieren und dann gemeinsam zu schauen was will ich, was kann ich schaffen und all sowas.

Alles Gute und nicht aufgeben! Es werden auch wieder angenehmere Zeiten/Phasen kommen! :)

Leiden

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19

Sonntag, 10. März 2013, 23:46

An Momo;

Hallo Momo,

Ich habe ein bisschen Deine Beiträge, auch ältere durchgelesen. Das war interessant. Und bin dabei u.a. auf diese Aussage von Dir gestossen:
"Es ist ein typisches Krankheitszeichen, dass deine Frau als Zwangserkrankte KEINE Krankheitseinsicht hat"

Das finde ich nicht typisch, bei dieser Krankheit, dass die Betroffenen keine Krankheitseinsicht haben.
Ich kenne einige ZwänglerInnen, und die sind sich sehr wohl bewusst, dass Sie Zwangserkrankt sind.
Ich bei mir selber habe diese Einsicht auch.
Nur ist von der KrankheitsEinsicht, zur Bereitschaft, sich auf Expositionen einzulassen, manchmal ein weiter Weg, seufz.

Für mich sind Deine Beiträge wertvoll und interessant, da ich ja auch eine Partnerschaft lebe.
Durch Dich erfahre ich noch etwas mehr, wie eine Partnerschaft mit einer Waschzwänglerin, vom "gesunden" Teil erlebt wird.

Lieben Gruss, Leiden

Leiden

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Montag, 11. März 2013, 00:06

Liebe/r Girasol,

Danke für Deine Zeilen, die haben mich wieder ermutigt, den Weg des stationären Klinikaufenthaltes nochmals zu gehen :)) .
Wobei ich ja das Gefühl habe, ich bräuchte zuerst so ein paar Wochen Kuraufenthalt, oder ähnliches. Um wieder Kraft und Energie zu tanken, vor dem stationären Aufenthalt :rolleyes: .

Ich merke, dass ich durch den Zwang irgendwie in einer eigenen Welt lebe, gedanklich.
Zum Teil bin ich ziemlich absorbiert, gefangen in dieser Welt.
Z.b. Habe ich ja auch Angst, oder starker Ekel vor Ausscheidungen wie Stuhlgang, Nasensekret, etc.
Nun ist es so, dass es Tage gibt, da muss ich immer wieder daran denken, wie sauber wohl die Hintern von den anderen Menschen sind, in Tram, Bus, auf der Strasse, etc. :tocktock: .
Ob die Ihren Hintern nach dem Sie ihr "dickes" Geschäft verrichtet haben, auch sauber genug geputzt haben.
Ansonsten "kleben" da ja noch Spuren von auf den öffentlichen Stühlen, Bänken, Tramsitzen, etc. 8o .
Am liebsten würde ich mal eine anonyme Umfrage machen, wie die Menschen sich Ihren Hintern putzen, nach dem Sie Ihr "dickes" Geschäft verrichtet haben.
Es ist eigentlich ein ziemliches Tabuthema, aber dennoch, betrifft es doch jeden Menschen.
Jeder Mensch muss sein Geschäft verrichten.
Und wenn ich manchmal so öffentliche Toiletten sehe, ist es doch schon sehr grausig, wie die Menschen die Toiletten verlassen :wacko: :huh:

Es ist bei mir wie eine Art Fixierung auf diese Themen wie Stuhlgang, etc. :(
Das nimmt einfach zuviel Raum, Gewicht ein, in meinem Leben.
Es ist, als sehe ich alles nur noch durch diese Brille. Alles dreht sich im Grunde in meinem Alltag um Dreck, Sauberkeit, etc.

Naja :( .
Es gibt schönere Themen :rolleyes: .

Lg Leiden