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21

Freitag, 19. April 2013, 20:25

Hallo liebe Spurensucherin

Ich verstehe dich sehr gut. In der Tat ist man für jedes Wort dankbar, wenn es Worte sind von Leuten, die wissen, wovon man spricht beim Thema Zwangserkrankungen... (ich wohne in einem kleinen Dorf, Feedbacks die ich kriege, sind z.B.: musst ihn halt mal loslassen, deinen Sohn, damit er selbständig wird..., kein Wunder, wenn er ohne Vater aufgewachsen ist..., er will doch bloss Aufmerksamkeit von dir...)

Möchte dir nur ganz kurz erzählen, wie es bei uns ist....mein Sohn leidet seit einem Jahr ganz stark unter Zwangshandlungen ( Sammel-, Berühr-, Zähl-, Wasch- und Wiederholzwänge). Seit drei Monaten nimmt er das Medikament Sertralin; ich weiss nicht, wie das ist in Deutschland, wir leben in der Schweiz, er hat dieses bekommen und ich merke einfach, dass es ihm stimmungsmässig besser geht, er hat vorher extrem unter seinem Anderssein gelitten..., die Zwänge jedoch gingen NICHT sehr zurück, er nimmt sie sich einfach nicht mehr so zu Herzen...

Weil die Zwänge immer schlimmer und absurder wurden, habe ich letzte Woche nach langem hin und her beschlossen, meinen Sohn in eine Tagesklinik "zu geben". Von diesem Aufenthalt erhoffe ich mir natürlich vieles, vor allem eine intensive Therapie. Ob es aber das Richtige ist...keine Ahnung. Was bei mir abgeht, ist im Moment die Hölle. Ich bin hin und her gerissen zwischen Entscheid rückgängig machen und durchziehen, denn selbstverständlich ist es so, dass mein Sohn nicht einfach fröhlich sein Köfferchen packt, um in die Klinik zu gehen. Nein, er sträubt sich mit Händen und Füssen, mit Vorwürfen, Wutanfällen, mit Weinkrämpfen und vor allem einer total unglaublichen Leistung...er ist doch tatsächlich seit einer Woche OHNE Zwänge..., einfach, weil er nicht in diese Klinik will und mir beweisen will, dass er seine Zwänge alleine besiegen kann. Warum schreib ich dir das? Einfach um dir zu sagen, du bist nicht allein. Ich werde ständig von Zweifeln und Verzweiflung heimgesucht... komme in letzter Zeit sehr oft nah an meine Grenzen, aber irgendwie geht es immer wieder weiter. Und irgendwie geht immer wieder ein Türchen auf. In diesem Sinne wünsche ich dir einfach viel, viel Kraft und möchte dir einfach sagen, du bist echt nicht allein. Wenn was ist, wenn du reden, bzw. schreiben möchtest, jederzeit!!!! Ich verstehe dich sehr, sehr gut!!! Liebe Grüsse von mir!!!!!

liebe thunderroad,

deine zeilen zu lesen berühren mich gerade sehr.

wie verzweifelt musst du momentan sein, wenn du nicht weißt, was die richtige entscheidung ist für euer leben. ich kann es nachvollziehen. denn die schlaflosen nächte, die vielen tränen, das hoffen einerseits und das ahnen anderseits, von "alleine" wird es nicht besser. aber ich möchte dir sagen, dass - egal, wie verzweifelt ich war in den letzten wochen - ich niemals über meine tochter hinweg entschieden habe. ihr wunsch, letztes jahr in eine klinik zu gehen, war ganz alleine IHR wunsch. ICH hatte da eher meine probleme damit, aber ich habe sie begleitet, bin diesen weg mit ihr gegangen.

für mich ist ganz klar (auch in zukunft), dass ich keine entscheidung ohne sie treffen werde! (mit einer ausnahme: suizidgefahr!). wir haben heute den termin bekommen für eine klinik hier bei uns, die evtl. in frage kommen würde, sie auf das fluvoxamin einzustellen. allerdings ist der termin erst in drei wochen und der zweite dann vier wochen später. ob und wie sie dann überhaupt was nehmen wird, steht noch völlig in den sternen. sie geht ja seit zwei monaten in eine ambulante therapie und diese termine in der klinik jetzt sind lediglich zum informieren da, wie es mit dem medikament ablaufen könnte. wenn meine tochter nirgendswo stationär mehr hin will, dann muss es andere möglichkeiten geben, sie auf das medikament einzustellen. es kann auch gut sein, dass sie nach dem termin dort sagt: ne mama, das will ich nicht! und dann ist es auch gut.

in all meinen schlaflosen verzweifelten nächten habe ich eines gewußt am nächsten morgen: ich darf ihr nicht das gefühl geben, dass ich sie so nicht haben will, mit ihren zwängen. also musste ICH einen weg finden, mich mit dieser situation, wie sie nun ist, "anzufreunden". es gelingt mir mal mehr, mal weniger. außerdem hat mich eine ganz wichtige aussage eines forumschreibers (danke, m.) hier sehr zum nachdenken gebracht. wenn du deinem kind kein halt mehr sein kannst - ihm nicht das gefühl geben kannst, DU BIST DA, du bist der stützende pfeiler - wer sollte es dann tun?

ich kann dir nicht sagen, was in deinem fall die richtige entscheidung ist. für mich gibt es kein richtig und kein falsch. für mich gibt es "nur" ein gefühl - und wenn dies im moment für euch beide stimmt, dann ist es wohl der richtige weg. allerdings kennst du deinen sohn eben auch am besten, weißt um seine reaktionen und zwänge, weißt, wie akut die situation eben momentan ist. deshalb musst du entscheiden für euch! kann es so weitergehen? habt ihr die kraft?

ich weiß...das ist viel. da spielen die gedanken verrückt. da dreht sich alles im kopf wie ein karrussel. doch fakt ist auch: die entscheidung wird dir keiner abnehmen. als elternteil musst du die alleine treffen (im besten fall eben zusammen mit deinem kind). doch hier spielt eben auch eine große rolle, ob dein sohn die zwänge als SEINS annehmen kann. wenn er sich nicht als krank sieht, dann wird ihm auch in einer klinik kaum geholfen werden können.

wenn sich dein sohn so zurückzieht, dann kann die klinik eine bereicherung sein! dort sind andere, denen es ebenso geht wie ihm. das verbindet. vielleicht braucht es ein paar tage - aber es könnte auch eine gute chance sein, erst mal "geschützt" zu sein, um dann wieder ins leben raus zu können.

alles liebe für euch,

petra
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22

Freitag, 19. April 2013, 20:42

@girasol1991:

dir danke ich ganz besonders für deine worte!

vor allem aber danke ich dir dafür, dass du hier was schreibst. dass du die "andere" seite aufzeigst, wie du die zwangserkrankung und ihre folgen erlebst als betroffene, umringt von deinen angehörigen. ich glaube, es ist immer (in jeder lebensphase - auch ohne zwänge) ganz wichtig, auch die andere seite sehen zu können. nur so können wir lernen voneinander und uns gegenseitig besser verstehen.

was du schreibst über die TK kann ich gut nachvollziehen. meine tochter war zwar 2,5 monate vollstationär (ohne medikamente), aber sie hat dort wirklich ein großes stück zu sich selbst gefunden. sie ist selbstbewußter geworden (wenigstens ein stück weit), eigenständiger. sie hatte dort gleichgesinnte, von denen es vielen ähnlich ging wie ihr. sie hatte sich nicht einsam gefühlt. sie war inmitter "ihrer selbst" - und der weg zurück in das wahre leben war kein leichter für sie. sie redet heute noch gerne von dieser klinik. dass mir persönlich, als angehörige, die klinik nicht viel gebracht hat, möchte ich außen vor lassen, denn es ging ja letztendlich um meine tochter.

all die dinge, die du beschreibst, die eltern erleben, wenn ihre kinder mal wieder in sich zusammenbrechen, endlos schluchzen, vor wut und verzeiflung nicht mehr wissen, wohin mit sich selbst, die machen uns als angehörige zu schaffen. weißt du, als elternteil sein kind so hilflos zu erleben löst auch immer ein bisschen diesen mechanismus aus: ich kann meinem kind nicht helfen! herrgott, dass kann doch nicht sein! ich MUSS meinem kind helfen können. und das ist etwas, was wir eltern auch noch lernen müssen. nicht immer können wir alles regeln! kinder werden "groß" und müssen/wollen selbst lernen, zu regeln. auf diesem langen weg, sich selbst anzunehmen, sich zu mögen wie man ist, sich erkenn- und verletzbar zu zeigen, da liegen viele stolpersteine. und wir eltern wollen euch die aus dem weg räumen. (unser wunsch). aber so geht es eben nicht im leben. jeder lebt sein leben für sich. jeder ist für sich selbst verantwortlich. als mama oder papa muss man sich selbst das immer wieder "eintrichtern." kinder bleiben die kinder, auch wenn sie längt groß sind ;-)

und du...

KEIN mensch ist 24 stunden am tag oder 7 tage die woche nur glücklich. wer das sagt, der lügt. wir alle haben unsere traurigkeit, unsere verzweiflung. vielleicht zeigt es der eine mehr als der andere. vielleicht können es manche besser verstecken. aber das leben ist nicht nur friede, freude, eierkuchen. und dennoch ist es so wundervoll, dass wir so viel damit machen können! und ich lese aus deinen zeilen, dass du viel von dieser erkenntnis bereits gewonnen hast. das ist toll. weiter so!

ganz liebe grüße an dich und hab vielen dank für dein hiersein in diesem thread!

lieben gruß,

petra
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

23

Samstag, 20. April 2013, 14:40

Ich finde es auch total toll, dass hier Betroffene mitschreiben. Es fehlt einem als Angehörigem ja oft an der Innensicht. Und da man so besorgt ist (und das ist man einfach), kann man mit dem eigenen Kind da auch nicht so unbefangen drüber reden.

Was mich noch interessieren würde: kann man es auch ohne Medikamente schaffen? Oder quält man sich nur noch länger, bis es besser werden kann?

LG

Rena

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24

Samstag, 20. April 2013, 16:17

Was mich noch interessieren würde: kann man es auch ohne Medikamente schaffen? Oder quält man sich nur noch länger, bis es besser werden kann?


eine sehr interessante frage!

doch dies können wohl nur die betroffenen selbst beantworten. mag jemand was dazu schreiben?
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

Kathrin

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25

Samstag, 20. April 2013, 17:51

mich als betroffene würde das auch intressieren, denn obwohl ich bereits alle medikamente der Antidepressiva hinter mir habe und einige Neuroleptika, so dass der Arzt sagte, nun wisse er auch keines mehr, hab ich bei keinem eine Änerung gespürt. Allerdings habe ich immer enorme Nebenwirkungen gehabt die so gravierend waren, dass ich nicht jedes Medikament in ausreichender Dauer nahm. Aber meine Zwänge sind sehr schwer so dass ich es mich immer wieder doch frage....

girasol1991

unregistriert

26

Sonntag, 21. April 2013, 00:26

@Spurensucher/Petra: ich danke dir für deine worte, denn auch mir tut es gut sowas zu hören. diese erkenntnis, dass das leben immer höhen und tiefen beinhaltet und es für sich selbst akzeptieren zu können, hat mir denke ich auch irgendwie mein leben gerettet. ich wünsche euch so sehr, dass ihr es schafft!!!
Was mich interessieren würde ist, ob ihr als Angehörige in Angehörigengruppen seid? Weiß nicht ob ich vllt nicht ganz genau gelesen habe (das ist nämlich noch mein großes Manko, konzentrieren kann ich mich nicht so gut), aber meinen Eltern wurde es damals empfohlen. Denn dieses Lernen, man kann dem Kind nicht alles abnehmen und all das was damit zusammenhängt, ist auch unglaublich schwierig. Das ist etwas was Angehörige (Eltern besonders) lernen/entwickeln müssen. In kleinem Maße muss ich das auch irgendwie noch lernen, ich wünschte mein Vater würde in Therapie gehen, aber er möchte es nicht und meint er schafft das alles, ich fürchte bei ihm muss es zu einem großen Zusammenbruch kommen, damit er einsieht, dass er ohne Hilfe irgendwann untergehen wird. Aber das ist seine Entscheidung, das für mich als Tochter zu akzeptieren vor allem vor dem Hintergrund, dass ich selber ähnlich erkrankt bin und in Therapie bin.

Bezüglich der Frage 'auch ohne Medikamente möglich', ich glaube MÖGLICH ist alles, ich habe damals so viel Traurigkeit und Depressionen empfunden, dass mir persönlich die Medikamente sehr geholfen haben.
Es wird gesagt, Kombi aus VT und Medis ist am besten, aber ich denke, dass es immer so ist, dass es Ausnahmen und Einzelfälle gibt. Ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die so willensstark und motiviert und generell 'stabiler' sind, dass sie es schaffen ohne Medikamente! Ich habe mich damals für die Medis entschieden, weil gar nichts mehr ging. Jetzt ist der Zwang durchaus noch (in Teilen relativ stark) vorhanden, aber ich setze die Medis langsam ab und es bleibt erträglich.
Die Frage ist, ist das Ziel komplett geheilt zu werden ohne Medikamente oder 'klarkommen' (sprich ohne größere Einschränkungen und zufrieden) trotz der Erkrankung?

27

Sonntag, 21. April 2013, 10:10


Was mich interessieren würde ist, ob ihr als Angehörige in Angehörigengruppen seid? Weiß nicht ob ich vllt nicht ganz genau gelesen habe (das ist nämlich noch mein großes Manko, konzentrieren kann ich mich nicht so gut), aber meinen Eltern wurde es damals empfohlen. Denn dieses Lernen, man kann dem Kind nicht alles abnehmen und all das was damit zusammenhängt, ist auch unglaublich schwierig. Das ist etwas was Angehörige (Eltern besonders) lernen/entwickeln müssen. In kleinem Maße muss ich das auch irgendwie noch lernen, ich wünschte mein Vater würde in Therapie gehen, aber er möchte es nicht und meint er schafft das alles, ich fürchte bei ihm muss es zu einem großen Zusammenbruch kommen, damit er einsieht, dass er ohne Hilfe irgendwann untergehen wird. Aber das ist seine Entscheidung, das für mich als Tochter zu akzeptieren vor allem vor dem Hintergrund, dass ich selber ähnlich erkrankt bin und in Therapie bin.

Hallo Girasol (toller Nick übrigens!)
Angehörigemgruppen? Wir leben in einer großen Stadt, aber davon haben wir noch nichts gehört, trotz Kontakt zu Ärzten, Therapeuten und Selbsthilfegruppen auf anderen Gebieten. Das ganze Thema ist so scham-besetzt, dass wir merken, wie sich Freunde von uns zurückziehen. Nicht weil sie grundsätzlich Berührungsängste hätten, sondern weil sie sich hilflos fühlen und auch nicht wissen, wie sie mit uns umgehen sollen. Hätten wir ein krankes Kind, was wegen eine physischen Erkrankung in ein Krankenhaus müsste, dann, bin ich mir sicher, hätten wir mehrere Anrufe pro Woche. So "schafft" es gerade mal eine Freundin, uns ihre Betroffenheit und auch Unterstützung mitzuteilen. Insofern hast du Recht: Angehörigengruppen wären toll, aber es "outet" sich ja kaum jemand mit diesem Problem. Alle reagieren auf die Signale ihrer Umgehung und reden da tunlichst nicht drüber. Was sicher falsch ist, aber derzeitig zumindest unser Erleben. So rein statistisch müssten wir bereits zig Eltern kennen, die auch mit zwangserkrankten Kinder/Jugendlichen umzugehen gelernt haben, aber wir kennen sie eben nicht. Und auch für meine Tochter wäre es so wichtig zu wissen, dass sie nicht alleine ist und noch viel wichtiger: dass und wie es andere geschafft haben. Wir selber nehmen übrigens eine Familienthrerapie in Anspruch. Dazu kann ich auch echt nur raten.
Bezüglich der Frage 'auch ohne Medikamente möglich', ich glaube MÖGLICH ist alles, ich habe damals so viel Traurigkeit und Depressionen empfunden, dass mir persönlich die Medikamente sehr geholfen haben.
Es wird gesagt, Kombi aus VT und Medis ist am besten, aber ich denke, dass es immer so ist, dass es Ausnahmen und Einzelfälle gibt. Ich kann mir vorstellen, dass es Menschen gibt, die so willensstark und motiviert und generell 'stabiler' sind, dass sie es schaffen ohne Medikamente! Ich habe mich damals für die Medis entschieden, weil gar nichts mehr ging. Jetzt ist der Zwang durchaus noch (in Teilen relativ stark) vorhanden, aber ich setze die Medis langsam ab und es bleibt erträglich.
Die Frage ist, ist das Ziel komplett geheilt zu werden ohne Medikamente oder 'klarkommen' (sprich ohne größere Einschränkungen und zufrieden) trotz der Erkrankung?

Ich glaube (mittlerweile jedenfalls), dass meine Tochter ihr Ziel selbst bestimmen muss. Und ich denke, sie ist noch gar nicht an dem Punkt, dass sie das kann. Und derzeitig hofft sie einfach so, dass sie ohne Medikamente auskommt....

Ganz liebe Grüße

Rena

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28

Montag, 22. April 2013, 10:28

@girasol:

leider gibt es bei uns in der nähe keine selbsthilfegruppen (da habe ich mich als allererstes auf die suche gemacht). aber ich gehe stark davon aus, dass die menschen sich nicht "trauen" zu sagen: ich bin zwangserkrankt....bwz. angehöriger eines zwangserkrankten. dieses muster ist stark mit scham besetzt, vielleicht auch deshalb, weil es eben keine "körperliche" krankheit ist. man kann sie nicht sehen. sie ist nicht erkennbar auf den ersten blick. und alles was mit der psyche zu tun hat, ist den menschen erst mal noch unheimlich, fremd, sie wollen sich nicht damit beschäftigen. "psychisch krank" ist leider immer noch negativ besetzt (und das in unserer heutigen gesellschaft!).

ich für meinen teil bin bei einer familientherapeutin, die ich allerdings nur alle 4 wochen besuche. da meine tochter nun untergebracht ist bei einer verhaltenstherapeutin, werde ich für mich persönlich ebenso eine therapie beanspruchen. für mich alleine. den termin habe ich bereits in aussicht.

ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, auch als angehöriger zu sehen, wie man mit den dingen umgeht. es gab zeiten, da hatte ich das gefühl, ich verliere mich selbst neben meiner tochter...einfach, weil ich nicht mehr wusste, wie helfen. da fühlt man sich als versager - gerade als mutter. und wenn dein kind weint, tobt, verzweifelt ist, dann geht das eben nicht spurlos an den eltern vorbei. das belastet. und deshalb finde ich es persönlich wichtig, zu schauen, wo man sich hilfe holen kann. auch um gestärkt zu werden....um sich selbst noch zu sehen...um zu lernen, besser loszulassen...ein kind bleibt immer das kind der eltern, aber es wird älter und man muss die verantwortung abgeben. das ist so wichtig, das lerne ich gerade jeden tag.

medikamente: wir haben nun anfang mai und anfang juni zwei termine in einer klinik bzgl. des medikamentes fluvoxamin. wir wollen uns eingehend beraten lassen, was möglich ist....stationär, ambulant...ob überhaupt. die entscheidung werden wir zusammen tragen, allem voraus aber ist mir wichig, dass meine tochter sich wohlfühlt bei ihrer entscheidung. SIE muss die tabletten nehmen, nicht ich. und SIE muss das bewusstsein erlangen, ob es helfen kann oder nicht.

für mich stellt sich sowieso die frage....nach absetzen des medikamentes - was kommt dann? werden die zwänge nicht wieder stärker, weil der "ausgleich" fehlt? ich weiß, dass gegen die zwänge letztendlich nur eine therapie hilft. aber wollen das die betroffenen? ein leben lang therapie? ich kann mir vorstellen, dass man irgendwann an einen punkt kommt, wo man sagt: ich will jetzt nicht mehr. ich habe keine lust mehr. ich will mich jetzt nehmen, wie ich bin (wenn man einigermaßen damit leben kann).
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

29

Montag, 22. April 2013, 14:07

Ich kann dich verstehen...

Mir geht es oft genauso. Es ist schwer auszuhalten wenn das eigene Kind verzweifelt ist und tobt, weint. Ich glaube auch, es ist wichtig für uns als Eltern Unterstützung zu haben und auftanken zu können. Mein Mann und ich schaffen es immer wieder uns gegenseitig aufzurichen und trotzdem würde ich mir Hilfe von außen wünschen......

Leider gibt es in unserer Nähe auch keine Selbsthilfegruppe. Wie ist das, wenn Du selbst therapeutische Hilfe in Anspruch nimmst?? Läuft das über die Kasse? Wie sind die Wartezeiten bei den Therapeuten? Ähnlich lange wie bei unseren Kinder?

LG

Abby

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Montag, 22. April 2013, 14:26

Hallo zusammen,

ich wollte als Betroffener auf die Frage mit den Medikamenten antworten.

Ich habe mehrere Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer genommen und einmal auch ein Mischpräparat wo zusätzlich ein Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer dabei war.

Meine Stimmung ist dadurch schon besser geworden, die Zwänge aber nicht. Ich bin nachdem ich mal wieder viele Zwänge gemacht habe, nicht mehr in ein so tiefes Loch gefallen.

Was mir immernoch am besten und am schnellsten Hilft, sind Expositionsübungen. Aber das ist auch immer anstrengend und sehr unangenehm.
Von alleine gehen sie bei mir mit SIcherheit nicht weg.

Ich hoffe ich konnte weiter helfen und möchte euch ermutigen, die Hoffnung nicht zu verlieren.

Alles Gute für Euch und Eure Kinder!

LG

Schussel

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Montag, 22. April 2013, 14:28

Ach ja,

Das mit der Hypnose find ich total spannend.

Wär echt nett wenn man hier mal von Erfahrungen lesen könnte.

LG

Schussel

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Montag, 22. April 2013, 14:50

@abby:
Leider gibt es in unserer Nähe auch keine Selbsthilfegruppe. Wie ist das, wenn Du selbst therapeutische Hilfe in Anspruch nimmst?? Läuft das über die Kasse? Wie sind die Wartezeiten bei den Therapeuten? Ähnlich lange wie bei unseren Kinder?


Ja, das läuft über die Kasse. Du hast 5 Sitzungen pro Therapeut zur Verfügung, um zu sehen/spüren, ob dir dein Gegenüber "liegt" (umgekehrt natürlich genauso). Ich habe eine Therapeutin empfohlen bekommen und beretis am 10 Mai einen Termin. Allerdings sagte sie mir auch, dass sie sich erst mal alles anhören müsste. Evtl. könnte es sein, dass sie mir nicht helfen könnte, dann hätte sie aber andere Möglichkeiten, mich weiterzuempfehlen.

Ich denke, hier macht es keinen Unterschied, ob Therapeut fürs Kind oder die Eltern. Die Chemie muss stimmen! Wenn du vor einem oder einer sitzt, die du nicht er-spüren kannst, bei denen du dich nicht wohlfühlst, dann bringt alles nichts. Manchmal mag das langatmig sein und frustrierend, bis man den richtigen Therapeuten gefunden hat. Du darfst nur eines nicht: Aufgeben!
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Montag, 22. April 2013, 14:55

@Schussel:

Vielen Dank für deine Rückmeldung/Erfahrung mit den Medikamenten. Ich finde es sehr wertvoll, wenn Betroffene hier antworten. Denn wie soll man als Angehöriger verstehen können, wenn wir nicht wissen, wie es euch geht? Wir können nicht fühlen in eurer Haut und gerade das macht uns wohl als Eltern oft so hilflos.

Deshalb: Jedes Erzählen eines Betroffenen hilft auch uns Angehörigen! Wir wollen nichs weiter, als dass unsere Kinder glücklich sind und nicht leiden müssen. Wenn du daneben stehst und nichts tun kannst, dass ist das entsetzlichste Gefühl überhaupt! Deshalb: Danke für dein Lesen hier.

Zu der Hypnose kann ich nichts sagen. Wir haben hiermit keine Erfahrungen. Hierfür gibt es einen Extra-Thread von abby.
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Montag, 22. April 2013, 15:15

Alles klar, dann schaue ich da mal nach.

Danke!

Bei mir (und ich denke bei vielen anderen ist es auch so) ist das Hauptproblem, dass ich mir selbst nicht mehr getraut habe.
Die Zwänge helfen da am Anfang diese Unsicherheit und Zweifel abzubauen.

Der Rest läuft bei mir wie bei einem Abhängigen.
Wenn ich einmal angefangen habe, brauch ich immer mehr um klar zu kommen. Bis ich irgendwann alleine da nicht mehr rauskomme.
Manchmal denke ich, dass es etwas suchtähnliches hat.
Was mir dann hilft, sind Expositionsübungen und meine Frau, die wehement von mir einfordert ich selbst zu sein.

Bis dahinn

Schussel

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Montag, 22. April 2013, 15:53

und wie sehen deine expos aus, sussel? wie gehst du mit der angst um, die dann kommt? ich weiss einfach mit diesen gefühen und v.a. dem, dass ich es nie mehr "rückgängig§ machen kann wenn mal zuviel verdreckt ist nicht umzugehen. was, wenn es nicht mehr aushaltbar wäre? das wäre ein finanzieller und existentieller ruin, ich kann nicht alle möbel, kleider, gegenstände inkl. auto und wohnung wegwerfen und neu kaufen. wie soll man diesem druck standhalten?


ich denk bei den selbsthilfegruppen ist das problem die erkrankung selbst: viele waschzwängler trauen sich kaum aus dem haus oder haben angst vor verschmutzung durch menschen, andere schaffen es evtl. nicht rechtzeitig zum termin wegen der zeitaufwendung für den zwang beim hausverlassen....

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Montag, 22. April 2013, 16:04

Hallo Kathrin,

ich würde das mit einem Therapeuten absprechen. Bist du zur Zeit in einer Therapie?


LG

Schussel

Kathrin

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37

Montag, 22. April 2013, 16:53

ich hab schon soviele therapeuten hinter mir und kliniken mit flooding und dennoch haat mir nie jemand helfen können in den bereichen wo sich der ekel hielt trotz wochenlanger expos

Schussel

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Montag, 22. April 2013, 19:53

Ich denke du bist warscheinlich diejenige die deutlich mehr Erfahrung hat als ich.

Wie siehts denn bei dir mit Hypnose aus, meinst du, das wäre etwas worauf du dich einlassen könntest?

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Dienstag, 23. April 2013, 20:53

@Schussel:
Bei mir (und ich denke bei vielen anderen ist es auch so) ist das Hauptproblem, dass ich mir selbst nicht mehr getraut habe.
Die Zwänge helfen da am Anfang diese Unsicherheit und Zweifel abzubauen.

Ich als Angehörige sehe das ähnlich. Meine Tochter hat null Selbstbewusstsein, sie traut sich wenig zu - traut sich selbst nicht mehr. Daher die ständigen Überprüfungen...wo stand was...wer hat was gesagt...wieviel von dem oder jenem war da usw. Die Zwänge geben erst mal Sicherheit - aber eben nur "kurz". Irgendwann reicht auch 3 mal prüfen nicht, dann will man es danach nochmal wissen. Ein Teufelskreis.

Ich hatte heute ein Gespräch mit der Therapeutin meiner Tochter. Sie hat mir auch gesagt, dass dass einzige was hilft, eben diese Expos sind. Aber die sind nun auch mal leicht. Das ist richtige Arbeit. Seelische. Das muss ein Zwangserkrankter erst auch mal hinbekommen. Vielleicht wirst du, lieber Schussel, ein leben lang damit zu "kämpfen" haben. Vielleicht ist es deine Aufgabe im Leben. Ich hoffe, du bleibst stark mit deiner Frau an deiner Seite.

Alles Gute für dich.
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Dienstag, 23. April 2013, 20:56

@Kathrin:
ich hab schon soviele therapeuten hinter mir und kliniken mit flooding und dennoch haat mir nie jemand helfen können in den bereichen wo sich der ekel hielt trotz wochenlanger expos

Bei dir hört sich das alles auswegslos und verzweifelnd an. Es scheint, dass du an einen Punkt gekommen bist, wo du keinem mehr traust - weder dir noch einem Arzt oder Therapeuten. Verständlich, wenn man so einen langen Weg wie du hinter dir hat.

Trotzdem möchte ich dich ermutigen! Vielleicht war der "Richtige" noch nicht dabei. Der, bei dem Klick bei dir macht, wo du dich aufgehoben fühlst, der dich innerlich stützen kann. Gibt es denn noch Möglichkeiten, die du für dich siehst? (Ich hoffe: Ja).
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

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