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Sonntag, 25. August 2013, 10:47

Sohn mit Zwangsgedanken

Hallo,

bin neu hier und würde mich gerne anderen betroffenen Eltern austauschen.

Unser Sohn ist 16 und leidet seit ca. 2 Monaten unter massiven Zwangsgedanken und- handlungen. Wegen seiner Gedanken hat er Schuldgefühle und Bestrafungsängste.
Deshalb möchte er nichts mehr mit Freunden ausmachen, ist völlig isoliert, spricht kaum etwas und läuft den ganzen Tag nur auf und ab. Zeitweise konnte er auch nicht mehr in die Schule gehen.

Vor gut einem Jahr bekam er Essstörungen, die dank einer guten Behandlung wieder weitgehend verschwunden sind. Bereits im Grundschulalter war unser Sohn auffallend ernst und kontrolliert. Etwas später begannen bei ihm wohl verschiedene Zwangshandlungen, die er aber -bis auf zeitweiliges Türen kontrollieren vor dem Schlafen gehen- vor uns gut verbergen konnte. Aufgrund dessen war unser Sohn immer wieder in psychotherapeutischer Behandlung. Leider ohne Erfolg.

Zur Zeit befindet er sich in Verhaltenstherapie und soll ein Medikament bekommen, was wir nicht unbedingt möchten. Wir sind auch bzgl. der Therapie derzeit sehr kritisch eingestellt, da die letzte über Jahre einfach nichts gebracht hat.
Allerdings ist es für uns Eltern aber auch schwer mit anzusehen, wie das eigene Kind leidet. Aber bringt denn ein Medikament wirklich was? Uns was passiert, wenn es wieder abgesetzt wird?

Vielleicht hat ja jemand ein ähnliches Problem und bereits gute/schlechte Erfahrungen gemacht.

2

Dienstag, 8. Oktober 2013, 18:44

Hallo Walker,
ich habe deinen Beitrag schon mehrfach gelesen und habe mich gewundert, dass bisher keiner etwas dazu geschrieben hat.
Viele Symptome deines Sohnes erinnern mich an das, was meine Tochter phasenweise "praktiziert" hat.
Medikamente ja oder nein ... Irgendwann war ich an dem Punkt, da hätte ich gewollt, dass meine Tochter Medikamente nimmt. Da war sie allerdings schon volljährig und sie wollte es defintiv nicht, was ich akzeptiert habe.
Was will euer Sohn denn?
Meine Tochter ist inzwischen nach einer "Therapiepause" bei einer neuen Therapeutin. Das scheint ihr ganz gut zu tun.
Inzwischen ist sie auch ausgezogen und ich versuche, mich mehr und mehr aus ihrem Leben herauszuhalten. Seitdem geht es mir und ihr tatsächlich besser. Nun, das kommt bei euch natürlich noch nicht in Frage, da euer Sohn ja erst 16 ist.
Mich macht es immer noch sehr betroffen, wenn ich von euren Fällen wie dem eurigen lese, denn man fühlt sich sooooo unglaublich hilflos.
Wenn du magst, kannst du ja etwas zu eurer aktuellen Situation schreiben.
Liebe Grüße
Franka

Castrumnovum

unregistriert

3

Samstag, 12. Oktober 2013, 14:04

Hallo,

da ich mit wesentlich ernsthafteren Problemen zu kämpfen habe, soll heißen, wirklich extreme Zwänge beim Partner sehe, muß ich mich doch fragen, ob Euer Sohn nur deswegen leidet, weil er selbst meint, das was nicht stimmt oder "fördert" Ihr das, indem Ihr oft "schimpft" oder versucht, ihm da ein schlechtes Gewissen zu machen? Keineswegs soll dies Kritik sein, im Gegenteil, ich möchte nur heraus finden, ob Euer Sohn aus sich selbst heraus leidet. Weil falls nicht, dann kann man ihm doch auch ein paar der Zwänge lassen. Viele Menschen haben Zwänge, die es nicht in ein solches Forum schaffen würden, weil man sich arrangiert mit dem kleinen Zwang. Ich meine, kontrolliert nicht jeder abends mal, ob auch alle Türen zu sind? Um das besser zu verstehen: was sind denn aus seiner Sicht seine schlimmsten Zwänge? Und aus Eurer? Sieht der Therapeut das denn eher als ernst oder "geht noch"? Solange Ihr als Eltern nicht unter dem Sohn leidet, solltet Ihr ihm klar machen, daß er absolut akzeptiert ist von Euch. Sollte er da schon mal den Druck genommen bekommen, ist das ein guter Anfang. Sich angenommen fühlen ist schon mal viel Wert. Dazu gehört auch, weniger Mitleid zur Schau zu stellen, weil auch Mitleid oder bemitleiden gibt ihm Druck. Ich hoffe, daß ich jetzt nicht falsch rüber gekommen bin.

4

Dienstag, 19. November 2013, 17:35

hallo walker,
ich war lange nicht mehr hier unterwegs; bin mutter einer zwangskranken tochter(fast 18) und brauchte wohl einfach mal ne "zwangspause".
einerseits finde ich wichtig und richtig, was castrumnovum sagt: entscheidend ist, wie euer sohn selbst unter seinen zwangsgedanken leidet.
andererseits braucht man das wohl kaum noch zu fragen, denn: was ist schlimmer, leidvoller für einen jugendlichen als aufgrund der zwangsgedanken oder auch -handlungen nicht mehr am "normalen" leben mit gleichaltrigen teilhaben zu können?
auch meine tochter, die sowohl unter zwangsgedanken als auch unter zwangshandlungen leidet, war dies wohl das schlimmste.
in diesem alter ist der kontakt zur "peer-group", das miteinander-leben-lernen, das ausprobieren und erfahrungen-machen das entscheidende. wer nicht dabei ist, verpaßt was. und zwar nicht "nur" den fun, die freundschaften, die erste liebe, sondern tatsächlich die wesentlichen entwicklungsschritte in die selbständigkeit.
meine tochter erkrankte mit 14; heute, nach 2 klinikaufenthalten und mit fortdauernder medikamentöser und therapeutischer behandlung, müht sie sich, den abstand aufzuholen, der durch die krankheit zwischen ihr und ihren gleichaltrigen freunden entstanden ist.
das bringt mich auf deine nächste frage: nach medikamenten und therapie.
ich kann nur aus unserer erfahrung sprechen: OHNE beides wäre meine tochter mit sicherheit heute nicht da, wo sie ist:
sie geht wieder zur schule, trifft sich mit freunden, engagiert sich bei greenpeace, spielt theater...
natürlich waren wir anfangs auch sehr skeptisch, was medikamente anbetraf. und den richtigen therapeuten zu finden(und dann dort auch zeitnah einen behandlungsplatz zu bekommen) ist eine herausforderung, keine frage.
nach langer recherche und vielen gesprächen wurde uns aber auch klar: ohne behandlung, und zwar auf beiden ebenen, ist diese krankheit meist nicht in den griff zu kriegen.
verhaltenstherapie ist mit sicherheit der richtige ansatz; nur, wie schon gesagt, die chemie muß stimmen zwischen patient und therapeut und der betroffene muß auch wirklich mitarbeiten WOLLEN. sprich, er muß soviel leidensdruck haben, daß er die notwendigkeit spürt, aktiv an sich zu arbeiten.
medikamentöse unterstützung hat sich, bei uns zumindest, als wirkungsvoll erwiesen; da allerdings ist es unabdingbar, einen guten kinder-und jugendpsychiater zu haben, der seriös aufklärt und willens und in der lage ist, unter umständen viel zeit und geduld zu investieren, um das richtige medikament (oder, wie bei uns) die richtige medikamenten-kombination herauszufinden.
meine tochter hatte das glück, in diesem sinne betreut zu werden; außerdem hat sie das glück, kaum nebenwirkungen zu spüren; häufig ja der "vorab-horror" jedes betroffenen und auch aller eltern.
soviel von mir; wäre schön, wenn du mal wieder berichten würdest!
liebe grüße, katja

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