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Spurensucher

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1

Sonntag, 31. März 2013, 15:48

suche austausch mit angehörigen zwangserkrankter (bei mir: tochter, 15 jahre)

hallo zusammen,

nach grenzenloser suche über das thema zwangserkrankungen/zwangsgedanken bin ich vor einigen monaten auch auf dieser seite gelandet. nun will ich den versuch wagen, evtl. andere betroffene zu finden bzw. anghörige betroffener (wobei ich selbst auch gerne mit betroffenen kommunizieren würde, um ein besseres verständnis für alles bekommen zu können).

ich bin mutter. meine tochter ist 15 jahre. sie leidet seit 3-4 jahren an zwängen (kamen schleichend und ich wusste zu beginn erst nicht, die krankheit zuzuordnen). ende letzten jahres war sie für 2,5 monate in einer klinik. leider wurde sie dann relativ schnell wieder entlassen, weil wir als eltern uns gegen ein medikament entschieden. ich suchte vor ort eine therapeutin für sie (verhaltenstherapie) und eine jugendpsychiaterin, bei der wir nächste woche auch wieder einen termin haben. es geht nun darum, dass meine tochter evtl. doch ein medikament nehmen soll. das einzige, was wohl zulässig ist für jugendliche unter 18. fluvoxamin. ich habe mich ausgiebig über das medikament informiert und mir als mutter stellen sich die nackenhaare, wenn ich die nebenwirkungen lese. im moment weiß ich nicht wirklich, wie es weitergehen wird. mein kind leidet enorm. sie will auf ihrer schule bleiben, aber wenn ein zwangs sie übermannt (kontrollzwänge und zwangsgedanken), dann ist sie nicht mehr sie selbst. ich merke langsam, wie mir als mutter die puste ausgeht und ich bin oft nahe am ver-zweifeln. wie soll ich meinem kind ein halt sein, wenn ich nicht weiß, was das beste ist?

mich würde interessieren, wie andere jugendliche ihren weg gefunden haben...wie die eltern damit umgegangen sind bzw. dies lernen mussten, mit der krankheit umzugehen. besteht die hoffnung auf "heilung?". wird sie als pubertierende dem "entwachsen" können?

schreibt mir eure gedanken, meinungen, ansichten. ich bin für jedes wort dankbar. ich bin lernfähig. ich bin bereit, mich allem zu stellen. ich will nicht mehr alleine sein mit dem thema.

lg, petra, spurensucherin
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

2

Montag, 1. April 2013, 19:35

hallo petra,
bin ebenfalls mutter einer zwangskranken tochter(17). sie erkrankte mit 14, vorher gab es keinerlei anzeichen bei ihr; uns hat das ganze absolut kalt erwischt. wir haben mittlerweile einen 3-jährigen leidensweg hinter uns, der auch noch nicht zuende ist.
aktuell ist meine tochter zum zweiten mal stationär in einer jugendpsychiatrie(nun seit genau 5 monaten); das erste mal stationär(in einer anderen klinik) war sie von april bis juli 2012. es ging ihr recht gut, als sie dort entlassen wurde, aber die fortschritte, die sie gemacht hatte, verschwanden innerhalb von nur 3 monaten spurlos. sie wechselte nach den sommerferien letzten jahres auf eine andere schule(ihre vorherige gesamtschule endete mit der 10. klasse), hielt dort bis zu den herbstferien durch(bei ständiger verschlechterung ihres zustandes), anfang november 12 mußten wir sie notfallmäßig bei uns am ort in die psychiatrie einweisen.
vor der ersten stationären therapie wurde sie schon zwei jahre lang ambulant behandelt, anfangs auch ohne medikamente.
mir gings genau wie dir: ich hab mir der medis wegen die finger wund gegoogelt und war erstmal entsetzt. aber ihre therapeutin riet uns dringend, sie medikamentös einstellen zu lassen. und das ist keine frau, die mit dieser entscheidung leichtfertig umgeht.
wir vertrauten ihr, begaben uns in behandlung bei einem kinder-und jugendpsychiater, der uns empfohlen worden war und ließen uns dort schließlich überzeugen, es mit fluvoxamin zu versuchen. du hast recht, dies ist das einzige mittel, das derzeit in deutschland offiziell für die behandlung von zwangskranken kindern und jugendlichen zugelassen ist.zumindest in der ambulanten behandlung.
das sage ich dazu, weil meine tochter später in den stationären therapien einen ganzen sack voll anderer medis erhalten hat; die kliniken können anders mit der medikation umgehen, da die direkte überwachung wg. eventueller nebenwirkungen gegeben ist.
um aus unserer erfahrung nochmal auf die nebenwirkungen einzugehen: meine tochter hatte tatsächlich kaum je ernsthafte schwierigkeiten damit, TROTZ all der verschiedenen mittel, die sie hintereinander bekam. mal schwitzte sie etwas stärker, mal wurde sie recht müde, mal zitterten ihre hände verstärkt. das wars dann auch.
auch unser psychiater sagte uns gleich zu beginn, in seiner gesamten praxis-erfahrung(und der mann geht jetzt in den ruhestand-leider!) hätte er unter fluvoxamin nie wirklich gravierende nebenwirkungen bei einem patienten beobachtet.
die schlechte nachricht, die medis betreffend, ist, jedenfalls bei uns: bisher hat nichts davon einen wirklichen erfolg gebracht.
außer vielleicht jetzt gerade(und das ist das verblüffende an der sache): nachdem alle anderen versuche nichts gebracht hatten, haben sie es in der derzeitigen klinik wieder, wie ganz zu anfang(wo es auch absolut nichts gebracht hatte) mit fluvoxamin versucht.
allerdings in einer absoluten hammerdosis: sie bekommt jetzt 300 mg am tag, seit etwa 4 wochen.
und jetzt, so scheint es(ich bin da noch vorsichtig) tut sich endlich was: nebenwirkungen trotz der dosis noch immer nahe null.
aber meine tochter ist wacher, mehr wieder "sie selbst"(kenne ich genau, was du da beschreibst!), die zwänge sind nicht weg, aber sie kann sie besser beherrschen, souveräner damit umgehen. wirkt nicht mehr so sehr wie ein hilfloses opfer ihrer krankheit, nicht mehr so getrieben und ausgeliefert. ist selbstbewußter geworden, wirkt stärker.
das schul-problem stellt sich uns natürlich auch (wieder); sie soll jetzt nach ostern von der klinik aus wieder stundenweise in ihre alte klasse gehen, um sich langsam wieder an diesen schul-alltag zu gewöhnen, der ja in all der zeit völlig in den hintergrund getreten ist.
wir hoffen, daß sie ab herbst soweit sein wird, daß sie die 11. klasse wiederholen kann.
du siehst, das ganze ist eine verdammt zähe angelegenheit; so eine krankheit kann die gesamte lebensplanung völlig außer kraft setzen. und natürlich macht das auch angst um die zukunft deines kindes.
es gibt die (kleine) hoffnung, daß mit dem abschluß der pubertät vielleicht eine besserung eintritt.
aber verlassen würde ich mich darauf wirklich nicht! in den meisten fällen, die mir bei meinen recherchen begegnet sind, beginnt diese krankheit irgendwann im kindes-oder jugendalter und begleitet die betroffenen dann leider häufig in mehr oder minder starker form ihr ganzes leben lang. heilung im endgültigen sinne ist sehr selten. aber durch langfristige verhaltenstherapie, in der maßnahmen erlernt werden, mit dem druck von außen umzugehen, der immer wieder zu einer steigerung der zwänge führen kann sowie ggfls. medikamentöser unterstützung kann erreicht werden, daß der betroffene ein überwiegend selbständiges leben führen kann. dies ist aber ein langer, mühevoller weg, der viel geduld von den angehörigen und viel kraft und willen von den erkrankten fordert. dies ist übrigens fast das wichtigste an der sache: der WILLE des kranken.
das hab ich in den letzen 3 jahren schmerzhaft lernen müssen: es reicht mitnichten, wenn ICH meiner tochter helfen will. ich kann mich noch so abstrampeln, es mehr mit dieser oder mehr mit jener verhaltensweise versuchen. drüber reden. nicht drüber reden.
schimpfen. ignorieren. beaufsichtigen.unterbrechen.(zeit-)limits setzen. ect.ect.
ich kenne nur zu gut dieses extrem hilflose gefühl, das sich einstellt, wenn du verzweifelt versuchst, dich RICHTIG zu verhalten. und doch immer den eindruck hast, es funktioniert nicht. und dann der gedanke: wer weiß, vielleicht verschlimmere ich alles nur noch!
der einzige wirklich wichtige tipp ist, nicht an den zwängen des kindes teilzunehmen. sich nicht "einspannen"zu lassen.
ist dann gut umsetzbar(wenn auch sicher hart), wenn das kind z.b. von dir verlangt, noch mehrmals nachzusehen, ob der herd auch wirklich aus ist. oder wenn du deine hände auch 10 mal waschen sollst.
aber zumindest in unserem fall war die situation nie so, daß meine tochter mich einbinden wollte, eher im gegenteil: sie hat ihre zwangshandlungen durchgeführt, ich sollte sie dabei möglichst in ruhe lassen.
natürlich hab ich dann, zumindest als sie noch zuhause war, versucht, die rituale zu unterbrechen. mit dem erfolg, daß sich diese dann noch länger hinzogen.
während ihrer klinikaufenthalte hab ich dann gelernt, sie mehr loszulassen: es ist IHR leben. SIE muß entscheiden, wie dieses weitergehen soll. SIE hat die verantwortung für ihr verhalten, nicht ich. ich kann sie begleiten. für sie da sein, wenn sie das will.
aber nicht nur zu IHREN bedingungen. und den erfolg ihrer therapie kann ICH nicht beeinflussen oder gar steuern. das muß sie selber tun. sie muß da raus wollen. solange sie sich dafür nicht selber richtig anstrengen mag, wird das nichts.
so langsam begreift sie das endlich. und ich begreife so langsam, daß es wichtig ist, daß ich mich auch mal wieder um MICH kümmere.
freunde, hobbies, beziehung, alles bestenfalls noch auf sparflamme die letzten jahre. damit helfe ich ihr nicht. und ich schade mir selbst. die akzeptanz, die sich zu anfang partout nicht einstellen will, ist ein weiterer wichtiger punkt: ich akzeptiere erst jetzt wirklich, daß meine tochter KRANK ist. daß sie DIESE krankheit hat.nicht irgendeine andere, die man in ein paar wochen heilen kann. die einem kurze zeit alles abverlangt, aber dann wirds wieder gut.und auch keine, die man anderen menschen besonders leicht erklären kann. sondern eine, für die man sich als mutter ja auch immer irgendwie schämt. weil das ja noch so drin ist in uns: mein kind ist psychisch krank. das muß ja wohl meine schuld sein. ich hab da ganz furchtbar was falsch gemacht.
auch diese gedanken muß man loslassen lernen. sie machen dich schwach und bringen nichts.
die ursachen dieser krankheit sind fast immer eine mischung aus umständen, persönlicher disposition des kranken, genetik und, ja, vielleicht auch erziehungsfehlern. aber wieviele kinder haben schwierige startbedingungen durch ihre familie. nur die wenigsten davon werden zwangskrank. wichtig ist alt, daß man in einer therapeutischen situation (auch gemeinsam) lernt, wie alle betroffenen jetzt mit der krankheit und ihren auswirkungen umgehen. deshalb finde ich zum beispiel es total wichtig, daß wir in der klinik jede woche ein "elterngespräch"(mit meiner tochter und ihrem therapeuten)haben. da wird vieles angesprochen, was sie bewegt was uns bewegt, und wie wir zusammen da durchfinden können.
ich bin übrigens alleinerziehend; der vater meiner tochter und ich sind seit 10 jahren getrennt. aber er ist mit im boot, der kontakt sowohl von ihm und mir als auch von unserer tochter zu ihm ist gut(und war es auch von anfang an.)
noch kurz zu den zwängen meiner tochter: sie hat berühr-zähl-ordnungs-und gebets-zwänge. letztere sind eigentlich die schlimmsten, weil sie die meiste zeit beanspruchen und dahinter zwangsgedanken stecken, die es ihr kaum erlauben, sich wie ein normaler teenager zu benehmen: sie verbietet sich nahezu alles, was so spaß macht im leben: sich schick machen, ausgehen, spaß haben, sich verlieben, stolz auf sich sein, sich etwas gutes tun, erfolg haben... der noch darunter liegende zwangsgedanke sagt ihr, daß wir(ihre eltern) von gott bestraft werden; daß uns etwas schreckliches passieren wird, wenn sie sich nicht "gottgefällig" verhält, sprich, "egoistisch" ist und an ihr eigenes wohlergehen denkt.
woher diese verknüpfung mit gott kommt, wissen wir nicht. wir eltern sind nicht in der kirche, stehen dem glauben aber auch nicht ablehnend gegenüber. sie ging zum religionsunterricht, es gefiel ihr immer(aber auch nicht übermäßig) und wenn sie fragen hatte, haben wir, so gut wir konnten, mit ihr darüber geredet. eine frühe, auffällige hinwendung zum glauben gab es bei ihr nicht.
wie ist denn eure familiäre situation? wo steht der vater deiner tochter? schreib gerne alles, was dir noch so einfällt, frag mich, was du willst. wir können uns gerne ausführlich austauschen!
liebe grüße fürs erste,
katja

3

Donnerstag, 4. April 2013, 18:11

Hallo Spurensucher,

ich bin auch noch ganz neu hier (ist mein erster Beitrag). Ich habe ein 14jährige Tochter, die seit über einem Jahr an einer massiven Zwangsstörung leidet. Mittlerweile geht sie auch nciht mehr zur Schule. Ich hätte nicht gedacht, dass man überhaupt mal an den Punkt kommen könnte, muss da aber Matera Recht geben: man muss das als Krankheit erst einmal für sich selber akzeptieren. Vor der Erkrankung hatte ich fast ein Musterkind. Das macht die Akzeptanz für uns Eltern gerade so schwierig.

Wir suchen gerade nach der "richtigen" stationären Einrichtung. Auch das ist so einer Erkenntnis. Wenn das Kind/die Jugendliche nicht will, dann ist das ziemlich schwierig. Zur Therapie zwingen kann man eigentlich niemanden so wirklich. Wir sind seit 2 Jahren ambulant in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die aber die Verschlechterung auch nicht vorhergesehen haben. Bis Weihnachten ist unsere Tochter wenigstens noch in die Schule gegangen.

Ein Medikament findet die Praxis dringlich angezeigt, aber meine Tochter will das absolut nicht. Und die Praxis wird sie nicht zwingen. Auch die Ärzte der 2 Stationen, die wir angeschaut haben, haben ihr versichert, dass sie sie nicht dazu zwingen werden. Ich bin mir selber aber nach Literaturstudium ziemlich sicher, dass es ohne nicht so wirklich funktionieren wird. Dazu sind die derzeitigen Zwänge viel zu stark und unsere Tochter leidet massiv. Leider sind wir als Familienangehörige in die Zwänge eingebunden. Ich weiß mittlerweile, dass das nicht gut ist, aber ich finde, das ist immer leichter gesagt als geändert. Wir arbeiten dran, aber es ist nicht einfach.

Auch bei mir ist mittlerweile die Erkenntnis gewachsen, dass mein eigenes Leben weitergehen muss, aber ich leide schon ziemlich mit und für meine Tochter. Ich finde sie noch ziemlich jung für so eine massive Form der Erkrankung. Die einsetzende Pubertät ist sicherlich ein Auslöser, macht unser Verhältnis aber auch nicht gerade einfach. Ich finde, es ist eine ziemlich Gratwanderung zwischen Erziehen und Verständnis.

Liebe Grüße

Rena

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4

Montag, 8. April 2013, 12:34

@matera:

ich habe deinen beitrag vor zwei tagen erst gelesen - und das mehrere male! und ich habe bis jetzt zeit gebraucht, um das alles "sacken" zu lassen. was und wie du schreibst...in all dem sehe ich viele parallelen. und in all meinem/unseren chaos tut es gut, gleichgesinnte zu finden, die ähnliches durchmachen.

kurz zu unserer familiären situation. ich bin mit meiner tochter seit nahezu 13 jahren alleine. ihr vater hat erneut geheirat und somit sind noch zwei (kleinere) halbgeschwister vorhanden. sie sieht ihren papa in meist regelmässigen abständen und er weiß um ihre situation. allerdings versucht er, sich aus dem meisten rauszuhalten. bei unserem letzten gespräch vergangenen mittwoch (bei der kinder- und jugendpsychiaterin) war er dabei, aber eben nur, weil er gedrängt wurde von ihr. ich glaube, er hat große problem damit anzuerkennen, dass sein kind psychisch krank ist. er schiebt es auf die pubertät, auf das los-lösen von mutter und tochter. die psychiaterin hat uns aber nochmal eindringlich erklärt, wie sich dieses krankheitsbild weiterentwickeln kann, wenn man nichts tut. sie will mit der jugendpsychiatrie vor ort hier kontakt aufnehmen und dort werden wir dann zum vorstellungstermin hingehen. meine tochter soll stationär auf das medikement fluvoxamin eingestellt werden. noch immer ist es so, dass ich wanke...mir oft überlege...tue ich das meinem kind wirklich an? dieses medikament (vielleicht über jahre) nehmen zu müssen? und und und...aber! und das ist ganz entscheidend. es ist für außenstehende so schwer nachzuvollziehen, welchen leidensdruck ein zwangserkrankter hat. meine tochter hat wirklich tolle momente, aber plötzlich kann sie in sich zusammenbrechen, hat angst vor dem einschlafen, weil ihre zwänge sie daran hindern....sie ist verzweifelt, weint, spricht davon, dass ihr leben nichts wert ist ohne zwänge. das sind dann jeweils die phasen, wo ich denke: ich muss handeln. und zwar schnell.

nach ihrem ersten klinikaufenthalt ging es ihr erst mal besser. der wurde dann ja dann abgebrochen, weil wir nicht mit dem medikament einverstanden waren. dort schlug man uns auch eine therapeutische wohngruppe vor oder eine stationäre reha (ich weiß nicht wirklich, wo hier der unterschied ist). für mich kam das überhaupt nicht in frage, weil mein kind ein zuhause hat und HIER lernen muss, mit ihrer krankheit zu leben. aber auch hier hinterfrage ich mich nun ganz oft. wäre ein anderes umfeld erst mal nicht besser? bis sie wieder bei sich selbst ist? lebenswille hat? es sind so viele fragen, auf die man im vorfeld keine antwort findet. und wer weiß schon, was richtig und falsch ist...das ist doch jeweils immer nur ein gefühl - und auch das kann trügen.

klasse finde ich, dass ihr eine klinik gefunden habt, wo ihr als eltern einmal in der woche ein gespräch habt. das finde ich sehr wichtig. so bleibt man verbunden und weiß, was passiert. in der ersten klinik, wo meine tochter war, war nur alle 4 wochen ein gespräch. viel zu wenig. in welchem bereich in deutschland liegt die klinik, die ihr gefunden habt?

bei uns ist es täglich momentan ein auf und ab. ich komme immer mehr zu dem punkt, wo ich offen und ehrlich gestehen muss: ich kann nicht mehr. ich kann ihr zuhause nicht mehr helfen und gleichzeitig will ich nicht sagen: ich bringe dich weg. sie soll nicht das gefühl haben, dass ich sie nicht mehr haben will. nur mit diesem zwangs-lebensumstand kann ich nicht mehr leben. der treibt mich zur weißglut. und sie auch. ich arbeite vollzeit und bin nur noch am termine rennen nebenher und schauen, wie ich zu meinem schlaf komme. von abschalten können ist schon lange keine rede mehr.

wichtig ist wohl auch diese bedingungslose akzeptanz dieser krankheit. da stehe ich kurz davor. aber auch das ist nicht einfach. das problem bei uns ist noch, dass meine tochter halt auf keinen fall die klasse und die schule wechseln will. sie hängt so sehr an ihren freunden und das ist ein großes handicap momentan. sonst wäre sie viel eher bereit, sich nochmal in eine klinik zu begeben. hier bin ich dabei mit viel einfühlungsvermögen und verständnis "gegenzuwirken"...so dass sie los-lassen kann, ihrer gesundheit zuliebe. aber auch das kein zuckerschlecken.

neben all den zwangsgedanken/-handlungen darf man ja nicht vergessen, dass unsere kinder in der pubertät stecken, mit sich selbst im umbruch sind. da viel im gehirn auch passiert, viele baustellen sind....auch das eine zusätzliche belastung zu so einer krankheit.

ich würde mich freuen, könnten wir in kontakt bleiben!

lg, petra
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5

Montag, 8. April 2013, 12:39

@matera:

liebe katja,

wenn du magst, kannst du auch gerne etwas persönlicher mit mir in kontakt treten. schicke mir dafür einfach eine mail.

ich weiß, dass man nicht immer jeden tag die lust dazu hat, über dieses thema zu schreiben, weil es einen großen platz im leben einnimmt und eben auch belastet. aber der kontakt zu dir wäre mir sehr wertvoll. bitte fühle dich aber in keinster weise gedrängt. auch hier ist natürlich ein weiterer austausch möglich!

lg, petra
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6

Montag, 8. April 2013, 12:45

@rena:

liebe rena,

auch dir ein danke für dein antworten. du scheinst wie ich auf der suche nach hilfe, unterstützung, verständnis zu sein. und ich bin dankbar für jede zeile, die mir jemand von sich schreibt. es vermittelt einfach dieses gefühl, mit diesem thema nicht ganz alleine zu sein. verstehst du, was ich meine?

unsere kinder sind noch so jung. stecken in der pubertät. haben ihr ganzes leben noch vor sich. da macht man sich so viele gedanken - und dann kommt diese zwangserkrankung noch hinzu, das läutert ganz schön.

Ich weiß wie furchtbar es ist, wenn man mitansehen muss, wenn das Kind so leidet. Ich bin froh, haben wir diesen Durchbruch geschafft, dass mein Kind nun sieht, es geht nicht mehr ohne Medikamente (wobei auch sie immer wieder am schwanken ist). Natürlich kannst du deine Tochter nicht zwingen hierzu. Wichtig ist immer die Freiwilligkeit, denn sonst ist eine genaue Dosierung gar nicht möglich. Sie würde es vielleicht gar nicht nehmen oder nur ungenau. Damit wäre ihr auch nicht geholfen. Aus welchem Raum in Deutschland kommt ihr? Und sucht ihr nach Kliniken, die speziell auch auf Zwangserkrankungen ausgelegt sind? Das ist nämlich gar nicht so einfach, da was zu finden.

Ich würde mich freuen, wenn du mir ein bisschen mehr erzählen würdest...von deiner Tochter...wie es weitergehen wird...wie du dich fühlst mit all dem.

Ganz liebe Grüße an dich,

Petra
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7

Montag, 8. April 2013, 17:00

Hallo,

bitte um Nachsicht, wenn ich mich in euren (interessanten) Erfahrungsaustausch einmische.

Ich, mittlerweise 66 Jahre alt, leide seit meinem 13. Lebensjahr an einer Zwangsstörung. Auch bei mir begann das Dilemma scheinbar in der Pubertät (was die einschlägige Literatur auch überwiegend bestätigt). Man muß sich in das Jahr 1960 versetzen, wenn man diese Problematik nachvollziehen möchte. Meine Mutter erkannte aufgrund meiner widersinnigen Handlungen (z.B. Klopfen an eine Tür oder Verlängern von Schriftzeichen) sehr wohl, daß ich "gestört" bin, allerdings wollte sie nicht wahrhaben, daß ihr "Kind" neurotisch ist - "das gibt es nicht in unserer Familie". Sie trug meine Problematik seinerzeit wohl dem klassischen Hausarzt vor, der uns letztlich Contergan verordnete, "weil dies ganz ohne NW sei". Nach der Schule bekam ich dies Mittel und meine Mutter nahm es auch ("weil es so schön entspannte").

Mir ging es während dieser Zeit (13) so schlecht, daß ich nur noch auf einem Sessel im Wohnzimmer saß und darum bat, daß mich alle zufrieden lassen sollten. Auch entschied ich, zumal ich ein Gymnasium in der nächstgelegen Stadt besuchte und hier nicht mehr bleiben wollte, Maurer oder Elektriker zu werden. Dieser Entschluß war meinen Eltern allemal zuwider, zumal ich etwas "Besseres" werden sollte.

Kurzum, ich wechselte die Schule und meine Probleme wechselten mit der Zeit auch (wohin auch immer). Ich spürte allerdings diese schrecklichen Symptome erneut mit ca. 19 Jahren - vor der Bundeswehr. Sie ließen jedoch ziemlich schnell nach - zeigten sich allerdings immer wieder nach besonderen Belastungen oder Herausforderungen (eine Intervalle von ca. 10 Jahren ist auffällig).

Heute leide ich unter diesen Problemen zwar auch noch, jedoch - nach dem Studium mannigfaltiger Fachliteratur - mittels VT und SSRI kann ich damit relativ gut leben.

Wichtig ist es mir, hier zum Ausdruck zu bringen, daß ich froh sein kann, seinerzeit von meinen Eltern nicht zum Nervenarzt oder Psychiater gebracht worden zu sein. Die Herren Ärzte der damaligen Epoche waren zuweil alle noch überhangsmäßig durch den vorangegangenen Zeitgeist geprägt. Auch gab es zu der damaligen Zeit kaum entsprechende Medikamte, wofür für heute höchst dankbar sein kann.

Erst nach Einsicht und Erkenntnis dieser "Stoffwechselerkrankung" im Frontbereich des Hirns und die Suche nach deren Neutralisierung kann ich besser damit umgehen und habe die weitere Einsicht erlangt, daß ich durch diese Erkrankung sehr viel mehr Lebensinhalte entdeckt habe, als ein vielleicht unbeschwert lebender Mensch.

Für eine 14jährige ist es kaum möglich, diese Einsicht bereits jetzt zu erlangen. Wenn man sie allerdings überzeugen kann, ein SSRI zu nehmen (was vielfach unsinnger Weise verteufelt wird), hat sie die Chance, einen besseren Zugang zu ihrer Krankheit zu bekommen.

Ich fühle mit Euch !

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8

Montag, 8. April 2013, 19:44

@Angsthase:

Lieber M.,

ich finde es toll, dass du dich "einmischt". Dieser Thread hier soll nicht dazu da sein, dass nur zwei Menschen sich austauschen - sondern jeder soll die Möglichkeit haben, seine Sichtweise hier äußern zu dürfen. Und besonders wertvoll finde ich das, wenn dies Menschen unterschiedlichen Alters tun (ich fände es auch klasse, würden sich junge Leute melden, die ebenso betroffen sind).

Ich war fast ein bisschen geschockt zu lesen, wie lange dich diese Krankheit schon begleitet. Was für ein Martyrium muss das für dich gewesen sein, so eine Krankheit zu haben und nicht wirklich ernst genommen zu werden. Glücklich allerdings kannst du sein, dass du wirklich damals nicht zu einem Psychiater gekommen bist. In der damaligen Zeit hättest du als komplett "verrückt" gegolten.

Heute haben psychische Krankheiten einen anderen Stellenwert, die Menschen kennen sich besser aus. Natürlich gibt es nach wie vor Menschen, die alles, was nicht körperlich kaputt ist, als verrückt betrachten. "Geh doch in die Klapse"...ein typischer Ausdruck unter Jugendlichen.

Ich habe nun schon einen längeren Leidensweg mit meiner Tochter hinter mir. Sie ist vor kurzem 15 geworden und ich war lange, sehr lange der Meinung, das kriegen wir wieder hin. Mit Liebe funktioniert alles. Als Mama kannst du das schaffen. Schließlich ist man dafür Mama, dass man seinem Kind helfen kann. Die letzten Wochen aber nun hat sich was verändert. Ich weiß nun, wenn ich meinem Kind helfen will, dann muss ich diese Medikamente zulassen. Sie muss runter von diesem immensen Druck, den ihre Zwänge ihr verursachen. Wenn sie weinend und verzweifelt vor mir sitzt und sagt, wenn sie diesen Zwang jetzt nicht ausführt, dann ist das Leben für sie nicht mehr lebenswert, dann bricht es mir das Herz. Glaub mir, einen so jungen Menschen so verzweifelt zu sehen ist richtig schlimm. Dazu noch, wenn es dein eigenes Kind ist.

Ich selbst muss noch ganz, ganz viel lernen, was diese Krankheit betrifft. Und ich bin bereit dazu. Ich habe bisher sehr viel gelesen darüber - nun aber möchte ich Menschen begegnen mit diesem Schicksal. Menschen, die angehörig sind und andere, die betroffen sind. Ich glaube, nur durch immer wieder Reden, Erfahrungen sammeln, Austausch miteinander, kann ein Wachsen möglich sein. Auch für mich als Mutter.

Deshalb danke ich dir besonders, dass du den Mut hattest, dich "einzumischen". Deine Geschichte zu berichten, zumindest einen Bruchteil davon und somit Einblick zu gewähren, wie Menschen leben können, wenn sie betroffen sind/waren. Viel mehr noch, was sie denken und fühlen! Denn das ist so unsagbar wichtig zu erfahren. Und je mehr ich erfahren kann, desto besser kann ich verstehen...und vielleicht kann ich dann irgendwann aufhören, diese Zwangserkrankung als Feind zu betrachten. Weißt du, was ich meine?

Lieben Gruß an dich,

Petra
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9

Dienstag, 9. April 2013, 20:46

Liebe Petra,

nach monatelanger Suche im Netz, freue ich mich, ein Forum gefunden zu haben, das mir einen Austausch mit Angehörigen betroffener Töchter ermöglicht.
Auch ich habe eine Tochter im Teenageralter ( 14 J. ), die seit eineinhalb Jahren unter einer Mischform aus Zwängen und Tics leidet.

Unsere Tochter wächst als "wohlbehütetes" Einzelkind in einer intakten und glücklichen Familie auf und war von Kindheit an ein aufgewecktes, aktives, fröhliches, aufgeschlossenes und sehr phantasievolles und kreatives Kind.

Mit ca. 12 /13 Jahren entwickelten sie plötzlich immer stärker werdende Tics und Zwänge. Die Schilderungen der Tagesabläufe, der schlaflosen Nächte, der zahlreichen Tränen, der Suizidgedanken der bisherigen Beiträge kann ich nur allzu gut nachvollziehen, denn das war auch unser Leidensweg.
Das Leben drehte sich nur noch um die Zwänge, deren Intervalle und Intensität sich zunehmend steigerten und irgendwann tagesausfüllend waren.
Auch wir wurden in die Rituale miteingebunden, ließen dies manches Mal geschehen, entzogen uns aber auch oft heimlich weinend und hilflos der Situation. Mein Mann und ich "wechselten uns ab", versuchten uns auf diese Weise gegenseitig Entlastung zu verschaffen.
Oft lagen wir tief in der Nacht - als unsere Tochter irgendwann vor Erschöpfung eingeschlafen war - sprachlos und wie gelähmt nebeneinander im Bett und ließen den Tränen freien Lauf.

Glücklicherweise haben wir uns relativ schnell einen Termin in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychartrie bekommen.
Unsere Tochter bekam erst Tiaprid mit mäßigem Erfolg, später stattdessen Fluvoxamin und besuchte ein Mal pro Woche erst eine Einzel- später eine Gruppengesprächstherapie.

Die Gespräche in der Kleingruppe mit Mädchen verschiedenster psychischer Erkrankungen empfand sie als in angenehm, aber in ihrem Fall nicht unbedingt als hilfreich. Gespräche mit Leidensgenossinnen wären aus ihrer Sicht hilfreicher gewesen, nach Ansicht der behandelnden Ärztin aber eher contraproduktiv.

Vielmehr war es das Medikament Fluvoxamin, was langsam hochdosiert wurde und nach 2-3 Wochen seine Wirkung zeigte.
Unsere Tochter entspannte und entkrampfte sich zusehends, sie konnte endlich wieder durchschlafen und die Zwänge nahmen mehr und mehr ab.
Nebenwirkungen gibt es natürlich - wie bei fast jedem Medikament - auch. Aber die stehen in keinem Verhälnis zu dem, was unsere Tochter ohne Medikament erleiden musste / müsste!

Sie bekam lange Zeit eine mittlere Dosierung, bis sich irgendwann wieder Zwänge bemerkbar machten. Die Ärztin erhöhte daraufhin die Dosis minimal und die Symptome ließen kurze Zeit darauf wieder nach. Allerdings hatten wir auch das Gefühl, dass die in der Packungsbeilage beschriebenen Nebenwirkungen ( Feindseligkeitsgefühl, opportunes Verhalten, latente Aggressivität ) daraufhin deutlich zunahmen.
Die Ärztin und ein weiterer im Freundeskreis befragter Kinder- und Jugendpsychater führten diese Wesensveränderungen allerdings eher auf die Pubertät als auf die Medikation zurück.

Trotzalledem haben wir uns vor ca. 3 Wochen entschieden, langsam wieder auf die ursprüngliche Dosierung zurückzugehen und stellen nun fest,
dass die Zwänge (noch) wegbleiben, aber das Gemüt wieder etwas besänftigter und ausgeglichener ist.

Wir werden nicht erfahren, was hinter der - aus unserer Sicht starken - Wesensveränderung steckt, denken aber, dass jeder Mensch anders auf das Medikament reagiert und man Zeit und Geduld braucht, um herauszufinden, welche Dosierung die richtige ist.

Ich bin kein Gegener, aber auch kein Befürworter von Medikamenten und denke vielmehr, dass sich niemand ein Urteil erlauben kann, der nicht selbst betroffen oder aber Angehöriger ist, und mich nerven ehrlich gesagt die "Medigegner aus Prinzip" unheimlich, denn die haben nicht die leiseste Ahnung, was unsere Kinder und wir als Eltern durchmachen!
Ich kann nur sagen: Wenn mein Kind diese Tabletten nicht bekommen hätte und momentan jedenfalls noch nehmen würde, hätte es sich vielleicht aus Verzweiflung schon das Leben genommen!

Natürlich wünschen wir uns und auch unsere Tochter sich, dass irgendwann das Medikament wieder ausgeschlichen werden kann, aber eben zu einem Zeitpunkt, wo ein pubertierender Teenager - mit derzeit genügend anderen Problemen dieser Entwicklungsphase - in der Lage sein wird, dann auch entsprechend mit eventuellen Rückschlägen umzugehen.

Letztendlich haben wir - seit unsere Tochter dieses Medikament nimmt - wieder ein glückliches, selbstbewusstes und lebensfrohes Kind und das macht uns soooo glücklich! Und kleine Rückschläge / Zwänge in Stresssituationen - wie gelegentliches Räuspern und Hüsteln - fällt nicht mehr ins Gewicht und lässt uns nicht gleich wieder hellhörig werden. Wir haben gaaaaanz andere Sachen durch!

Wenn du noch Fragen hast oder deine Tochter gern einmal Kontakt zu unserer Tochter aufnehmen möchte, um sich die Erfahrungen aus erster Hand berichten zu lassen, so lasst uns das wissen.

Liebe Grüße,
Rike

10

Mittwoch, 10. April 2013, 18:16

Zitat von »"Spurensucher"«

Ich würde mich freuen, wenn du mir ein bisschen mehr erzählen
würdest...von deiner Tochter...wie es weitergehen wird...wie du dich
fühlst mit all dem.


Hallo Petra,

tja, wie fühle ich mich mit dem allen? Es belastet mich schon sehr, mein Kind leiden zu sehen und nicht so genau zu wissen, wie ich mich am besten verhalte. Bei anderen Krankheiten (z.B. Diabetes) folgt nach der Diagnose ja meist eine gut definierte Standardtherapie. Auch wenn es einen Standardtherapievorschlag für die Behandlung von Zwangsstörungen gibt, so reagiert da doch jeder anderes darauf, so dass ich total verunsichert bin, weil bei meiner Tochter schon verschiedene Versuche eben nicht "funktioniert" haben. Es muss eine Therapiewilligkeit hinzukommen, die meiner Tochter noch sehr schwer fällt. Aber wenn sie sich die Therapie nicht zutraut, wird sie eben auch nichts nutzen. Sie braucht vermutlich den total passenden Therapeuten, zu dem sie eben Vertrauen fassen kann und dem sie glaubt, dass sie es auch schaffen kann.

Natürlich versuchen wir als Eltern, sie auch zu ermutigen, aber "wir haben ja keine Ahnung", wie unsere Tochter das ausdrückt. Was ja irgendwo auch stimmt.

Wie es weitergeht? Ich denke, dass derzeitig nur ein stationärer Aufenthalt etwas nutzen wird und ich mit mittlerweile auch der Meinung, dass eine medikamentöse Unterstützung notwendig wäre. Wir machen derzeitig Besichtigungstermine für eventuell geeignete Stationen, denn unsere Tochter muss von ihrem Bauchgefühl her dort auch hin wollen, sonst wird sie dort nicht bleiben. Ein Medikament ist sie im Moment überhaupt nicht gewillt zu nehmen. Auch da müsste jemand, dem sie vertrauen kann, mit ihr erst einmal die Vor- und Nachteile so aufarbeiten, dass sie sich da herantrauen würde. Warum sie Medikamente so ablehnt, ist uns nicht ganz klar, denn Antibiotika und etwas gegen Kopfschmerzen bei Migräne nimmt sie durchaus.

Liebe Grüße

Rena

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11

Donnerstag, 11. April 2013, 16:06

@ rike:
Das Leben drehte sich nur noch um die Zwänge, deren Intervalle und Intensität sich zunehmend steigerten und irgendwann tagesausfüllend waren.
Auch wir wurden in die Rituale miteingebunden, ließen dies manches Mal geschehen, entzogen uns aber auch oft heimlich weinend und hilflos der Situation.

Liebe Rike,

ja, das kenne ich nur zu gut. Bei uns ist es nicht immer "gleich" tagesausfüllend, aber bei mir ist es so, dass ich kaum mehr Abschalten kann. Ich beobachte meine Tochter nicht mal besonders. Sie ist mit ihren Zwängen und Tics so im Alltag drinnen, dass ich im Moment kaum weiß, wie sich das in einer ambulanten Therapie bessern soll. Allerdings! Und das muss man dazu sagen, sagen ihre Therapeutin und auch die Psychiaterin, dass meine Tochter viele Reccourcen hätte. Sie ist ein aufgeschlossenes Kind, war im Prinzip immer fröhlich und plötzlich ergriff da etwas Besitz von ihr, was wir lange Zeit gar nicht "fassen" konnten. Bei ihr haben sich die Zwänge "eingeschlichen" über die letzten 4 Jahre, aus kleinen Ritualen wurden Tics und irgendwann richtige Zwänge. Das erkennen zu können, war gar nicht so einfach und hat erst mal seine Zeit gebraucht (ich habe mich ja vorher nie mit dem Thema auseinandergesetzt - bzw. wusste im Prinzip nichts über Zwangserkrankungen).

Als ich deine Zeilen las, hat mich etwas ganz tief aufatmen lassen....im positiven Sinne. Nämlich die Schilderung über das Medikament Fluvoxamin. Im Grunde gibt es so viele Nebenwirkung, dass ich beim ersten Mal das total abgeblockt habe. Inzwischen habe ich mich soviel beschäftigt damit, dass meine Angst dem Medikament gegenüber gewichen ist. Die Menschen nehmen Tabletten gegen Bluthochdruck, Herzkrankheiten, Migräne oder was auch immer ... und wieso sollte man gegen eine psychische Krankheit nichts geben können?

Es ist wirklich so: Wenn man selbst nicht drin steckt in so einer Situation, dann kann man das nicht nachvollziehen. Dieser tiefe Schmerz, sein Kind so zu sehen...diese Hilflosigkeit, mit der man daneben steht und nicht weiß, wie handeln. Manchmal lässt man es zu, weil man kaputt und müde ist...lässt sich einbeziehen, nur damit endlich Ruhe ist (obwohl man weiß, dass es im Grunde nicht sein darf). Aber es schwer zwischen Theorie und Praxis. Doch bin ich auch ein lernfähiger Mensch, lächel, und weiß, dass ich diesbzgl. noch sehr, sehr viel lernen muss.

Was mich bei euch interessieren würde: Ist eure Tochter mit dem Medikament ambulant eingestellt worden? Unsere Psychiaterin lehnt das nämlich ab. Sie hat uns nun an die Klinik vor Ort verwiesen (Kinder- und Jugendpsychiatrie) mit der Begründung, dass eine stationäre Einstellung weitaus besser wäre. Noch haben wir das Gespräch in der Klinik nicht gehabt, aber ich werde mich da auf jeden Fall blicken lassen. Mir die Informationen holen, wie es ablaufen könnte. Dann hoffe ich, dass meine Tochter ihre Angst verlieren kann und damit einverstanden ist.

Bzgl. dem Kontakt zu eurer Tochter rede ich gerne mit meiner Tochter. Im Moment blockt sie da vieles ab, will sich eher "verstecken". Aber ich finde deinen Vorschlag sehr wertvoll und werde dranbleiben.

Vorerst liebe Grüße,

Petra
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12

Donnerstag, 11. April 2013, 16:12

@rena:

liebe rena,

ein jeder, der selbst ein zwangserkranktes kind zuhause hat, kann deine belastungsgefühle verstehen. da braucht man gar nicht viele worte dafür. das ist ein wortloses verstehen, die gedanken, die gefühle, die verzweiflung, die hoffnungslosigkeit, und zwischendrin die kleine zuversicht: das wird schon wieder.

alles geht seinen weg. alles ist für irgendwas gut. leider wissen wir das meist nur hinterher. die erkenntnis kommt danach, wozu das jetzt alles gut gewesen sein soll. man sieht vorher nicht, was passiert. jeder weg ist ein anderer und doch trifft man sich oft an einer kreuzung um zu verschnaufen, zu atmen und zu entscheiden, welchen weg man weitergehen soll.

ich kann deine tochter sehr gut verstehen..."ihr habt keine ahnung"...die haben wir wirklich nicht (zuerst einmal). und wir werden niemals das so fühlen wie unsere kinder. sie schämen sich für diese krankheit. gerade auch in dem alter. da hilft nur immer wieder ganz viel einfühlungsvermögen - oftmals müssen wir da als eltern ganz schön viel aushalten. ich weiß das. und doch: der zugang zur eigenen krankheit ist für jugendliche in dem alter sehr schwer.

ich hoffe, dass ihr eine gute klinik für eure tochter finden könnt. eine, in der sie sich wohlfühlen kann und beginnen kann, ein stück ihres weges zu gehen!

ganz liebe grüße an dich,

petra
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13

Freitag, 12. April 2013, 12:34

Liebe Petra,

ich möchte deine Frage, ob unsere Tochter ambulant eingestellt wurde, beantworten:

Ja, unsere Tochter ist in einer großen Praxis Patientin, deren ca. 7 Kinder- und Jugendpsychologen und Psychater Hand in Hand arbeiten.

Die behandelnde Ärztin verschrieb unserer Tochter Fluvoxamin, dosierte dies wöchentlich langsam hoch und wir mussten wöchentlich per Mail- oder Telefonkontakt Rückmeldung geben. Das funktionierte eigentlich wunderbar und ist zumindest in dieser Praxis so üblich.
Ich wüsste ehrlich gesagt auch nicht, weshalb es zwingend notwendig sein sollte, die Einstellung ausschließlich stationär durchzuführen.

Gerade für deiner Tochter, die dieser Behandlung bzw. einem Klinikaufenthalt ja nicht ganz so offen gegenübersteht, wäre es doch eine Option, so ganz heimlich ( ohne dass die Mitschüler wegen der wochenlangen Abwesenheit ) ambulant eingestellt zu werden.

Vielleicht liegt es ja daran, dass eure behandelnde Ärztin noch keine großen Erfahrungen mit diesem Medikament hat und sicherstellen möchte, dass deine Tochter im Falle stärker ausgeprägter Nebenwirkungen unter ärztlicher Daueraufsicht ist ?

Einem Klinikaufenthalt hätte unsere Tochter in der damaligen Verfassung zwar zugestimmt, zu groß war ihre Verzweiflung.
Allerdings wäre uns und auch der Ärztin die Wartezeit zu lang gewesen. Da die Ärztin bereits sehr gute Erfahrungen mit dem Medikament sammeln konnte ( sie arbeitete Jahre vorher in einer Klinik für Kinder- und Jugendpsychartrie in unserer Region ) stellte sich die Frage Klinik oder ambulant erst gar nicht.

Ich hoffe, ich konnte dir ein wenig weiterhelfen.
P.S.: Manchmal muss man sich vielleicht hartnäckig -die schnellstmögliche- Hilfe einfordern, notfalls den Arzt wechseln !?

Liebe Grüße an dich und deine Tochter,
Rike

14

Freitag, 12. April 2013, 21:07

hallo ihr lieben,
melde mich auch nochmal zu wort, aus unserer erfahrung.
wesensveränderungen durch medikamente(und meine tochter hat schon vieles durchprobiert) haben wir bislang nicht verzeichnet.
tatsache aber ist, daß die meisten zwangskranken jugendlichen sehr harmoniebedürftige konfliktvermeider sind. und das oftmals gegen ihr eigenes wohl. wenn also im zuge einer medikamentösen behandlung eine verstärkte eigenwilligkeit auftritt, mag das einfach daran liegen, daß diese betroffenen endlich lernen(weil ihnen das medikament dazu die nötige sicherheit gibt), ihre eigene meinung zu erkennen und zu vertreten, notfalls auch in agressiver form. ich möchte es für uns so formulieren: das "bravsein" wird weniger. und das ist doch nur gut so: "brave" teenager, wo gibts denn sowas?
ich jedenfalls bin froh, daß meine tochter gerade anfängt, mich zu kritisieren, eigene entscheidungen zu treffen, mich auch mal anzupampen. das kannte ich von ihr vorher kaum. und nicht etwa deshalb, weil ich das unterdrückt hätte.vor ihrer erkrankung war sie einfach noch nicht soweit. und danach hat sie sich erstmal extrem zurückentwickelt, was ihre eigene persönlichkeitswahrnehmung anging. und die verbesserung ihres zustandes haben wir geraade sicher auch ihrer medikation zu verdanken.(fluvoxamin, 300 mg/tag)
wir hoffen weiter!
liebe grüße, katja

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15

Sonntag, 14. April 2013, 10:58

liebe rike,


nachdem meine tochter ende november letztes jahr aus der klinik entlassen wurde, habe ich mir die finger wundtelefoniert nach einem kinder- und jugendpsychiater. man glaubt es kaum, dass die praxen sind derart überfüllt hier, dass es kaum möglich ist, "schnell" einen termin zu bekommen. bei unsere jetztigen bin ich gelandet durch eine beratungsstelle, wo ich eine wunderbare psychologin kenne, die mir die psychiaterin dann vermittelt hat. diese selbst ist auch eine sehr kompentente, freundliche frau. allerdings vermute ich, dass die weniger mit zwangserkrankten arbeitet als vielmehr mit ads-lern. sie kennt sich aus mit dem medikament, erklärt ganz klar vor- und nachteile - aber sie hält es aufgrund der nebenwirkungen für besser, dieses medikament stationär zu bekommen. immer wieder fällt die bemerkung, dass in den ersten drei wochen mit erhöhter suizidgefahr gerechnet werden muss - und da ich ganztags arbeite, könnte ich nicht gewährleisten, dass meine tochter rund und die uhr betreut wäre.

das ist wohl der hauptgrund. allerdings meinte sie auch, wenn wir einen gesprächstermin in der klinik ausmachen, könnte es durchaus sein, dass die dort sagen, es wäre auch ambulant möglich. aber sie denke weniger. tja...jetzt bin ich etwas verunsichert. bei den einen scheint es zu gehen, bei den anderen nicht. und was soll ich da - als völlig ahnlungslose - davon halten?

wenn ich nun euch alle hier so lese, dann halten sich die nebenwirkungen ja absolut im rahmen. also würde ICH es mir durchaus ambulant zutrauen. was meiner tochter wohl auch am liebsten wäre. aber wenn ich wiederum die behandelte ärztin höre, dann wieder weniger.

ich werde das gespräch mit der klinik abwarten und dann weitersehen.

einen weiteren jugendpsychiater würde ich ungerne aufsuchen, da es ja nicht möglich ist, "schnell" einen termin zu bekommen. und ich möchte das auch ungerne meiner tochter antun. sie ist sehr geplagt damit, dass sie so vielen (fremden) menschen ihr leid klagen muss. dieses sich-zeigen bereitet ihr große mühe.

viele grüße,

petra
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16

Sonntag, 14. April 2013, 11:10

hallo ihr lieben,
melde mich auch nochmal zu wort, aus unserer erfahrung.
wesensveränderungen durch medikamente(und meine tochter hat schon vieles durchprobiert) haben wir bislang nicht verzeichnet.
tatsache aber ist, daß die meisten zwangskranken jugendlichen sehr harmoniebedürftige konfliktvermeider sind. und das oftmals gegen ihr eigenes wohl. wenn also im zuge einer medikamentösen behandlung eine verstärkte eigenwilligkeit auftritt, mag das einfach daran liegen, daß diese betroffenen endlich lernen(weil ihnen das medikament dazu die nötige sicherheit gibt), ihre eigene meinung zu erkennen und zu vertreten, notfalls auch in agressiver form. ich möchte es für uns so formulieren: das "bravsein" wird weniger. und das ist doch nur gut so: "brave" teenager, wo gibts denn sowas?
ich jedenfalls bin froh, daß meine tochter gerade anfängt, mich zu kritisieren, eigene entscheidungen zu treffen, mich auch mal anzupampen. das kannte ich von ihr vorher kaum. und nicht etwa deshalb, weil ich das unterdrückt hätte.vor ihrer erkrankung war sie einfach noch nicht soweit. und danach hat sie sich erstmal extrem zurückentwickelt, was ihre eigene persönlichkeitswahrnehmung anging. und die verbesserung ihres zustandes haben wir geraade sicher auch ihrer medikation zu verdanken.(fluvoxamin, 300 mg/tag)
wir hoffen weiter!
liebe grüße, katja


liebe katja,

ja, das mit der harmonie und der konfliktvermeidung kann ich absolut bestätigen. auch meine tochter versucht, allem ärger aus dem weg zu gehen. jeder konflikt mit mir ist eine riesen-sache für sie und sie denkt dann, ich hätte sie nicht mehr lieb.

aber! meine tochter ist dabei sich abzunabeln. das fällt ihr vermutlich durch ihre zwangserkrankung schwerer als anderen jugendlichen. aber sie kritisiert mich auf alle fälle, gibt kontra, sagt genau, was sie will. also MIR gegenüber kann sie sich schon behaupten, nur allen anderen gegenüber leider sehr wenig. allem voran ihrem papa gegenüber nicht. dem will sie zu 100% gefallen, ihn nicht enttäuschen. das war schon immer ein großes problem.

meine tochter ist mitunter sehr aggressiv und verletzlich in ihrem verhalten - und ich hoffe mal, dass dies durch eine etwaige medikation nicht schlimmer werden würde. sie grenzt sich ab, auch so. natürlich ist das wichtig. doch noch ist es schwierig, dass sie wirklich zu sich selbst stehen kann. sie sucht ihren weg. sie sucht stärke. ihr fehlt es absolut an selbstbewußtsein. dabei gibt es keine gründe, sich zu verstecken.

jedenfalls freue ich mich zu lesen, dass mit dem fluvoxamin auch positives verbunden wird.

das hilft mir sehr! danke.

lieben gruß,

petra
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thunderroad

unregistriert

17

Donnerstag, 18. April 2013, 22:06

hallo zusammen,

nach grenzenloser suche über das thema zwangserkrankungen/zwangsgedanken bin ich vor einigen monaten auch auf dieser seite gelandet. nun will ich den versuch wagen, evtl. andere betroffene zu finden bzw. anghörige betroffener (wobei ich selbst auch gerne mit betroffenen kommunizieren würde, um ein besseres verständnis für alles bekommen zu können).

ich bin mutter. meine tochter ist 15 jahre. sie leidet seit 3-4 jahren an zwängen (kamen schleichend und ich wusste zu beginn erst nicht, die krankheit zuzuordnen). ende letzten jahres war sie für 2,5 monate in einer klinik. leider wurde sie dann relativ schnell wieder entlassen, weil wir als eltern uns gegen ein medikament entschieden. ich suchte vor ort eine therapeutin für sie (verhaltenstherapie) und eine jugendpsychiaterin, bei der wir nächste woche auch wieder einen termin haben. es geht nun darum, dass meine tochter evtl. doch ein medikament nehmen soll. das einzige, was wohl zulässig ist für jugendliche unter 18. fluvoxamin. ich habe mich ausgiebig über das medikament informiert und mir als mutter stellen sich die nackenhaare, wenn ich die nebenwirkungen lese. im moment weiß ich nicht wirklich, wie es weitergehen wird. mein kind leidet enorm. sie will auf ihrer schule bleiben, aber wenn ein zwangs sie übermannt (kontrollzwänge und zwangsgedanken), dann ist sie nicht mehr sie selbst. ich merke langsam, wie mir als mutter die puste ausgeht und ich bin oft nahe am ver-zweifeln. wie soll ich meinem kind ein halt sein, wenn ich nicht weiß, was das beste ist?

mich würde interessieren, wie andere jugendliche ihren weg gefunden haben...wie die eltern damit umgegangen sind bzw. dies lernen mussten, mit der krankheit umzugehen. besteht die hoffnung auf "heilung?". wird sie als pubertierende dem "entwachsen" können?

schreibt mir eure gedanken, meinungen, ansichten. ich bin für jedes wort dankbar. ich bin lernfähig. ich bin bereit, mich allem zu stellen. ich will nicht mehr alleine sein mit dem thema.

lg, petra, spurensucherin



Hallo liebe Spurensucherin

Ich verstehe dich sehr gut. In der Tat ist man für jedes Wort dankbar, wenn es Worte sind von Leuten, die wissen, wovon man spricht beim Thema Zwangserkrankungen... (ich wohne in einem kleinen Dorf, Feedbacks die ich kriege, sind z.B.: musst ihn halt mal loslassen, deinen Sohn, damit er selbständig wird..., kein Wunder, wenn er ohne Vater aufgewachsen ist..., er will doch bloss Aufmerksamkeit von dir...)

Möchte dir nur ganz kurz erzählen, wie es bei uns ist....mein Sohn leidet seit einem Jahr ganz stark unter Zwangshandlungen ( Sammel-, Berühr-, Zähl-, Wasch- und Wiederholzwänge). Seit drei Monaten nimmt er das Medikament Sertralin; ich weiss nicht, wie das ist in Deutschland, wir leben in der Schweiz, er hat dieses bekommen und ich merke einfach, dass es ihm stimmungsmässig besser geht, er hat vorher extrem unter seinem Anderssein gelitten..., die Zwänge jedoch gingen NICHT sehr zurück, er nimmt sie sich einfach nicht mehr so zu Herzen...

Weil die Zwänge immer schlimmer und absurder wurden, habe ich letzte Woche nach langem hin und her beschlossen, meinen Sohn in eine Tagesklinik "zu geben". Von diesem Aufenthalt erhoffe ich mir natürlich vieles, vor allem eine intensive Therapie. Ob es aber das Richtige ist...keine Ahnung. Was bei mir abgeht, ist im Moment die Hölle. Ich bin hin und her gerissen zwischen Entscheid rückgängig machen und durchziehen, denn selbstverständlich ist es so, dass mein Sohn nicht einfach fröhlich sein Köfferchen packt, um in die Klinik zu gehen. Nein, er sträubt sich mit Händen und Füssen, mit Vorwürfen, Wutanfällen, mit Weinkrämpfen und vor allem einer total unglaublichen Leistung...er ist doch tatsächlich seit einer Woche OHNE Zwänge..., einfach, weil er nicht in diese Klinik will und mir beweisen will, dass er seine Zwänge alleine besiegen kann. Warum schreib ich dir das? Einfach um dir zu sagen, du bist nicht allein. Ich werde ständig von Zweifeln und Verzweiflung heimgesucht... komme in letzter Zeit sehr oft nah an meine Grenzen, aber irgendwie geht es immer wieder weiter. Und irgendwie geht immer wieder ein Türchen auf. In diesem Sinne wünsche ich dir einfach viel, viel Kraft und möchte dir einfach sagen, du bist echt nicht allein. Wenn was ist, wenn du reden, bzw. schreiben möchtest, jederzeit!!!! Ich verstehe dich sehr, sehr gut!!! Liebe Grüsse von mir!!!!!

thunderroad

unregistriert

18

Donnerstag, 18. April 2013, 22:08

Hallo liebe Spurensucherin

Ich verstehe dich sehr gut. In der Tat ist man für jedes Wort dankbar, wenn es Worte sind von Leuten, die wissen, wovon man spricht beim Thema Zwangserkrankungen... (ich wohne in einem kleinen Dorf, Feedbacks die ich kriege, sind z.B.: musst ihn halt mal loslassen, deinen Sohn, damit er selbständig wird..., kein Wunder, wenn er ohne Vater aufgewachsen ist..., er will doch bloss Aufmerksamkeit von dir...)

Möchte dir nur ganz kurz erzählen, wie es bei uns ist....mein Sohn leidet seit einem Jahr ganz stark unter Zwangshandlungen ( Sammel-, Berühr-, Zähl-, Wasch- und Wiederholzwänge). Seit drei Monaten nimmt er das Medikament Sertralin; ich weiss nicht, wie das ist in Deutschland, wir leben in der Schweiz, er hat dieses bekommen und ich merke einfach, dass es ihm stimmungsmässig besser geht, er hat vorher extrem unter seinem Anderssein gelitten..., die Zwänge jedoch gingen NICHT sehr zurück, er nimmt sie sich einfach nicht mehr so zu Herzen...

Weil die Zwänge immer schlimmer und absurder wurden, habe ich letzte Woche nach langem hin und her beschlossen, meinen Sohn in eine Tagesklinik "zu geben". Von diesem Aufenthalt erhoffe ich mir natürlich vieles, vor allem eine intensive Therapie. Ob es aber das Richtige ist...keine Ahnung. Was bei mir abgeht, ist im Moment die Hölle. Ich bin hin und her gerissen zwischen Entscheid rückgängig machen und durchziehen, denn selbstverständlich ist es so, dass mein Sohn nicht einfach fröhlich sein Köfferchen packt, um in die Klinik zu gehen. Nein, er sträubt sich mit Händen und Füssen, mit Vorwürfen, Wutanfällen, mit Weinkrämpfen und vor allem einer total unglaublichen Leistung...er ist doch tatsächlich seit einer Woche OHNE Zwänge..., einfach, weil er nicht in diese Klinik will und mir beweisen will, dass er seine Zwänge alleine besiegen kann. Warum schreib ich dir das? Einfach um dir zu sagen, du bist nicht allein. Ich werde ständig von Zweifeln und Verzweiflung heimgesucht... komme in letzter Zeit sehr oft nah an meine Grenzen, aber irgendwie geht es immer wieder weiter. Und irgendwie geht immer wieder ein Türchen auf. In diesem Sinne wünsche ich dir einfach viel, viel Kraft und möchte dir einfach sagen, du bist echt nicht allein. Wenn was ist, wenn du reden, bzw. schreiben möchtest, jederzeit!!!! Ich verstehe dich sehr, sehr gut!!! Liebe Grüsse von mir!!!!!

girasol1991

unregistriert

19

Freitag, 19. April 2013, 10:17

Hallo Ihr Lieben!

Es tut weh und macht mich als erkrankte Tochter (die ihre Eltern durch die Krankheit manchmal ebenso traurig und verzweifelt macht wie euch) zu hören/lesen, wie euch das als Angehörige belastet. Ich bin irgendwie beides, aber doch mehr betroffen als angehörig (mein Vater ist auch zwangskrank).

Ich bin damals mit 14 erkrankt, habe es fünf Jahre lang verstecken können, aus einer Scham heraus habe ich ein nahezu perfektes System kreiert und jetzt bin ich dabei durch die Therapie und einem Medikament, dieses System langsam, Stück für Stück niederzureißen. Die größte Hilfen dabei sind mein Lebenswille & -lust sowie meine Eltern & Hunde, der Zwang hat viel verändert, viel kaputt gemacht aber bei mir auch gleichzeitig sehr viel dazu beigetragen, dass ich jetzt ich bin und mich dafür akzeptiere. Ich nehme aktuell (noch) 40mg Paroxetin und bin in Therapie, die läuft bald aus und es macht mir keine Angst. Gesund bin ich noch lange, lange nicht, aber manchmal denke ich, darum geht es nicht, sondern vielmehr darum zufrieden & vielleicht auch glücklich zu sein, und das bin ich, nicht 24 Stunden 7 Tage die Woche, aber viel, viel viel viel viel viel häufiger und vor allem intensiver als je zuvor in meinem Leben.

Es ist so schwer, denn es gibt nicht den einen richtigen Weg. Ich bin froh, dass ich die Betroffene bin und nicht die Angehörige, denn als Angehöriger kann man nur bedingt handeln, nur bedingt was bewirken und ändern, das macht es so verdammt scheiße (tut mir Leid). Vor allem als Elternteil, wenn man doch die Aufgabe hat, das Kind vor allem zu schützen und zu bewahren, wenn man in den Augen des Kindes ja irgendwie Superheld ist und nie schwach ist. Ich glaube, dass schwierigste für meine Eltern war (und ist es immer noch), dass sie es mir nicht abnehmen können, dass sie mit ansehen müssen wie ich manchmal kämpfe, wie ich weine und fluche, wie ich mir wünschte ich wäre doch gesund und jemand anders.

Ich möchte euch Mut machen, dass alles irgendwie gut werden wird, man muss bereit sein zu kämpfen und dazu gehört auch mal zu fallen, sich weh zu tun und das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, aber das ist menschlich, ihr dürft nur nie ganz aufgeben!!!! Und ich wünsche euch allen so unglaublich viel Mut und Kraft und Hoffnung, dass ihr das schafft!!!

Ich möchte auf ein, zwei Dinge, die ihr erwähnt habt, gerade was Medikamente und Klinikaufenthalte anbelangt eingehen. Ich war drei Monate mit 19 teilstationär und habe damals als erstes Sertralin (bis zu 250mg), dann Anafranil (bis zu 150mg) und jetzt Paroxetin (bis zu 60mg) [sowie Seroquel und teilweise Schlaftabletten zum Schlafen] bekommen.

Auch bei mir (da ich unter 25 bin) bestand die Gefahr eines erhöhten Suizidrisikos, da ich teilstationär war musste es nicht distkutiert werden, dennoch habe ich davon nichts verspürt bis auf einmal, jedoch weiß ich nicht ob es damals Medikamentenbedingt war oder nicht, habe ich aus Wut, Traurigkeit und Aggressionen heraus beim Autofahren überlegt mein Auto vor den Baum zu setzen ABER (!) das war nach einem eskalierenden Streit mit meiner Mutter, ich war heulend ins Auto gestiegen und war so unglaublich wütend. Danach und auch davor gab es nie wieder eine ähnliche Situation, deshalb kann ich nur sagen, was die Medikamenteneinstellung anbelangt: Klar, es gibt wohl ein erhöhtes Suizidrisiko, jedoch (das ist natürliche meine persönliche Meinung): a.) auch in einer Klinik kann immer irgendwie was schief gehen, vor allem wenn b.) deine Tochter, Spurensucher, sich nicht wohl dort fühlt. c.) Ich denke, dass es Vor- und Nachteile gibt, aber vielleicht versuchst du einen Kompromiss mit deiner Tochter zu finden? Ich weiß nicht was so bei dir auf der Arbeit möglich ist, vielleicht kann deine Tochter sonst auch teilstationär gehen (sprich ohne Übernachtung). Mir persönlich war es wichtig mit entscheiden zu dürfen (also klar ich war 19, also vorlljährig, mich konnte niemand wirklich 'bestimmen') aber wenn man mich mit einbezieht, habe ich das Gefühl, dass ich wichtig bin, dass meine Meinung zählt und ich nicht übergangen werde, das ist vor allem wichtig, wenn es um mich selber geht!

Das mit den Nebenwirkungen ist nun mal so, das ist nicht immer klasse, aber man kann es ausprobieren, schauen wie es funktioniert, was treten für Nebenwirkungen überhaupt auf? Ich habe wie gesagt ein paar ausprobiert und bin erst mit dem Paroxetin wirklich zufrieden gewesen. Natürlich kann deine Tochter nicht großartig wählen, da Fluvoxamin das einzige zugelassene ist für unter 18-jährige. Aber sie hat dennoch eine Wahl: 'ich probiere es aus und setze es ggf. wieder ab, wenn NW zu krass sind/eine generelle Unzufriedenheit mit dem Medi bleibt'! Probieren geht über Studieren und nicht alle Nebenwirkungen treten auf, generell ist da auch für deine Tochter der Tipp 'Nicht die NW lesen', das ist dann eine selffullfilling prophecy. Ich habs damals beim ersten (trotz Abraten) gemacht und hatte natürlich alles möglich (vollkommen lächerlich, ich habs mir damals echt eingebildet). Nebenwirkungen, die ich erlebt habe sind Zittern, Herzrasen, extremes Schwitzen, Verlust der Libido, Gewichtszunahme, Müdigkeit. Bei jedem Medi waren es andere, man muss da für sich selber entscheiden, was kann ich ab und was nicht, wo sind meine Grenzen? Ich persönlich lebe mit einer Gewichtszunahme von 25kg (was aber, da ich vorher fast zu dünn war, nun eine etwas 'pummelige' Figur macht, also annehmbar).



Thunderroad, was du beschreibst bei dem Sertralin habe ich (da ich das Medi ja auch ausprobiert habe) anders erlebt oder vllt habe ich das bei dir gerade missverstanden (korrigiere mich bei Bedarf). Sertralin hat meine depressiven Anteile auch gelindert sprich die Stimmung wurde besser, jedoch hat sich an meiner Zwangssymptomatik rein gar nichts verbessert. Generell habe ich - beim Austausch mit Zwangskranken - festegestellt, dass es nicht ein Rückgang der Symtpomatik gibt, sondern, dass einem der Zwang etwas egaler wird. Das beschreibst du (meiner Meinung nach) ja schon mit der Aussage, dass dein Sohn sich die Zwänge nicht mehr so sehr zu Herzen nimmt. Oder meinst du damit es macht ihn nicht mehr so traurig/depressiv? Ich habe bei keinem der Medikamente einen wirklichen Rückgang verspürt, ich dachte anfangs (total naiv), dass es dann so wäre als wäre ich vielleicht voll high und mir wäre der Zwang komplett egal, aber so ist es bisher nie gewesen. Es ist vielmehr so, dass ich mit dem Zwang besser klarkomme, manche Sachen 'triggern' mich nicht mehr so, ich gehe zwar noch relativ schnell ziemlich 'ab' und 'drehe durch', aber es hält nicht lange an und ich kann das nicht Ausführungen des Zwanges besser aushalten. Hoffe, das war verständlich?

Was mir noch zur Tagesklinik einfällt, wieso schreibst du davon, dass er sein Koffer packen muss? Ist das bei euch in der Schweiz anders als hier in Deutschland? Ich fand die TK total klasse, da ich zu Hause sein konnte sozusagen (abends) und gleichzeitig aber auch Therapie und Beschäftigung bekam. Mir hat die TK so viel geholfen und ich bin froh über diese Erfahrung! Es ist ein geschützter Rahmen und zu merken, es gibt andere die auch 'verrückt' sind, anders sind (was vielleicht deinem Sohn auch helfen kann bzgl. seiner Gefühle der Andersartigkeit) und das war sehr, sehr heilsam.

Was die anderen Menschen sagen ist sowas von Bullshit und man sollte keinen einzigen Gedanken an deren Meinungen und Äußerungen verschwenden. Ich habe mich so verschissen lange so sehr dafür geschämt, dass ich meine Hauptjugendzeit verpasst habe und das ärgert mich so, weil ich jetz weiß, dass 'anders' sein nur das ist was die, die angeblich 'normal' sind sagen. Ich habe jetzt noch Momente, wenn ich die Türklinke nicht anfassen kann und nach einem Ausweg suche, dass die Leute mich anschauen und irritiert sind - aber so what? sollen sie doch, 1/3 von denen hat selber eine psychische Erkrankung und die anderen 2/3 sind so etwas noch nie begegnet oder meinen ich sei 'verrückt' und ja ich bin verrückt, verrückt nach diesem verdammt geilen Leben und all seinen schönen Dingen.

20

Freitag, 19. April 2013, 16:55

Kennt jemand sich mit EMDR oder Hypnose aus?

Wer hat Erfahrungen mit Hypnose und EMDR???




Hallo Allerseits,

ich wollte mich mal wieder melden und berichten wie es läuft!

Wir hatten letzen Montag ein Elterngespäch bei der Therapeutin unseres Sohnes (16 Jahre). Sie möchte jetzt mit Hypnose arbeiten, bzw. das macht ihr Mann. Die beiden haben eine Gemeinschaftspraxis. Es wird eine bestimmte Anzahl an Sitzungen festgelegt und dann geschaut wie er darauf reagiert. Sie meint er wäre jemand für den Hypnose in Frage käme. Er ist jetzt seit Dezember bei ihr, d.h. sie kennt ihn schon ein bisschen.

EMDR wäre auch eine Therapiemöglichkeit die aber erst nach der Hypnose starten sollte. Hypnose ist für sie das erste Mittel der Wahl. Flovoxamin nimmt er seit ca 4-6 Wochen nicht mehr. Wir haben das ganze auf Anraten der Therapeutin langsam abgesetzt. Er hat das Medikament gute 6 Monate genommen (200mg/Tag), ohne irgendeine Wirkung zu zeigen, weder positiv noch negativ.

Im Moment geht es ihm gut so lange kein Waschbecken in der Nähe ist;-) Er hat sich ganz gut im Griff was die Häufigkeit des Waschens betrifft. Normal sind im Augenblick so 3-4x am Tag! ABER wenn er dann loslegt hängt alles von seiner Tagesform ab. Er versucht allein klar zu kommen, aber wenn er zu lange braucht, mehr 10-15 Minuten, helfen wir. Bzw. wir versuchen es.

Aber auch in 5 - 10 Minuten schafft er es meist das Bad zu fluten. D.h. das Wasser steht auf den Fliesen, er selbst hatte Hose und Pulli nass, etc. Manchmal wäscht er sich so in Rage, daß er Kreislaufprobleme kriegt und kurz vor dem zusammenklappen ist. kennt das jemand?? Wenn er oder wir es schaffen das Waschen zu beenden ist er wieder "da". ER schafft seinen Alltag wieder ganz gut. Macht Sport, hat jetzt den Führerschein angefangen. Seine Schulleistungen sind mittel, er steht in der Schule zu oft neben sich ist in sich gekehrt und daher mündlich sehr schwach. Schriftlich läuft es dagen ganz gut.

Sein Sozialleben ist nach wie vor stark eingeschränkt. Er ist viel zuhause und viel alleine. Wobei ich noch nicht mal sicher bin ob ihn das stört........Wenn wir Besuch haben, und seine jüngere Schwester hat einen großen Freundeskreis, hat er sich gut im Griff und man mekt nichts!

Seine Angewohnheit Handschuhe oder Socken über die Hände zu ziehen hat er nachwievor! An guten Tagen versucht er das zu reduzieren an schlechten Tagen ist es eben so. Wir haben uns irgendwie alle daran gewöhnt, das macht mir manchmal Angst. Das ganze dauert jetzt schon ziemlich genau 1 Jahr, aber wir werden noch einen langen Atem brauchen. Schwierig finde ich die Grenze zwischen Unterstützen und zuviel helfen. Wisst Ihr was ich meine? Mein Mann oder ich waschen ihm z.B. jeden morgen die Haare, weil er sagt das er das morgens nicht schafft. Er will sowenig "wasserkontakt" wie möglich vor dem Schule(außer Zähneputzen etc.) um Stress zu vermeiden und seinem Waschzwang keine übermäßige Chance bieten. Gut! Wir sind auf der einen Seite froh das es morgens im Augenblick ganz gut läuft, alles entspannt ist und alle pünktlich aus dem Haus kommen. Das war auch schon ganz anders!!!! Aber wann ist viel HIlfe zuviel Hilfe????

Nächste Woche hat der die erste Hypnosesitzung, mal sehen wie das wird! Auf jeden Fall hilft mir dieses Forum immer wieder durch zu atmen. Ich erzähle wie es weitergeht!!