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Montag, 4. November 2013, 19:22

Angehörige: Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Hallo,

ich bin es mal wieder. Leider ist meine Situation unverändert schlecht - ich finde sogar es ist noch schlechter geworden als vor ein paar Monaten.

Nach dem Studium diverser Informationsquellen habe ich den Eindruck gewonnen, dass meine Frau nicht primär unter Zwangsgedanken bzw. Zwangshandlungen leidet sondern evtl. eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung hat:

* Ihr Tagesablauf ist immer gleich und wehe es kommt etwas Unvorhergesehenes dazwischen. Da verliert sie völlig die Kontrolle, gerät in Panik, schreit, heult und bekommt überhaupt nichts mehr auf die Reihe. Ich werde dann unflätig beschimpft, dass ich überhaupt keine Hilfe bin. Erst wenn wieder ein detaillierter Ablaufplan in ihrem Kopf vorhanden ist kann sie sich beruhigen. Spontane Aktivitäten sind sowieso völlig undenkbar.
* Beim Essen ist sie auch sehr speziell. Zuhause Essen geht nicht, sie geht in eine Mensa. Es gibt jeden Tag das Gleiche, es geht immer nach einem bestimmten Ritual und es dauert Stunden. Zur Ablenkung werden Dokusoaps auf dem DVD-Player geschaut. Gemeinsam Essen ist nicht möglich.
* Sie hat einen extremen Sauberkeitsfimmel. In die gemeinsame Wohnung darf nur sie und ich. Falls ein Handwerker rein muss ist es der Super-GAU. Ich muss abends vor dem Betreten im Geschäft duschen und mich an der Tür umziehen. Ich darf auch erst rein wenn sie da ist. Im Moment nicht vor 22 Uhr. Das macht mich fertig. Raus kann ich erst wieder am nächsten Morgen. Das Auto ist somit auch ein "Reinraum" und wird wie die Wohnung behandelt. Ich kann somit nirgendwo hinfahren und darf auch niemanden mitnehmen.
* Am Wochenende sind wir in einer anderen Wohnung. Dort sind die Regeln nicht ganz so streng - dafür wird andauernd gesaugt und geputzt, besonders vor dem Essen. Beim Essen selbst darf ich nicht anwesend sein, ich würde zu sehr stören.
* Irgendwie kann sie keine Stille ertragen, der Fernseher muss immer laufen.
* Gespräche mit ihr fallen mir immer schwerer. Es macht einfach keinen Spaß: Sie legt alles auf die Goldwaage, dreht mir die Wörter im Mund herum, nagelt mich fest. Meistens reden wir nicht mehr über den Inhalt sondern sie belehrt mich, wie ich zu reden hätte.
* Zärtlichkeiten gibt es keine. Manchmal hat sie den Wunsch beschützt zu werden wie ein kleines Kind.

Ich bin total in dieses SYSTEM verstrickt und würde am liebsten die Flucht antreten. Ich komme da aber einfach nicht raus. Es ist ein Teufelskreis aus Ohnmacht, Hilflosigkeit, Schuldgefühlen (sie wirft mir vor ich wäre an allem Schuld und ich Idiot glaube es) und Zorn.

Hat jemand Erfahrung mit solchen Situationen und möchte mir Tipps geben?

Ehemann

Yezrel

Fortgeschrittener

  • »Yezrel« ist weiblich

Beiträge: 219

Zwangssymptome: Zwangh. Persönlichkeit, Zwangh. Langsamkeit, Kontroll-/Zählzwang

Medikament / Dosis: keine

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

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Donnerstag, 14. November 2013, 05:55

Hallo Ehemann

Ich habe eine zwanghafte Persönlichkeit, ebenso meine Mutter. Dabei sind die Emotionen durch die zwanghafte Persönlichkeit sehr gebunden, d. h. ich kann nicht richtig wütend werden. Auch das Weinen ist nicht typisch für eine zwanghafte Persönlichkeit, da die Gefühle bei diesem Persönlichkeitstyp eher verschüttet sind und Gefühle nicht gut ausgedrückt werden können, solche Persönlichkeiten also eher trocken und nüchtern rüberkommen mit wenig Mimik. Auch das stundenlange Putzen und Wiederholen entspricht nicht einer zwanghaften Persönlichkeit, die nur durch die penible Herangehensweise auffällt, aber dies nicht stundenlang wiederholen muss. Was Du beschreibst, passt eindeutig zu einer Zwangsstörung. Deshalb würde ich sie unbedingt zu einer Therapie überreden. Sie braucht Hilfe.

Lieben Gruß
Yezrel
Lieben Gruß
Yezrel