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Leiden

Schüler

  • »Leiden« ist weiblich
  • »Leiden« ist der Autor dieses Themas

Beiträge: 50

Zwangssymptome: Waschzwang/Vermeidungsverhalten, Kontrollzwang, aggressive Zwangsgedanken

Medikament / Dosis: 200mg Sertralin, 150 mg Trittico retard

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Beruf: Rentnerin

Hobbys: Schreiben, Schlummern, Internet, fotografieren

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1

Montag, 4. März 2013, 00:35

Partnerschaft/Beziehung mit Waschzwang/Berührungsangst lebbar?

Ich bin`s nochmal, mit diesem Thema: Partnerschaft lebbar mit Waschzwang/Berührungsangst?
Wollte dafür lieber ein eigener Tread eröffnen, da es doch nochmal ein Thema für sich ist.

Ich würde mich gerne mit Waschzwänglern/Berührungsängstlern austauschen, wie es für euch ist, eine Partnerschaft, Beziehung mit eurem Zwang zu leben?
Seit letztem Sommer bin ich in einer festen Beziehung/Partnerschaft, und merke, dass sich das z.t. leider ziemlich kompliziert gestaltet, mit dem Zwang :( .

Zum Glück habe ich einen sehr toleranten, verständnisvollen Menschen an meiner Seite.
Aber unsere Beziehung ist durch diesen Sch.... Zwang schon sehr eingeschränkt.

Um es vorweg zu sagen:
Mein Freund hat einen anderen Sauberkeitsmassstab wie ich: Er hat überhaupt keine Angst vor Dreck, Schmutz.
Und lebte, bevor er mit mir zusammenkam, auch nicht wirklich sauber und gepflegt.
Durch mich hat er sich da mir schon recht verändert, was er für sich auch Positiv wertet.
D.h., er kommt mir entgegen und erlebt das für sich selber auch als Aufwertung.
Aber er macht auch nicht alles mit, was ich von Ihm am liebsten verlangen würde: z.B. gewisse Dinge nicht mehr berühren, wie Tramstangen, öffentliche Türklinken, etc.
Das ist ja für Ihn positiv, dass er sich nicht total in mein Zwangssystem einbinden lässt.
Für mich ist es aber immerzu ein grosses inneres Dilemma, wenn wir zusammen sind:
Ich stelle mir dann vor, dass alle seine Kleider, sein Hut, seine Haare, sein Gesicht, einfach alles kontaminiert ist, wenn er ja weiterhin wie vor unserer Beziehung "kontaminierte, schmutzige" Dinge im Alltag berührt.
Diese Vorstellung macht mich halber verrückt 8o .

Wenn wir uns z.b. draussen irgendwo zu einem Kaffe verabreden, dann muss er sich immer zuerst seine Hände mit Desinfektionstüchlein abwischen, bevor er mich berühren darf :rolleyes: .
Das macht er auch, jedoch gibt er mir auch klar zu verstehen, dass er das vielleicht 1-2 mal während einer Verabredung macht, aber nicht andauernd.

Oder wenn er mich z.b. im Wohnheim besucht, finde ich es auch ganz schlimm, wenn er da in dem Haus Türklinken anfasst, auf Stühle im Essraum sitzt, wo vorher andere Mitbewohner gesessen haben, die in meinen Augen "schmutzig, ungepflegt" sind, etc. 8o 8o 8o .
Für mich ist das innerlich jeweils der reinste Albtraum, aber Ihn ekelt das nicht so wie mich. Was ich irgendwie auch wieder nicht nachvollziehen kann.
Aber er hat halt keine Zwänge/Berührungsängste.... Seufz.

Ein Teil in mir sagt mir eigentlich immerzu; Ich kann nicht mit Ihm zusammen sein, das ist viel zu kompliziert, anstrengend.
Wenn, dann müsste ich einen Partner haben, der gleich tickt wie ich. - Dann wäre er aber auch ziemlich zwanghaft... :rolleyes:

Schlimm finde ich, dass ich dann immer wieder die Beziehung in Frage stelle, weil ich denke; Wenn ich Ihn nicht so annehmen, akzeptieren kann, wie er ist, dann liebe ich Ihn wohl auch nicht.
Er hingegen nimmt mich so, wie ich bin, mit all meinen Macken und mit den Zwängen.
So müsste es doch sein, wenn man liebt, oder? :(
Aber dieses Ihn nicht annehmen können, wie er ist, kommt ja vom Zwang her, der sagt: "Pass auf, Berührungen sind gefährlich, da er ja kontaminiert ist mit Dreck von Draussen."

Kennt Jemand von euch auch solche Schwierigkeiten in einer Partnerschaft ?

Liebe Grüsse und gute Nacht, Leiden.
(Dieses Mal an einem Pc, daher kann ich mehr und schneller schreiben als sonst auf meinem I-Phone :)) )

girasol1991

unregistriert

2

Montag, 4. März 2013, 09:44

Hey,

ich verstehe was du meinst, teilweise kenn ich das auch von mir, wobei ich zum Beispiel dieses 'Wenn ich ihn nicht annehmen kann wie er ist, dann liebe ich ihn auch nicht' bei meinem Exfreund (meine erste, richtige Beziehung) gar nicht erlebt habe, denn meine Gefühle für ihn waren größer als alles andere und das habe ich vom Zwangsgefühl trennen können.
Bei uns gab es oft viel Streit, weil ich wollte, dass er was macht (Hände wäscht, etc.), es aber nicht wollte und ich dann innerlich so angespannt war, dass ich teilweise richtig aggressiv reagiert habe, ausgerastet bin und losheulen musste, weil mein innerlicher Druck so stark war. Nun, die Beziehung ist schon über ein Jahr her und er hat bei mir die wirklich krassen Zeiten mit erlebt, ich weiß nicht wie heute eine Beziehung bei mir aussehen würde.

Was ich aber bei mir inzwischen sehr deutlich wahrnehme (war aber bei weitem nicht immer so), ist, dass der Zwang kaum da ist, je intensiver eine Beziehung ist, je mehr ich für das Lebewesen empfinde. Bestes Beispiel sind dort meine Hunde (die nun so gut wie nie gewaschen werden, die einfach alles fressen, sich in Mist wälzen, etc.): Obwohl sie so tierisch und dreckig sind, dürfen sie bei mir ins Bett, mir duchs Gesicht schlecken und all solche Dinge. :lachen:
Ich glaube, dass es vllt gerade dadurch, dass sie Tiere sind, möglich ist, denn ich kann denen nicht erklären, warum ich will, dass sie sich waschen oder oder oder. Zudem - und das ist zumindest bei mir persönlich ausschlaggebend - kann ich mich auf sie verlassen, sie lieben mich bedingungslos, komme was wolle, sie werden zu mir halten, sie freuen sich wenn ich nach Hause komme, auch wenn ich nur zwei Minuten weg war, und al das was sie mir geben, kann mir kein Mensch geben. Sie sind Balsam für meine Seele, für das kleine, zerbrechliche Herz in mir, das Angst vor Enttäuschungen und Verletzungen hat.

Um zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Ich denke Einschränkungen und Probleme sind normal in einer Beziehung zwischen einem gesunden und einem waschzwangskranken Menschen, aber das hat nichts mit der eigentlichen Liebe zu tun. Ich glaube, wenn man einen Kompromiss findet, dann ist das sehr sinnvoll. Zum Beispiel er wäscht sich die Hände bzw. Desinfektionstücher, wenn ihr euch in der Öffentlichkeit trefft, wohingegen er, in deinem Wohnheim die Türklinken etc. anfassen darf. Weißt du wie ich das meine? An sich müsste sich dein Anspannungslevel dann auch legen mit der Zeit, wenn du lernst das auszuhalten - ist auch eine Form von Expo!

Nun, das ist das was ich persönlich denke.
Alles Gute! :)

3

Montag, 4. März 2013, 11:56

Du hast deinen Partner ja schon wunderbar zum Co-Zwängler erzogen. Sein Leben ist bereist so eingeschränkt wie dein´s. Dein Zwang ist deine Sache, das Leben deines Partners ist seine Sache, Punkt. Es genügt, wenn dein Partner dich so akzeptiert wie du bist, aber akzeptiere du auch ihn so wie er ist. Es sind meiner Meinung nach tiefer liegende Ängste die zum Zwang führen. Tramstangen und Türklinken fasst meine Partnerin mit Schutzhandschuhen an. Das sind sozusagen ihre Krücken. Ich fasse Tramstangen und Türklinken ganz natürlich an. Müll entsorgt sie in der Küche im Eimer; ich bringe den Müll zur Mülltonne. Ihre Seifenreste auf dem Waschbecken putzt sie zweimal täglich selbst weg, OK ich putze das Waschbecken ebenfalls zweimal. Partner von Zwänglern müssen sich abgrenzen, um nicht selbst in diesem kranken Sumpf zu landen. Da gibt´s oft Krach. Ich denke in solchen Beziehungen kann es nicht nur das Extrem des Zwänglers geben und auch nicht das Extrem des Co-Zwänglers. Sucht eure gemeinsame Mitte mit der ihr beide einigermaßen leben könnt.

Leiden

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4

Montag, 4. März 2013, 23:44

Hoi Momo,

Du hast deinen Partner ja schon wunderbar zum Co-Zwängler erzogen. Sein Leben ist bereist so eingeschränkt wie dein´s. Dein Zwang ist deine Sache, das Leben deines Partners ist seine Sache, Punkt. Es genügt, wenn dein Partner dich so akzeptiert wie du bist, aber akzeptiere du auch ihn so wie er ist.


Das ist ja grade die Schwierigkeit;
Das Gefühl zu haben, meinen Partner nicht so akzeptieren zu können, wie er ist, bezw. sich verhält.

Wenn Du Türklinken und Tramstangen normal anfasst, kannst Du danach dann Deine Partnerin berühren, umarmen, oder hat Sie damit auch Probleme?

Meidet Sie Berührungen von Dir, oder kann Sie das gut "annehmen", auch ohne dass Du vorher Deine Hände gewaschen, desinfiziert hast?

Lg Leiden

Leiden

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Zwangssymptome: Waschzwang/Vermeidungsverhalten, Kontrollzwang, aggressive Zwangsgedanken

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5

Dienstag, 5. März 2013, 00:05

Liebe Girasol,

Wir haben im Wohnheim auch eine Katze.
Ich liebe Katzen, dennoch kann ich sie nicht ohne weiteres streicheln;
Ich muss mir danach meistens die Hände waschen gehen.
Besonders bei unserer Katze im Wohnheim;
Denn sie hat absolut KEINE Berührungsängste, und legt sich auch in die Betten anderer Mitbewohner, welche einnässen.....
Und dass Katzen sich am Boden wälzen, Ihr Fell, sowie sogar Ihren Hintern mit Ihrer Zunge putzen, darüber darf ich einfach nicht zu sehr nachdenken, sonst vergeht mir das Bedürfnis, sie zu streicheln.....

Unsere Katze möchte mir z.B. immer wieder um die HosenBeine streichen, aber das mag ich nicht, denn ich denke, ich kann danach mit meinen Hosen nicht mehr auf meinem Bett tragen. Weil ich sonst meine saubere Zone "Bett" verschmutzen würde.

Seufz, kompliziertes Leben mit so Zwängen.

Lg Leiden

6

Dienstag, 5. März 2013, 17:44

Hi Leiden

dass meine Partnerin Berührungsängste hat, damit muss ich leben. Manchmal kann sie eine Umarmung gut zulassen, manchmal muss sie sich stark überwinden, manchmal geht´s gar nicht. Wir haben uns darauf geeinigt, dass ich sie vorher frage, ob sie gerade eine Berührung zulassen kann.

*schmunzel* die Sache mit der Katze ist ja toll. Die Katze mag dich ganz besonders gut leiden. Sie grüßt dich indem sie dir ums Hosenbein streift mit hoch erhobenem Schwanz. Katzen sind übrigens sehr reinliche Tiere. Sie lecken sich das Fell sauber, um besser vor Kälte und Nässe geschützt zu sein. Dabei gelangen Katzenhaare in den Magen, die mit Katzengras wieder raus kommen. Die Katzenhaare bekommst du gut von der Hose mit einer Kleiderbürste.