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Dienstag, 12. März 2013, 00:23

Tiefpunkt: Medikamente nehmen?

Hallo,

Ich melde mich auch mal wieder..
Obwohl die Uni wieder angefangen hat und ich eigentlich auch recht viel zu tun habe, sind die Zwänge da. Ich denke sehr viel über die Vergangenheit nach, finde immer wieder etwas, wofür ich mich tagelang schuldig fühle und 24h darüber nachdenke, besonders an den Tagen, an denen ich frei habe.. An der Uni geht es.

Heute hatte ich aber einen extremen Tiefpunkt in eine ganz neue Richtung: Ich musste länger mit dem Autofahren und hatte unglaubliche Zwangsgedanken. Ich habe schon die letzten Male bemerkt, das ich zwanghaft werde, immer in den Rückspiegel schaue ob ich jemanden angefahren haben könnte usw. 1,2 mal musste ich auch schon zurück fahren und nachschauen, aber heute musste ich mehrmals zurück, mir ging es extrem schlecht und ich hatte echt üble Angst. Ich habe dann auch gleich den Gedanken bekommen, ich könnte ja mal in der Vergangenheit unbemerkt jemanden angefahren haben! Dazu muss ich sagen, das ich einmal einen Unfall hatte, zum Glück ohne Verletzte etc. aber ich WEISS das man es merkt, wenn man mit jemanden zusammenstösst, auch wenn das kein Auto ist... Man spürt es, hört es, sieht es und andere reagieren. Aber trotzdem habe ich den Gedanken nicht wegbekommen.
Ich habe generell grosse Probleme mit dem Autofahren, auf die Autobahn kann ich gar nicht mehr, da ich Panikattacken kriege und auch durch einen Tunnel geht nicht mehr, ich glaube mit beidem habe ich aber nur Probleme wenn ich alleine fahre, mit anderen Menschen geht es einigermassen, obwohl es auch da schon vorgekommen ist, das ich eine Panikattacke hatte, früher.

Ja keine Ahnung, um mal zum Punkt zu kommen: Ich habe mich bis jetzt geweigert, Medikamente zu nehmen, ich möchte das eigentlich nicht. Ich bin in Therapie und für mich war ich der Meinung, solange ich die Gefühle/Gedanken noch irgendwie aushalte, dann mach ich das auch. Ich habe grosse Angst vor Medikamenten, ich möchte auf keinen Fall süchtig werden, oder meine Probleme einfach überdecken und all die Nebenwirkungen :S .. Ich möchte auch ab und zu mal ein Gläschen Alkohol trinken, da ich es mag, wenn ich am Wochenende mal weggehe oder Essen gehe und ich weiss auch nicht, ob das dann noch möglich ist.
Ausserdem habe ich Angst auf die Medikamente allergisch zu sein, weil auch das schon vorgekommen ist bei anderen Medis. Aber: ich weiss einfach nicht, ob ich noch ohne kann. Bald kommt auch die Prüfungsphase und zur Zeit fällt es mir sehr schwer zu lernen, mit diesen Zwangsgedanken...
Irgendwie bekomme ich immer mehr den Eindruck, das praktisch alle Medikamente nehmen und ich weiss gar nicht mehr, ob es ohne überhaupt möglich ist, wieder gesund zu werden..

Vielleicht kann mir jemand helfen und seine Erfahrungen teilen?

Liebe Grüsse und Danke für das Lesen, grau

girasol1991

unregistriert

2

Dienstag, 12. März 2013, 00:43

Hey liebe grau!

ich verstehe Dich und ich kann dir sagen was ich für Erfahrungen gemacht habe und wie meine persönliche Meinung zu Medis etc. ist:

Ich finde, da du in Therapie bist, dass du auch Medis nehmen darfst/kannst, gerade wenn es so akut sind.
Die meisten machen auch nicht abhängig, bei Zwängen wird ja meist ein SSRI gegeben und die machen nicht süchtig. Es wird Absetzsymptome/-erscheinungen geben, aber die setzt man langsam in Absprache mit dem Neuro/Psychiater ab.
Nebenwirkungen, können sein - müssen aber nicht. Ich habe bei allen welche gehabt, dann aber wenn es zu stark war gewechselt. Du musst für dich selber klarmachen, was kannst du akzeptieren, was gar nicht?! Für mich gibt es keine absoluten No-Gos, ich habe zugenommen, teilweise die Lust an Sex verloren, aber all das kann man kontrollieren und ggf. auch wieder 'antrainieren'. Das Einzige was für mich total schlimm wäre, wenn ich eine komplette Wesensveränderung erlebt hätte (z.B. Aggressionen, die vorher nicht da waren oder so).

Alkohol - ja also soll man nicht machen, ich machs dennoch. Ich hab schon richtig krasse Abstürze gehabt. Ich denke mir (so lange mein Leber es mitmacht): Alkohol ist ab und an voll ok, gerade als Studenten :D bei Medis wird regelmäßig Blut abgenommen und wenn da mal die Leberwerte erhöht sind, würd ich aufpassen. Und am Anfang würde ich schauen, dass du erst trinkst, wenn du auf die Medis eingestellt bist und auch immer schauen, dass jemand mit dabei ist, der dich kennt und ggf. auch weiß, was für Medis du nimmst.

Ach und die Probleme wirst du mit den Medis nicht überdecken können denke ich. Ich habe kein Medikament genommen, was wirklich komplett alles ausgeblendet hat bei mir. Du wirst auch nicht direkt ne krasse Änderung spüren, das wird langsam kommen. Wahrscheinlich auch erstmal helfen aus dem Tief zu kommen!

Überlegs dir gut, du kannst ja auch mal einen Psychiater fragen und auch die Meinung deines Therapeuten einholen!
Alles Liebe :)

3

Dienstag, 12. März 2013, 01:04

Vielen Dank girasol, für deine Antwort!

Hmmm.. Das Problem ist halt, das man von so extremen Fällen liest, die enorme Nebenwirkungen hatten und das Jahre danach immer noch, obwohl sie sie längst abgesetzt haben :S Das möchte ich nicht.. Für mich gibt es schon ein paar Dinge die nicht akzeptierbar wären... die Lust an Sex kann ich nicht mehr verlieren, die ist schon sehr lange weg, und Zunahme hm, weiss ich nicht, das würde mich wahrscheinlich schon sehr stören, aber ich glaube das kann man sicher auch noch irgendwie selbst "regulieren" und umso mehr Sport machen oder auch nicht, keine Ahnung. ABER ich meine solche Dinge: Herzprobleme,Sehstörungen, Durchfall, Zittern, Schwindel, Konzentrationsstörungen, extreme Müdigkeit... :wacko:

Du schreibst, dass "nicht alles überdeckt" wird durch die Medikamente und so und sie nur langsam etwas bringen und ich am Anfang keine grossartige Veränderung spüre... Lohnt es sich dann? Oder anders gefragt, ist die Wahrscheinlichkeit schneller oder überhaupt gesund zu werden durch die Medikamente erhöht, oder helfe ich mir einfach ein bisschen aus dem Tief?

Meine Psychiaterin hat sie bis jetzt auch eher abgelehnt in meinem Fall. Aber da ich immer stärker auch depressiv werde und deutlich zwanghafter, nicht mehr nur Gedanken, ist sie inzwischen auch der Meinung es wäre eine Überlegung wert.

Ganz liebe Grüsse, grau

mia

Anfänger

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Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

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4

Dienstag, 12. März 2013, 08:46

Hallo,

also in meiner Therapie gab es auch die Diskussion. Ich hab Medikamente abgelehnt, nicht zu letzt, weil ich tierische Angst vor den Nebenwirkungen hatte (wie du) und es für mich ein Zeichen war, dass ich da so schnell nicht mehr rauskommen werde aus den Zwängen, denn es dauert ja auch bis sie anfangen zu wirken (sollte Serotoninhemmer nehmen). Mein Psychologe wollte, dass mir meine Hausärztin diese verschreibt, weil er nicht mehr weiter wusste. Für mich ein Tiefschlag. Ich hatte dann einen Deal mit mir selbst: Ich probiere es nochmal ohne Medis und wenn ich nach meiner selbst gesetzten Deadline nichts besser wird, dann gehe ich den Schritt der Medikamente. Zeitgleich habe ich mich informiert, wie diese Medis wirken und habe entdeckt, dass Sport bedingt auch hilft und eine ähnliche Wirkung hat. Und ich habe dann plötzlich wieder sehr gern Sport gemacht und festgestellt, dass es der einzige Zeitpinkt in der Woche war, wo ich nix gedacht habe. Aus diesen Momenten habe ich denn wieder Energie geschöpft und viel an mir gearbeitet und hart gekämpft.

Ich kann dir also nicht sagen, wie es ist Medikamente zu nehmen, aber es kann ein Startpunkt sein: wenn du dich z.B. bewusst dagegen entscheidest, mit der Option immernoch zu sagen, es geht nicht, ich nehme sie. Auch kannst du schauen, welche Momente dir Energie geben (bei mir Sport). Ich hatte durch meine Absage an die Medis ein konkretes Ziel (Verbesserung so dass keine Medikamente nöig sind) und daran konnt ich konkret arbeiten. Auf einmal gings Berg auf.

Ich hoffe, dass ich dir helfen konnte. Wenn du dich besser fühlst, Medis zu nehmen, dann geh den Schritt. Dann ist es dein Weg, mit den Zwängen umzugehen und das ist dann vollkommen okay.

Viele Grüße
Mia

PS: Bei mir ist das vllt. auch bissl anders. Mein Psychologe war nicht transparent. Bis zur Medikamentendiskussion dachte ich, ich hätte ne Angststörung und wunderte mich immer, warum die Symptome nicht auf die Definitonen passten. Erst im Brief an meine Ärztin mit der Bitte für die Medikamente stand drin, dass ich Zwangsgedanken hatte und somit hatte ich endlich eine Diagnose die passte und über die ich mich dann geizelt informieren konnte. Damit gings dann auch besser.

girasol1991

unregistriert

5

Dienstag, 12. März 2013, 10:32

Hey,

also ich hatte Nebenwirkungen wie Zittern z.B. bei Sertralin, das dann aber ziemlich schnell wieder abgesetzt und dann war das Zittern auch direkt wieder weg. Und ich habe bisher relativ wenige Nebenwirkungen verspürt, Gewichtszunahme und extreme Müdigkeit (wobei da bei beiden immer mit reinspielt, dass ich a.) während meines üblen Tiefs so gut wie kaum mehr was gegessen habe, und dadurch logischerweise auch rasant an Gewicht verloren habe und b.) habe ich jahrelang nur schlecht schlafen können, sodass mein Neuro z.B. auch sagt, dass es auch daran liegen kann, dass der Körper einfach so ko ist und froh ist, nun wieder einigermaßen erholsam schlafen zu können.)
Die Frage ist eher wie 'scheiße' geht es dir? Glaubst du, du kommst da selber wieder raus? Die Medis können dir helfen, gegen depressive Anteile wirken die recht schnell.
Ich war damals so am Ende und bei mir ging gar nichts mehr, Suizidgedanken, konnte nicht mehr schlafen und nichts - da waren die Medis super, hab mich dort relativ schnell wieder gefangen.

Sooo ich kann grad nicht mehr schreiben, muss arbeiten.
Liebe Grüße! :)

6

Dienstag, 12. März 2013, 21:10

Hallo,Danke für eure Antworten!!!

Es ist gut zu wissen, das es also auch ohne Medikamente besser werden könnte, Mia. Wobei ich sagen muss, das ich eigentlich eine sehr ähnliche Einstellung schon seit Anfang der Therapie habe, ich habe immer gesagt, wenn es irgendwann gar nicht mehr geht dann nehme ich sie. Die Frage ist halt eben, ab wann geht es nicht mehr? Ich versuche schon die ganze Zeit alleine hier rauszukommen aber jetzt merke ich, wie meine Kräfte echt weg sind.. Ich denke immer wieder ich bin echt am Tiefpunkt und es kann nur noch nach oben gehen und dann kommt mir doch etwas in den Sinn, das mich noch weiter herunterreisst.

girasol, ich habe keine Ahnung ob ich da wieder alleine rauskomme. Zur Zeit habe ich auch irgendwie eine riesen "Identitätskrise" (!?): Ich habe mich an Dinge erinnert, die sehr deutlich und sehr stark auf eine Borderline-Störung hindeuten, die ich aber eigentlich mehrfach "verdrängt" habe, oder evtl. jetzt überbewerte. Ich habe früher oft mit Selbstmord gedroht, mich leicht geritzt, hatte sehr extremes Verhalten in Sexuellem, war auch mal eine Weile sehr abgemagert, absichtlich, extrem viel getrunken ... Und was mich am meisten belastet: Ich habe meinen Freund im Streit (also nicht generell mal einfach so, sondern wenn ich das Gefühl/die Angst hatte er hätte mich betrogen,, hintergangen, angelogen...) so sehr "erniedrigt", das er alles für mich mache (musste) z.b auf die Knie gehen und betteln, weinen.. Dann habe ich endlich gefühlt, das ich bei ihm sicher bin und er mich nicht verlassen wird, weil er das für mich macht, weil er so weit geht und ich habe es irgendwie genossen, so eine Macht (?) zu haben, weil das für mich der Beweis war, das er nicht weggehen wird und mich liebt.. ;(

Nur ist es so, dass das ja alles irgendwie wieder ändern würde? Dann kann ich ja nie wieder gesund werden? Dann wären diese Zwangsgedanken ja nur ein Teil vom Ganzen?Ich schäme mich so sehr für mein Verhalten von früher, das auch nur meine Psychiaterin nur im Ansatz davon weiss, und wahrscheinlich nicht mal die Hälfte ahnt :S Sie würde mich dann auch ganz anders sehen. Eine Borderline-Erkrangung ist ja irgendwie fast nicht zu "heilen".. Was ich nicht verstehe, wieso ich jetzt so ganz, ganz, ganz anders bin und so zwanghaft!
Naja wieso ich das hierhin schreibe eigentlich auch nicht, ha nicht direkt mit den Medikamenten zu tun.. Wobei, girasol, du schreibst durch die Medikamente konntest du dich relativ schnell wieder fangen.. ich glaube ich bin auch an einem Punkt wo ich das brauche, auch wenn ich eigentlich nicht möchte.

Liebe Grüsse ..

(p.s mia, ich wollte dir unbedingt in deinem Thread noch antworten, aber ich kriege es nicht hin, irgendwie hat sich der Zwangsgedanke, ich könnte etwas schreiben, das jemanden dazu bringt, das es ihm schlechter geht, in kurzer Zeit extrem manifestiert..)

mia

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7

Mittwoch, 13. März 2013, 15:12

Hallo Grau,

ich kann dich total verstehen. Du bist immernoch unentschlossen. Vielleicht hilft es dir, wenn du dir selbst eine Deadline setzt. Also in 3 Wochen Besserung ansonsten Medikamente. (Als Beispiel). Damit du den Überblick behältst kannst du auchtägl. aufschreiben, wie es dir geht. Mit hat das sehr geholfen. Für mich war es eine große Überwindung die Sachen die mir im Kopf umher gingen (auch die inneren Diskussionen im Kopf über die Medikamente) aufzuschreiben, aber danach ging es mir besser. Und wenn ich dann manchmal drin gelesen habe viel mir auf, dass ich den Zwang Stück für Stück reduziert habe. Und das gibt unglaublich Motivation und Hoffnung.

Was du mit deinem Freund beschreibst ist mir selbst auch nicht ganz so fremd. Im Streit bin ich auch sehr demütigend, zwar so wie du es beschreibst noch nicht, aber ich hab auch das Gefühl, erst wenn ich was gesagt habe, was richtig richtig böse getroffen hat, kann ich mit dem Streit aufhören. Und während ich den Treffer quasi versenkt habe, fühle ich mich selbst, mich selbst in mir drin sozudagen (komisch, dieses Gefühl kann ich nicht beschreiben). Wie lang bist du mit deinem Freund zusammen? Für meinen Freund war meine erste Zwänglerphase sehr schlimm und er musste viel aushalten. Ich hab ihm irgendwann mal ein Buch in die Hand gedrückt für Angehörige und er konnte danach besser mit mir umgehen. Und das er sich damit beschäftigt hat und trotz der schlimmen Zeit mit mir immernoch bei mir ist, hat mich bestärkt, dass er mich nicht verlassen wird. Als Zwängler fehlt irgendwie das Vertrauen in einen selbst aber auch in andere. Und es braucht einfach Zeit, beides zurück zu gewinnen.

Ich wünsche dir viel Kraft! Und vertrau dich ruhig deiner Therapeutin an. Nur wenn sie deine Geschichten kennt, kann sie dich richtig unterstützen.

Mia

PS: Schreib mir ruhig unter meinen Post. Ich denke, dass jede Antwort hilft, von jemanden der einen versteht. Derzeit habe ich noch keine Antwort von jemanden erhalten und suche immernoch Rat.