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Montag, 30. Dezember 2013, 10:29

Familientherapie/Eheberatung

Hallo allerseits,


die Beziehung zu meinem Partner leidet immer wieder durch die Vorkommnisse mit meiner zwangserkrankten, inzwischen erwachsenen Tochter.
Ich bin sehr dünnhäutig, gehe schnell an die Decke. Wir geraten schnell in Streit, weil UNSERE Nerven blank liegen.
Ich überlege nun, ob wir uns von einem Fachmann beraten lassen sollten. Mein Mann lehnt das ab. Das sei überflüssig, unnötig ...
Wenn man diesen Schritt machen würde, sei das eh der Anfang vom Ende der Beziehung. Na ja!
Er hat auch kein Interesse daran, mich zu irgendwelchen Selbsthilfegruppen/-seminaren für Angehörige zu begleiten.
Ich bin mir unsicher, ob ich das einfach akzeptieren bzw. tolerieren soll, oder nicht.

Meine Frage ist aber die: Wie habt ihr die schwierigen Phasen mit eurem Ehepartner gemeistert?


Vielen Dank und viele Grüße


Franka


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Montag, 30. Dezember 2013, 12:33

liebe franka,
ich kenne das problem nur zu gut. mein freund und ich haben bis zum sommer im gleichen haus, aber in getrennten wohnungen gelebt. im august sind wir in meine wohnung zusammengezogen. meine tochter kam zur gleichen zeit aus der klinik nachhause. nach 4 wochen wollte mein freund bereits wieder ausziehen. er hatte zwar all die schwierigkeiten durch die krankheit meiner tochter von anfang an mitbekommen(wir sind seit 10 jahren zusammen), aber erst "unter einem dach" stellte er fest, welche belastung soetwas darstellt, wenn man es täglich "an der backe" hat. wir hatten eine sehr schmerzhafte zeit, viele auseinandersetzungen, viele gespräche über unser verhalten meiner tochter gegenüber aber auch einander gegenüber.
wir sind, grob gesagt, zu vier erkenntnissen gelangt: wir wollen aneinander festhalten; unsere gemeinsame zeit bis dato ist uns so wichtig, daß wir darum kämpfen wollen, daß sie gemeisam weitergeht.
wir wollen aufmerksamer sein, was die gefühlslage des jeweils anderen angeht und früher darüber sprechen, wenn etwas im argen liegt.
wir wollen toleranter sein, was die zwänge meiner tochter angeht, über mehr hinwegsehen; nicht, weil das für sie angenehmer, sondern weil das FÜR UNS wichtig ist. wenn man gelassener ist, sich weniger provozieren und aufregen läßt, mehr sein eigenes ding macht, kann man wieder besser durchatmen. UND es dient durchaus auch dem kranken, der feststellt, daß er nicht mehr alles dominieren kann und eigenverantwortlicher werden muß.
zuletzt wollen wir einander rückzugsräume zubilligen; wir haben z.b. einen kleingarten mit bewohnbarem gartenhaus, wohin man mal "flüchten" kann, wenn man mal ne auszeit braucht; wir treffen uns getrennt mit freund/innen, ich mache yoga, er macht sport ect.
ich hab festgestellt, daß es enorm wichtig ist, in der situation mit einem kranken angehörigen(und ich hab da ja leider zwei davon; ich hab ja auch noch eine demente mutter) dafür zu sorgen, daß man sich (und das gilt ebenso für den partner) nicht irgendwann nur noch über dessen krankheit und bedürfnisse definiert. das macht frustriert und unglücklich und führt zwangsläufig zu reibereien, da sich jeder beteiligte fragt, wo zum teufel denn noch ER/SIE mit seinen/ihren wünschen, ansprüchen und lebensvorstellungen bleibt.
seit unserer krise sind nun 4 monate vergangen; bislang, toitoitoi, funktioniert alles gut.
schreib doch, wenn du gerade den nerv dazu hast, mal wieder etwas zur befindlichkeit deiner tochter; wie geht es ihr aktuell?
einstweilen liebe grüße und alles gute für euch,
katja

girasol1991

unregistriert

3

Donnerstag, 2. Januar 2014, 18:47

hallo,
nun ich bin nicht in dieser situation - in keinster weise...aber: ich glaube sowas kann einem gut tun. ich denke nicht, dass eine eheberatung oder so der Anfang vom Ende ist. vielmehr ist es eine stärke und die einsicht, dass man hilfe braucht. was ist daran falsch? alle von uns hier, die krank sind und in therapie gehen, was ja eine art beratung und vor allem hilfe ist, stehen nicht am anfang vom ende...viel mehr am anfang von etwas neuem. hilfe anzunehmen ist eine stärke und ich finde es richtig gut, wenn man zur eheberatung oder vergleichbarem geht, denn das zeigt, dass einem die sache wichtig ist, dass man die beziehung retten möchte!!!!

weiß nicht, wie du deinen partner davon überzeugen kannst, aber ich finde es auf jeden fall richtig gut und stark von dir!!!! :dafuer: :dafuer: :dafuer:

4

Donnerstag, 2. Januar 2014, 20:23

Dank an alle, die mir geantwortet haben.
@ katja:
Der aktuelle Stand:
Meine Tochter hat ihre Ausbildung abgebrochen bzw. ihr wurde die Ausbildungsstelle gekündigt.
Ich war über die Feiertage deswegen sehr geknickt und sah alles nur noch schwarz. Langsam berappel ich mich wieder. Oder besser gesagt: Meine Verdrängungsmechanismen funktionieren wieder besser.
Ich habe mir für das neue Jahr vorgenommen, mehr darauf zu achten, dass es MIR gut geht, und mich mehr von meiner Tochter und ihrem Schicksal abzulösen.
Ich möchte nun auch selber eine Therapie beginnen, die mir dabei helfen soll. Trotz alledem bleibt da ein Gefühl von unendlicher Traurigkeit. Zum einen darüber, dass der Zwang uns daran gehindert hat, die Kindheit und Jugend meiner Tochter unbeschwert zu erleben, zum anderen darüber, dass in Zukunft nie "alles gut sein wird".
Das klingt vermutlich kitschig und naiv, doch so empfinde ich es.
Liebe Grüße
Franka

5

Dienstag, 7. Januar 2014, 15:25

liebe franka,
ich kann dich so gut verstehen! das verlustgefühl und die soz. vorauseilende trauer kenne ich genauso.
aber ich sage mir jetzt öfter: in der kindheit und beginnenden jugend meiner tochter gab es auch viel schönes, was wir miteinander geteilt haben. und was die zukunft angeht versuche ich (trotz mancher emotionaler rückschläge), nicht allzu schwarz zu sehen.
meiner tochter ihr leben, ihren weg, so windungsreich er auch sein mag, zuzutrauen. sicher wird vieles anders, auch beschwerlicher laufen, als wir uns das vielleicht mal vorgestellt hatten. aber es ist eben IHR weg, IHR leben. ich kann sie nur begleiten, sie, soweit es mir möglich ist, unterstützen dabei, sich zu finden, zu verwirklichen. entscheiden und gehen muß sie allein.
die idee mit der therapie für dich finde ich wichtig und gut. ich bin auch in therapie und mir tut das außerordentlich gut!
liebe grüße und weiterhin viel kraft,
katja

girasol1991

unregistriert

6

Dienstag, 7. Januar 2014, 20:01

eine therapie für dich finde ich sehr gut!

bei allem andere kann ich matera auch nur zustimmen. ich bin mit 14 erkrankt und habe meine ganze jugend irgendwie dadurch verpasst, aber die krankheit hat auch positives. es gibt immer zwei seiten und ich habe seit meinem kompletten zusammenbruch vor inzwischen drei jahren so viel gelernt durch die krankheit. es ist mein leben, auch wenn es schwer ist und ich häufig genug zu kämpfen habe und vllt mein leben lang den zwang haben werde. für eltern ist es glaube ich sehr schwer, wenn die eigenen kinder erkranken...aber wichtig ist immer, dass man sich trotzdem auch um sich selbst sorgt, nur so kann mana uch imemr für das kind da sein.
ich kann dir nur sagen, schau positiv in die zukunft, eine krankheit schränkt ein, aber man kann auch daran wachsen, reifen und neues erlernen und das ist ebenfalls viel wert. es kommt immer auf die sichtweise drauf an ;-)

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