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Montag, 4. April 2016, 12:39

Zwangsritual vor dem Einschlafen

Hallo zusammen!

Ich suche nach jemandem, der ein ähnliches Zwangsphänom hat und mir einen Tipp geben kann, wie ich meinem Zwang die Stirn bieten kann ...
Bei mir wird der Zwang immer nur vor dem Einschlafen aktiv, in dem er mich immer wieder zur Toilette schickt und zwar nicht ein oder zwei Mal sondern 20 Mal. Jedes Mal denke ich, jetzt reichts noch einmal und dann ist Schluss aber sobald ich wieder im Bett liege, kriecht der Zwang zurück in meinen Kopf, verunsichert mich, so dass ich letztendlich wieder zur Toilette renne. Ich bin total verzweifelt, weil ich durch diese Prozedur, zum Teil bis zwei Uhr nachts wachliege und nicht einschlafen kann. Ich denke immer, dass wenn ich dem Zwang noch einmal nachgebe, er mich danach einschlafen lässt aber jedesmal ist es nicht so und je öfter ich auf Toilette gehe, umso verunsicherter bin ich.
Tagsüber habe ich keine Zwänge wobei dieser nächtliche Zwang Einfluss auf den kompletten Tag hat, weil ich dadurch total gerädert bin. Das ganze fing bei mir zeitgleich mit massiven Einschlafstörungen an.
Ich hoffe sehr, hier einen Leidensgenossen zu finden und Tipps zu bekommen. Ich will mich nicht mein ganzes Leben von meinem Zwang terrorisieren lassen.

Viele Grüße

bb

Anfänger

  • »bb« ist männlich

Beiträge: 18

Zwangssymptome: Wiederholungszwänge, Kontrollzwänge, Zwangsgedanken (magisches Denken), leichter Ordnungszwang und Waschzwang, Vermeidungsverhalten

Medikament / Dosis: Keine

Aktueller Therapie-Status: Ambulante Therapie

Status: Betroffene/r

Wohnort: bei Rostock :)

Beruf: z.Zt. erwerbsunfähig

Hobbys: Internet, Natur, Musik, Filme und Serien, Games, ...

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Dienstag, 5. April 2016, 04:51

Hilfe

Hallo Evauf,

ich habe zwar nicht genau das gleiche Ritual wie du, aber Zwänge vor dem Einsschlafen kenne ich auch, bzw. vor dem zu Bett gehen. Bei mir ist es so, dass ich mich immer "richtig" hinsetzen muss und nicht "falsch" liegen darf, wenn ich im Bett liege. Das ist nicht so leicht zu beschreiben, aber definitiv zwanghaftes Verhalten. Ich habe dieses Verhalten allerdings auch manchmal tagsüber, sprich überall wo ich mich hinsetzen oder hinlegen muss.

Nun zu dir: Den "Toiletten-Zwang", so nenne ich ihn jetzt einfach mal, habe ich schonmal irgendwo gelesen, damit bist du nicht alleine. Welche Gedanken dabei eine Rolle spielen, kann ich zwar nicht genau sagen, aber bei einigen ist es entweder die Hygiene, oder das Gefühl, sie müssten nochmal auf Toilette, usw. Du wirst sicherlich auch deine Befürchtungen haben, sonst wäre der Zwang ja nicht da. Diese Tortour, wie du sie jeden Abend durchziehen musst, hört sich für mich sehr qualvoll an und ist bestimmt auch mit einem hohen Leidensdruck verbunden.

Bist du schon in Therapie? Wie bei allen Zwängen, hilft auch hier meistens eine Verhaltenstherapie. Du setzt dich also bewusst der angstauslösenden Siutation aus und versuchst diese auszuhalten, solange bis die Anspannung wieder von selbst runter geht. Das ist die beste und erfolgsversprechendste Methode, die es gibt. Natürlich kann man das noch mit Medikamenten kombinieren, die dienen aber nur der Unterstützung und wirken ggf. Extremsituationen entgegen oder können starke Zwangsgedanken und Grübeleien lindern.

Was kann ich dir also raten?
Du solltest dir eine Nacht aussuchen, wo du es dir leisten kannst, evtl. weniger oder gar nicht geschlafen zu haben. Du schreibst dir auf, wie du vorgehen willst. Also zum Beispiel ins Bett gehen und danach nicht nochmal auf die Toilette. Oder halt bevor du zu Bett gehst, nur einmal auf die Toilette zu gehen, und dann ungeachtet aller Ängste und Anspannung, die du verspüren wirst, dich direkt in dein Bett legst und dort auch liegen bleibst. Das wäre zumindest mein Vorschlag. Aber aufschreiben ist immer besser, um das nochmal zu verinnerlichen. Sollte die Anspannung erst einsetzen, wenn du im Bett liegst, ist es auch nicht anders. Du bleibst liegen und hälst das aus, bis die Anspannung von selbst runter geht und du vielleicht sogar einschlafen kannst. Wichtig ist auch, dass du nicht krampfhaft versuchst, einzuschlafen, um der Anspannung zu entfliehen. Du kannst deine Gedanken beobachten und was du fühlst, wovor du Angst hast, etc. und diese bewusst wahrnehmen. Dadurch, dass du dich bewusst der Situation aussetzt, vor der du Angst hast, werden auch deine Gedanken stärker und bedrohlicher wirken. Versuche diese trotzdem zuzulassen und nicht zu vedrängen. Ziel ist es, die Situation auszuhalten und zu merken, dass nichts passiert ist, von dem, was man befürchtet hatte. Dann gibt es auch keinen Grund mehr für die Angst, da zu sein und sie verschwindet automatisch oder reduziert sich zumindest auf ein erträgliches Maß. Alles andere sind dann nur noch Zwangsgedanken oder Impulse, denen man eigentlich ganz gut widerstehen kann, wenn man ihnen keine weitere Bedeutung zumisst und sie als solche erkennt.

Gelingt dir das und du kannst wieder ohne große Angst und Anspannung im Bett liegen und ausreichend Distanz zu deinen Gedanken aufbauen, dann hast du den Zwang erfolgreich überwunden und kannst dich als "geheilt" betrachten.

Ich weiß allerdings nicht, inwieweit deine Einschlafstörungen damit zusammenhängen, weil du ja sagtest, dass diese schon davor oder zeitgleich aufgetreten sind. Es liegt natürlich nahe, dass man durch die große Angst und Anspannung nicht oder nur sehr schlecht einsschlafen kann, es könnte aber auch sein, dass die Zwänge hier ihre Funktion haben und ein anderes Problem dem zugrunde liegt. Das kann ich aber nicht beurteilen, am besten du fragst da mal deinen Hausarzt oder so. Und eventuell schauen, ob du auch immernoch schlecht einsschlafen kannst, selbst wenn die Anspannung von den Zwängen runter gegangen ist. Eine Freundin zum Beispiel hat immer sehr starke Nackenschmerzen, wenn sie liegt und kann deshalb auch schlecht einsschlafen.

Du kannst auch versuchen, dir irgendwie Fachliteratur zu dem Thema zu holen und ggf. auch einen Therapeuten in deiner Stadt aufsuchen. Adressen bekommt man z.B durch Hausarzt, therapie.de oder über die Deutsche Gesellschaft Zwangserkrankungen (DGZ) - Telefon: 040 / 689 13 700 montags bis freitags von 10.00 bis 12.00 Uhr.

Deine Einstellung, dich nicht dein ganzes Leben lang von deinem Zwang terrorisieren zu lassen, ist auf jeden Fall die Richtige und der erste Schritt zur Veränderung in ein zwangsfreies Leben!

Dabei wünsche ich dir viel Erfolg :thumbsup:
Der Weg aus der Angst führt durch die Angst.

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Freitag, 8. April 2016, 09:52

Hallo BB,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort!! Ich habe sie mir zu Herzen genommen und versuche jetzt jeden Abend dem Zwang die Stirn zu bieten. Es hat schon zwei Nächte gut geklappt, gestern nicht so aber ich werde dran bleiben. Ich war tatsächlich schon bei einer Therapie, die mir aber leider nichts gebracht hat. Meine Empfehlung ist hier unbedingt einen Therapeuten zu wählen, der auf Zwänge spezialisiert ist. Meine Therapeutin war das nicht und mehr als, sie dürfen dem Zwang nicht nachgeben, kam nicht dabei rum. Ich wünsche Dir alles, alles Gute und bedanke mich sehr für deine einfühlsame und liebe Antwort.

Viele Grüße
Evauf