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Donnerstag, 27. Juni 2013, 13:45

Angehörige: Warum lassen wir uns das alles gefallen?

Ich bin Angehöriger, meine Frau hat seit Jahren sehr starke Ordnungs- und Reinigungszwänge, besonders zuhause und im Auto und außerdem Eßstörungen. Wir sind seit vielen Jahren verheiratet, keine Kinder.

Seit einiger Zeit versuche ich zu verstehen, wie es so weit kommen konnte, welche meiner Verhaltensmuster es ermöglicht haben, dem Zwang immer mehr Raum zu geben. Sind wir Angehörige eine besondere Spezies, hätten andere früher eine klare Grenze (und ggf. Konsequenzen) gezogen?

Ich verstehe, dass es bei einem an Zwängen erkranktem Kind eine ganz andere Dimension ist, man gehört für immer zusammen. Deshalb geht es mir hier um meinen Fall: Verheiratet, keine Kinder.

Ich will ergründen: Was hat mich dazu gebracht, das eigene Leben fast vollständig aufzugeben und immer mehr Einschränkungen zu akzeptieren?

Ist es
- der Psychoterror, den man täglich erleidet und dem man durch nachgeben zu lindern versucht
- die Liebe (und die ewige Treue, die man geschworen hat)
- die Schuldgefühle, die einem ständig eingeredet werden: "Du bist an allem Schuld"
- das fehlende Rückgrat, die einene Meinung zu vertreten und auf seinen Freiraum zu pochen
- die Erfahrung, die man in der Kindheit gemacht hat, dass man mit Anpassung am leichtesten durchs Leben kommt
- die eigene Angst, die "heile Welt" könnte auffliegen
- ???

Meine Frau und ich haben ein Stadium erreicht, wo ein einigermaßen akzeptables Leben für mich eine riesige Veränderung für meine Frau wäre. Unser System hat sich bestens eingeschliffen, wenn ich "gehorche" gibt es für sie keinen Anlass ihr Verhalten zu ändern. Nun ist es bei mir allerdings so, dass ich so auf keinen Fall mehr so weitermachen will und auch eine Verbesserung in Trippelschritten (wenn es überhaupt jemals Verbesserungen geben sollte) mir nicht mehr reichen. Ich bin so weit zu sagen, ich ziehe aus und nehme mein Leben in die eigenen Hände. Aber jetzt kommt's: Ich schaffe es nicht, fühle mich durch eine unsichtbare Kraft daran gehindert es zu tun. Ich bekommen dann wieder Schuldgefühle, denn sie leidet ja dann wegen mir, und verliere jeglichen Mut, mich da selbst rauszuziehen.

Kennt Ihr das? Wie sind Eure Erfahrungen?

Ich freue mich um jede Antwort von Euch!

Viele Grüße,
Ehemann

Sandra

Schüler

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2

Sonntag, 30. Juni 2013, 19:34

Hallo,

trägst du deiner Meinung nach auch die Schuld an Ihren Zwängen oder ist dies nur die Sicht deiner Frau? Du bist über Jahre hinweg den Weg in die Zwangswelt mit Ihr hinein gegangen, meinst du nicht du könntest den Weg gemeinsam mit Ihr auch wieder hinaus gehen? Nimmt Sie denn selbst für sich an das Sie erkrankt ist oder wie ist Ihre Sicht dazu?

Sandra

3

Mittwoch, 3. Juli 2013, 21:38

Hallo Sandra,

meiner Meinung nach trage ich nicht die Schuld an ihren Zwängen. Allerdings schafft sie es immer wieder bestimmte Knöpfchen an mir zu drücken, die in mir ein Schuldgefühl erzeugen. Und ich kann es auch nicht mit ansehen, wenn sie unter ihren Zwängen leidet und gebe dann meistens nach einer Weile nach oder probe den Aufstand erst garnicht. Ich will natürlich versuchen, gemeinsam mit ihr auch wieder aus der Zwangswelt zu gehen. Allerdings sehe ich bei ihr keine Bereitschaft dazu. Offensichtlich ist ihr Leidensdruck nicht groß genug, obwohl ihr (und mein) Leben total von den Zwängen dominiert wird. Sie nimmt schon selbst für sich an, dass sie erkrankt ist und sagt oft, sie kann nicht anders. Aber bei mir ist jetzt eine Grenze erreicht, ich will und kann so nicht weitermachen und verspreche mir von einer räumlichen Trennung die größte Chance zur positiven Veränderung.

Viele Grüße,
Ehemann

Sandra

Schüler

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4

Donnerstag, 4. Juli 2013, 17:05

Hallo,

ist deine Frau berufstätig?

Wie ist Ihre Meinung zu der räumlichen Trennung? Als Angehöriger oder Außenstehender sind die Handlungen nicht nachvollziehbar und natürlich leidet Sie. Es gibt Mittel und Wege da auch wieder raus zu kommen, vorausgesetzt deine Frau ist bereit dazu. Vielleicht ist der Schritt den du jetzt gehen willst ein erster "heilsamer Schock" für Sie, es wird sich zeigen. Ich wünsche dir und deiner Frau auf jeden Fall viel Kraft und Durchhaltevermögen.

Liebe Grüße

Sandra

5

Freitag, 5. Juli 2013, 12:39

Hallo Ehemann,



ich bin selbst auch Ehemann, allerdings in der Rolle des seit Jahren zwangserkrankten Menschen.

Nun ist es ja für einen zwangskranken Menschen zunächst relativ einfach, die Schuld beim "Gegenüber" zu suchen. Und wenn´s der nicht sein könnte, dann muß für einen Zwangestörten oftmals eine andere Person sozusagen herhalten. Wenn dies allerdings so einfach funktionieren würde, dann wäre ja eigentlich alles geregelt: Man lebt künftig nicht mehr mit der "zwangsauslösenden" Person zusammen und die Zwänge sind weg. Die klassische Form in der Denkweise der Psychoananalyse. Nur die Rechnung geht zumeist nicht auf !

So hart wie es klingen mag, ein vermeintlich gesunder Ehemann sollte sich nicht von den Alüren des Partner sozusagen anstecken lassen. Daß er unter der Erkrankung seines Partners mitleidet, ist nach meiner Meinung schon mehr als genug.

Es gilt also, Grenzen zu setzen und bei Nichteinhaltung die daraus relultierenden Konsequenzen zu besprechen.

Ich kenne weder dich, noch deine erkrankte Ehefrau - aber zuviel Rücksicht kann auch zum Schaden der erkrankten Person führen !

6

Freitag, 5. Juli 2013, 19:12

Hallo Sandra,

nein, meine Frau ist nicht berufstätig. Sie sagt, sie kann nicht arbeiten gehen, von mir aus spreche ich dieses Thema nicht mehr an. Sie konzentriert sich den ganzen durchgeplanten Tag auf ihren Zwang und ihre Essstörungen und fällt nachts todmüde ins Bett. Da sie nicht arbeitet bekommt sie auch wenig Bestätigung, ich denke das fehlt ihr sehr.

Viele Grüße, Ehemann

  • »derausgelaugte« ist männlich

Beiträge: 4

Status: Angehörige/r

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7

Freitag, 5. Juli 2013, 19:21

Hallo,

ich bin auch Ehemann einer Betroffenen. Bei uns kommt erschwerend hinzu, das wir noch einen Sohn haben. Unser Sohn und ich sind häufig (zumindest in den Augen meiner Frau) die Auslöse. Häufig wegen Nichtigkeiten, kleine Dinge die nicht besprochen wurden oder plötzliche Situaltionen, die durch meine Frau nicht Planbar sind. Häufig müssen wir auch die Kleidung wechseln vorher ist keine Ruhe. Unser Sohn muss immer nach dem KIGA Duschen und darf danach nicht mehr raus.

Ich kann dich sehr gut verstehen und auch mir fällt es schwer Grenzen zu setzen. Im gegensatz zu Dir gebe ich aber so gut wie nie klein bei, was bei uns automatisch zu schweren Konflikten führt, die wir offen und lautstark austragen.

Ich kann Dir leider überhaupt keinen Tip geben, da ich selbst total ratlos vor den Trümmern einer anfangs scheinbar perfekten Beziehung stehe.

Schöne Grüße

Derausgelaugte

8

Freitag, 5. Juli 2013, 19:25

Hallo M. ("Angsthase"),

"zuviel Rücksicht kann auch zum Schaden der erkrankten Person führen!" - diese Einsicht ist mir seit einer Weile gedämmert und ich versuche gerade mehr und mehr Grenzen zu setzen. Es ist unheimlich schwer sie jetzt noch mehr leiden zu sehen (weil jetzt bin ich ja schon wieder derjenige, der das verursacht) aber ich bin überzeugt, dass es nur so besser werden kann.
Jetzt muss ich das Gelernte nur noch anwenden ...

Viele Grüße, Ehemann

9

Samstag, 6. Juli 2013, 22:23

Hallo Ehemann,

du müsstest dich mal mit meinem Noch-Ehemann austauschen. Der Arme hat viel wegen mir oder mit mir durchgemacht. Ich habe sein ganzes Leben zerstört :(
Es ging so weit, dass er selbst krank wurde (Depressionen) und letztendlich Ende Februar seine Sachen gepackt hat und gegangen ist. Er hat dadurch seinen Job verloren,viel durchgemacht und musste jetzt wieder von null anfangen.
Seit er weg ist, sterbe ich jeden Tag immer mehr...es vergeht nicht ein Tag, an dem ich nicht vor Verzweifelung weine. Mein Leben hat sich von heute auf morgen mit einem Schlag verändert und bedingt dadurch haben sich die Zwänge drastisch verstärkt. Ich musste raus aus der gemeinsamen Wohnung und zwangsläufig zu meinen Eltern ziehen, da ich nicht berufstätig bin. Das hat alles nur noch verschlimmert. Ich habe meine gewohnte Umgebung verloren und kann mich bzw.der Zwang kann sich nicht wohl fühlen und um so stärker wird er. Ein Drama...ich denke jeden Tag an Selbstmord da für mich das Leben nur noch eine Qual ist. Ich habe einen sehr liebenswerten Menschen verloren...ich bin Schuld daran, dass sein Leben verkorkst ist...dieser Scheiß Zwang wird mich noch mein Leben kosten. Alles Andere hat er mir schon genommen :(
Ich denke, dieser Schritt war für meinen Mann auch sehr sehr schwer zu gehen...er hat immer wieder versucht sich zu befreien aber durch eine Art "Schuldgefühl " wie du es schreibst oder Verantwortung mir gegenüber, ist er immer wieder zurück gekehrt.
Aber jetzt hat er den Absprung endgültig geschafft und ich glaube, dass es ihm jeden Tag besser geht und er wieder sein Leben genießen kann.
Von daher würde ich dir deinetwegen die Trennung raten aber wenn ich an deine Frau denke, die in meiner Situation ist, für sie wird es furchtbar hart werden.
Da brauchst du viel Durchhaltevermögen um nicht nochmal "rückfällig " zu werden.

Ich wünsche dir und besonders deiner Frau viel Kraft

Sommerwiese

Schüler

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Zwangssymptome: waschen,desinfizieren,dokumentieren,

Medikament / Dosis: Fluexetin, seit 1 Jahr endlich abgesetzt

Aktueller Therapie-Status: war schon mal in Therapie

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Beruf: zur Zeit erwerbsunfähig

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10

Samstag, 6. Juli 2013, 22:46

Liebe Selmi,

das tut mir sehr,sehr leid für Dich! Gerade in den letzten Tagen habe ich noch an Dich gedacht und vermisst, dass Du hier schreibst.
Ich wünsche Dir sehr, dass es Dir bald besser geht und Du wieder etwas Schönes in Deinem Leben findest, was nichts mit dem Zwang zu tun hat.
Bitte mach Dir nicht solche Vorwürfe wegen Deines Mannes! Du bzw. Deine Krankheit hat zwar seine Lebensqualität beeinträchtigt, aber es ist bestimmt nicht zutreffend, dass Du sein ganzes Leben zerstört hast und daran schuld bist, dass "sein Leben verkorkst ist". Erstens ist es das ja gar nicht, denn es gab ja vorher auch gute Phasen und die wird es auch wieder geben und zweitens gehören auch andere Faktoren dazu, dass jemand eine Depression entwickelt. Außerdem kannst Du nichts dafür, dass Du diese Krankheit hast.

Dass Dein Mann Dich verlassen hat, ist schon schlimm genug für Dich, bitte mach Dich nicht zusätzlich fertig, indem Du Dir die Schuld gibst. Es war seine Entscheidung, sowohl vorher zu bleiben, es mitzumachen, wie auch jetzt zu gehen.
Du schreibst ja selber auch: "ich glaube, dass es ihm jeden Tag besser geht und er wieder sein Leben genießen kann."

Nun geht es um Dich und dass es Dir demnächst wieder besser geht, denn Du hast ja nicht nur die Qualen des Zwangs erdulden müssen und musst sie weiterhin ertragen, sondern auch noch den Partner verloren und Deine gewohnte Umgebung.

Bitte hol Dir Hilfe, wenn es Dir noch schlechter geht und Du schon kaum noch leben magst!

Liebe Grüße
Sommerwiese

Spurensucher

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11

Sonntag, 7. Juli 2013, 13:50

Lieber Ehemann,

ich glaube, dass bei deiner Frau zwei schwerwiegende Dinge aufeinander treffen: Die Zwangserkrankung und die Essstörung!

Hinzu kommt, dass sie nicht berufstätig ist, also keine "Aufgabe" im eigetlichen Sinne hat - und sich somit den ganzen Tag um sich und ihre Zwänge "kümmern" kann. Ich bin der festen Überzeugung, dass deine Frau unbedngt professionelle Hilfe braucht. Mit dieser dann ist ein Neubeginn möglich. Schritt für Schritt.

Dieses Entgegensetzen, nicht zu "gehorchen" dem Frieden willen, das ist ein sehr nervenaufreibender Job. Das zerstört sehr viel in einem. Wenn du trotz allem - immer wieder mal zwischen diesen anstrengenden Situationen - Liebe empfindest, dann lohnt es sich zu kämpfen. Aber ebe nicht bis zur Selbstaufgabe.

Die räumliche Trennung wäre mit Sicherheit für dich eine gute Lösung, erst mal. Doch deine Frau wird es noch mehr in die Zwänge stürzen. Denn sie hat dann noch mehr Raum, den sich der Zwang holen kann, weil überhaupt gar kein Entgegensetzen mehr da ist.

Bei allem, was du tust - ich wünsche dir Glück!

Liebe Grüße

Petra
Nur wer loslässt, hat beide Hände frei

12

Sonntag, 7. Juli 2013, 15:10


Liebe Sommerwiese,



ich bekomme professionelle Hilfe aber es bringt nichts :(
Bin seit Jahren immer wieder in stationärer sowie ambulanter Behandlung, nichts hilft...
Weiß gar nicht wo ich noch ansetzen soll? Bekomme zur Zeit mein Leben nicht geregelt. Ich wünschte, es würde einfach aufhören...

Sommerwiese

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13

Sonntag, 7. Juli 2013, 15:30


Liebe Sommerwiese,



ich bekomme professionelle Hilfe aber es bringt nichts :(
Bin seit Jahren immer wieder in stationärer sowie ambulanter Behandlung, nichts hilft...
Weiß gar nicht wo ich noch ansetzen soll? Bekomme zur Zeit mein Leben nicht geregelt. Ich wünschte, es würde einfach aufhören...


Liebe Selmi,
das klingt aber schon sehr lebensmüde und ich kann das auch gut verstehen, vor allem jetzt, in Deiner Lage. Aber es muss ja nicht so bleiben. Im Moment ist alles ziemlich schlimm und wirkt sehr hoffnungslos, und ich vermute, dass Du einfach bisher noch nicht die richtige Art von Hilfe gefunden hast. Das ist oft ein Glücksfall und ich selber habe mit professioneller Hilfe auch schon schlechte Erfahrungen gemacht, früher allerdings auch gute, so dass ich es auch noch mal wagen will, mir eine geeignete Hilfe zu suchen.

Vor allem aber liegt es nicht an Dir, wenn die stationären und ambulanten Therapien nicht geholfen haben, lass Dir das bitte von niemandem einreden.Dann war es eben noch nicht die richtige und vieles liegt ja auch in der Person der Therapeuten und an der Chemie zwischen ihnen und Dir.

So sehr der Zwang auch wie ein Feind erscheint, er ist immer noch ein Versuch der Seele, einen Kompromiss zu finden und etwas Sicherheit, die sonst im Leben fehlt.

Ich klammere mich auch immer wieder besonders an meine Küchenpapierrollen und meine Sagrotanseifenspender, weil sie manchmal die einzigen Gegenstände sind,die dafür sorgen, dass kurze Zeit alles wieder gut ist. Wenn es mir allgemein besser geht, dann lässt der Gebrauch fast automatisch nach.

Liebe Grüße
und schön, dass Du Dich hier wieder meldest!

Sommerwiese :)

14

Sonntag, 7. Juli 2013, 16:07

Liebe Sommerwiese,

danke für deine aufmunternden Worte.

Habe ein Thread verfasst, da geht es um eine neue Therapiemethode.
Kannst es ja mal lesen...
Ich würde es gerne ausprobieren...alles Andere kenne ich schon und v.a. Dingen hat es mich nicht weitergebracht.

Selmi

15

Sonntag, 7. Juli 2013, 19:29

Zitat

Die räumliche Trennung wäre mit Sicherheit für dich eine gute Lösung, erst mal. Doch deine Frau wird es noch mehr in die Zwänge stürzen. Denn sie hat dann noch mehr Raum, den sich der Zwang holen kann, weil überhaupt gar kein Entgegensetzen mehr da ist.


Hallo,

warum muß es denn sogleich zu einer räumlichen Trennung kommen ? Und, sollte diese nur eine befristete Dauer haben ?

Ich denke, daß die Klärung der "persönlichen Grenzen" mit einem Mediator zunächst einmal ausreichend sein könnten. Eine Trennung bewirkt doch letztlich emotionale Schmerzen und führt nach Gewohnheit zumeist zu einer Dauerlösung, was jedoch vom Wortspiel her keine "Lösung" ist. Es gilt doch eigentlich die Losung, gemeinsam dieses schreckliche Daseinsproblem zu klären, damit dem "gesunden" Teil genügend Platz für seine eigene Entfaltung bleibt.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, daß die Rücksichtnahme auf diese Zwangsprobleme nur eine Verstärkung der Symptomatik nach einer zunächst vermeintlichen Beruhigung mit sich bringt.

Auch muß der Zwangskranke schon merken, daß das Ausleben seiner Zwänge gegenüber dem Partner möglicher Weise dauerhaft nicht ohne nachteilige Konsequenzen bleibt.

Trennung höchstens auf Zeit, wenn so arg ist, daß ein Klinikaufenthalt erforderlich ist.

Sandra

Schüler

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16

Sonntag, 7. Juli 2013, 19:47

Hallo Ehemann,

wenn deine Frau nicht mehr berufstätig ist, dann müssen Ihre Zwänge und die Essstörung wohl schon sehr ausgeprägt sein. Sie beschäftigt sich von früh bis spät damit. Ihr zwei steckt da schon sehr weit drin. Ist Sie denn bereit etwas zu ändern, ist der Wille da oder sieht Sie selbst keinen Ausweg mehr? Ja, du hast vollkommen recht, man muß als Angehöriger Grenzen setzen, auch wenn dies unter Umständen bedeutet das sich Ihre Zwänge ersteinmal noch verstärken können und du vorläufig erstmal alles bist bei Ihr nur nichts gutes, man erkennt dann die eigene Frau nicht wieder aber in diesen Momenten ist es nicht Sie die da spricht, sondern der jeweilige Zwang der auf keinen Fall will das sich irgendetwas für "ihn" zum negativen verändert. Ich hoffe was ich schreibe erscheint dir nicht zu verwirrend. Es ist meine Sicht der Dinge und wie ich es erlebt habe.

Liebe Grüße und viel Kraft, Sandra

17

Sonntag, 7. Juli 2013, 19:49

Ich denke, daß die Klärung der "persönlichen Grenzen" mit einem Mediator zunächst einmal ausreichend sein könnten.
Hallo Angsthase,

ich bin der Meinung, dass dies nichts bringen wird...wir hatten das damals auch versucht.
Anfangs tritt eine Besserung ein aber irgendwann macht man bzw. die Zwänge weiter wie gehabt oder sogar verstärkt. Da werden keine Grenzen mehr eingehalten...

Castrumnovum

unregistriert

18

Samstag, 12. Oktober 2013, 14:28

Hallo Ehemann,

du müsstest dich mal mit meinem Noch-Ehemann austauschen. Der Arme hat viel wegen mir oder mit mir durchgemacht. Ich habe sein ganzes Leben zerstört :(
Es ging so weit, dass er selbst krank wurde (Depressionen) und letztendlich Ende Februar seine Sachen gepackt hat und gegangen ist. Er hat dadurch seinen Job verloren,viel durchgemacht und musste jetzt wieder von null anfangen.
Seit er weg ist, sterbe ich jeden Tag immer mehr...es vergeht nicht ein Tag, an dem ich nicht vor Verzweifelung weine. Mein Leben hat sich von heute auf morgen mit einem Schlag verändert und bedingt dadurch haben sich die Zwänge drastisch verstärkt. Ich musste raus aus der gemeinsamen Wohnung und zwangsläufig zu meinen Eltern ziehen, da ich nicht berufstätig bin. Das hat alles nur noch verschlimmert. Ich habe meine gewohnte Umgebung verloren und kann mich bzw.der Zwang kann sich nicht wohl fühlen und um so stärker wird er. Ein Drama...ich denke jeden Tag an Selbstmord da für mich das Leben nur noch eine Qual ist. Ich habe einen sehr liebenswerten Menschen verloren...ich bin Schuld daran, dass sein Leben verkorkst ist...dieser Scheiß Zwang wird mich noch mein Leben kosten. Alles Andere hat er mir schon genommen :(
Ich denke, dieser Schritt war für meinen Mann auch sehr sehr schwer zu gehen...er hat immer wieder versucht sich zu befreien aber durch eine Art "Schuldgefühl " wie du es schreibst oder Verantwortung mir gegenüber, ist er immer wieder zurück gekehrt.
Aber jetzt hat er den Absprung endgültig geschafft und ich glaube, dass es ihm jeden Tag besser geht und er wieder sein Leben genießen kann.
Von daher würde ich dir deinetwegen die Trennung raten aber wenn ich an deine Frau denke, die in meiner Situation ist, für sie wird es furchtbar hart werden.
Da brauchst du viel Durchhaltevermögen um nicht nochmal "rückfällig " zu werden.
Du rätst zu einer Trennung. Aber wie ist das, wenn Kinder im Spiel sind wie bei uns? Rät man dann auch zu einer Trennung (von den Kindern). Denn die Kinder werden mit verlassen. Ich habe noch keinen Weg gefunden, aus diesem Teufelskreis auszuscheren. Ich habe wie Dein Noch-Ehemann vor einem Jahr die Koffer gepackt. Auch dies brachte nichts. Ich bin dann an den Wochenenden zurück und sah mich noch schlimmeren Zwängen ausgesetzt. Mich z.B. gegen die Zwangsrituale bei der Ankunft zu wehren, hätte dazu geführt, die Kinder nicht mehr zu sehen. Ich weiß hier, wovon ich rede, denn irgendwann bin auch am Wochenende fern geblieben, weil als ich mich gegen die Zwänge bei der Ankunft gewehrt habe, hat sie mich nicht reingelassen. Wenn man jetzt "nur" ein Paar ist, dann naja, dann soll sie doch ... auf Deutsch gesagt. Aber wenn man damit auch die Kinder straft? Die Zwänge sind do massiv, daß nicht mal Besuchsrechte "funktionieren" würden, weil ob ich nun ohne juristischen Titel oder mit "abgewiesen" werde - ändert ja nichts. Und gegen einen Zwangserkrankten mit dem Gerichtsvollzieher vorzugehen, um seine Kinder sehen zu können, macht diesem ja nur noch mehr Druck. Es ist ein Paradoxum: man soll Verständnis mit dem Erkrankten haben, aber sobald man sich "wehrt" ist man "schuld". Also Wehren wird als Angriff aufgefaßt. Reaktion als Aktion. Das ist die Quadratur des Kreises ...

girasol1991

unregistriert

19

Mittwoch, 16. Oktober 2013, 15:18

Hallo Castrumnovum,

du könntest einfach mal schauen, ob du dich an eine Beratungsstelle wendest und die einfach mal um Rat fragst.
Mich würde interessieren ob sie in Behandlung ist? Denn wenn die Zwänge so massiv sind, dann finde ich es so ne Sache ob es so gut ist, wenn die Kinder dort aufwachsen und vllt ihre Verhaltensweisen erlernen. Ich weiß, was es heißt ein zwangskrankes Elternteil zu haben (was nicht bedeutet, dass ich meine beiden Eltern nicht über alles liebe, aber bei uns hat sich das auch alles irgendwie geklärt und mein Elternteil war auch nie so krass zwangskrank, dass Trennung oder Ähnliches bei meinen Eltern im Raum stand, und dennoch habe ich meinen Schlag weg (wenn ich das mal so sagen darf)).

Letztendlich gibt es kein richtig und kein falsch, mit psychisch Kranken Menschen zu leben und zusammen zu sein ist immer schwierig und auch eine Drahtseilakt. Manchmal müssen die Angehörigen dann auch egoistisch sein und in dem Falle würde das bedeuten, schauen, dass die Kinder daraus kommen und dann langsam mit Hilfe von Therapie, etc. wieder anzunähern oder so.

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